Dr. Julian Bashir gähnte herzhaft und reckte vorsichtig die verspannten Glieder. Zu dumm, dass seine Freundin Leeta heute Spätdienst im „Quarks“ hatte, nichts hätte er sich jetzt sehnlichster gewünscht als ein heißes Bad und eine Massage in einer Holosuite... und mehr.
Er seufzte, wischte die Gedanken weg und wandte sich wieder seinen wissenschaftlichen Aufzeichnungen am Computerterminal zu. Doch bevor er sich erneut in seine Arbeit vertiefen konnte, rief ihn ein Räuspern in die Wirklichkeit zurück.
Er wandte sich um und sah seinen Freund Garak etwas unentschlossen in der Tür stehen.
“Ich störe wohl? Sie haben viel Arbeit. Eigentlich wollte ich mir etwas von der Seele reden... aber es hat Zeit.” Der Cardassianer wandte sich wieder zum Gehen.
Eigentlich hatte der junge Doktor wirklich viel zu tun, aber etwas in der Haltung und der Tonlage seines Freundes veranlasste ihn, Garak vom Gegenteil zu überzeugen. Hastig stand er auf und schlenderte lächelnd auf sein Gegenüber zu. Sein Freund schien Sorgen zu haben und er war fest entschlossen ihm zu helfen.
“Aber nein, Garak, gerade wollte ich Schluss machen und irgendwo noch einen kleinen Imbiss und einen Drink zu mir nehmen. Es würde mich freuen, wenn Sie mich begleiten und wir können reden.” Der Cardassianer lächelte müde. “Sie schwindeln gut, Doktor, aber ich bin Ihnen dankbar dafür.” Bashir sah ihn betroffen an. “Aber ich... woher wissen Sie...”meinte er verlegen. “Sie vergessen, dass ich der Meister im Lügen bin und natürlich erkenne ich auch, wenn es andere tun. Die Menschen nennen es natürlich Höflichkeit, Ausflüchte oder Notlügen... wie dem auch sei. - Kommen Sie Doktor! Ich habe Ihnen viel zu erzählen und diesmal keine Lügen.”
“Sie machen mich neugierig, Garak! Und da man Ihnen keine Lügen unterjubeln kann – ich habe wirklich viel zu tun, aber ich bin jetzt 14 Stunden im Dienst und niemand kann mir einen Strick drehen, wenn ich jetzt alles liegen lasse und mit Ihnen essen gehe.” “Und ihre Freundin wird Sie nicht vermissen?” “Leeta hat heute Abend Spätdienst, unserem Gespräch steht also nichts mehr im Wege! Jetzt haben Sie mich sowieso neugierig gemacht, Garak. – Wäre Ihnen das „Replimat“ angenehm?” “Sehr sogar, dort ist man sicher ungestörter als bei „Quarks“. Nach Ihnen, mein Freund.”
Doktor Bashir ordnete ein paar Sachen und schaltete seine Messgeräte und Terminals aus. Dann verließen die beiden Männer die Krankenstation.
Nach dem Essen nahm Garak einen tiefen Schluck von seinem Getränk. Seine Augen wirkten traurig, es lag ein Ausdruck darin, welcher Bashir nicht deuten konnte.
Garak blickte in den Raum, aber es schien, als sei er mit Gedanken weit weg.
“Sie erinnern sich sicher an die Geschichte mit dem Implantat?[1]Im Delirium habe ich Ihnen Dinge erzählt, welche ich zuvor noch keinem Menschen erzählt habe. Über den Obsidian Order, über Tain... den Verrat. Und jene Geschichte, welche der Anfang vom Ende war und meinen Fall einleitete... Es war die Wahrheit und doch nicht ganz. Ich erzählte Ihnen, es sei mein Freund „Elim“ gewesen, welcher den Verrat begangen hatte. Tain hat Ihnen dann später erzählt, wer „Elim“ wirklich ist und ich glaube, Sie haben sich dann alles zusammengereimt... Als Tain starb, haben Sie dann auch erfahren, dass er nicht nur mein Mentor, sondern auch mein Vater war. Und doch gibt es Dinge, die Sie noch nicht wissen. Zusammenhänge welche Sie aber verstehen sollten. Wenigstens mein einziger Freund auf dieser kalten Station, meinem Exil, soll alles erfahren, bevor ich... sterbe.”
Die letzten Worte hatte der Cardassianer fast geflüstert. Es kam ihm sehr darauf an, dass sonst keiner etwas davon erfuhr. Die wenigen Besucher des Restaurants sahen sich nicht nach den beiden um, sie aßen oft hier, es war nichts Besonderes.
Bashir starrte sein Gegenüber entgeistert an. Aber bevor er eine Frage formulieren konnte, wehrte Garak dies mit einer Handbewegung schroff ab. “Erst hören Sie sich bitte meine Geschichte an, ich glaube nicht, dass Sie dann noch Fragen haben werden.”
Sein Blick schweifte wieder in die Ferne und Bashir lauschte gespannt.