Sternzeit 58042.7 – USS Cerritos, Deck 6, Biolabor
„Tendi, sag mir bitte, dass das da kein echter Tribble ist“, sagte Boimler mit hörbarer Nervosität, während ein rundes, flauschiges Etwas schnurrend über den Boden rollte.
Tendi, wie immer voller Begeisterung, strahlte ihn an. „Natürlich ist er echt! Ich habe ihn für ein Verhaltensstudium aus der Sternenflotten-Biobank geordert. Total ungefährlich! Sterilisiert, genetisch stabil, nicht fortpflanzungsfähig.“
Rutherford streichelte vorsichtig über das Tierchen und seufzte verzückt. „Er fühlt sich an wie... die Beruhigung vor dem Warp.“
Mariner verschränkte die Arme und blickte skeptisch auf das schnurrende Fellknäuel. „Das sagen sie alle. Und dann wachen wir auf und das Schiff ist ein einziger lebender Teppich.“
Boimler schien sich dennoch entspannen zu wollen und drückte den Tribble neugierig an seine Wange. „Was soll schon schiefge—“
Ein plötzliches WUSCH unterbrach ihn. Das Tribble explodierte – oder zumindest fühlte es sich so an. Es schüttelte sich, piepte kurz und aus seinem flauschigen Körper purzelten zwei kleinere Tribbles.
Mariner riss die Augen auf. „Das war ein Splitter-Tribble!“
„Das ist biologisch unmöglich!“, quietschte Tendi entsetzt.
„Sag das ihm!“, rief Rutherford, als der ursprüngliche Tribble bereits einen dritten Nachwuchsball ausspuckte.
Boimler klopfte sich hektisch Tribble-Fussel aus dem Kragen. „Wir brauchen sofort Dr. T’Ana! Und ein Netz. Ein sehr großes Netz.“
Zehn Minuten später – Medizinische Abteilung
Dr. T’Ana war alles andere als erfreut. Fauchend fischte sie mit einer Pinzette einen Tribble aus einem Biobett. „Ich wollte meine Pause mit einem Krallenschliff verbringen! Nicht schon wieder diese haarigen Wackelbälle!“
Tendi versuchte, die Situation zu erklären. „Er hat sich vermehrt!“
„Sie haben sich vervielfältigt!“, warf Rutherford korrigierend ein.
Boimler, inzwischen sichtlich panisch, ergänzte: „Sie haben mein Bein als Nest benutzt!“
In diesem Moment betrat Shaxs die Station – bewaffnet mit einem Phasergewehr. „Ich bin bereit, die Luftschleusen zu opfern.“
Tendi hob abwehrend die Hände. „Wir können sie nicht einfach in die Luftschleusen stecken!“
Mariner warf einen Blick auf das wachsende Knäuel aus Tribbles. „Warum nicht? Die Dinger haben doch schon ihre eigene Brücke.“
Tatsächlich: Zwei Tribbles rollten auf einem PADD, das offenbar zur Kommandozentrale umfunktioniert worden war, während andere rhythmisch schnurrten – fast wie eine primitive Morsebotschaft.
Boimler starrte fassungslos. „Ich glaube, sie... organisieren sich.“
Rutherford tippte besorgt auf seinem Tricorder herum. „Oh nein... Das Genom wurde durch einen Replikator-Konflikt umgeschrieben. Die Tribbles sind intelligent. Minimal. Aber genug, um... Strategie zu entwickeln.“
Shaxs knurrte. „Ich sage, wir werfen sie in die Luftschleuse.“
Fünfzehn Minuten später – Brücke
Captain Freeman stand mit finsterer Miene vor einem Hologramm, das ein regelrechtes Tribble-Bataillon zeigte.
„Sie besetzen bereits den Replikator-Raum“, erklärte sie, „und haben alle Menüoptionen auf 'Flüssige Proteinpaste' umgestellt.“
„Ich bekomme seit zehn Minuten Felllatte!“, brüllte Ransom genervt vom Nebenkonsole.
Tendi ergänzte mit wachsender Verzweiflung: „Sie blockieren auch die Kommunikation! Ich kann nur noch tribblisch piepen!“
Mariner konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. „Also... diplomatischer Erstkontakt?“
Zögerlich hob Boimler die Hand. „Dürfen wir sie... vielleicht als offizielles Bordmaskottchen anerkennen?“
Dr. T’Ana fauchte. „Wenn einer dieser Fellball-Saboteure auch nur eine meiner Implantat-Schubladen betritt, adoptiere ich euch – als neue Leber!“
Captain Freeman seufzte lang und schwer. Schließlich sprach sie den einen Satz aus, den niemand auf der Brücke erwartet hatte: „Wir verhandeln.“
Zehn Minuten später – Konferenzraum
Ein einzelner Tribble saß auf dem Tisch, schnurrte gelassen. Hinter ihm thronte eine Pyramide seiner flauschigen Gefährten wie ein pelziges Tribunal.
Boimler beugte sich vor. „Ich glaube, er ist der... Sprecher.“
„Wir nennen ihn Tribble Prime“, sagte Mariner mit zeremonieller Miene.
Freeman rieb sich die Schläfen. „Ich kann nicht glauben, dass ich das tue.“
Der Tricorder begann, das rhythmische Schnurren des Tribbles in eine synthetische Stimme zu übersetzen. Die Worte waren klar, wenn auch monoton: „Wir fordern: Erstens, Temperaturkontrolle. Zweitens, Flauschzonen. Drittens, Zugang zur Lounge.“
Shaxs zischte: „Ich fordere ein Schiff ohne Glöckchen in der Wand.“
Mariner lachte leise. „Einigt euch auf eine neutrale Zone: Frachtraum 4. Plus eine Holo-Projektion von Sonnenlicht.“
„UND KEIN ZUGANG ZUM MASCHINENRAUM!“, rief Rutherford eindringlich.
Der Tribble schien zustimmend zu schnurren, nickte – auf eine überraschend würdevolle Weise – und rollte gemächlich davon.
Epilog – Sternzeit 58043.1
Die Cerritos flog weiter durch die Weiten des Alls. Die Tribbles hatten nun ein offizielles Territorium – ausgestattet mit Mini-Hängematten und einer Holo-Simulation von Sonnenstrahlen. Boimler hatte seine Unterwäsche erfolgreich enthaart, und Dr. T’Ana konnte endlich ihren Krallenschliff nachholen.
Alles war wieder in Ordnung.
Fürs Erste.
ENDE