TrekNation

Das ultimative Archiv deutscher Star Trek Fanfiction!

Knochenwoche

von Emony

Short-Trek

Sternzeit 58062.3 – USS Cerritos, Trainingsdeck

„Willkommen zur Knochenwoche!“, brüllte Shaxs mit der Energie eines explodierenden Warpkerns.

„Das ist kein echter Begriff!“, rief Boimler verzweifelt.

„Doch jetzt schon!“, fauchte Dr. T’Ana und warf ihm ein PADD an den Kopf. „Wir machen das jedes Jahr, wenn ich daran denke.“

„Letztes Jahr haben Sie es vergessen, weil der Biobett-Desinfektor explodiert ist“, erinnerte sich Rutherford.

„Und das war der schönste Tag meines Lebens“, murmelte Mariner.

Shaxs trat energisch nach vorn. „Dieses Mal wird trainiert! Für Disziplin! Für Ehre! Für den perfekten Calciumhaushalt!“

Tendi war aufgeregt. „Ich hab Trainingsbänder in drei Farben mitgebracht!“

Mariner flüsterte Boimler zu: „Denkst du, ich komm durch die Luftschleuse, ohne dass es auffällt?“

„Ich komme mit“, antwortete Boimler sofort.


Übungseinheit 1: „Knochen stärken durch Disziplin“

„Warum rennen wir mit Sandsäcken über das Deck?!“, schrie Boimler, während er gegen ein holographisches Hindernis krachte.

„Weil Shaxs glaubt, dass das die Hüftgelenke ‚erleuchtet‘!“, keuchte Rutherford.

Tendi hüpfte nebenher. „Ich hab den Calciumlevel von uns allen gescannt! Boimler, dein rechter Fußknochen ist beleidigt!“

Mariner schleppte ihren Sandsack wie ein schlafendes Tier. „Ich war auf Qo’noS. Ich hab da einmal einen Bat’lethkampf überlebt. Und jetzt das hier?!“

Shaxs stand auf einem Kasten und brüllte: „WENN IHR KEUCHT, ATMET IHR! WENN IHR ATMET, LEBT IHR! UND WENN IHR LEBT, DANN LIEBE ICH EUCH!“

Dr. T’Ana fauchte im Hintergrund und warf mit Calciumtabletten.


Übungseinheit 2: Holo-Yoga mit Shaxs

„Ich wusste nicht, dass Krieger-Yoga eine Sache ist“, stöhnte Boimler und fiel in sich zusammen.

„Der Baum stirbt...“, murmelte Mariner, während sie auf einem Bein wackelte.

„Kraft! Gleichgewicht! Stolz in den Lenden!“, rief Shaxs und machte die Kobra-Pose mit militärischer Präzision vor.

Dr. T’Ana scrollte auf einem PADD. „Ich notiere 70 % Muskelversagen. Sehr gut.“

Tendi lachte. „Rutherford ist in der Planke eingeschlafen!“

„Ich meditiere!“, murmelte Rutherford im Halbschlaf.

Boimler hob zitternd die Hand, während sein Gesicht den Ausdruck eines Mannes trug, der den Sinn des Lebens – oder zumindest seiner Lendenwirbel – überdachte. „Rein hypothetisch... wenn ich jetzt einfach umkippe und ganz, ganz still bin – zählt das dann als taktische Auszeit?“

Shaxs drehte sich zu ihm um wie ein bajoranischer Donnergott, die Stimme bebte vor aufrichtiger Sorge und übertriebener Begeisterung: „NUR WENN SIE DEN TOD ATTESTIERT BEKOMMEN, ENSIGN! SOLANGE SIE ATMEN, SIND SIE IM DIENST DES KÖRPERS!“

Boimler ließ die Hand sinken. „Okay. Dann... weine ich einfach leise in meine Matte.“


Am Abend in der Unterkunft der Lower Decks

„Ich glaube, mein Skelett versucht, mich zu verlassen“, ächzte Boimler.

„Irgendwas an mir knackt, das vorher kein Gelenk war“, murmelte Mariner.

Rutherford lag auf einem Regenerationspad. „Ich fühle nichts mehr. Aber irgendwie ist das okay.“

Tendi hielt ein Glas Magnesiumwasser hoch. „Nur noch vier Tage! Ich hab die Planung gesehen: Morgen ist Vulkanisches Gleichgewichtstraining auf einem Bein mit Enteiser-Stiefeln angesagt.“

Pause.

Mariner versuchte Tendis Begeisterung zu ignorieren und fragte niemand Bestimmtes: „Gibt es irgendwo auf dem Schiff noch einen Tribble, in den ich mich als Tarnung einrollen kann?“

„Wenn ich mich in den Warpkern verirre – sagt ihr dann, ich in Ausübung meiner Pflicht gestorben?“, fragte Boimler entgegen.

Tendi konnte darüber nur den Kopf schütteln. „Nun stellt euch doch nicht so an. Ein bisschen Training und Disziplin hat noch keinem geschadet.“

Rutherford warf ihr einen ungläubigen Seitenblick zu. „Wie kannst du nach so einem Tag noch dermaßen gut gelaunt sein?“


Finaler Tag – Shaxs’ „Ultimative Knochenprüfung“

Der Hindernisparcours erstreckte sich über drei Decks – ein wilder Albtraum aus dichtem Nebel, schwenkenden Greifarmen und chaotisch blinkenden Notfalllichtern. Überall hallte das Kreischen von Metall auf Metall wider, durchsetzt von energischem Gebrüll.

Aus dem Dunst tönte plötzlich eine Stimme, verstärkt durch ein Megafon, kratzig und unerbittlich: „NENNEN SIE MIR DEN LÄNGSTEN KNOCHEN DES MENSCHLICHEN KÖRPERS, WÄHREND SIE EIN SEIL HOCHKLETTERN!“

Mariner, gerade dabei, mit zitternden Armen das glitschige Tau zu erklimmen, stöhnte: „MEIN WILLENSKNOCHEN IST TOT!“

„Der... der Femur?!“, japste Boimler hinter ihr mit letzter Kraft, während er sich an das Seil klammerte wie ein Tribble an einen Heizstrahler.

„EXAKT!“, brüllte Dr. T’Ana mit unheimlicher Begeisterung. „UND SIE BEHALTEN IHN – WENN SIE NICHT FALLEN!“

Weiter unten lachte Tendi aufgeregt, die mit strahlenden Augen zwischen Hindernissen hin und her sprintete. „Ich liebe diese Woche!“

Rutherford hingegen verlor das Gleichgewicht auf einer vibrierenden Plattform, ruderte hilflos mit den Armen und fiel rücklings in eine gepolsterte Matte. Er stöhnte: „Ich... nicht.“


Epilog – Sternzeit 58063.2

Die Knochenwoche war vorbei.

Verstreut zwischen Tricordern, leeren Hyposprays und halb abgebauten Hindernissen saßen die Überlebenden der medizinischen Trainingshölle – müde, schwitzend und mit mehr Verbänden als Stolz, aber lebendig. Größtenteils.

Boimler hielt sich die Schulter, die leicht in einem unnatürlichen Winkel stand, und murmelte andächtig: „Ich hab ihm einen Namen gegeben. Mein linkes Schultergelenk. Es heißt jetzt Greg.“

Mariner, völlig zerzaust, aber grinsend bis über beide Ohren, lehnte sich gegen eine Konsole. „Ehren-Medizinische Katastrophenüberlebende. Klingt offiziell, oder? Vielleicht lässt sich daraus ein Titel machen. Oder ein Trinkspiel.“

Tendi notierte begeistert irgendetwas auf ihrem PADD, Rutherford lag mit geschlossenen Augen auf einer Liege und bewegte sich nur noch, wenn er atmen musste.

Inmitten all dessen stand Shaxs. Der große Sicherheitschef versuchte sichtlich, seine Fassung zu wahren – vergeblich. Seine Stimme zitterte, die sonst so unerschütterliche Fassade drohte zu bröckeln. „Ich bin... ich bin so stolz auf meine kleinen, starken Skelette!“

Und Dr. T’Ana?

Die Ärztin warf einen letzten Blick über ihre erschöpfte Truppe, schnupperte prüfend in die Luft und fauchte dann zufrieden: „Sie leben noch. Reicht für mich.“

Ende

Rezensionen