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Morgen

von Iriana Nor

Kapitel 1

                                         

Ziyal war tot...

Immer und immer wieder versuchte er sich das begreiflich zu machen, und doch konnte er es kaum glauben.

Der Cardassianer stand am Aussichtsfenster der Station, in der gerade Nacht simuliert war. Nur noch wenig Humanoide wandelten über die Promenade, nur noch vereinzelt klangen Stimmen und das Geklimper vom Dabo Tisch zu ihm herüber. Es mochte zwischen 2 und 3 Uhr morgens sein, in wenigen Stunden würden die ersten Techniker, Ingenieure und Offiziere die Frühschicht beginnen, es war ihm egal. Er hatte jedes Zeitgefühl verloren, aber es wartete sowieso niemand auf ihn.

Der Cardassianer war nicht gerade beliebt auf DS9. Nur wenige begegneten ihm nicht mit Misstrauen, vereinzelt sah er noch Hass in den Augen der stationären Bajoraner oder einfach nur Verachtung. Aber auch unter den anderen Humanoiden gab es wenige, die seine Gesellschaft suchten und nur einen konnte er zu seinen Freunden zählen.

Trotzdem war sein Privatleben leer geblieben, ein Freund ersetzte nicht die Familie, die Heimat, eine... Gefährtin.

Bis zu dem Tag vor ca. zwei Jahren, als sie  aufgetaucht war.

Er erinnerte sich genau an jede einzelne Begegnung mit ihr, als sei es gestern gewesen. An jede Linie ihres interessanten, jungen Gesichtes. Halb bajoranisch und halb cardassiansich und ebenso Außenseiter wie er es war... Nach anfänglichen Missverständnissen waren sie rasch Freunde geworden. Major Kira Nerys allerdings, ihr Verhältnis zu ihm ließ sich wohl mit Verachtung oder bestenfalls Gleichgültigkeit beschreiben, vorsichtig ausgedrückt, hatte von Anfang an keinen Hehl daraus gemacht, dass sie diese Freundschaft missbilligte.

Er hatte sich immer gefragt, warum Ziyal ihm von Anfang an so offen begegnet war, ihm mehr und mehr vertraut hatte. Ihr Vater war sein Erzfeind, denn vor vielen Jahren hatte er im Auftrag des Obsidian Orders ihren Großvater gefoltert, bis er daran starb. Gab es schlechtere Voraussetzungen für eine Freundschaft? Und mehr... er konnte nicht sagen, wann er zum ersten Mal gefühlt hatte, das da noch etwas anderes war, er für dieses junge Mädchen mehr empfand.

Er ahnte, dass auch sie mehr fühlte, aber keiner wagte den ersten Schritt zu tun. Ihr Vater, der Altersunterschied, ihre bajoranische Hälfte... all das stand zwischen ihnen.

Als sie starb, war er nicht auf der Station gewesen. Es war nötig geworden seinem Erzfeind aus dem Weg zu gehen, er hätte wahrscheinlich keine Stunde Dukats Machtübernahme der Station überlebt.

‚Vielleicht hätte ich sie schützen können...‘ murmelte er leise und eine Träne rann über die graue Haut. Ein  Cardassianer tötet eine Verräterin... aus Sicht von Damar. In den Augen aller Anderen auf der Station war sie eine Heldin gewesen, welche dabei geholfen hatte DS9 zurück zu erobern...

Doch ihm half das wenig.

Ziyal hatte ihm das Leben auf der Station erträglicher gemacht. Er konnte jemand von der Heimat erzählen, den es interessierte. Kira hatte ihm nach ihrem Tod erzählt, dass Ziyal ihn geliebt hatte, so wie er sie.

Sie hatten sich so viel erzählt, nur das wichtigste nicht....

Müde lehnte er den Kopf an das kalte Fenster.

Ziyal war tot, er akzeptierte endlich die Trauer.

‚Ich bin wieder allein.‘ flüsterte er zu sich selbst. Langsam reckte er die steif gewordenen Glieder. Stunden hatte er dort am Fenster gestanden und in die Vergangenheit gelauscht...

Er ging über die dunkle Promenade. <Quarks> war längst geschlossen, keine Seele war mehr auf. In wenigen Stunden würde hier wieder Leben und Trubel herrschen Doch jetzt symbolisierten die leeren Gänge sein Leben ohne sie.

Er betrat sein Quartier und draußen begann der Morgen.                         

 

        E N D E

 

 

 

 

 

 

 

 

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