Major Kira Nerys stand am Aussichtsfenster auf der Promenade von DS9.
Sie war gerade im Tempel gewesen und hatte eine Kerze für ihren verstorbenen Freund Vedec Bareil Antos angezündet und ein Gebet gesprochen.
Jetzt hoffte sie, dass ein Schiff durch das Wurmloch kommen würde, damit sich der „himmlische Tempel“ wie die Bajoraner ihn nannten, Wohnsitz der Propheten, öffnete.
Wie auf Bestellung tat ihr ein kleines Schiff den Gefallen, vermutlich ein Handelsschiff, dass bald auf DS9 andocken würde.
Kira dachte wieder an Antos, heute war sein
2. Todestag.
Eine Träne rann ihr die Wangen entlang, sie achtete nicht darauf, wischte sie nicht weg.
Eine markante Stimme hinter ihr meinte leise:
„Sie haben ihn sehr geliebt.“
Er stand dicht hinter ihr und sie konnte seinen leicht herben Duft wahrnehmen.
Sie wischte sich verstohlen die Tränen weg und drehte sich leicht zur Seite.
„Dukat! Woher wissen Sie, um wen ich trauere? Wie lange sind Sie schon da, haben Sie Ziyal schon gesehen?“
Er lächelte sie sanft an.
„Ich meine mich zu erinnern, dass heute der Gedenktag für ihren Vedec ist. Angekommen bin ich vor einer Stunde und Ziyal hat mir schon die neuen Quartiere gezeigt, welche Sie für uns arrangiert haben, damit wir zusammenwohnen können, während ich hier bin. Meine Crewmitglieder werden auf der „Grace“ bleiben, können aber nach einem Plan stundenweise die Station besuchen. So hat Ziyal auch ein bisschen Gelegenheit, andere Cardassianer zu treffen. Hier auf der Station ist ja nur der unerträgliche Schneider, dem sie hoffentlich aus dem Weg geht, wie ich ihr eingeschärft habe.“
Kira sagte nichts zu Garak, sie wusste, dass Ziyal schon ein paar Berührungspunkte mit Garak gehabt hatte, sie hatte den Schneider auch schon eindringlich gewarnt, dem Mädchen nicht zu nahe zu treten. Sie erzählte aber Dukat nichts davon, denn sie wollte nicht gleich Streit mit ihm.
‚Ich bin froh, um die Ablenkung durch ihn…‘dachte sie und musste gleich lächeln. ‚Wenn mir das vor einem halben Jahr jemand erzählt hätte, dass ich mal froh sein würde, Dukat zu sehen, hätte ich ihm eine geknallt.‘
Dukat betrachtete sie interessiert.
„Ich hoffe, Major, Ihr Lächeln gilt mir?“
„Äh…ja…tatsächlich, das muss ich zugeben. Sie lenken mich von meiner Trauer ab…Ich weiß, es ist schon 2 Jahre her und das Leben muss weitergehen, aber an solchen Tagen...ist das schwer.“
Er nickte.
„Ja, ich kenne Naprems Todestag nicht und es ist schon viele Jahre her, seit sie fort ist, aber die Trauer kommt, sobald ich an sie denke. Sie wird nicht weniger, nur leiser.“
Sie schauten sich an und in dem Moment war eine Verbindung da, die man fast greifen konnte…
Schnell wechselte sie das Thema.
„Haben Sie schon gegessen?“
Er verneinte.
„Ziyal hat mir erzählt, Sie und meine Tochter essen fast jeden Abend gemeinsam?“
„Ja, außer wenn ich Dienst habe, aber dann finden wir zum Mittagessen zusammen, oder Frühstück…Außerdem unterhalten wir uns viel, treffen uns zum Training, wenn die Zeit es erlaubt…“
„Das hat sie mir schon erzählt, dass sie von Ihnen trainiert wird. Sie tun mehr für meine Tochter, als ich erwartet habe, Major. Ich weiß sie hier, trotz meiner anfänglichen Skepsis, in guten Händen. – Major, darf ich mich Ihrem heutigen Abendessen mit meiner Tochter anschließen?“
„Dukat, wenn Sie lieber allein mit ihrer Tochter essen wollen, wäre das kein Problem…“
„Oh nein, liebe Major Kira, ich bin nur ein paar Tage hier und möchte jeden möglichen Moment mit meinen beiden Lieblingsdamen verbringen.“
Er lächelte sie dabei so gewinnend an, dass Kira schon fast wieder bereute, so vertraulich mit ihm gesprochen zu haben.
‚Vorsicht, Nerys, wenn man dem den kleinen Finger gibt…‘
„Es gibt da ein neues bajoranisches Restaurant, wie mir Ziyal berichtet hat, das möchte sie gerne ausprobieren, wenn es Ihnen recht ist. 20.00?“
Kira nickte zustimmend und versuchte ein neutrales Gesicht zu machen und ihre vielschichtigen Gefühle zu verbergen.
Als er ging, sah sie ihm kurz hinterher und dachte:
‚Alles gut, Nerys, er ist nur ein paar Tage hier. Ziyal freut sich sehr, ihn zu sehen und wenn wir gut miteinander auskommen, ist sie glücklich. Ich werde versuchen, alles zu tun, um mein Temperament zu zügeln und „nett“ sein. Zumindest, solange er sich benimmt…“