„Major, ich...“ „Nein! Captain, bei allem Respekt, das können Sie vergessen!“
Kira schritt wütend auf und ab. Benjamin Sisko betrachtete sie belustigt. Natürlich hatte er geahnt, dass sein erster Offizier nicht gerade begeistert sein würde von der Idee, aber jetzt schien sie ihm doch ein wenig über zu reagieren. „Major, ich verstehe Sie ehrlich gesagt nicht so ganz. Ihrem Bericht Ihrer letzten Mission zufolge, haben Sie doch ganz gut mit Dukat zusammengearbeitet. Und Sie stehen ihm nun auch nicht mehr so feindselig gegenüber wie früher.
Er scheint sich doch zu seinem Vorteil verändert zu haben.“„Oh täuschen Sie sich nicht Captain! Er ist schlau und hat die Seiten gewechselt. Aber er bleibt ein verschlagener Cardassianer, dem ich wohl nie trauen werde. Und Cardassia hat seine Regierungsform geändert, aber deshalb werde ich es trotzdem nicht lieben. –
Captain, Sie wissen nicht, was ich dort alles erlitten habe, als man mich damals entführte... es war die Hölle. Ich möchte nicht wieder dorthin, egal wie freundlich man uns einlädt! Es ist nicht Dukat den ich fürchte, mit dem werde ich schon fertig. Aber noch einmal dorthin müssen, wo ich die qualvollsten Tage meines Lebens verbracht habe... eine Zeitlang wusste ich damals wirklich nicht mehr, wer ich wirklich war...“ Sie zitterte leicht bei dem Gedanken daran.
Sisko meinte mitfühlend: „Ich weiß, Sie haben dort viel durchgemacht. Dennoch kann ich Ihnen dies nicht ersparen, Nerys. Der festliche Empfang wird uns zu Ehren veranstaltet, ich habe Dukat und die Regierungsmitglieder mit der Defiant gerettet und wir haben sie gemeinsam auf dieser Station gegen die Klingonen verteidigt. Es war der ausdrückliche Wunsch, dass wir beide in Stellvertretung für alle, welche hier daran beteiligt waren, die Ehrung entgegennehmen. Es wird eine offizielle Zeremonie geben, ein Essen und ein Ball. Wir werden zwei Tage auf Cardassia verbringen und dann haben wir es überstanden und fliegen zurück. –
Glauben Sie mir Major, mir liegt es ebenso wenig. Aber wir dürfen den Cardassianern nicht vor den Kopf stoßen, mit Ihrer Ablehnung. Noch nie war der Frieden zwischen Bajor und Cardassia so sicher und noch nie war das Verhältnis zwischen der Föderation und Cardassia so entspannt. Bitte denken Sie noch einmal darüber nach, Nerys.“
Kira seufzte und sah ihn fest an.
„Ich werde gründlich darüber nachdenken, Abgesandter.“ Ein wenig Schalk sprach aus ihren Augen. Wenn Sisko sie <Nerys> nannte, fühlte sie sich unsicher. Und sie wusste, er ebenfalls, wenn sie ihn <Abgesandter> nannte.
Er lächelte. „Das freut mich, Major. Haben Sie bis heute Abend eine Antwort für mich?“ Sie nickte. Dann verließ sie das Büro.
***
Der Türmelder ging.
„Herein!“ meinte Kira.
Jadzia Dax betrat gutgelaunt das Quartier der Freundin.
„Hallo Nerys! Man, ich beneide dich! Großer Galaempfang, stilvolles Essen, ein Ball... das hat man nicht alle Tage! Was wirst du anziehen?
Sie ging zu Kiras Schrank und begutachtete die Garderobe.
„Hast du einen Knall? Ich will nicht dahin, dort wimmelt es von eingebildeten Eidechsenköpfen! – Hat Sisko dich geschickt, um mich umzustimmen? Dann kannst du gleich wieder verschwinden, ich bleibe hier!“
Jadzia tat unschuldig. „Was, du willst nicht? Und ich dachte, hm...“ „Was dachtest du?“ bohrte Kira. Ihre Augen blitzten. „Nun... hm... nein, dieses Kleid geht nicht.“ „Jadzia!! Du weichst vom Thema ab.“ „Nun, nachdem ich deinen und seinen Blick gesehen habe, bei eurer Verabschiedung vor zwei Wochen, da dachte ich eigentlich... nein, dieses geht auch nicht!“
„W A S hast du gedacht, was hast du gesehen?“ fragte Kira etwas hysterisch. „Er ist um dich herumgeschlichen wie ein Kater und du hast ihm hinterher gesehen, als hättest du nichts dagegen. Und doch... irgendwie lag auch etwas Drohendes in seiner Mimik...“ meinte Jadzia versonnen. „Du... hast uns beobachtet?“ fragte Kira erstaunt. „Nun, das konnte ich mir doch nicht entgehen lassen, liebste Freundin. Außerdem die halbe Promenade. Wenn ich du wäre und er mir einen eindeutigen Antrag machen würde, ich... würde... „ „Hör auf, das ist... unmoralisch!“ empörte sich Kira. Jadzia seufzte. „Früher hättest du widerlich gesagt, oder etwas dergleichen, immerhin ein Fortschritt. Nerys, du bist manchmal einfach zu prüde. Hast du was gegen Sex?“ „Nein! Aber mit jemanden ins Bett zu gehen, nur deshalb...außerdem irrst du dich, da ist gar nichts zwischen uns! Er hat mir nur versprochen, von Ziyal hören zu lassen.“
Jadzia lachte. „Glaub was du willst, ich weiß, was ich gesehen habe. Komm, wir gehen zu Garak. Du hast nicht annährend etwas, was für diesen Anlass geeignet wäre.“ „Zu Garak? Mir läuft schon ein kalter Schauer über den Rücken, wenn ich ihn nur zu Gesicht bekomme. Wenn ich mir vorstelle, bei ihm eine Anprobe zu machen...“ „Ich werde auf dich aufpassen...“
„Ops an Kira.“ „Kira hier.“ „Hier ist eine private Übermittlung für Sie aus Cardassia Prime.“
Jadzia ging zur Tür und winkte. „In einer halben Stunde bei Garak und sei nicht zu borstig zu... Dukat. Tschau!“
Kira meinte in die Kom: „Stellen Sie in mein Quartier durch.“ Sie ging zu ihrem Terminal an der Wand und schon erschien Dukat auf dem Bildschirm.
Er schien etwas verärgert. „Dukat! Ist etwas mit Ziyal?“ fragte sie besorgt. „Nein Major, mit meiner Tochter ist alles in Ordnung, es gibt zwar... wie erwartet einige Spannungen in meiner Familie, aber das werde ich schon in den Griff bekommen, hoffe ich. Etwas Anderes, ich hatte gerade ein... beunruhigendes Gespräch mit Captain Sisko. Er ließ verlauten, dass Sie eventuell die Ehre, die Ihnen zu Teil wird, ablehnen werden und nicht am Fest teilnehmen? Ich hoffe, Sie besinnen sich noch eines Besseren, Major.“
Er lächelte, aber seine Augen drohten ihr.
„Dukat. Da dies ein privates Gespräch ist, sage ich Ihnen ehrlich: Zum Teufel damit! Ich verspüre nicht die geringste Lust, erneut nach Cardassia zu fliegen. Der Empfang, Essen, der Ball...damit können Sie mich nicht beeindrucken. Und mit Ihrem Blick können Sie mich auch nicht einschüchtern. Ich habe keine Angst vor Ihnen!“
Herausfordernd war sie näher an das Terminal gekommen und blickte ihn kampfeslustig an. Er tat das gleiche und lächelte dann genau wie bei ihrem letzten Abschied.
„Oh doch Major, Sie haben Angst vor mir, deshalb wollen Sie nicht herkommen. Dort auf Ihrer Station fühlen Sie sich immer sicher, wenn wir uns begegnen. Aber hier ist mein Terrain und dieser Herausforderung... sind Sie wohl nicht gewachsen. Vielleicht ist es besser, Sie schicken einen anderen Bajoraner als Repräsentanten her. Schade, ich habe Sie für mutig gehalten. Ich sehe, ich habe mich getäuscht.“
Er lehnte sich in seinem Sessel zurück und betrachtet sie fast geringschätzig. Kira kochte innerlich. Was bildete sich dieser arrogante Kerl eigentlich ein?
„Ich werde Ihnen zeigen, dass ich Mut habe! Ich habe keine Angst vor Ihnen, oder vor sonst was dort. Wir sehen uns beim Empfang. Und Sie oder Ihre Leute können dort anstellen, was sie wollen, ich bin Ihnen gewachsen!“
Er grinste. „Wir werden sehen. – Schön, dass sich Ihre Meinung geändert hat, Major Kira Nerys.“
Ein letzter Blick, dann war der Bildschirm dunkel. Er hatte die Übertragung so abrupt abgebrochen und wie er ihren Namen betont hatte... Sie saß da und kam sich irgendwie manipuliert vor. Außerdem kam sie sich wie ein Tier in der Falle vor, bei dem Gedanken an dort...
Sie seufzte. Jetzt konnte sie nicht mehr zurück, sie hatte die Herausforderung angenommen.
Und insgeheim fragte sie sich, ob sie ihm wirklich gewachsen war, oder Cardassia...