TrekNation

Das ultimative Archiv deutscher Star Trek Fanfiction!

Mirakel

von Konstanze Faust

Kapitel 1

Es war ein stressiger Arbeitstag gewesen. Janeway warf einen Blick auf das Schiffs-Chronometer, das aktuell 21:45 anzeigte. In einer Viertelstunde würde ihre Schicht enden.

Sie versuchte, ihre Augen offen zu halten, und starrte auf den ruhigen Bildschirm vor sich. Währenddessen überlegte sie, was sie nach Dienstschluss tun könnte. Ein Bericht wäre dringend fällig – es war einiges passiert an diesem Tag.

Auf Deck 2 waren erneut drei oder vier Gelpacks geplatzt. Die Crew von Lieutenant Torres hatte alle Hände voll zu tun. Zum Glück betraf es keine kritischen Systeme wie Lebenserhaltung oder Steuerung. Allerdings waren zwei Replikatoren ausgefallen – einer in Lieutenant Careys Quartier, der andere gehörte einem Crewman aus der Stellarkartographie, dessen Name Janeway gerade nicht einfiel. Der Schaden war immerhin innerhalb von zwei Stunden behoben worden.

Kurz darauf waren sie einem Schiff der Cataati begegnet. Es stellte sich jedoch als kleines, unbewaffnetes Frachtschiff heraus, das talaxianisches Parfum geladen hatte. Der Vorfall blieb daher relativ bedeutungslos. Die einzige interessante Information war, dass die Cataati möglicherweise Handel mit den Talaxianern trieben – obwohl es auch Schmuggelware hätte sein können. Doch letztlich war die Voyager kein Handelsschiff. Also war das Ganze für sie ohne Bedeutung.

Janeway rieb sich die Augen und unterdrückte ein Gähnen. Manchmal fragte sie sich, warum sie all diese Vorfälle überhaupt ins Logbuch eintrug. Wer würde sich im Delta-Quadranten schon dafür interessieren, wann auf diesem Schiff welcher Replikator für wie lange ausgefallen war?

Der einzig sinnvolle Zweck der Logbücher war für sie: Wenn ein Problem erneut auftrat, das man schon einmal hatte, musste man nicht lange nachdenken – die Lösung war in der entsprechenden Datei sofort abrufbar.

Die Zeit zog sich dahin, und Kathryn kämpfte zunehmend mit der Müdigkeit.

„Captain!“, rief Harry Kim von hinten.

Janeway schreckte auf und ertappte sich dabei, dass sie beinahe eingenickt war. Sie zwang sich zu einem neutralen Tonfall.

„Was gibt es, Fähnrich?“

„Vor uns liegt etwas...“, begann Harry und tippte ein paar Schaltflächen an, um klarere Daten zu bekommen. Es schlug fehl. „...es ist eine Art Energiesubstanz...“

Das Wort klang wie Musik in Janeways Ohren. Eine Auffrischung der Schiffsenergie kam genau zur rechten Zeit – besonders jetzt, wo die Gelpacks immer häufiger ausfielen.

Als Harry schwieg, fragte sie:

„Wie weit ist es von uns entfernt?“

Kim drückte erneut auf seine Konsole. Es piepste kurz.

„Sechs Lichtjahre, Captain. Die Substanz bewegt sich nicht von der Stelle.“

Janeway richtete ihre Aufmerksamkeit nach vorne.

„Mr. Paris, setzen Sie Kurs darauf.“

„Aye, Ma'am“, erwiderte der Lieutenant und änderte den Kurs.

„Warp 6!“


Es war später geworden als erwartet. Mit einer kurzen Berührung auf ihrem Terminal speicherte Janeway den Bericht und schaltete das Gerät aus. Sie stand auf – schon in ihr rosa Seidennachthemd gekleidet – und ging zum Replikator.

„Vulkanischer Gewürztee.“

Das Getränk materialisierte sich auf der silbernen Plattform. Janeway nahm es an sich – und war überrascht: Es war völlig kalt.

Nicht schon wieder, dachte sie und entmaterialisierte das Getränk durch einen Tastendruck oberhalb der Ausgabefläche.

Ob sie wollte oder nicht – sie würde diesen Vorfall melden müssen. Dann werde ich meine Müdigkeit wohl nur an zweite Stelle setzen müssen.

Sie nahm ihre Uniform und begann, sich umzuziehen.

Es wäre wohl kaum angebracht, wenn der Captain bei einer Reparatur im Nachthemd neben der Crew steht.

Janeway drückte auf ihren Kommunikator.

„Janeway an Maschinenraum.“

„Torres hier. Was gibt es, Captain?“, kam es zurück. B’Elanna klang ebenfalls müde.

Wir haben alle viel gearbeitet.

„Mein Replikator hat eine Fehlfunktion. Falls Sie nicht zu viel zu tun haben...“

„Ich schicke Ihnen, sobald es geht, einen Techniker“, unterbrach Torres sie schnell. „Torres Ende.“

Sie schien in Eile zu sein.

Janeway setzte sich erneut an ihren Schreibtisch, aktivierte wieder ihr Terminal – und verdammte insgeheim ihren Replikator. Jetzt hätte sie wirklich einen Kaffee gebrauchen können. Andererseits, wenn der Replikator funktioniert hätte, hätte sie sich ja mit dem vulkanischen Gewürztee zufrieden gegeben – aber bitte nicht kalt.


Harry Kim stand an seiner Station und beobachtete abwechselnd die Anzeigen seiner Displays und den Hauptbildschirm. Hin und wieder wanderte sein Blick zu Tuvok – mehr aus Gewohnheit als aus Notwendigkeit.

Die Werte der Energiesubstanz blieben stabil. Das fand Kim seltsam. Es war ungewöhnlich, dass jemand Energie so wertlos im All hinterließ. Kein intelligentes Volk würde seinen Treibstoff derart verschwenden.

Aber ein natürliches Phänomen schloss er ebenfalls aus. Stoffe in dieser Zusammensetzung traten nicht in der Natur auf – zumindest nicht im Alpha-Quadranten.

In diesem Quadranten kann man eigentlich nichts ausschließen, erinnerte sich Kim. Außer Dinge, die gegen die Naturgesetze verstoßen.

Er prüfte noch einmal die Liste der Bestandteile – und hielt plötzlich inne. Wie hatte er das übersehen können?

Stickstoff. Dilithium. Titanium.

Alles Stoffe, die auch im Alpha-Quadranten zu finden waren.

Obwohl sie theoretisch auch hier vorkommen könnten, erinnerte er sich – wollte sich jedoch nicht die Hoffnung nehmen. Diese Zusammensetzung kam ihm merkwürdig bekannt vor.

Unwillkürlich begann sein Herz schneller zu schlagen – wie jedes Mal, wenn er sich auf einer heißen Spur wähnte.

Er aktivierte ein weiteres Display neben dem, das die Energiesubstanz zeigte, und rief die Datenbank des Computers auf.

„Computer“, sagte er laut – was auf der sonst ruhigen Brücke deutlich auffiel.

Einige Offiziere warfen ihm kurz einen Blick zu, wandten sich dann aber wieder ihrer Arbeit zu.

„Gibt es in der Datenbank Substanzen mit gleicher oder ähnlicher Zusammensetzung?“

„Positiv“, antwortete die monotone Stimme des Computers.

„Auflisten.“

Eine Liste erschien – etwa ein Dutzend Stoffe. Kim überflog sie. Es handelte sich, wie er vermutet hatte, nicht um natürliche Phänomene. Es waren Bestandteile von Raumschiffen oder Raumstationen, wobei letzteres nur einmal vertreten war.

„Computer, gibt es auf dieser Liste eine Substanz, die vollständig mit der entdeckten übereinstimmt?“

„Positiv.“

Der Bildschirm wechselte – nur noch ein einziger Begriff war zu sehen.

„Das ist doch…“, murmelte Harry. Er musste lächeln. Auch wenn er sich keine falschen Hoffnungen machen wollte – es war höchst unwahrscheinlich, dass es hier im Delta-Quadranten eine identische Substanz gab.

„Commander“, rief Harry Kim, seine Stimme war aufgeregt, fast etwas stockend. „Ich habe hier etwas, das Sie interessieren könnte.“

Chakotay stand vom Platz des Captains auf und kam zu seiner Station.

„Worum handelt es sich?“, fragte er im Gehen und stellte sich neben ihn.

„Es geht um die Energiesubstanz. Sie gleicht der der—“

„Das gibt’s doch nicht!“, unterbrach ihn Chakotay. Fast hastig tippte er auf seinen Kommunikator.

„Captain, hier ist etwas, was Sie interessieren dürfte. Fähnrich Kim hat etwas sehr Bedeutendes über die Energiesubstanz herausgefunden.“

Janeways Stimme klang müde – auch wenn sie versuchte, es zu unterdrücken. Es war offensichtlich, dass sie dringend Schlaf nötig hatte.

„Ich komme sofort. Alle Senioroffiziere sollen sich in zehn Minuten im Konferenzraum einfinden.“

„Aye, Captain. Chakotay Ende.“


Alle Offiziere waren wie gewöhnlich sehr pünktlich. Schon fünf Minuten vor der von Janeway gesetzten Zeit hatten sich alle im Konferenzraum eingefunden.

Zu Janeways Linken saßen Chakotay, Seven of Nine, Lieutenant Paris und Lieutenant Torres, zur Rechten Neelix und Lieutenant Tuvok. Harry stand vor dem Bildschirm, der eine schematische Darstellung der Energiesubstanz zeigte.

Als sich alle beruhigt hatten, begann Harry Kim zu sprechen:

„Die Energiesubstanz, die sich zum derzeitigen Zeitpunkt vier Lichtjahre von uns entfernt befindet, besteht größtenteils aus Trilithium, Dilithium, Stickstoff und Tritanium. Diese Elemente kommen eigentlich nur im Alpha-Quadranten vor. Da wir jedoch nicht ausschließen können, dass es sie im Delta-Quadranten ebenfalls gibt, schiebe ich diesen Fakt zunächst beiseite.

Ich habe die Computerdateien nach Substanzen mit ähnlicher Zusammensetzung durchsucht. Dabei handelte es sich größtenteils um technische Komponenten von Raumschiffen und Raumstationen. Es gibt jedoch eine Substanz, die mit der hier vorliegenden vollständig identisch ist: das Warpplasma der Enterprise E.

Die Enterprise E war zum Zeitpunkt unserer Abreise von Deep Space Nine noch nicht gebaut, allerdings befanden sich die Systemdaten bereits im Schiffscomputer. Zum jetzigen Zeitpunkt dürfte sie allerdings längst in Betrieb sein.

Das Besondere am Warpplasma der Enterprise E ist der erhöhte Dilithiumanteil, der das Schiff leistungsstärker macht.“

Janeway strich sich mit dem rechten Zeigefinger nachdenklich unter das Kinn.

„Sie wollen darauf hinaus, dass die Energiesubstanz eine Warpspur der Enterprise E ist?“

„Ja, Captain“, antwortete Kim. „Vielleicht—“

„...befindet sich am Ende der Warpspur ein Wurmloch“, warf B’Elanna ein, „durch das man in den Alpha-Quadranten gelangen kann.“

Janeway drehte sich zu ihrer Crew.

„Also – folgen wir der Warpspur. Die Versammlung ist beendet.“

Die Offiziere, mit Ausnahme von Janeway, verließen den Raum.

Vielleicht werde ich doch noch einen längeren Bericht schreiben müssen, dachte sie. Aber mit dieser Aussicht auf Erfolg würde ich dafür sogar einen ganzen Roman verfassen.

Rezensionen