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5x08 - Into the Fire

von Julian Wangler

Prolog

Romulanisches Flaggschiff Erebus

Valdore i’Kaleh tr’Irrhaimehns Augen waren so groß wie die seiner Tochter Vareila im Schein der Feuerfälle von Gal Gath’thong, während er, den Kopf auf die mächtigen Arme gelegt, das vermeintlich kleine und unscheinbare Objekt in der panzergläsernen Experimentalröhre betrachtete.

Obwohl er wusste, dass die fremdartigen Schriftzüge, welche die Vorder– und Rückseite des statuettenartigen Gegenstands zierten, gewissermaßen die Urschrift auch der Rihannsu darstellten, war er weit davon entfernt, ohne Zuhilfenahme eines Translators auch nur eine Silbe entziffern zu können.

Spätestens jetzt, fand Valdore, rächte sich, dass sein Volk vor lauter unnachgiebigem Stolz die alte Sprache der Ahnen verlernt hatte. Die Verbindungen in die Entstehungsmilieus der Rihannsu–Zivilisation waren bereits restlos gekappt worden, als die Diaspora noch nicht einmal auf Ch’Rihan eingetroffen war. Und als der Planet kolonisiert und zur Keimzelle eines kommenden Imperiums ausgerufen worden war, setzte ein mächtiger Propagandaapparat ein. Er ließ bis heute tunlichst unerwähnt, dass auf Vulkan entfernte Brüder und Schwestern ihr Dasein fristeten.

Trotz der zahllosen und überaus blutigen Grabenkämpfe, welche die Abfolgen unterschiedlicher Regierungen im Laufe der zurückliegenden hhu’fvheisn bestimmt hatten – ausnahmslos hielten sich die Administrationen an ein Prinzip, das zur unausgesprochenen Staatsraison erwachsen war: die Wahrheit von der vulkanoiden Verwandtschaft mit allen Mitteln totzuschweigen. Deshalb wussten bis heute nur die Allerwenigsten im normalen Rihannsu–Volk, was es damit auf sich hatte, und die Tal’Shiar gingen ihrerseits sicher, dass diese Zahl nicht anstieg. In der Regel war das aber nicht einmal nötig: Unlängst war die zivile Masse von der geschichtspolitischen Erziehung des Sternenimperiums durchtränkt, die der Sorge zuvorkam, eines Tages könnte so etwas wie eine Wiedervereinigungsbewegung aus dem Volk heraus entstehen und mit ungeheurer Dynamik Prätor und Senat die traditionellen Zügel der Macht aus der Hand schlagen.

Als Valdore das Kommando über sein erstes Schiff, die Chula, erhalten hatte, war er erstmals eingeweiht worden. Wie nur die entscheidenden Größen in Militär und Politik hatte er erfahren vom großen Geheimnis – und es mit dem obligatorischen Eid, der an sein Leben gebunden war, zu hüten geschworen. Bis heute hatte er sich ehern daran gehalten, und als aufrechter Diener des Imperiums würde er es bis zu seinem Tode tun.

Insgeheim jedoch hatte er nie verstanden, warum man den Leuten nicht die Wahrheit in Bezug auf die Vulkanier verkünden konnte; weshalb man bis heute mit sämtlichen Werkzeugen der Desinformation jenes Thema unter Verschluss hielt. Natürlich konnte er die Paranoia der Machthaber nachvollziehen, dass die Idee einer wann auch immer anzustrebenden Wiedervereinigung durchaus kulturelle Gravitation – ja, einen verhängnisvollen innenpolitischen Bazillus – entfalten konnte.

Aber anders als die Prätoren und Senatoren, die in den zurückliegenden beiden dhei’fvheisn fast immer ihrem Volk misstraut hatten, glaubte Valdore an die Möglichkeit, Regierung und Regierte zu einer organischen Einheit zusammenzuführen. Ohne Propaganda, sondern aus der urnatürlichen Kraft D’Eras heraus, die den Quell allen Rihannsu–Seins darstellte. Wenn man auch dem Pöbel in den periphersten Gassen Darthas klar machte, dass die Rihannsu aufgrund ihrer abgezweigten Entwicklung die vulkanischen Brüder evolutionär weit hinter sich gelassen hatten, würde niemand mehr Interesse für diese beschränkte Kultur aufbringen, die einzig dazu taugte, eines fernen Tages von Ch’Rihan befreit zu werden.

Aber Valdore wusste auch, dass eine der Tugenden D’Eras der Gehorsam und die Selbstbeschränkung waren. Er hatte immer danach gelebt – und sich als Soldaten betrachtet. Es fiel nicht ihm zu, ein über so lange Spannen gewachsenes Reich infrage zu stellen; erst recht nicht, wenn es ihn tagtäglich mit so viel Habitus und Ruhm beschenkte. Zudem schien ihm die große Ehre vergönnt, derjenige zu sein, welcher dem Sternenimperium das Tor zur Galaxis erschloss, und einer der ersten Schritte dorthin würde nach Vulkan führen.

„Glauben Sie, es wird funktionieren, Nijil?“, fragte Valdore und zuckte mehrfach mit der Wimper.

Dem grauhaarigen Wissenschaftler und Cheftechnologen, den er überdies auch als Freund ansah, fiel die Nervosität seines Vorgesetzten auf. „Admiral, das fragen Sie nun schon zum dritten Mal.“

Hätte ein anderer von seinen Untergebenen eine derartige Antwort gestanden, hätte Valdore sie prompt als Geste von Respektlosigkeit und Insubordination gedeutet, und es hätte schwerwiegende Konsequenzen nach sich gezogen. Aber Nijil genoss wahrlich eine Sonderstellung, was nicht nur daher rührte, dass er mit seinem brillanten Geist für Valdore von außerordentlichem Wert, in vielerlei Hinsicht unersetzbar war. So bestand die einzige Erwiderung darin, dass sich der Admiral wieder zu voller Größe aufrichtete, um den Anderen subtil daran zu erinnern, mit wem er sprach.

„Ich weiß.“, sagte Valdore. „Es ist nicht, dass ich Vrax unbedingt einen Gefallen tun will. Eigentlich hätte seine Arroganz sogar einen Dämpfer nötig.“

Loyal wie er war, nickte Nijil ihm, dünn lächelnd, zu. „Ich verstehe, was Sie meinen, Admiral.“ Anschließend fuhr er damit fort, die Energiekammer, in der sich das Artefakt befand, mit dem Instrumentarium des Labors zu verkabeln.

Das Labor war eigens zu diesem Zweck auf der Erebus eingerichtet worden, nachdem Vrax den entsprechenden Befehl erteilt hatte. Ganz anders als der Rest von Valdores Schiff wirkte es wie ein weißer Ozean. Alles – die Böden, Tische, Arbeitsstationen und Gegenstände – waren hell und farblos. Das war der Tatsache geschuldet, dass alles hier aus einer Legierung bestand, die fortschrittlicher war als transparentes Aluminium und entsprechende elektrische oder chemische Reaktionen während der Versuche zureichend abfangen sollte.

Zurzeit waren Nijil und Valdore im Hauptraum alleine; in den angrenzenden Untersuchungsräumen befanden sich andere wissenschaftliche Mitarbeiter und trafen die nötigen Vorbereitungen für die bevorstehende Prozedur.

Valdore verschränkte die Arme. „Es ist nur: Ich traue diesem Objekt nicht ganz. Vielleicht auch, weil wir so lange hinter ihm her waren.“, setzte er hinzu.

„Wie Sie bestimmt am besten wissen, Admiral: Es kostet immer Überwindung, sich Neuem zu öffnen. Man geht immer ein Risiko ein. Aber ist das nicht auch ein Prädikat unseres Volkes?“

Rihannsu erfanden sich immer neu. Wie Recht er hatte. „Nijil, Sie sind ein weiser Mann.“

„Man muss nicht weise sein, um das herauszufinden, was wir vor einer Weile entdeckt haben.“, gab Nijil bescheiden zurück. „Keine uns bekannte Psi–Kraft ist so hoch entwickelt wie die eines vulkanischen Katras. Und was wir hier vor uns haben, ist der Gipfel dieser Kraft.“

Valdore nickte. Er gewahrte sich der Tatsache, dass es extrem ertragreich gewesen war, sich auf Vrax’ Geheiß mit der vulkanischen Kontemplativkunde auseinanderzusetzen – und auf einen verborgenen Schatz zu stoßen, über den die Rihannsu als vulkanische Abkömmlinge in ihren heutigen Erbanlagen nicht mehr verfügten. Vrax war es zunächst fragwürdig erschienen, ein solches Unterfangen abzusegnen. Doch Valdore gelang es schließlich, ihn von seiner Wichtigkeit zu überzeugen.

Er erinnerte sich.

Noch bevor der Drohnenschiff–Prototyp komplettiert worden war, zeichnete sich für das Projekt ein bedenklicher Engpass ab: Selbst, wenn es gelänge, die neue Schiffsklasse in die Massenproduktion zu überführen, würde es stets chronisch an Telepathen mangeln, die selbst der Orioner Harrad–Sar nicht in so großer Zahl würde zur Verfügung stellen können.

Einem glücklichen Zufall war es da geschuldet, dass Rahaen – jener Tal’Shiar–Spion, der auf Vulkan undercover die Identität von Major Talok angenommen hatte – beim Besuch eines Klosters auf ein bestimmtes Buch aufmerksam wurde und dieses mitgehen ließ. Als Valdore und Nijil es mithilfe eines Übersetzers studierten, entpuppte sich sein Inhalt geradewegs als Steilvorlage für die politischen und militärischen Perspektiven des Imperiums.

Es handelte sich um eine Art Kompendium der frühgeschichtlichen Entwicklung und dokumentierte das Wissen über eine Reihe von mit mächtigen Psi–Kräften ausgestatteten Vulkaniern, die in der Frühgeschichte des Planeten gelebt haben sollen. Besonders interessant waren handgezeichnete Bilder, die, untermauert durch die geschwollenen Texte, verfügungsgewaltige Persönlichkeiten darboten, welche angeblich mittels ihrer bloßen Willens– und Geisteskraft Gegenstände, Armeen, ja sogar ganze Flotten bewegen konnten.

Jene Frauen und Männer wurden als Gedankenlords betitelt und galten, so sagte das Buch, als lange ausgestorben, denn die mentalen Fähigkeiten nachgefolgter Vulkanier seien ihnen gegenüber stark und immer stärker verkümmert (in noch stärkerem Maße galt das für Rihannsu), was mitunter auf die gesellschaftlichen Veränderungen, bedingt durch Suraks Reformation, zurückgeführt wurde.

Dann folgte ein, wie Valdore fand, hoch faszinierender Part, der über die Existenz so genanter Katras aufklärte: Geister, die unabhängig vom Körper existieren konnten; etwas nah an der Grenze zum Surrealen, um nicht zu sagen Irrsinnigen. Valdore hatte es zunächst nur bedingt ernst genommen. Seine Aufmerksamkeit wurde erst richtig geweckt, als er etwas über ein energetisches Steuerungspotential dieser Katras las, welches bei den Gedankenlords die klassische Skala der Psi–Beherrschung gesprengt haben musste. Wenn man dieses Potential irgendwie erschließen und für die eigenen Pläne nutzbar machen konnte. Denn genau das war es, was eine ausgewachsene Drohnenschiffflotte benötigte: telepathisch-synaptische Energie.

Der Niederschrieb auf den letzten Seiten schickte sich indes ernüchternd an: Offenbar waren sämtliche Katras der Gedankenlords mit ihnen gestorben – mit nur einer Ausnahme. Es handelte sich um den mentalen Verbleib eines kleineren Gedankenlords, den eine Hohenmeisterin in sich verwahrte. Mithilfe von Rahaen konnte die Frau zur Herausgabe des Katras gezwungen und anschließend ihr Tod so dargestellt werden, dass sie tragisch verunglückt war.

Auf Ch’Rihan experimentierte Nijil mit der Essenz. Er konnte eine Apparatur herstellen, die er ‚Telepräsenzeinheit‘ nannte. Ihre Funktion lag darin, die energetischen Potentiale des Katras freizusetzen, zu kontrollieren und gezielt zuzuweisen. Doch es kam zum vorzeitigen Aus für die Versuchsreihe: Das Katra widerstand nicht länger, weil es offenbar zu schwach gewesen war, um den Belastungen im Zuge der Tests standzuhalten. Es ging unwiderruflich verloren.

Weil der Senat – nachdem er von dem geheimen Projekt erfahren hatte – auf Fertigstellung und Einsatz des Drohnenschiffs drängte, sahen sich Nijil und Valdore gezwungen, den ursprünglichen Plan wieder aufzugreifen und Telepathen als Wirte einzusetzen. Dazu passte Nijil die Telepräsenzeinheit für Humanoide an. Bedauerlicherweise waren die Drohnenschiffe, die vom entführten Aenar namens Gareb gesteuert wurden, nicht so leistungsfähig wie erhofft, und das Projekt erfuhr – nicht zuletzt durch das Eingreifen der Enterprise und ihrer Verbündeten – einen herben Rückschlag, trotzdem die weitere Produktion der Schiffe veranlasst wurde.

Mehr ein Zufall war es, dass Nijil im vulkanischen Kompendium auf einen Hinweis stieß, dass das Katra des größten Gedankenlords – einem äußerst machtbewussten und grausamen Mann namens Zakal – möglicherweise nicht verloren, sondern nur verschollen ging. Fortan intensivierte Valdore seine Bemühungen, mithilfe abgestellter Agenten Vulkan nach Spuren abzusuchen. Er wurde aber nicht fündig. Parallel dazu veranlasste er Nijil, nach Möglichkeiten zu suchen, die Drohnenschiffe beziehungsweise ihre Steuerungslogik zu verbessern.

Nachdem die denobulanische Operation angelaufen war, tauchte die Archäologin und Wissenschaftlerin Maretha auf und stellte in Aussicht, mit etwas Unterstützung an Mutantenkriegern forschen zu wollen – und vor allem an künstlich herstellbaren Telepathen. Angesichts von Marethas herben Fehlschlägen zeichnete sich jedoch ab, dass diese Aussicht, den Drohnenschiffen eine anorganische Kontrollinstanz zu geben, Episode bleiben würde.

Obwohl man sie weiter forschen ließ, verlagerten sich wenig später die Prioritäten: Der Kontakt zum Borderland–Kriminellen K’yaavolaas ergab, dass er ein altes vulkanisches Artefakt in die Finger bekommen hatte, das offenbar aus Zakals Zeit stammte. K’yaavolaas’ Inkompetenz war es zuzuschreiben, dass die Sternenflotte das Artefakt erhielt, bevor es erst mehrere khaidoa später und über komplizierte Umwege in die Hände des Imperiums gelangen konnte.

Heute wusste Valdore, dass seine grundsätzliche Haltung, mehr Interesse für die Vulkanier zu zeigen, klug gewesen war. Dumm hingegen war vermutlich gewesen, dass die Rihannsu–Regierungen alles Archivmaterial über die vulkanische Vergangenheit sorgsam vernichtet hatten, was die Quellenbasis und ergo die Nachspürung hinter den Gedankenlord–Katras extrem mühselig gemacht hatte.

Auch wir Rihannsu haben noch sehr viel zu lernen…, dachte er und wollte nicht derjenige sein, der sich von seinem Stolz kompromittieren ließ.

„Die Vorbereitungen sind abgeschlossen.“ Nijils Worte rissen den Admiral wieder aus seinen Gedankengängen. „Wir können anfangen, wenn Sie es wünschen.“

„Also gut. Aber geben Sie Acht, dass wir Zakal nicht verlieren.“

„Das werde ich.“, sprach der Wissenschaftler ihm zu. „Diesmal weiß ich, worauf es zu achten gilt. Wir werden Erfolg haben.“

„Ich erinnere Sie an Ihre Worte, Nijil.“

Gemeinsam verließen sie den Hauptraum und schritten hinter die Schutzwand, wo Valdore mit einem Knopfdruck auf ein kleines Wandpanel die Schleuse verriegelte.

Nijil nahm neben einer seiner Assistentinnen Platz und machte sich ein Bild von den Messwerten. „Gwana, geben Sie Acht, dass das Kraftfeld stabil bleibt. Sobald es freigesetzt ist, muss sich das Katra im ständigen Fluss zwischen den Pevron–Emissionen befinden.“

„Verstanden.“, bestätigte die Frau, die zu Nijils fähigsten Mitarbeitern zählte.

Das gesamte System wurde hochgefahren; Kabelspulen und Diagnostikanzeigen am neuen, deutlich größeren Telepräsenzkonverter begannen wild zu blinken. Nijil wies einen anderen Kollegen an, das Kraftfeld jetzt zu aktivieren, woraufhin sich in der Experimentalröhre, unmittelbar um das Artefakt, ein blaugrüner Schleier manifestierte.

„Vakuum in der Röhre ist konstant.“

„Gut.“, sagte der Wissenschaftler gleichsam zufrieden wie geistesabwesend. „Ich werde jetzt das Gehäuse öffnen.“

Über seine Kontrollstation gab er ein Kommando ein, und im Innern der Kammer erwachten mechanische Arme zum Leben. Durch eine kleine Vakuumtube, die sofort wieder verschlossen wurde, schleusten sie den gewundenen und gezwackten Schlüssel in die Experimentalröhre mit dem Artefakt ein. Im Innern übernahm ein weiterer kleiner Arm den Schlüssel und schob ihn in die entsprechende Öse am Jahrtausende alten Gegenstand.

Unglaublich feine Zähne griffen ineinander, als das genial komplizierte Schloss um ein mehrdutzendfaches Mal geknackt wurde. Zuletzt entstand ein Spalt, wo zuvor keiner gewesen war, und er teilte plötzlich das Artefakt vertikal in zwei Hälften. Ein technischer Reflex war dafür verantwortlich, dass es plötzlich aufsprang –

Und ein rötlich glitzernder, smaragdfarbener Dunst wie eine Fontäne daraus entwich.

„Gwana, jetzt die Ansaugröhren aufschalten.“, sagte Nijil mit gedämpfter Stimme, ohne den Blick von seinen Anzeigen abzuwenden.

„Ansaugröhren aktiviert. Pevron–Emissionen stabil.“

Valdore verfolgte, wie der ästhetische Dunst, der ihn fern an einen Feuersturm im Uhrglas erinnerte, durch die von Nijil installierten Spezialleitungen aus der vakuumgeprägten Experimentalröhre geleitet wurde. Über einige kehreh wanderte das Phänomen weiter, bis es in den Motivatorbereich des Telepräsenzkonverters eingeschleust wurde. Und dort nicht mehr heraus gelangte.

„Es ist in der Kammer.“, berichtete Rhental, ein dritter von Nijils Leuten mit vor Anspannung leicht vibrierender Stimme.

„Verschließen Sie die Vorrichtung ordnungsgemäß.“

Gwana kam der Anweisung schnellstmöglich nach, und daraufhin initiierte Nijil das Energieleitsystem des Konverters. Eine heftige Reaktion wurde ausgelöst, bei der ein Magnetonpuls aus einer an der Decke angebrachten Phalanx in den Konverter eingespeist wurde – und dessen Generator zu arbeiten begann.

„Es funktioniert. Es funktioniert tatsächlich.“ Rhentals Stimme klang euphorisch.

„Zum Kali–fal–Trinken ist es noch ein wenig zu früh.“, dämpfte Nijil die erwachende Zuversicht seines Mitarbeiters. „Jetzt müssen wir das Katra stimulieren. Bereiten Sie die festgelegte Strahlendosis vor. Halten Sie sich strikt an die protokollierten Vorgaben, verstanden?“

„Polarongitter und Submolekularsequenzer aktiv. Emissionsausstoß vorbereitet.“

„Breitbandbeschuss. Und jetzt.“

Der Konverter begann aus seinem Innern her zu pulsen; binnen kürzerster Zeit sprengten die Energieanzeigen die Skala.

„Eindämmung ist stabilisiert.“

Valdore nickte. „Stellen Sie jetzt die Verbindung mit den Subraum–Transceivern her.“ Er deutete auf ein nahe gelegenes Display. „Und geben Sie mir ein Außenkamerabild einer unserer Satelliten um Ch’Rihan.“

Prompt erschien die visuelle Darstellung auf dem Projektionsfeld.

Dort, viele veraku entfernt, vor der großen, grüngrauen Kugel mit den Wolkenschnörkeln, welcher all seine Mühen und Kämpfe seither gegolten hatten, war die neue Flotte positioniert. Zwei Dutzend Drohnenschiffe, die auf den Einsatz warteten. Leider waren zurzeit lediglich sieben Telepathen verfügbar.

Valdore hatte befohlen, für dieses Experiment sämtliche Wirte zu entfernen und das Steuerungssystem jeder Drohne auf die Erfordernisse des auf der Erebus befindlichen Konverters umzurüsten. Jetzt würde sich ja zeigen, ob es die Anstrengung wert gewesen war.

„Matrix aktiviert. Werte nominal. Die nukleogenische Energie wird erzeugt.“, berichtete Nijil. „Geben Sie einen Befehl, Admiral.“

Valdore sog Luft durch seine Nüstern und sandte das Äquivalent eines Stoßgebets zu den Elementen. „Die Flotte soll Kurs auf das Testfeld setzen.“

Eine knappe Eingabe folgte, und Valdore wurde auf dem Bildschirm verblüfft Zeuge, mit welcher Präzision und Reaktionsgeschwindigkeit die Drohnen in den Warptransit jagten.

„Warp vier und konstant.“, las Rhental ab. „Die Flotte tritt gleich ins Nesara–System ein.“

Die nächste Außenbordkamera wurde geschaltet; im Orbit eines Planeten lag sie und erfasste die Drohnenschiffe, die alle miteinander auf Impulsgeschwindigkeit verlangsamten.

„Aktivieren Sie die Waffen– und Verteidigungssysteme.“, ordnete Valdore an.

Die Kamera drehte sich um hundertachtzig Grad und verfolgte, wie die Drohnen auf ein nahe gelegenes Asteroidenfeld zuhielten.

„Bereit.“

„Ausweichmanöver und Feuer nach eigenem Ermessen.“

Mit ungeahntem Tempo und einer Flexibilität, wie sie die Telepathen nie erzeugen konnten, preschten die Kampfschiffe voran, warfen sich in Rollen und andere evasive Muster und ließen ihre Waffen sprechen. Das Feld war dicht und voll von variablen Kometenschauern, doch keine der Drohnen bekam auch nur einen Kratzer ab. Stattdessen wurden punktgenau die angepeilten Gesteinsbrocken vernichtet; es gab keine Fehlfunktionen, keine Unterbrechungen, wie sie noch die telepathische Steuerungsinstanz von Zeit zu Zeit nötig gemacht hatten.

Valdore legte Nijil eine Hand auf die Schulter. „So viele fvheisn für diesen Augenblick.“, sagte er.

„Ja, Admiral.“

Jetzt fehlen nur noch der neue Drohnenprototyp, die Tarnvorrichtung und der Warp–sieben–Antrieb von Nequencia…, dachte Valdore. Doch wegen eines Unfalls, der noch nicht hatte aufgeklärt werden können, würden sich diese Nachrüstungen verzögern. Sei es drum… Wir sind jetzt leistungsfähig genug, um den Angriff durchzuführen. Alles Weitere ist Trumpf.

Valdore straffte seine Gestalt, strotzend von neuer Entschlossenheit. „Nachricht an den Prätor. Einspeisung und Testlauf waren erfolgreich. Und dann setzen Sie Kurs auf die Koalition.“