,,Sie kommen also?" Versicherte sich Chakotay noch einmal. ,,Dieses Mal keine Ausflüchte oder spontane Ausreden?"
,,Weder noch", erwiderte Janeway lächelnd.
,,Gut, dann sehe ich Sie um 17.00 Uhr Bordzeit pünktlich vor Holodeck 1. Und vergessen Sie nicht, sich warm anzuziehen!" Damit verließ Chakotay fröhlich vor sich hinpfeifend Janeway's Bereitschaftsraum. Die Offiziere bemerkten seine gute Laune und wurden neugierig, aber es störte ihn nicht.
Er wusste, was sie jetzt dachten. Und es war ja auch so, nun, zumindest auf seiner Seite. Ja, er liebte Kathryn Janeway, und auch wenn er es nicht zeigte, er verzehrte sich nach ihr. Wie oft hatte er sie einfach in seine Arme nehmen wollen..? Aber es blieb unmöglich, Kathryn's selbst aufgestellten Regeln blieben zwischen ihnen und so konnte und durfte nicht mehr aus ihnen werden. So meinte es jedenfalls Kathryn, aber Chakotay merkte oft, wie bröselig diese Fassade wurde. War es bei ihren kleinen, aber auch intimen Berührungen oder bei ihren Gesprächen, es gab einfach manchmal Momente, in denen er sich so wünschte sie in seine Arme zu nehmen und zu küssen. Und auch sie hatte diese Augenblicke, das wusste er. Aber es würde wahrscheinlich nichts werden, immerhin waren die Protokolle ihr persönliches Gesetz.
Allerdings hatte er noch Chancen: die Zusage von vorhin, und wenn er alles richtig anstellte, könnte sich daraus noch etwas entwickeln...
Er nahm sich vor, ihr einen wunderschönen Ausflug auf dem Holodeck zu bereiten und es so romantisch wie möglich zu machen. Vielleicht würde dann ja wieder einer dieser intimen Momente kommen, vielleicht sogar der richtige und sie würden weiter kommen als in ihrem Bereitschaftsraum. Dort blieb es jedes Mal bei einer kleinen Anmerkung, aber auf dem Holodeck, so hoffte er, würde sie freier sein.
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Es war kurz vor 17 Uhr Bordzeit und Chakotay stand vor dem Eingang des Holodecks und wartete. Nun, sie ist noch nicht zu spät und sie hat versprochen zu kommen dachte er sich, na ja, nicht versprochen, aber sie hat ihre Zusage bestätigt.
Dann kam sie um die Ecke. Es war wie in seinen Träumen, das glaubte er zumindest zuerst. Sie war ganz in weiß gekleidet, bis hin zu der dicken Jacke, der Hose und dem Schal. Dadurch bildeten ihre kurzen roten Haare einen deutlichen Kontrast. Er im Gegenteil war vollkommen in schwarz gehüllt, wodurch seine bronzefarbene Haut nicht sehr auffiel.
Dann bemerkte er die Schlittschuhe, die sie bei sich hatte.
,,Hallo", meinte sich lächelnd. ,,Ich dachte mir, ich könnte die gebrauchen, auch wenn ich nicht einmal gut darauf stehen kann, geschweige denn fahren!" Sie lachte herzlich.
,,Wenn Sie wollen, bringe ich es ihnen bei", bot Chakotay an. Er war überglücklich. Mehrere Stunden konnte er mit der Frau, die er innig liebte, verbringen. Und wenn er ihr dann noch Schlittschuh fahren beibringen würde, könnte er sie ganz nahe halten!
,,Das wär nett, auch wenn ich bestimmt zu untalentiert dazu bin, aber versuchen kann man es ja.." antwortete sie grinsend und blickte mit gespieltem Schamgefühl nach unten. Dann sah sie wieder hoch und grinste Chakotay breit an. ,,Los auf geht's, ich lerne heute Schlittschuh fahren!" Damit nahm sie ihn an die Hand und betrat das Holodeck. Chakotay verschwendete keinen Gedanken mehr an so etwas wie Protokolle, nur ein einziges Mal dachte er daran, wie gelöst sie ohne ihre Uniform und ohne irgendwelche Ranginsignien war.
Als sie das Holodeck betraten, war das Programm schon aktiv. Eine weiße, in einem großen Tal gelegene, Schneelandschaft sprang in ihr Blickfeld und beide erstarrten vor der Schönheit. Im Hintergrund konnte man die hohen, mit Schnee überzogenen Berggipfel sehen, und unter ihnen knirschte der Schnee bei jedem Schritt, den sie machten. Schnell tippte er noch ein paar Befehle in eine Konsole, die kurz danach verschwand und noch mehr weißer Pracht wich und schließlich materialisierten ein paar Schlittschuhe für ihn.
Sie liefen Hand in Hand einige Meter durch den dichten Schnee, vor ihnen eine große, weiße Landschaft, und bis auf einige zugeschneite Bäume und Sträucher, völlig leer von jeglicher Pflanzen- und Tierwelt.
Als sie so durch die menschenleere Weite liefen, riss Kathryn sich plötzlich von Chakotay's Hand los, ließ ihre Schlittschuhe auf den Boden fallen und warf sich in den weichen Schnee. Dort rollte sie sich auf den Rücken und blieb mit geschlossenen Augen liegen. Chakotay hatte vor Überraschung gar nicht reagieren können, und ging schließlich langsam auf sie zu. Als er sich über sie beugte öffnete sie ihre Augen und streckte ihm die Zunge raus. Sie rollte sich zur Seite, stand blitzschnell auf und rannte einige Meter von ihm weg.
,,Sie strecken mir, Ihrem Ersten Offizier, die Zunge heraus?" Rief er ihr mit gespielter Empörung nach.
Sie blieb stehen, drehte sich zu ihm und erwiderte nur: ,,Ja, das tue ich!" Dann machte sie wieder kehrt und rannte weiter.
,,Das sollen Sie bezahlen!" Chakotay bückte sich, nahm etwas Schnee und formte so einen Schneeball. Dann lief er ihr hinterher. Sie war aber leider schon zu weit entfernt, um sie bewerfen zu können.
Aber auch sie hatte vorgesorgt und hielt einen Schneeball in der Hand. Triumphierend grinste sie und wartete auf seine Reaktion. Oder er kam nicht auf sie zu, wie sie gedacht hatte, nein er war zu klug dazu. Er wartete auf sie, um im Vorteil zu sein. Sie beschloss, ihm diesen Gefallen zu tun und machte ein paar Schritte auf sie zu. Dann ging es los, sie bewarfen sich gegenseitig mit unzählbar vielen Schneebällen.
Bald war die Stelle in der sie ihre Schneeballschlacht führten ganz von Fußabdrücken und anderem durchwühlt. Kathryn's Schlittschuhe lagen unbeachtet ein paar Meter weiter.
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Nach einigen Minuten schwerster Kampfführung und Nichtaufgebens lagen beide erschöpft nebeneinander im Schnee und atmeten schwer.
,,Ich habe gewonnen", meinte Kathryn und keuchte noch mehr.
,,Und woher wollen Sie das wissen?" Antwortete Chakotay genauso keuchend.
,,Ich bin der Captain, ich muss gewinnen!" Sagte sie und setzte sich auf.
,,Jaja, immer diese Siegessicherheit, die bekommt man wohl mit dem Rang eines Captains wie? Dabei wurden Sie mindestens genauso oft wie ich getroffen, wenn nicht noch öfter! Ich glaube eher, ich habe gewonnen, schließlich haben Sie ja auch noch angefangen!"
,,Was heißt hier, ich habe angefangen? Sie haben doch zuerst einen Schneeball gemacht!"
,,Ja vielleicht, aber Sie haben als erstes geworfen, wir hätten sicher alles friedlich regeln können!" Er setzte sich ebenfalls auf, so dass er Janeway jetzt gegenüber saß.
,,Sie haben doch nur darauf gewartet, dass ich geworfen habe! Sie wollten es doch so!" Erwiderte sie lautstark.
Plötzlich lagen sie wieder beide auf dem Boden und ringten. Sie rollten quer über die weiße, flache Fläche und jeder versuchte die Oberhand zu gewinnen. Allerdings war Chakotay um einiges stärker als Janeway und so lag sie nach kurzer Zeit unter ihm. Ihre Arme hatte Chakotay auf beiden Seiten auf den Boden gedrückt, so dass sie sich nicht wehren konnte, und aufspringen konnte sie auch nicht, er war viel schwerer als sie.
Kathryn versuchte es jedoch, kam aber nicht weit. Schließlich gab sie auf und sah ihn an. Ihr Lächeln verblasste, ihr gerötetes Gesicht und ihre schneedurchsetzten Haare bildete einen noch stärkeren Kontrast, als seine dunkle Haut mit dem Schwarz seiner Kleidung. Langsam kamen sie sich näher und es vergingen scheinbar Stunden, bis ihre Gesichter schließlich so nahe beieinander waren, dass sie die gleiche Luft atmeten.
Auch Chakotay's Lachen war verschwunden, er blickte nur noch abwechselnd von ihren dunkelblauen Augen zu ihren schmalen, roten, leicht geöffneten Lippen. Er ließ ihre Arme los und sie wand sie um seine starken Schultern. Seine Hände legten sich auf beiden Seiten an ihre Hüfte und wanderten schließlich um ihre schmale Taille.
Er wollte gerade die letzten störenden Zentimeter- oder waren es nur Millimeter, er wusste es nicht- überwinden, als plötzlich der Boden erschüttert wurde.
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In der Zwischenzeit auf der Brücke
,,Status, Mr. Kim" Tuvok bahnte sich seinen Weg von dem Kommandosessel zu seiner Station.
Rauchschwaden machten die Luft fast undurchsichtig auf der Brücke. Man hörte einzelnde Crewmitglieder husten, alle waren damit beschäftigt den Weg von Trümmern freizuräumen oder die Verletzten zu versorgen. Aber anscheinend ging es allen gut.
,,Sir, es scheint, als hätte uns eine Art... Energiewelle getroffen, wahrscheinlich ein natürliches Phänomen von einem der Sonnensysteme hier. Allerdings konnten die Sensoren vorher nichts orten, die Langsteckensensoren sind uns kein Schutz." Er holte tief Luft. ,,Dann gibt es noch einige Verletzte auf Deck 4, drei schwer, die Kommunikation ist ausgefallen, und einige Kontrollen funktionieren nicht mehr, zum Beispiel die des Holodecks und die der Replikatoren."
,,Befindet sich zur Zeit jemand auf dem Holodeck?"
,,Positiv, der Captain und der Commander befinden sich auf Holodeck 1, was erklärt, warum sie noch nicht hier sind. Die Simulation ist aktiv, aber die Sicherheitsprotokolle sind deaktiviert und man kann die Simulation weder beenden noch das Holodeck verlassen. Ich bekomme auch keine genaueren Daten, anscheinend haben auch die internen Sensoren Fehlfunktionen." Er sah von seinem Kontrollen hoch und Tuvok an. ,,Sir, wenn der Captain und der Commander das Holodeck nicht verlassen können und die Sicherheitsprotokolle nicht aktiv sind, es könnte dort etwas passiert sein!"
,,Das wird nicht der Fall sein, Fähnrich, machen Sie sich nicht unnötig Sorgen." Er drehte sich um und ging wieder in Richtung Mitte der Brücke. ,,Schicken Sie eine Reperaturcrew los, diese soll sich besonders bei der Reparatur der Kommunikation beeilen, damit wir über die Situation auf dem Holodeck Bescheid wissen."
,,Aye, Sir", erwiderte Kim und machte sich an die Arbeit.
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Janeway und Chakotay schraken zusammen. Der intime Augenblick war verflogen. Kathryn versuchte sich aus Chakotay's Umklammerung zu befreien und aufzustehen. Er ließ sie widerwillig los und stand ebenfalls auf.
,,Janeway an Brücke, was ist passiert?"
Keine Antwort.
Janeway und Chakotay sahen sich an, keiner von ihnen sagte etwas. So standen sie einige Sekunden bis Chakotay sagte: ,,Dort geht etwas nicht mit rechten Dingen zu, es ist bestimmt etwas passiert."
,,Das denke ich auch, wir sollten auf die Brücke gehen. Computer Ausgang!"
Kein Ausgang erschien, es blieb die wunderschöne Schneelandschaft.
,,Computer, Programm beenden!" Versuchte es Chakotay dieses Mal, aber wieder tat sich nichts. Wieder sahen sie sich an, keiner wusste was nun zu tun war.
,,Anscheinend müssen wir warten bis uns hier jemand rausholt." Meinte Janeway. ,,Wir sollten uns eine Stelle suchen, wo es etwas wärmer ist, und wo es nicht schneit." Sie hatten gar nicht gemerkt, dass schon einige Zeit weiße Flocken durch die Luft tanzten und so langsam die Stelle bedeckten, auf der sie sich die Schneeballschlacht geliefert hatten. Auch die Druckstellen im Boden, wo sie gelegen hatten, wurde abgedeckt.
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Es schneite nun sehr heftig und man konnte die Berge im Hintergrund nicht mehr sehen, alles war nur noch grau. Zwei Gestalten stapften durch den Schnee, beide vermummt durch einen, ins Gesicht gezogenen, Schal. Nach einiger Zeit fanden sie Unterschlupf in einer Höhle.
Zusammen saßen sie an dem Feuer, dass Chakotay angezündet hatte und wärmten sich. Nach einiger Zeit fing Janeway an, sich zu entspannen. Sie war seit dem beinahe-Kuss sehr angespannt gewesen. Sie hätte nicht so weit gehen dürfen, das wusste sich jetzt. Aber jetzt, da sie beide es fast wieder vergessen hatten, zumindest hoffte sie, dass es Chakotay irgendwann einmal vergessen würde, ging es ihr wieder besser, sie konnte ihn auch wieder ansehen ohne Panik zu bekommen.
,,Chakotay?" Fragte sich leise.
,,Ja Kathryn?" Erwiderte er eben so leise.
,,Warum gibt es hier eine Höhle, und sogar mit Brennholz, haben Sie sie auch ins Programm genommen? Zu welchem Zweck, wir wollten doch nur einen kleinen Ausflug machen."
,,Nun, das Programm stammt nicht von mir, es ist von Tom, und Sie wissen doch wie er ist, wahrscheinlich hat er einen warmen Platz eingerichtet für, na ja Sie wissen schon. Ich wusste auch nichts davon, ehrlich!"
,,Nun, wenigstens ist etwas positives an Tom's Verkupplungsversuchen." Meinte sie und lächelte ihn an.
Chakotay erwiderte ihr Lächeln, ihm ging die ganze Zeit eine bestimmte Sache nicht mehr aus dem Kopf. Warum hatte er sie nicht geküsst, als er die Chance dazu hatte? Sie hatte sich nicht einmal gewehrt, sie wollte es auch. Aber jetzt schien es, als hätte sie es wieder vergessen, sie tat auf jeden Fall so. Wäre er nur etwas schneller gewesen, hätte er sie einfach an sich herangezogen und nicht so lange gewartet... weiß wusste das schon, vielleicht hätten sie diese Höhle dann wirklich für den von Tom vorgesehen Zweck genutzt... Aber nein, so etwas durfte er nicht denken, sie war sein Captain! Wenn sich jemals etwas aus ihnen entwickeln würde, es bräuchte Zeit, sehr viel Zeit.
,,Chakotay? Huhu?!" Janeway wedelte mit ihrer Hand vor seinem Gesicht, bis er sich wieder in der Wirklichkeit befand. Er schrak zusammen und sah sie an, als wäre nichts gewesen. ,,Sie waren wohl abwesend, wie?" Sagte sie und lächelte. ,,Chakotay, es hat aufgehört zu schneien, und da wir wohl nicht erwarten dürfen, dass man uns hier in der nächsten Zeit befreit, dachte ich, wir könnten jetzt doch Schlittschuh laufen gehen."
Er hatte ganz vergessen, dass er ihr Schlittschuh fahren hatte beibringen wollen. Er sah auf die beiden Paare Schlittschuhe, die gegen einen Fels gelehnt auf den Boden lagen und dann zum Ausgang der Höhle, der ihm einen Blick nach draußen in die weiße Schönheit erlaubte. Er nickte und beide gingen los.
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,,OK, und jetzt kommen Sie ganz langsam auf mich zu gefahren, so wie ich es Ihnen gezeigt habe." Chakotay stand auf dem großen, gefrorenen Teich, etwa 30 Meter von Janeway entfernt und beobachtete wie mühsam es für sie war sich auch nur auf den Beinen zu halten, bei solch einer glatten Eisoberfläche.
,,Auf Ihre Verantwortung!" Rief Kathryn und setzte sich ganz langsam in Bewegung. Nach einigen Metern fühlte sie sich etwas sicherer und beschleunigte. Das war allerdings falsch, schon nach wenigen Sekunden landete sie auf ihrem Allerwertesten.
Chakotay kam auf sie zu und wollte sie fragen, ob es ihr gut ginge, doch als er sie lachen hörte, war ihr klar, dass nichts geschehen war. ,,Aua, das gibt einen blauen Fleck", meinte sie nur lachend.
Ebenfalls grinsend streckte er ihr die Hand entgegen und half ihr beim Aufstehen. Dann setzten sie ihr Üben fort merkten gar nicht, wie die Stunden verstrichen.
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Es war inzwischen 21 Uhr Bordzeit und noch immer war nichts geschehen, es schien, als hätte überhaupt keiner gemerkt, dass Captain und Commander fehlten. Das war aber nicht der Fall, was beide nicht wussten, die gesammte Crew arbeitete fieberhaft an einer Lösung. Schließlich waren die Sicherheitsprotokolle des Holodecks ausgefallen, es konnte furchtbares passieren.
Kathryn und Chakotay waren immer noch mit ihren Übungen auf dem Eis beschäftigt, ihnen war gar nicht klar, wie spät es schon war, sie merkten nur, dass eben niemand auf dem Schiff sie befreite. Auch, dass es so langsam dunkel wurde merkte keiner von ihnen.
Inzwischen waren sie von dem Teichrand zur Teichmitte gewandert, probierten dort einige Übungen durch. Kathryn war schon so weit, dass sie ohne fremde Hilfe und ohne Zögern fahren konnte, nur an Wendigkeit fehlte es noch etwas. Im Moment machten beide gerade ein Wettrennen, oder zumindest wurde Chakotay von Janeway verfolgt, beide flitzten mit großer Geschwindigkeit über das verfahrene, und an manchen Stellen, sehr dünne Eis.
,,Oh, warten Sie, ich kriege Sie schon noch!"
,,Das glaube ich kaum, Sie sind viel zu langsam!" Rief Chakotay und legte noch etwas an Geschwindigkeit zu. Kathryn versuchte, wieder aufzuholen, doch das war gar nicht so einfach. Plötzlich hörte Chakotay hinter sich ein 'blöpp' und anschließend einen Schrei. Sofort machte er kehrt und sah es. Kathryn saß auf ihrem Hinterteil. Er fuhr zu ihr und merkte mit Erleichterung, dass ihr nichts geschehen war. Freundschaftlich reichte er ihr die Hand um ihr aufstehen zu helfen. Sie ergriff sie und zog sich hoch.
Und wieder war es geschehen. Sie standen sich ganz nahe. Fast kein Freiraum war mehr zwischen ihren Körpern verblieben. Sie hielten sich immer noch an den Händen und selbst ihre Blicke waren wie verschmolzen. Vorsichtig umfasste Chakotay Kathryn's Taille mit der verbliebenen Hand. Auch dieses Mal wehrte sich Kathryn nicht, sie lehnte sich sogar noch weiter in Chakotay's warmen Umarmung.
Dies war das Zeichen, zumindest für Chakotay. Langsam, ganz langsam, lehnte er sich vorwärts und schließlich trafen sich ihre Lippen das allererste Mal.
Schnell wurde aus diesem zuerst zaghaften Kuss ein sehr viel leidenschaftlicherer. Seine Hände waren überall auf ihrem Körper, zuerst in ihren Haaren, dann auf ihrem Rücken. Kathryn genoss es, auch wenn sie wusste, dass dies nicht sein sollte. Mit Bedauern, aber beständig, befreite sie sich aus seinen Armen. Mit einem Blick, der alles sagte, war eben Geschehene geklärt.
,,Wir sollten gleich zurück zur Höhle gehen, es ist schon dunkel", meinte Chakotay, der sich, von der Sensation noch nicht erholt hatte.
,,Ja, ist gut. Ich will nur noch eine Runde drehen, dann gehen wir." Mit diesen Worten fuhr sie los. Gedankenverloren schlitterte sie die Stelle entlang, die heute zu ihrer Lieblingsstrecke geworden war. Doch plötzlich gab der Boden unter ihren Füßen nach und das nächste, was sie bemerkte war das eisige Wasser. Es war einfach überall, es lähmte ihren Körper und raubte ihr die Luft zum Atmen und all ihre Kraft. Einer Ohnmacht nahe strampelte sie, versuchte sich über Wasser zu halten oder entkommen zu können. Doch es half nichts. Kurz vor der völligen Schwärze, spürte sie ein Paar starke Arme, die sie aus dem eisigen Wasser zogen.
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Als sie wieder aufwachte, konnte sie erst nichts sehen. Es war dunkel, nur wenig Licht erhellte die Höhle in der sie sich befand. Es war die gleiche Höhle, wie einige Stunden zuvor. Mit Schrecken bemerkte sie, dass sie mit einer Decke zugedeckt war, ansonsten aber völlig unbekleidet war. Ihr Gesicht fing an zu glühen vor Scham, aber hier konnte es niemand sehen.
Wenige Meter neben ihr brannte, wie schon am Nachmittag zuvor, ein Lagerfeuer. Doch Chakotay war nirgends zu sehen. Chakotay- dieser Name löste verschiedenste Gefühle in ihrem Inneren aus. Zum Teil Kameradschaft und Freundschaft, zum anderen Teil fühlte sie aber auch etwas anderes. Sie konnte es nicht beschreiben, aber etwas sagte ihr, dass es das Beste in ihrem Leben war. Dass er das Beste in ihrem Leben war.
Sie hatte nicht bemerkt, wie Chakotay auf einmal vor ihr stand. Er kniete sich zu ihr nieder und fühlte ihre Stirn. Sie war kochend heiß.
,,Bleiben Sie ruhig liegen, Sie haben Fieber."
,,Mir ist so kalt." Zitternd zog sie die dünne Decke noch enger um ihren Körper.
,,Ich weiß, bleiben Sie ruhig, die Crew wird uns bald befreien."
Janeway nickte. ,,Woher haben Sie die Decke?"
,,Ich habe eine versteckte Schalttafel gefunden, dort war auch die Decke. Leider konnte ich sonst nichts erreichen." Als er bemerkte, wie kalt ihr war, setzte er sich hinter sie und wand die Arme schützend um sie. Kathryn begrüßte das, sie lehnte sich an seine Brust und ließ sich umarmen. Kurze Zeit später war sie eingeschlafen.
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Inzwischen war es Nacht in der, viel zu real dargestellten, Winterlandschaft. Chakotay saß noch immer in der gleichen Position wie vor zwei, vielleicht drei Stunden. Kathryn hatte sich seit dieser Zeit auch nicht bewegt, sie lag noch genau so in seinen Armen. Sie zitterte immer noch und auch ihr Fieber war nicht gesunken. Chakotay wusste nicht, was er machen sollte. Langsam erhob er sich und legte Kathryn sanft ab. Ihre Kleidung war inzwischen getrocknet, also deckte er sie auch noch damit zu.
Dann ging er nach draußen in die eisige Kälte und bereitete einen kalten Umschlag vor. Als er in die Höhle zurückkehrte sah er, dass Kathryn inzwischen aufgewacht war. Sie hatte sich die Decke bis zur Nasenspitze gezogen. Er ging auf sie zu, sagte aber nichts, genau wie sie. Mit einer Handauflegung bestätigte sich seine Annahme. Das Fieber war noch mehr gestiegen.
,,Chakotay?" Meldete sie sich schließlich zu Wort.
,,Ja?"
,,Es steht nicht sehr gut um mich, stimmt's?"
,,Sie werden wieder gesund werden, Kathryn. Dafür werde ich sorgen." Mit diesen Worten legte er ihr den Umschlag an.
,,Aber wenn uns die Crew nicht bald befreien dann, wird das nicht möglich sein, Chakotay."
Verdutzt sah er sie an. So viel Pessimismus hätte er nicht von ihr erwartet. ,,Kathryn", flüsterte er leise und nahm ihre Hand. ,,Ich werde alles tun, das wissen Sie doch."
,,Danke", meinte sie und wand ihre Arme um seine Schultern in einer freundschaftlichen Umarmung. So verharrten sie eine lange Zeit, bis sie wieder einschlief.
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,,Chakotay!" Keuchend erwachte Kathryn aus ihrem Traum und schreckte hoch. Chakotay war nicht von ihrer Seite gewichen, besorgt blickte er zu ihr hinab. Zärtlich aber bestimmt drückte er sie wieder hinab, brachte sie dazu wieder zu liegen. Sie protestierte nicht, stattdessen zog er ihn mit runter. Er legte ihr die Hand auf die Wange und versuchte sie zu beruhigen.
,,Bleiben Sie ruhig, Kathryn. Es wird alles wieder gut."
,,Nein Chakotay", widersprach sie mit zitternder Stimme. ,,Nichts wird gut. Mir ist so kalt."
Chakotay strich mit der Hand über ihre eisige Haut und versuchte mit der Reibung etwas Wärme zu erzeugen. Doch es half nichts.
,,Chakotay?"
,,Ja?"
,,Tun Sie mir einen Gefallen?"
,,Sicher, was?"
,,Lieben Sie mich."
,,Bitte was?" Er sah sie ungläubig an, doch der Blick in ihren Augen verriet, dass sie es toternst meinte.
,,Lieben Sie mich." Wiederholte sie. Sie bemerkte den geschockten Gesichtsausdruck und erklärte: ,,Das wird wahrscheinlich die einzige übrige Option sein, um mich warm zu halten. Und nicht nur mich, Sie frieren auch, Sie wollen es nur nicht zugeben. Ich weiß es."
,,Kathryn, das kann ich nicht, nicht mal, wenn Sie es mir befehlen würden. Ich kann Sie nicht so ausnutzen."
,,Was haben wir denn sonst für Optionen? Wenn wir nicht langsam hier raus kommen, werden wir erfrieren, Sie früher oder später auch. Vielleicht sogar noch heute Nacht. Ich weiß, es ist keine dauerhafte Lösung, aber es könnte helfen. Und eine andere Möglichkeit sehe ich nicht, Sie etwa?"
Er schüttelte den Kopf und schwieg. Sein Blick wanderte über ihre zierliche Gestalt, die in eine Decke und Kleidungsstücke gehüllt vor ihm lag. ,,Sind Sie sich sicher? Ich meine, wollen Sie das wirklich? Ich möchte nichts tun, was Ihnen nicht recht ist."
Sie sah ihm in die Augen und nickte langsam. Chakotay, der nun sicher war, dass sie es wirklich wollte, beugte sich zu ihr hinunter und küsste sie. Sie erwiderte den Kuss und wand ihre nackten Arme um ihn. Schließlich zog sie ihn ganz langsam zu sich hinunter.
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Einige Zeit später lagen zwei Körper eng umschlungen in der Höhle. Sie waren zugedeckt mit der Decke und den Kleidungsstücken.
Chakotay sah hinunter auf das Gesicht der Frau in seinen Armen. Sie schlief tief und fest. Wenigstens zitterte sie jetzt nicht mehr ganz so heftig wie vorher. Und doch, Chakotay hatte ein mulmiges Gefühl. Nicht weil er gerade mit ihr geschlafen hatte, nein, eher weil sie auf einmal so ruhig war und schon so lange schlief. Er fühlte ihr die Stirn. Immer noch keine Besserung. Er entschloss, sich wieder anzuziehen und noch einen Umschlag vorzubereiten.
Als er ihr den kalten, nassen Lappen auf die Stirn legte, bewegte sie sich nicht mal. Sie blieb weiter ruhig liegen. Chakotay's Unbehagen wuchs. Er versuchte sie wachzurütteln, aber es funktionierte nicht. Er fühlte ihren Puls. Langsam und schwach, aber durchaus vorhanden, genau wie ihr Atem. Er hoffte, dass es nur eine Ohnmacht und kein Koma war. Aber alles, was er tun konnte, war hoffen. Hoffen, dass sie bald befreit werden würden. Er setzte sich neben sie und schloss sie wieder in die Arme um sie zu wärmen.