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STD 03 - Hinter des Maske (2)

von Adriana

Kapitel 7 - Im Ungewissen

Gehen Sie zurück nach DEEP SPACE NINE, Benjamin! Sie gehören nicht hier her...
Captain Benjamin Sisko seufzte leise. Admiral Laytons Worte klangen immer noch in seinen Oh-ren. Damit, dass er bei seinem Chef in Ungnade gefallen war, konnte er leben. Er hatte Layton die Meinung gesagt und dieses Echo erwartet. Auch auf seinen Posten als Sicherheitschef der Erde verzichtete er gern. Er hatte diesen Job im Grunde nie gemocht und bereits am ersten Tag seine Freunde auf DEEP SPACE NINE vermisst.
Dennoch war er sich der Bedeutung seiner Pflicht sehr wohl bewusst gewesen. Layton hatte ihn angefordert, weil er angeblich jemanden an seiner Seite wissen wollte, der wusste, wie man Wechselbälger bekämpft. Wie hätte Sisko ahnen sollen, dass er statt dessen gegen einen machtgierigen Sternenflotten-Admiral kämpfen musste?
Die Straßen von San Francisco waren dunkel und leer. Vor zwei Stunden hatte die Ausgangs-sperre begonnen. Natürlich lief Sisko als Sternenflottenoffizier nicht Gefahr, von der Sicherheit aufgriffen und irgendwo eingesperrt zu werden. Die Zivilisten dagegen hatte man zu Menschen zweiter Klasse degradiert, indem man ihnen das Recht genommen hatte, sich frei zu bewegen. Das war einfach nicht richtig ...
Layton mochte ehrenwerte Absichten haben – doch er durfte auf keinen Fall die zivile Regie-rung stürzen! Die Föderation konnte sich sonst in einer Weise verändern, wie es vorher undenk-bar gewesen wäre. Und es würde keine Veränderung zum Positiven sein.
War es möglich, dass ein Sternenflottenoffizier nach einigen Jahren Militärdiktatur ebenso will-kürlich und repressiv herrschte wie ein romulanischer Kaiser, ein cardassianischer Legat oder ein Vorta? Würde es dann überhaupt noch einen Unterschied machen, ob Layton die Macht auf der Erde übernahm oder ob eine Invasionsstreitmacht des Dominion das Paradies zerstörte? Sisko war fest entschlossen, sowohl die eine als auch die andere unerfreuliche Alternative zu verhin-dern. Sein Paradies mochte in Aufruhr geraten sein, doch er würde verbissen darum kämpfen, es zu retten.
Nur leider hatte Admiral Layton in einem Punkt recht: Sisko gehörte nicht hier her. Auf DEEP SPACE NINE hätte er seine Offiziere um sich gehabt, seine Freunde, die ihm vertrauten, ihn res-pektierten und ihn unterstützten. Doch hier war ein allein mit seinen Zweifeln, ein Außenseiter inmitten seiner eigenen Leute. Der einzige, dem er trauen konnte, war Odo. Sisko grinste freud-los, als er sich der Ironie dieser Lage bewusst wurde. Ausgerechnet ein Wechselbalg stand auf seiner Seite, während ihn die gesamte Sternenflotte scheinbar als Renegaten sah.
Plötzlich hellte sich seine Miene auf. Nein – die gesamte Sternenflotte hatte sich nicht gegen ihn gewandt. Er erinnerte sich an jenen nervenaufreibenden Moment, als Captain Lairis Layton wegen der Ausgangssperre zur Rede gestellt hatte. In diesem Augenblick hatte Layton sein wah-res Gesicht gezeigt und Sisko war aufgewacht. Es gab also noch eine Person, die die selbe Uni-form trug wie er und seine Ansichten teilte ... und diese Person war jetzt ausgerechnet auf dem Weg in Richtung Cardassianische Grenze. Sisko wusste von dieser Versetzung, hatte jedoch angenommen, dass die Instandsetzung der CASABLANCA wesentlich länger dauern würde.
Kurz entschlossen beamte er nach New Orleans, wo sein Vater wohnte, und baute mit der Com-Anlage im Gästezimmer eine Subraum-Verbindung zum Kapitäns-Quartier der CASABLANCA auf. Die Frequenz wusste er von Kira.
Doch nicht das Gesicht von Lairis erschien auf dem Monitor, sondern das eines blonden, gelb uniformierten menschlichen Mannes um die Dreißig.
Sisko war verwirrt. „Ich hatte erwartet, Ihren Captain zu sprechen, Lieutenant …“
„Marc van de Kamp.“
Als der verblüffte Ausdruck auf Siskos Gesicht einem kleinen, hintergründigen Lächeln wich, grinste auch der junge Ingenieur. Offenbar dachte Sisko, Marc sei Captain Lairis’ neuer Liebha-ber und wartete nur darauf, dass Lairis halb nackt aus dem Badezimmer kommen würde.
„Mein Captain ist nicht zu erreichen, sie wurde gerade operiert“, erklärte er. „Einige der … Ver-letzungen, die ihr die Wechselbälger in Gefangenschaft zugefügt haben, sind wohl schlecht ver-heilt und bei Warp scheint ihr Körper verrückt zu spielen. Sie muss sich ziemlich gequält haben, meint unsere Nummer Eins. Ich hoffe nur, die Operation hilft ihr.“
„Dann wünsche ich ihr natürlich gute Besserung“, erwiderte Sisko betroffen. „Die Sternenflotte braucht dringend Frauen und Männer wie sie. Besonders in diesen Zeiten.“
„Sie meinen, seit uns das Dominion mit Krieg droht oder seit sich Admiral Layton zum Impera-tor aufschwingen will?“ fragte Marc ungeniert.
„Lieutenant!“ Sisko schnitt eine Grimasse, als hätte er aus Versehen auf einen Kieselstein ge-bissen.
„Keine Sorge, ich hab eine spezielle Firewall auf der Com-Anlage meines Captains installiert. Das Ding ist abhörsicher“, beruhigte ihn van de Kamp. „Kurz, bevor sie in Narkose versetzt wur-de, hat mir Captain Lairis das Passwort für ihre Com-Anlage gegeben. Sie wartet auf eine Nach-richt von Major Kira, die wohl sehr wichtig ist. Verschlüsselt in einer alten Chiffre der bajorani-schen Untergrundarmee, also strenge Geheimsache. Ich soll sie runterladen und dann gleich vom Server löschen.“
Sisko horchte auf. „Ich kann mir schon denken, wobei es bei dieser ‚Geheimsache’ geht. Krie-gen wir den Code geknackt?“
Marc schmunzelte. „Das würde garantiert länger dauern, als Lairis auf der Krankenstation liegt. Sie sagte, sie hätte ein Vierteljahr gebraucht, um diesen Code überhaupt richtig zu lernen. Im-merhin musste er cardassianer-sicher sein.“
„Lieutenant, kennen sie eine Kadetten-Elitetruppe namens Red-Squad?“ fragte Sisko.
„Hab schon davon gehört.“
„Ein Red-Squad-Kadett namens Riley Shepard hat offen zugegeben, dass die ‘Red Squad’ für die Sabotage der Energieversorgung verantwortlich sind.“
„Das hat er zugegeben? Der ist ja wohl lebensmüde“, wunderte sich van de Kamp.
„Er nahm wohl an, ich wäre eingeweiht und würde Layton aus der Hand fressen.“
„Sind Sie sicher, dass der Grünschnabel die Wahrheit sagt?“
Sisko nickte grimmig. „Es kommt sogar noch schlimmer! Als ich Layton deswegen zur Rede gestellt hab’, hat er mich suspendiert.“
„Er hat Sie aus der Sternenflotte geworfen?“ fragte Marc entsetzt.
„Nein, er hat mich nur als Sicherheitschef der Erde abgesetzt und nach DEEP SPACE NINE zu-rückgeschickt.“
„Das geht ja noch.“
„Sehe ich auch so – aber es beweist leider, dass es Laytons ganz eigene wahnwitzige Idee war, die Energierelais abzuschalten“, konterte Sisko. „Bis dahin hatten Odo und ich noch gehofft, das Sternenflottenkommando wäre von Wechselbälgern unterwandert worden...“
„Sie haben gehofft, das Sternenflottenkommando wäre von Wechselbälgern unterwandert wor-den? Bei allem Respekt, Sir – aber das müssen Sie sich mal auf der Zunge zergehen lassen!“
„Ich weiß“, brummte Sisko. „Aber es wäre mir immer noch lieber gewesen, als Sternenflotten-offiziere, die Verrat begehen!“
Marc nickte langsam. „Es geht doch nichts über saubere Schwarzweiß-Malerei: Wir auf der gu-ten Seite, das Dominion auf der bösen ... Zumindest hat man bis vor ein paar Tagen noch ge-wusst, wer der Feind war.“
„Da ist was dran“, erwiderte Sisko nachdenklich. „Ich bin auf Shepard gestoßen, als ich mich bei einem Freund meines Sohnes nach den Red Squad erkundigte. Aber der gute Junge nannte mir noch einen weiteren Namen: Kilari Kayn.“
„Und?“ fragte Marc erwartungsvoll.
„Ich hab versucht, diese Kilari Kayn zu erreichen, um mit ihr zu reden. Aber – jetzt kommt das Schönste – man lässt mich nicht mit ihr sprechen, denn sie sitzt auf der LAKOTA in einer Arrestzel-le. Wegen Befehlsverweigerung.“
Lieutenant van de Kamp grinste. „Soviel zur künftigen Elite der Sternenflotte.“
„Ich finde das nicht lustig!“ fuhr ihn Sisko an. „Ich hab mir nämlich Kilaris Akte angesehen: Sehr vorbildlich! Voller überschwänglicher Empfehlungsschreiben von Professoren, von Ausbildern, von der Trill-Symbiose-Kommission ...“
Marc fuhr überrascht hoch. „Sie ist ein vereinigter Trill?“
Sisko nickte. „Lieutenant, dieses Mädchen ist noch nie irgendwo negativ aufgefallen! Eigentlich
kann man nicht verstehen, weshalb jemand wie sie auf einmal Befehle verweigert. Es sei denn, die Befehle waren ethisch fragwürdig oder sogar illegal.“
Lieutenant van de Kamp nickte nur.
„Odo hat noch mehr Neuigkeiten über die ‘Red Squad’. Er ist durch Zufall auf eine ziemlich merkwürdige Transporteraufzeichnung gestoßen ...“
„Inwiefern merkwürdig?“
„Laut Transporterlogbuch der LAKOTA sind die ‘Red Squad’ sechsundzwanzig Minuten nach Ausrufung des Ausnahmezustands zur Akademie zurück gebeamt worden. Drei Stunden später wurden sie jedoch wieder mobilisiert“, erklärte Sisko. „Wir haben das Sternenflottenkommando danach gefragt, aber der Dienst habende Admiral sagte, es dürfte eigentlich gar keine Aufzeich-nung im Transporterlogbuch geben.“
„Das ist wirklich merkwürdig“, meinte Marc. „Vielleicht war es Kilari Kayns Aufgabe, die Trans-porterlogbücher zu löschen, und sie hat es sabotiert.“
„Mag sein“, erwiderte Sisko.
„Sie sollten mit dem Präsidenten sprechen“, schlug Marc vor.
Sisko verzog das Gesicht. „Da war ich mit Odo schon. Der Präsident wollte uns nicht glauben, was ich sogar nachvollziehen kann.“
„Und nun?“
„Einer von uns wird in einer Zelle landen: Entweder Layton oder ich.“

***

Major Kira Nerys war der Verzweiflung nahe. Sie versuchte bereits zum dritten Mal, Captain Lai-ris zu erreichen und bekam nur den Anrufbeantworter der Com-Anlage.
Was war geschehen? Steckte ihre Freundin in einer wichtigen Besprechung? Hatte sie Tablet-ten geschluckt, um besser schlafen zu können? Wachte sie deshalb nicht auf? Oder war ihr gar etwas zugestoßen? Daran wollte Kira am liebsten nicht denken.
Sie wusste, dass Lairis ihre Tochter Julianna auf der Erde zurück gelassen hatte. Sehr zum Är-ger des Mädchens. Doch auf der CASABLANCA herrschte kein Bordverbot für Zivilisten und Kira war klar, wie sehr Ilana die Gesellschaft ihrer Tochter genoss. Sie musste eine schlimme Vorah-nung haben, wenn sie Julianna nicht mitgenommen hatte.
Kira sah ein, dass solche Spekulationen völlig sinnlos waren. Sie rief kurzerhand die Brücke der USS CASABLANCA – doch was sie von Prescott erfuhr, ließ ihren Mut sinken: Lairis lag auf der Krankenstation und war in absehbarer Zeit nicht ansprechbar.
Nichtsdestotrotz duldete Kiras Nachricht keinen Aufschub. Was Sie und Chief O’Brien über Li-eutenant Arreyaga herausgefunden hatten, war von elementarer Wichtigkeit. Die Sternenflotte, ja die gesamte Föderation stand an einer Wegkreuzung des Schicksals und Kira fielen nur drei Per-sonen ein, die verhindern konnten, dass der falsche Weg eingeschlagen wurde. Die erste Person war Captain Lairis, die zweite Captain Sisko und die dritte Odo.
Wenn Lairis nicht erreichbar war, musste Sisko diese Informationen erhalten. Nur leider konnte Sisko den Code nicht knacken, in dem die Nachricht verschlüsselt war. Odo war jahrelang Si-cherheitschef von TEROK NOR gewesen, wo Botschaften in diesem Code vorzugsweise kursiert waren. Aber keiner der Verfasser oder Empfänger war jemals vom Sicherheitsdienst erwischt worden, also konnte der Formwandler mit der Nachricht auch nichts anfangen.
Egal, der Beweis musste auf den Tisch, bevor Layton sämtliche Dissidenten in den eigenen Reihen ausschaltete. Oder den Präsidenten auf mysteriöse Weise verunfallen ließ. Kira traute diesem Mann inzwischen das Schlimmste zu.
Mit einem Stoßseufzer aktivierte sie eine Verbindung zur Erde und hoffte inständig, dass die Sternenflotte keine bajoranischen Frequenzen abhören würde.

***

Die DEFIANT war auf dem Weg zur Erde ... Es ging Captain Sisko schon viel besser, als er sich nach dem letzten, alles klärenden Gespräch mit Major Kira im Sessel zurücklehnte. Für einen Augenblick grinste er sogar zufrieden. Der Präsident wollte einen Beweis – er sollte seinen Be-weis bekommen! Lieutenant Arreyaga hatte gestanden, einen Sender am Wurmloch angebracht zu haben, der dafür sorgte, dass es sich willkürlich öffnete und schloss. Somit sollte den Leuten Glauben gemacht werden, dass eine getarnte Flotte des Dominion durch das Wurmloch flog.
Nun ja ... Wenn man Jaresh Indio das Geständnis inklusive Täter unter die Nase hielt, würde der Präsident sicher nicht mehr glauben, Sisko sei paranoid oder hätte zu viel saurianischen Brandy getrunken. Hinzu kamen noch die Indizien, die Odo in Laytons persönlicher Datenbank gefunden hatten: Die Beförderungen aller von Layton protegierten Offiziere sollten erst am vier-zehnten Mai in Kraft treten – einen Tag vor der Rede des Präsidenten! Das war doch mit Sicher-heit mehr als ein bloßer Zufall ...
Sisko konnte kaum erwarten, diese Neuigkeiten Lieutenant van de Kamp mitzuteilen. Doch als er einen Com-Kanal zur CASABLANCA öffnen wollte, wurde das Gespräch ins Hauptquartier um-geleitet. „Die CASABLANCA befindet sich gerade zum Waffentesten im Deneb-System“, erklärte der bolianische Admiral, mit dem sich Sisko zwei Tage zuvor über die Mission der „Red Squad“ unterhalten hatte.
„Das Deneb-System liegt aber nicht außer Kommunikationsreichweite“, konterte der Captain mit einer scharfen Stimme, in der ein leicht spöttischer Unterton lag.
„Das ist richtig“, sagte der Admiral. „Aber es gibt da ein paar Subrauminterferenzen. Unsere In-genieure versuchen gerade, dieses Problem ... zu kompensieren. Sie müssen sich nur noch ein wenig gedulden.“
„Lassen Sie mich raten ... Bis zum Vierzehnten?“ Der spöttische Unterton in Siskos Stimme war noch eine Nuance stärker geworden.
„Warten Sie ab!“ entgegnete der Admiral. Dann wurde der Bildschirm unvermittelt schwarz.
Sisko murmelte einen Fluch und schlug mit der Faust auf den Tisch. Er wurde das Gefühl nicht los, dass diese Subrauminterferenzen allein in der Phantasie Admiral Laytons existierten.

***

„Commander, Admiral Layton meldet sich über Subraum!“ verkündete Fähnrich Vixpan.
Prescotts Lippen verzögen sich zu einem spöttischen Lächeln. „Faszinierend! Diese geheimnis-volle Subraum-Störung scheint also auf dieselbe wundersame Weise verschwunden zu sein, wie sie aufgetaucht ist.“
„Soll ich ‘s in den Bereitschaftsraum des Captain durch stellen, Commander?“ fragte Vixpan.
Prescott überlegte einen Moment. „Tun Sie’s, Fähnrich.“
„Sind Sie allein, Commander?“ fragte der Admiral, als sich die Türen hinter Prescott schlossen.
„Was wird das? Eine kriminelle Verschwörung?“ hätte der Sicherheitsoffizier beinahe gefragt. Doch er verkniff sich jeglichen Kommentar und antwortete nur: „Ja, ich bin hier im Bereitschafts-raum, Admiral.“
„Ausgezeichnet! Wie laufen die Waffentests?“
„Bis jetzt hervorragend, Sir.“
„Und wie geht es Captain Lairis?“
„Genau wie’s in meinem Bericht steht: Sie liegt auf der Krankenstation.“
„Ist sie wach?“
„Nein.“
Layton deutete ein Lächeln an, das jedoch seine Augen unberührt ließ. „Gut! Ich habe nämlich neue Befehle für Sie.“
„Neue Befehle?“ wunderte sich Prescott. Und was sollte gut daran sein, dass sein Captain be-wusstlos auf der Krankenstation lag?
„Ich hoffe, dass Sie Ihre Waffen nicht brauchen werden – aber falls doch, sollten sie einsatzbe-reit sein“, fuhr der Admiral fort.
„Selbstverständlich, Sir. Was sollen wir tun?“
Layton zögerte einen Moment, bevor er seinen Befehl erteilte. „Die DEFIANT ist auf dem Weg zur Erde. Das heißt, sie müsste Ihnen auf Ihrem Kurs genau entgegen kommen. Sorgen Sie da-für, dass sie das Sonnensystem nicht erreicht.“
Sekundenlang stand Prescott stumm und stocksteif vor der Com-Anlage. Er wollte einfach nicht glauben, was er da eben gehört hatte. Über seinem von Schock und Verblüffung gezeich-neten Gesicht schienen in Großbuchstaben die Wörter „Wie bitte?“ zu hängen.
„Habe ich das richtig verstanden, Admiral?“ hakte er schließlich nach. „Die DEFIANT ist doch...“
„Ein Schiff der Sternenflotte. Ich weiß“, beendete Layton den Satz. „Aber wir haben den Be-weis, dass sich Formwandler an Bord befinden – und die dürfen auf keinen Fall einen Fuß oder was auch immer auf unseren Planeten setzen!“
Prescott atmete hörbar ein und aus. „Reden wir hier von einigen wenigen Offizieren, die durch Formwandler ausgetauscht wurden, oder von der ganzen Crew?“
„Ich fürchte, die höheren Offiziere sind allesamt durch Wechselbälger ausgetauscht worden“, erwiderte der Admiral betrübt. „Vor zwei Wochen brach die DEFIANT in den Gamma-Quadranten auf, um herauszufinden, weshalb sich das Wurmloch willkürlich öffnet und schließt. Die Anwe-senheit der kompletten Crew war bei dieser Mission nicht erforderlich, also ist das Schiff mit fünfzehn Besatzungsmitgliedern gestartet. Die hatten natürlich keine Chance, als sie von Domi-nion-Truppen geentert wurden.“
„Das … äh … soll das heißen, sie wurden alle getötet?“ stammelte Prescott verstört.
„Getötet und ersetzt“, erwiderte Layton mit ernster Miene. „Das bedeutet, es sind vierzehn Wechselbälger auf direktem Kurs zur Erde. Eine Invasion, von langer Hand geplant.“
Prescott runzelte die Stirn. „Vierzehn? Sie sagten vorhin was von fünfzehn Besatzungsmitglie-dern …“
„Ein Mann hat überlebt und konnte in einem Runabout flüchten. Daher weiß das Sternenflot-tenkommando überhaupt von dieser … Ungeheuerlichkeit.“
„Sir, ist es möglich, dass dieser Überlebende in Wirklichkeit ein Formwandler ist?“
„Der Gedanke ist uns auch schon gekommen – aber meine Adjutantin, Commander Benteen hat früher mit ihm zusammen gedient und er wusste Dinge, die ein Wechselbalg unmöglich wis-sen kann.“
„Admiral …“ Prescott schluckte. „Das bedeutet, Captain Sisko ist vielleicht ebenfalls …“
„Er ist ein Wechselbalg. Der Bluttest hat ihn vor einer halben Stunde verraten.“
„Himmel!“ stieß Prescott hervor. Alles drehte sich um ihn.
Layton beugte sich ein Stück vor und faltet die Hände vor der Brust. „Lieutenant Commander, glauben Sie, ich würde einen solchen Befehl erteilen, wenn ich nicht vollkommen sicher wäre?“
„Ich verstehe, Sir“, erwiderte der Sicherheitsoffizier mit flacher Stimme. Er hatte das Gefühl, jemand hätte sein Gehirn zu Brei geschlagen und mit einem Rührbesen verquirlt. „Sie können sich auf uns verlassen.“
Bei dem Wort „uns“ hob der Admiral kurz die Augenbrauen. „Ihre Crew halten Sie aus der Sa-che raus, bis Sie die DEFIANT abgefangen haben. Das Dominion hat seine Spione überall.“
„Ich könnte ebenfalls einer Ihrer Spione sein, Admiral.“
„Denkbar. Aber ich halte das Risiko so gering wie möglich, wenn ich nur Sie informiere. Sollte jemand beim Angriff auf die DEFIANT Ihre Befehle in Frage stellen, sperren Sie ihn oder sie sofort in eine Zelle.“ Dann beendete er das Gespräch.
Prescott war nicht in der Lage, den Bereitschaftsraum sofort zu verlassen. Er musste sich erst einmal setzen und tief durchatmen. Falls die Geschichte des Admirals der Wahrheit entsprach, würde die Crew – ja, selbst Captain Lairis – keinerlei Probleme mit Laytons Befehl haben. Wieso sollte er die anderen also heraushalten? Die Begründung, es gebe eventuell Dominion-Spione an Bord, schien Prescott an den Haaren herbeigezogen. Er selbst hatte schließlich für schärfste Sicherheitsvorkehrungen gesorgt.
In zwei bis drei Tagen würde die CASABLANCA den Kurs der DEFIANT kreuzen. So lange hatte er noch Zeit, die Sache auszusitzen. Bis dahin würde Captain Lairis wach sein und er musste diese Verantwortung wenigstens nicht allein tragen.
Wesentlich besser fühlte er sich dadurch nicht.