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Eishölle

von Jana

Kapitel 1

Die Luft stach in ihren Lungen. Ihr war als atmete sie Eis. Trotz der dicken Winterkleidung fror sie. Der Schneesturm war so dicht, daß man kaum einen Meter weit sehen konnte. Jeder Schritt fiel ihr schwer und kostete Kraft, denn der Schnee lag kniehoch.
"Wie weit sind wir noch entfernt, Chakotay?"
Ihr 1.Offizier öffnete so schnell es ihm möglich war den Tricorder, "Noch zehn Kilometer."
Gott, sie würden eine Ewigkeit zum Leuchtfeuer der Voyager benötigen bei diesen Bedingungnen.
"Sind Sie sicher, daß wir uns nicht verlaufen haben?", brüllte sie durch das Heulen des Sturmes.
"Wir Indianer können Spuren lesen, Captain."
Sie konnte nichts erkennen, aber sie war sie sicher, daß er lächelte.
"Welche Spuren? Die sind doch nach einer Minute bereits zugeschneit." Sie lachte ebenfalls.
Natürlich gab es überhaupt keine Spuren, das lag daran, daß sie wahrscheinlich die einzigen Lebewesen auf diesem gottverlassenen Planeten waren. Hier hätte sie nicht gerne ihren Urlaub verbracht.
Sie waren auch nicht freiwillig auf diesem Eisklumpen gelandet. Ein Ionensturm hatte sie zur Landung gezwungen. Dieselben Ionenstürme waren es auch, die ein Hochbeamen auf die Voyager verhinderten. Nur in der Nähe des Leuchtfeuers bestand eine Hoffnung auf Rettung. Auch ohne die Ionenstürme hätte die Voyager einige Zeit für ihre Rettung benötigt. Im Shuttle hätten sie nicht bleiben können, sie wären innerhalb weniger Stunden eingeschneit worden und niemand hätte sie je finden können. Also hatten sie sich auf den Weg zum Leuchtfeuer gemacht.
Damit sie sich im Sturm nicht verlieren konnten, hatten sie sich mit einer zwei Meter langen Leine aneinandergebunden. Anfangs hing die Leine immer durch, doch in letzter Zeit wurde sie straffer, da sie nicht mehr mit Chakotay's Tempo mithalten konnte.
Er spürte den Widerstand und hielt an, bis sie aufgeholt hatte. Sie legte ihm eine Hand auf die Schulter und signalisierte ihm so, einen Augenblick zu warten. Sie wollte zu Atem kommen und holte tief Luft. Ein Fehler, wie sie gleich darauf feststellte, denn ihr Brustkorb schmerzte aufgrund der kalten, feuchten Luft. Er bemerkte ihre Probleme, "Sollen wir eine Pause machen?"
"Nein, nein. Es wird schon gehen", beteuerte sie.
*Alles, was ich jetzt brauche, bist du und eine Wanne voll mit heißem Wasser.*
"Vielleicht sollten Sie dann voran gehen, damit Sie die Geschwindigkeit selbst bestimmen können."
Sie sah ihm ins Gesicht. Er war immer so fürsorglich und um ihr Wohl besorgt. Zeitweise hatte sie das als selbstverständlich empfunden, doch nun war ihr wieder bewußt, daß dies etwas Besonderes war. Niemanden an Bord der Voyager umsorgte er so wie sie. Sie hatte eine ganz besondere Stellung in seinem Leben, seit New Earth wußte sie das. Und sie wußte auch, daß er mehr sein wollte als nur ein guter Freund. Doch sie konnte nicht zulassen, daß ihre Entscheidungsfähigkeit durch die Beziehung zu ihm beeinträchtigt wurde. Außerdem sah es die Sternenflotte ohnehin nicht gerne, wenn der Captain eines Raumschiffes eine intime Beziehung zu einem seiner Untergebenen hatte. Doch momentan sah es so aus, als ob die Voyager ein Generationenschiff war. Konnte die Sternenflotte ernsthaft von ihr verlangen, daß sie ihr Leben lang allein blieb?
Sie verlor sich in ihren Gedanken und hatte seinen Vorschlag schon fast vergessen, als er sich besorgt an sie wand, "Kathryn? Alles in Ordnung?"
"Ja", meinte sie und klopfte ihm auf die Schulter zum Zeichen, daß es weitergehen konnte, "Ich gehe vor."
Entschlossen, das nächste Abendessen auf der Voyager einzunehmen, stapfte sie weiter. Wieder schweiften ihre Gedanken zu dem geheimnisvollen Mann hinter sich. Was war es an ihm, daß ihn so unwiderstehlich machte? Bestimmt hatte es etwas mit seiner Abstammung und der damit verbundenen Zeichnung auf seiner Stirn zu tun. Wie oft hatte sie sich gewünscht, die Symbole mit ihren Fingerspitzen nachzuzeichnen und ihn dort zärtlich zu küssen? Unzählige Male, doch nie waren ihre Träume in Erfüllung gegangen. Sie selbst war es, die zwischen ihnen stand. Aber in letzter Zeit fand sie immer weniger Gründe, an die sie selbst glauben konnte. Seit sie von Mark erfahren hatte, daß...
Sie hatte nicht geglaubt, daß es ihr so schwer fallen würde, ohne jemanden zu leben. Es sollte doch ohne weiteres möglich sein, auf solche verwerflichen Dinge wie ... - sprich es ruhig aus, Kathryn - ... Sex zu verzichten. Verwerflich? Was war an körperlicher Libe auszusetzten, wenn beide es wollten? Natürlich nichts, sie war nur von sich enttäuscht, daß sie ihre Triebe nicht genügend unterdrücken konnte. Er machte es ihr allerdings manchmal auch schwer, denn von Zeit zu Zeit bekam sie den Eindruck, daß er sie mit seinen Blicken förmlich auszog. Trotzdem hätte sie von sich erwartet, daß sie standhalten konnte, doch meistens flüchtete sie sich in solchen Momenten in ihren Bereitschaftsraum. Leider folgte er ihr in der Regel und das machte die Versuchung nur noch größer, denn dann waren sie allein.
Der Schnee unter ihren Füßen knirschte seltsam und dann gab der Boden unter ihr nach. Sie konnte nicht entscheiden, wodurch der Schock ausgelöst wurde, durch das Einbrechen oder durch das eiskalte Wasser. Fest stand nur Eins, wenn Chakotay nicht sofort reagiert hätte, wäre sie unwiderbringlich gesunken. Er zog sie wieder an die Oberfläche und zerrte sie auf das Eis. Sie hustete und spuckte das Wasser wieder aus, was sie vor Schreck geschluckt hatte.
"Kathryn? Können Sie mich hören? Wie geht es Ihnen?"
"Mir ...", sie zitterte am ganzen Körper, "Mir ist schrecklich kalt."
"Warten Sie", er tastete nach einem kleinen Schalter an ihrer Schutzkleidung, "Gleich wird Ihnen etwas wärmer."
*Die Sternenflotte denkt wirklich an alles*, schoß es ihm durch den Kopf, *sogar an heizbare Winterkleidung.*
"Danke", bibberte sie hervor und schloß die Augen. Sie wurde tatsächlich etwas aufgewärmt, aber die Kleidung blieb dennoch etwas klamm.
"Hey Kathryn! Nicht einschlafen! Sie dürfen nicht einschlafen!", er rüttelte sie vorsichtig.
"Nur ein bißchen ausruhen, Chakotay."
"Nein. Sie müssen sich bewegen, sonst erfrieren Sie."
"Ich kann mich nicht bewegen, ich bin ganz steif vor Kälte."
Es war schlimm sie so zu sehen. Ihr Gesicht war ganz blaß, ihre Lippen hatten einen lilanen Farbton angenommen und ihre Augenbrauen waren vereist. Sie hätte sofort medizinische Versorgung benötigt, doch die konnte er ihr nicht geben. Er hätte ihr ein Aufpuschmittel geben können, aber das hätte ihr das Gefühl verschafft, daß es ihr gut geht, obwohl sie in Wirklichkeit langsam erfroren wäre.
"Kommen Sie Kathryn, Sie müssen sich bewegen, um wieder warm zu werden."
"Ich kann nicht mehr, Chakotay. Lassen Sie mich hier", sie öffnete die Augen halb, "Ohne mich haben Sie größere Chancen durchzukommen."
Er starrte sie entsetzt an, was hatte sie gerade von ihm verlangt?
"Ich werde Sie hier nicht zurücklassen! Wenn Sie nicht gehen können, ...", er packte sie kurzerhand und hob sie an, "... werde ich Sie eben tragen."
Zuerst ensetzt über den engen Körperkontakt zu ihm, sträubte sie sich dagegen. Dann spürte sie seine Berührungen, seine Hand ganz nah an ihrer Brust, seine Wärme. Oh, sie wünschte sich so sehr, daß es mehr wäre. Diese Gefühle in ihr ließen ihr Blut wieder schneller zirkulieren und sie spürte wie die Kälte aus ihren Gliedern wich.
"Chakotay, Sie können mich nicht den Rest des Weges tragen!"
"Wenn Sie etwas leichter wären, würde ich es sicherlich schaffen", er hatte seine Atemmaske abgenommen, weswegen sie sein breites Lächeln sehen konnte.
Sie boxte ihm zärtlich in den Oberarm und lächelte ebenfalls, "Hey, wie reden Sie über ihren Captain?!"
Er setzte sie vorsichtig ab, beide vergaßen einen Augenblick, wo sie sich befanden und lachten herzhaft. Und als sie verstummten, gab es einen dieser Momente, wo sie nicht Captain und 1.Offizier waren. Gefangen vom Blick des anderen standen sie sich einfach gegenüber, ihre Hände auf seiner Brust, seine Hände auf ihren Hüften.
"Kathryn", hauchte er und näherte sich ihren Lippen.
Doch noch bevor er beenden konnte, was er begonnen hatte, löste sie sich von ihm. Verlegen schaute sie zu Boden, "Wir sollten weitergehen, es wird schon dunkel."
*Dräng mich bitte nicht, Chakotay. Bitte laß mich den Zeitpunkt bestimmen*, hätte sie ihm gerne gesagt, doch sie schwieg.
"Sie haben Recht", mit diesen Worten setzte er seine Atemmaske wieder auf und ging zügig voran.
Sie mußte sich beeilen, um mit ihm Schritt zu halten. Wieder hatte sie ihn verletzt, aber es war nicht ihre Absicht gewesen. Sie hatte ihn niemals verletzen wollen, dennoch geschah es immer wieder. Es tat ihr leid, unendlich leid, was geschehen war. Im letzten Augenblick hatte sie sich von ihren Ängsten überwältigen lassen. Sie schätzte die Freundschaft, die sie zu ihm hatte sehr, sie wollte sie nicht verlieren. Doch was würde sie hinzugewinnen?
Ihre Gedanken wurden abrupt unterbrochen, als ein starker Ruck des Seils sie zu Fall brachte. Sie wehrte sich dagegen, stemmte sich dagegen an, doch sie konnte nicht verhindern, das was auch immer Chakotay zugestoßen war nun auch ihr passierte.
Sie wurde durch das Loch in der Schneedecke gezogen. Ihr Sturz wurde etwas gedämpft, da sie auf Chakotay fiel. Nach einer Weile rappelten sich beide auf.
"Was ist geschehen? Wo sind wir hier?", irritiert schaute sie um sich.
"Das scheint so eine Art Höhle zu sein."
"Höhle? Aber hier ist doch alles aus Schnee", zur Probe berührte sie die Wand und fand ihre Behauptung bestätigt.
"Dann ist es eben eine Schneehöhle", Chakotay betrachtete das Loch in der Decke, durch das sie hindurchgefallen waren.
"Wie kommen wir hier wieder raus?", fragte sie, gesellte sich neben ihn und sah ebenfalls zum Loch in der Decke.
"In unserer Ausrüstung gibt es ein Seil mit einem Haken. Aber vielleicht sollten wir hierbleiben", erwiderte er.
"Hierbleiben?"
"Ich meine nur für die Nacht. Die Verhältnisse draußen sind so lebensfeindlich, daß wir an der Oberfläche über Nacht keine Chance hätten. Diese Höhle ist wahrscheinlich das Beste, was uns passieren konnte."
"So habe ich das noch gar nicht gesehen. Ich hatte nur das Gefühl hier gefangen zu sein", sagte sie.
"Keine Sorge, ich bringe Sie schon heil nach Hause", er schmunzelte, wenn auch etwas gezwungen. So schnell konnte er die Enttäuschung nicht verarbeiten. Dabei war er sich völlig sicher gewesen, er hätte diesen Schritt niemals gewagt, wenn er bei ihr Anzeichen von Unsicherheit wahrgenommen hätte.
Zum Dankeschön legte sie ihm eine Hand auf die Schulter.
Schnell sagte er, "Wir sollten etwas finden, daß wir aufheizen können, es wird bestimmt noch sehr viel kälter werden", er wollte verhindern, daß eine ähnliche Situation wie vorhin eintrat.
Es war dunkel geworden, sehr dunkel. Jetzt saßen sie bereits seit drei Stunden in einiger Entfernung voneinander um die Lampe, die nur spärliches Licht lieferte. Viel schlimmer als die Dunkelheit war jedoch die beißende Kälte. Die Temperaturen waren noch weiter gefallen und etwas zum Aufheizen hatten sie in der kleinen Höhle nicht gefunden. Keiner von beiden hatte mehr gesagt, als notwendig gewesen war. Sie hatten die Notrationen gegessen und in die Lampe gestarrt.
Was ging wohl in ihm vor? Sie mummelte sich noch tiefer in ihre Jacke, aber es half nichts. Sie wurde nicht wärmer und ihren Sachen waren immer noch leicht feucht. Ihr Atem kondensierte sofort, als sie ausatmete. Sie zitterte so sehr, daß er es sehen konnte.
Langsam stand er auf, näherte sich ihr und setzte sich dicht neben sie, "Frieren Sie auch so?"
"Ich weiß nicht, wie kalt Ihnen ist, aber ich bin kurz vorm Erfrieren", meinte sie sarkastisch und öffnete dabei kaum den Mund, denn sie konnte ihren Unterkiefer fast nicht mehr bewegen.
"Vielleicht sollten wir näher aneinander rücken."
Erschrocken schaute sie ihm in die Augen und versuchte zu ergründen, was er mit dieser Bemerkung gemeint hatte.
Er sah ihre Irritation und fügte schnell hinzu, "Ich meine das rein funktionell. Wir könnte einander etwas wärmen."
"Rein funktionell", wiederholte sie und nickte bestätigend.
Vorsichtig setzte sie sich auf seinen Schoß, schloß die Arme um ihn und legte ihren Kopf auf seine Schulter. Ein Gefühl der Wärme und Geborgenheit durchströmte sie. Sie wurde unglaublich ruhig und sicher durch diesen engen Kontakt zu ihm. Und dann gab es keine Ängste, keine Zweifel mehr ...
Nach einer Weile glaubte er, daß sie eingeschlafen war, denn sie atmete regelmäßig und ruhig. Doch plötzlich fühlte er eine Bewegung, sie trug keinen Handschuh mehr an ihrer linken Hand und nun befreite sie seine Hand ebenfalls davon. Sie faltete ihre Hand in seine, so wie sie es auf New Earth getan hatten und ein Kribbeln breitete sich von seinem Magen über seinen ganzen Körper aus.
Sie hob den Kopf leicht und schaute ihm tief und vielsagend in die Augen. Er konnte ihren warmen Atem auf seiner Haut wahrnehmen und dann berührten ihre Lippen die seinen. Ihre andere Hand war unter seine Jacke gelangt und wanderte über seinen Oberkörper. Er stöhnte leise ihren Namen.
Sie spürte die Kälte nicht mehr, nur noch die Berührungen seiner Hände. Sie ließ auch die letzten Hemmungen fallen und erforschte sehnsüchtig seinen Körper.
Er ging durch einen Korridor auf der Voyager. Bei diesen Temperaturen fühlte er sich eindeutig wohler. Am Morgen hatte ein Rettungsteam vom Schiff die beiden schlafend, halb erfroren und eng umschlungen in der Schneehöhle gefunden und zurück an Bord gebracht.
Er stoppte vor Kathryn's Quartier und betätigte den Türmelder.
"Wer ist da?", ertönte ihre Stimme über Interkom.
"Ich bin es", sagte er und lehnte seinen Kopf voller Erwartung an die Tür.
"Komm rein."
Er fand den Hauptraum ihres Quartiers verlassen, "Wo bist du?", fragte er begierig, er wollte sie endlich wiedersehen.
"Im Bad", ihre Stimme hatte etwas Lockendes an sich.
Sie saß in ihrer Wanne, die übervoll mit Schaum war, nur ihr Kopf schaute heraus. Sie lächelte ihn an und merkte einen leichten Anflug von Enttäuschung bei ihm. Wahrscheinlich hatte er sich etwas anderes vorgestellt.
Er gab ihren einen hungrigen Kuß und zog sie dabei halb aus der Wanne.
"Gestern Nacht warst du aber nicht so stürmisch", raunte sie und strich ihm mit der nassen Hand über das Gesicht, "Du bist einfach eingeschlafen."
"Du auch", erwiderte er und beide lachten herzhaft.
"Wir waren wohl beide etwas entkräftet."
"Das nicht unbedingt. Aber für mehr war es eine Spur zu kalt", witzelte er.
Sie sah ihm tief in die Augen und blickte ihn unschuldig und herausfordernd zugleich an, "Ist es dir immer noch zu kalt?"
Seine Antwort bestand darin, daß er seine Schuhe und den oberen Teil seiner Uniform auszog. Kathryn hob eine Augenbraue und mit Vorfreude beobachtete sie, wie sich ihr 1.Offizier vor ihr entkleidete. Doch als es interessant wurde, hörte er auf.
Er war nervös und ungeduldig, er wollte nicht länger warten und stieg zu ihr in die Wanne. Wasser und Schaum schwappten über den Rand, als er sich über sie legte und mit Küssen überdeckte.
"Gehst du immer mit Hose baden?", fragte sie ihn schelmisch, als sie nach dem Verschluß derselben tastete.
"Ich überlasse es dir, mich davon zu befreien."
Und dann tauchten sie unter.

Ende