„Wundervoll, wirklich Major!“
Garaks Bewunderung klang echt und so sah Kira von einer bissigen Bemerkung ab, welche ihr schon auf der Zunge gelegen hatte.
Sie drehte sich vor dem Spiegel und meinte zweifelnd:
„Finden Sie? Irgendwie wirkt es ein wenig düster. Haben sie nichts... rotes?“
Garak verdrehte die Augen. „Major, schwarz und diese Pailletten stehen Ihnen wunderbar, glauben Sie mir. Zu Ihrer Haarfarbe dürften Sie eigentlich nichts Rotes tragen, es beißt sich. Bei der Farbe Ihrer Uniform können sie ja nicht variieren, aber privat sollten Sie nur schwarz, blau oder grün als Grundfarben wählen. Apropos grün, für das Ballkleid...“ begann er. „Was, noch ein Kleid?“ fragte Kira verdutzt. „Ich dachte...“ „Major, dieses Kostüm ist für den Empfang und das Essen gedacht. Das wichtigste aber ist das Ballkleid. Ich habe hier genau das richtige für Sie. Ziehen Sie sich bitte wieder hinter dem Schirm um, ich packe dieses Kostüm dann vorsichtig in Seidenpapier, damit Sie es transportieren können.“ „Ist das wirklich nötig? Solche Umstände! Jadzia, sag du doch auch mal was!“
Die Trill schüttelte den Kopf.
„Ich habe noch nie eine Frau gekannt, welche so wenig Lust hatte, aus ihrer Weiblichkeit etwas zu machen. Nerys, du siehst zauberhaft in dem schwarzen Kostüm aus und ich nehme an, in diesem grünen Kleid liegen dir dann sämtlich Männer... äh... Cardass... ähm... Sie kam ins Stottern, sah Garaks anzügliches Grinsen, musste selbst lächeln und plötzlich lachte Jadzia mit Garak los. Kira verschwand erbost hinter dem Wandschirm und schimpfte: „Mir liegt absolut nichts daran, auf Cardassia verführerisch auszusehen! Aber wenn dieser ganze Zirkus zum Zeremoniell gehört... ich werde das durchstehen, kein Problem!“
Nach kurzer Zeit trat sie vor den Wandschirm. Jadzia starrte die Freundin an und auch Garak hob eine Braue und meinte: „Perfekt!“ Kira betrachte sich im Spiegel und schüttelte den Kopf. „Das ist viel zu gewagt... Arme und Schultern frei... ich friere bestimmt!“ meinte sie entrüstet.
Garak meinte lächelnd:
„Auf meiner Heimatwelt ist es sehr warm, Major. Hm... der Rock ist etwas zu lang, ich werde ihn abstecken.“ Er ging in die Knie. Kira betrachtete sich missmutig weiter im Spiegel. Jadzia war begeistert von dem Kleid.
‚Wenn ich noch ein Mann wäre, könnte ich mich glatt verlieben... was Dukat wohl dazu sagt? Zu gern wäre ich dabei…‘
Kira blickte die Freundin klagend an. Garak ging in den Nebenraum, um das andere Kleid zu verpacken.
„Jadzia, in diesem Kleid fühle ich mich hilflos... in meiner Uniform bin ich ihm gewachsen, aber hierin... Meinst du, Sisko würde sich darauf einlassen, in meinem Zimmer auf dem Sofa zu übernachten?“ Jadzia lachte lauthals und schüttelte den Kopf.
„Meinst du nicht, dass du ein klein wenig paranoid bist, Nerys? – Und warum sollte er in dein Zimmer kommen? Das wird er nur tun, wenn du ihn einlädst. Und dann würde Benjamin doch wohl etwas stören...“ Kira zog den Pump aus und wollte ihn nach der Freundin werfen. „Wenn er darauf wartet, dass ich ihn in mein Zimmer einlade, wird er Urgroßvater! Nein... aber irgendetwas Hinterhältiges hat er vor, oder es passiert etwas anderes Schreckliches, ich habe ein ungutes Gefühl. Ich habe Dukat auf dem Planeten auf dem die <Revanok> abgestürzt ist ein paar unangenehme Dinge gesagt, ich habe ihm sogar gedroht, ihn zu töten, wenn er Ziyal anrührt... Das wird er nicht vergessen haben. Nein Jadzia, ich lasse das schwarze Kleid an, auch zum Ball.“
Die Trill verdrehte die Augen.
„Aber tue mir den Gefallen und stoße Garak nicht vor den Kopf. Nimm es mit, vielleicht änderst du deine Meinung?“ „Ich würde meine Meinung...äh...nun...wenn besondere Umstände eintreten...“ „Was hat eigentlich Dukat zu dir gesagt, vorher? Wenn ich mich recht erinnere, wolltest du doch gar nicht mit und jetzt ist nicht mehr die Rede davon?“
Kira war froh, dass Garak mit dem verpackten Kleid wiederauftauchte und sie nicht antworten musste. Der Preis für die beiden Kleider war schnell ausgehandelt. Kira zog sich wieder um und Garak versprach, das Ballkleid rechtzeitig zur Abreise geändert zu haben.
Die beiden Frauen bedankten sich und verließen das Geschäft.
Ein paar Tage später auf Cardassia...
„Hat Ihnen die Zeremonie der Ehrung gefallen, Major?“ fragte Dukat, der bei Tisch neben r Kira saß. „Nun... es war beeindruckend. Und auch ein wenig beunruhigend...“
„Inwiefern?“ fragte er neugierig. „Das ganze hier, die vielen freundlichen Cardassianer, ich die einzige Bajoranerin... ich fühle mich hier in der Falle. So allein...“ Er legte seine Hand auf die ihre.
„Ich werde auf sie aufpassen.“
Er grinste unschuldig und Kira verschluckte sich fast an einem Bissen. Er sah sie genauer an. „Ein interessantes Kostüm, das Sie da tragen. Eine Kreation von Garak, wie ich vermute?“
Sie nickte. „Es steht Ihnen. Aber ich hoffe, Sie haben für den Ball noch ein anderes Kleid dabei? Wir legen viel Wert auf Förmlichkeiten.“ „Äh... ja ich habe noch ein Ballkleid machen lassen. Dukat... ich hoffe es ist mir niemand böse, aber ich werde den Ball wohl nicht lange besuchen,“ meinte sie verlegen.
Er sah sie erstaunt an. „Warum nicht, Major?“ „Nun... äh... ich kann nicht gut tanzen. Und cardassianische Tänze sowieso nicht.“ „Wir haben uns für unsere Gäste auf föderationsübliche Tänze geeinigt. Aber wenn Sie die auch nicht gut können, wird es für Sie kein Vergnügen sein... Ich werde Ihnen ein paar Schritte beibringen. Heute Nachmittag, wir können gleich nach dem Essen anfangen. Im Tanzsaal, der ist jetzt leer, niemand wird uns stören.“
Kira überlegte, wie sie sich aus dieser Situation, ohne ihn zu verärgern, zurückziehen konnte, aber ihr viel nichts ein. So nickte sie zustimmend.
Eine halbe Stunde später fanden sie sich im Tanzsaal ein. Dukat ging an die Computeranlage und gab seine Musikwünsche ein. Er zeigte ihr ein paar Schritte und war nicht ärgerlich, nur amüsiert, als sie ihm dauernd auf die Füße trat. „Seien Sie locker, Major, vertrauen Sie sich mir an,“ meinte er schnurrend und lächelte verführerisch. Oder was er dafür hielt... Sie lachte. „Ich weiß nicht, ob ich es riskieren kann, in Ihrer Gegenwart locker zu sein, und Vertrauen... na ja…“
Sein Griff wurde stärker und Dukat hielt sie enger. „Das ist Ihr Fehler Major. Sie können sich nicht gehen lassen, Sie wollen keinen Spaß haben. Irgendwann werden Sie das noch bereuen.“ „Dukat, ich denke ich bin hier um tanzen zu lernen, nicht damit ich mir Ihre... seltsamen Ansichten anhören muss.“ Sie trat ihm wieder auf die Füße und diesmal absichtlich. Als sie aber seinen missbilligenden Blick sah, beschloss sie, sich mehr anzustrengen. Und nach einer Stunde üben, klappte es plötzlich ganz gut.
„Sie haben es drauf, wenn Sie sich Mühe geben. Ich freue mich auf den Ball morgen Major, und ich bin gespannt auf Ihr Kleid.“
Sie dachte:‘ Oh je, jetzt muss ich diesen verdammten, grünen Fetzen doch noch anziehen. Dann rückt er mir wahrscheinlich gar nicht mehr von der Pelle!‘
Insgeheim musste sie sich eingestehen, dass ihr seine Gegenwart momentan gar nicht so unangenehm war. Er trägt keine Uniform und er benimmt sich recht umgänglich, dass macht viel aus‘, dachte sie um sich zu rechtfertigen.
„Ich hoffe, Sie und Captain Sisko geben mir heute Abend bei einem zwanglosen Abendessen die Ehre. Ziyal wird auch anwesend sein, sie würde sich freuen.“ „Werde ich auch ihre andere Familie kennenlernen? Soweit ich weiß, haben Sie doch 7 Kinder!“
Er stellte die Musik ab und antwortete ausweichend: „Meine... Frau befindet sich momentan mit den jüngeren Kindern auf einer Besuchsreise. Sie hat nicht gesagt, wann sie wieder zurückkommt. Die Reise begann einen Tag nach Ziyals Ankunft...„ „Das... tut mir leid,“ meinte Kira.
„Sie wird sich vielleicht scheiden lassen und intrigiert kräftig im Rat gegen mich und bei meinen Freunden. Und ich kann kaum etwas dagegen unternehmen. – Meine beiden ältesten Kinder, welche nicht mehr unter der Fuchtel von Sirana stehen sind aber anwesend. Wie sie zu Ziyal stehen ist noch nicht so ganz klar, bisher verhalten sie sich recht... neutral. Trotzdem zweifle ich inzwischen, ob es das richtige war, Ziyal hierher zu bringen. Das Verhalten der Allgemeinheit ihr gegenüber ist ablehnend, sie wird es schwer haben.“ „Das war zu erwarten, Dukat. Aber ihr Verhalten auf dem Planeten war richtig, daran müssen Sie festhalten.“
Er drehte sich um und wechselte das Thema. „Sie kommen also?“ Die Bajoranerin nickte.
Sie trennten sich.