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Irgendwann

von Emony

Oneshot

Sie hatte die Augen längst geöffnet, bevor sich die Tür leise schloss. Ihr Instinkt war schneller gewesen als ihr Verstand – ein kaum wahrnehmbares Geräusch, eine kaum spürbare Veränderung in der Atmosphäre ihres Quartiers hatte sie geweckt. Und sofort hatte sie gewusst, dass er da war.

Chakotay.

Sie hatte ihn nicht ansehen müssen, um zu wissen, dass er sich ganz vorsichtig bewegte, mit dieser Mischung aus Vorsicht und Zärtlichkeit, wie er sie manchmal auch in seinen Worten zeigte, wenn er dachte, sie würde es nicht bemerken. Sie hatte gespürt, wie sich die Luft veränderte, als er näherkam. Wie sein Blick über sie glitt, fast ehrfürchtig. Es war kein Gefühl der Bedrohung, im Gegenteil – es war Wärme. Ein kurzer Moment der Nähe, nach dem sie sich im Stillen schon so lange sehnte.

Und doch hatte sie reglos weitergeschlafen. Oder zumindest so getan. Denn was hätte sie sagen sollen? Was hätte sie tun sollen?

„Guten Abend, Commander. Schön, dass Sie unangemeldet mein Quartier betreten haben, um mich im Schlaf zu beobachten“?

Nein, das passte nicht zu ihnen. Zu dem Tanz, den sie seit Jahren tanzten – immer knapp an der Grenze, nie darüber. Jeder Schritt ein Kompromiss. Jeder Blick ein Versprechen, das nie ausgesprochen werden durfte.

Als sie sicher war, dass er fort war, erlaubte sie sich, den Kopf in das Kissen zu drücken, noch einmal tief einzuatmen, als könnte sie die Reste seines Duftes einfangen. Sie kannte dieses Aftershave. Es war herb und warm zugleich. Und heute Nacht hatte es sich mit dem flüchtigen Gefühl seiner Nähe vermischt – einer Nähe, die ihr mehr bedeutete, als sie jemals zugeben würde.

Sie drehte sich zur Seite, starrte an die Wand. Ihre Gedanken wanderten unkontrolliert durch Erinnerungen – Gespräche, Lächeln, Missverständnisse. Die Art, wie seine Stimme weicher wurde, wenn er mit ihr sprach. Wie sein Blick manchmal mehr sagte als seine Worte.

Sie sehnte sich nach ihm. Und gleichzeitig fürchtete sie sich genau davor.

Nicht wegen der Vorschriften. Nicht wegen der Sternenflotte. Sondern weil sie wusste, dass es für Menschen wie sie keinen Raum für diese Art von Nähe gab. Nicht in diesem Quadranten. Nicht in dieser Situation.

Aber für einen Moment – für diesen einen stummen Besuch in der Nacht – hatte sie geglaubt, dass es vielleicht doch möglich war. Dass sie beide für einen Augenblick nicht Captain und Commander, sondern einfach nur zwei verlorene Menschen waren, die einander suchten. Und gefunden hatten.

Wenn auch nur im Verborgenen.


Sie wusste nicht, wie lange sie dort lag, den Blick zur Wand gerichtet, das Herz zu laut für diese Stille. Irgendwann stand sie auf. Langsam, bedächtig, als hätte sie Angst, sich selbst in diesem Moment zu erschrecken. Sie zog sich ihren Morgenmantel über, band ihn straff um die Taille und ging hinüber ins Wohnzimmer. Die Dunkelheit lag immer noch wie ein schwerer Schleier im Raum, doch sie machte kein Licht. Stattdessen stellte sie sich ans Fenster, wo nur das matte Licht der Sterne ihre Silhouette zeichnete.

Sie fragte sich, wie oft er hier schon gestanden hatte. Ob er je gewusst hatte, dass sie manchmal, wenn sie ihn aus der Entfernung beobachtete, das gleiche Bedürfnis verspürte wie er – einfach nur in seiner Nähe zu sein. Nicht sprechen, nicht erklären. Nur da sein.

Vielleicht hatten sie sich in ihrer Einsamkeit gefunden – jeder auf seine Weise. Aber das war nicht genug, um eine gemeinsame Wirklichkeit zu schaffen. Nicht jetzt.

„Nicht hier“, flüsterte sie, ohne es zu merken.

Sie stellte sich vor, wie er jetzt in seinem Quartier saß, vielleicht genauso wach, vielleicht mit dem gleichen Gefühl im Herzen. Und sie wusste: Auch er wusste es. Dass es falsch war, diesen Raum zwischen ihnen mit Hoffnungen zu füllen, für die hier kein Platz war.

Am nächsten Morgen sprach sie ihn in der Offiziersmesse an. Es war noch früh, der Raum leer bis auf die beiden. Sie trat an seinen Tisch, die Tasse Kaffee wie ein Schutzschild in den Händen.

„Guten Morgen, Commander.“

Er blickte auf, seine Augen müde, aber weich. Nicht überrascht.

„Captain.“

Sie zögerte, dann setzte sie sich ihm gegenüber. Kein Smalltalk. Kein Lächeln. Nur dieser Moment.

„Ich weiß, dass du da warst“, sagte sie leise.

Er blinzelte nicht einmal. Vielleicht hatte er es geahnt.

„Ich musste sicher sein, dass du da bist.“

Sie nickte. Langsam. Verstand. Fühlte dasselbe.

„Ich war da. Ich bin da.“

Stille.

Dann sagte sie: „Was zwischen uns ist … es ist nicht eingebildet. Es ist real. Aber es kann nichts werden.“

Sein Blick senkte sich. Doch er widersprach nicht.

„Nicht hier“, wiederholte sie. „Nicht jetzt.“

Chakotay atmete tief durch und sah sie dann an. Nicht traurig. Nur ehrlich.

„Ich weiß.“

Sie hielt seinem Blick stand. Ihre Stimme zitterte fast, als sie sagte: „Es macht es nicht leichter.“

„Nein. Aber es macht es richtig.“

Sie saßen noch eine Weile da. Zwei Tassen Kaffee zwischen sich. Zwei Herzen, die sich kannten. Und ein unausgesprochenes Versprechen, das sie beide trugen: Irgendwann. Vielleicht. Aber nicht jetzt.


ENDE


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