TrekNation

Dein Raumdock für deutsche Star Trek Fanfiction

Abtrünnig

von Mrs. Black

Kein Weg zurück?

Mit einem lauten Stöhnen stieß sie ihren letzten Atemzug aus, als langsam der Orgasmus abklang. Sie hatte ihn erst vor ein paar Stunden auf dem Empfang im Zehn-Vorne kennengelernt. Normalerweise war Ro Laren keine Frau, die leicht zu erobern war, aber ihr gefiel seine Einstellung zu den anstehenden Verhandlungen, die der Grund dafür waren, dass es auf der Enterprise nur so vor hochrangigen Militärs und Diplomaten wimmelte. Das Flaggschiff der Sternenflotte lag im Orbit um Bajor, auf dem sich die Delegationen einfanden, die in den nächsten Tagen die Bedingungen für den Abzug der Cardassianischen Union verhandelten, die den Planeten in einer fünfzig Jahre andauernden Besatzung ausgebeutet hatte. Die offiziellen Verhandlungen fanden auf Bajor statt, doch an diesem Abend waren die Vedeks und bajoranischen Diplomaten zu einem Shakehands mit den Verhandlungsführern der Föderation auf die Enterprise geladen. 

Es war ein ausdrücklicher Wunsch Captain Picards, dass Lieutenant Ro Laren als einzige Bajoranerin an Bord diesem Empfang beiwohnte, und sie tat es, nicht weil sie wollte, sondern weil es eine Bitte Picards war. 

Der Abend war wie erwartet: jede Menge Smalltalk, ein Toast, der auf den nächsten folgte, und jedem Dritten musste sie erklären, wie erfüllend die Sternenflotte für sie war. Als sie Admiral Paris vorgestellt wurde, lernte sie auch seinen ebenfalls zu Tode gelangweilten Sohn kennen. Tom Paris war wie sie selbst frischgebackener Lieutenant und sollte auf dieser Mission als Beobachter teilnehmen, um die Feinheiten der Diplomatie zu erlernen. Schnell kamen die beiden bei einer Flasche Frühlingswein ins Gespräch. Sie erkannten ihre gemeinsame Abneigung gegen die Cardassianer und die Pläne der Diplomaten, die eine Menge an Gebietsabtretungen der Föderation und der Bajoraner vorsahen. Laren bot Tom an, ihm das Schiff zu zeigen, und führte ihn über ein paar kleinere Umwege in ihr Quartier, wo sie die menschlich-bajoranische Diplomatie vertieften.

 

Die Delegation beamte am nächsten Morgen auf den Planeten und die für zehn Tage angesetzte Verhandlung begann. Sollte man sich in diesem Zeitraum nicht annähern, würde man einen Monat pausieren, um sich neu zu orientieren, und dann in die nächste Runde gehen. Unterdessen erhielt die Enterprise neue Befehle. Die Mission lautete: den Maquis aufspüren! Diese Widerstandsgruppe, in der sich mehrere Spezies zusammengefunden hatten, um gegen die Cardassianer und die Gebietsabtretungen zu kämpfen, bedrohte den dauerhaften Frieden. Nach dem Ende des Krieges zwischen der Föderation und Cardassia wurden die Grenzen neu gezogen und einige Planeten, die im Grenzgebiet entlang der Entmilitarisierten Zone lagen, wurden den Cardassianern zugesprochen. Allerdings waren die Planeten von Bürgern der Föderation kolonisiert worden und sie weigerten sich, ihre Heimat zu verlassen. Der Widerstand wuchs und daraus war der Marquis geboren.

Ro Laren kehrte erst vor ein paar Tagen auf die Enterprise zurück, sie unterzog sich einem taktischen Training für Fortgeschrittene und sollte als Undercoveragentin den Marquis ausspionieren und alle taktischen Details und Pläne an die Enterprise übermitteln. Jedoch kam es zu einer Wendung, die nicht einmal Captain Picard erwartete.

„Deine bajoranische Freundin ist desertiert und kämpft nun an der Seite des Marquis gegen uns.“ Erzählte Admiral Paris seinem Sohn, der gerade den Frühstücksraum ihrer Hotelsuite betrat. „Was hältst du davon?“

Tom stand vor dem Tisch in ziviler Kleidung und mit einer Tasche in der Hand: „Ich werde mich ihr anschließen.“

Sein Vater schmierte gerade etwas Marmelade auf sein Brot, als er erschrocken von seinem Teller aufsah: „Du bist verrückt. Jetzt zieh dir deine Uniform an, wir müssen gleich los!“

„Nein, Dad“, widersprach er, „ich habe das alles hier satt. Ich will für eine gerechte Sache kämpfen.“

Der Admiral stand auf und breitete sich aus: „Das hier ist eine gerechte Sache! Wenn Frieden zwischen Bajor und Cardassia herrscht und die Bajoraner der Föderation beitreten, dann wird dies uns alle stärken und wir haben gegen die Cardassianer einen neuen Verbündeten!“

„Der Friedensvertrag mit den Cardassianern ist eine Farce, das sehen nicht nur wir und die Bajoraner so. Es gibt auch andere Leute aus der Föderation, die das genauso sehen …“

Tom wurde von seinem Vater harsch unterbrochen: „Ich will, dass du dich augenblicklich umziehst und dich mit an den Verhandlungstisch setzt, das ist ein Befehl, Lieutenant!“

„Du kannst mir nichts mehr befehlen. Ich verlasse die Sternenflotte. Leb wohl, Dad.“

Der alte Mann brüllte ihn an: „Thomas Eugene Paris, wenn du jetzt gehst, sorge ich für deine unehrenhafte Entlassung aus der Sternenflotte!“

„Gut“, konterte er, „dann muss ich mein Entlassungsgesuch nicht einreichen.“ sagte Tom, als er in seine Hosentasche griff und auf einen kleinen Knopf drückte: „Tom an Laren, ich bin zum Beamen bereit.“ Augenblicklich wurde er dematerialisiert und auf ein Schiff des Marquis gebeamt, das einige Momente vorher in den Orbit um Bajor eintrat.

Auf dem Schiff angekommen trat Ro Laren an Tom heran, umarmte und küsste ihn. Dann stellte sie ihm die Crew vor: „Das ist Chakotay, unser Captain.“ Sie zeigte auf einen Mann mit einer indigenen Gesichtstätowierung an der linken Schläfe. Er war groß gewachsen, breitschultrig und strahlte Autorität aus. Tom merkte, dass er sich mit ihm besser nicht anlegen sollte.

„Das ist unsere Ingenieurin, B’lana Torres.“ Eine Halbklingonin nickte ihm desinteressiert zu und widmete sich wieder ihrem Schaltpult.

Dann trat neben Tom ein dunkelhäutiger Vulkanier, der ihn skeptisch von der Seite betrachtete: „Tuvok ist für die Taktik an Bord zuständig.“ 

„Willkommen an Bord, Tom Paris. Bitte nehmen Sie dies nicht persönlich.“ sagte Tuvok und noch bevor er fragen konnte, was er damit meinte, betäubte ihn der Vulkanier mit einem Nackengriff.

Tom wachte auf einem Sofa in einem Wohnraum auf, der mit alten Möbeln der Erde eingerichtet war. Ihn starrten eine Menge Porzellantiere an, die auf den knorrigen und dunklen Schränken standen. Das Sofa muffelte, der Stoff war abgewetzt und auf dem Tisch davor stand ein Teller mit Essensresten, an denen sich eine Fliege bediente.

„Wo bin ich?“ Wollte er wissen. Tom richtete sich auf, sein Kopf schmerzte, er wusste nicht, ob es an dem muffigen Gestank oder an der Betäubung lag. 

Eine Frauenstimme aus einem dunklen Eck des Raumes erklang: „Ah, sie sind wach. Willkommen in unserem Unterschlupf.“

„Wieso wurde ich betäubt?“ Der Deserteur versuchte, durch Strecken seiner Schultern die Muskeln zu lockern.

Die Frau trat aus dem Schatten. Sie war ein Mensch, etwa Mitte vierzig, groß, schlank und mit braunem, hochgestecktem Haar: „Das war eine reine Vorsichtsmaßnahme, Tom Paris. Das verstehen sie hoffentlich.“

„Wo bin ich hier, wo ist Ro Laren?“ 

Sie setzte sich auf einen alten Sessel und schlug das rechte über das linke Bein: „Alles zu seiner Zeit.“

Die Frau wollte gerade mit ihrer Befragung beginnen, um sicherzugehen, dass Tom, der Sohn des Sternenflottenadmirals, kein Spion war, als Chakotay in den Raum stürmte: „Miranda, wir haben einen Konvoi der Cardassianer ausgemacht, der in Richtung des Penrath-Systems steuert.“

Sie sprang von ihrem Sessel auf: „Das muss es sein, das muss die Waffenlieferung sein. Wir müssen sofort alle zusammenrufen. Wie weit sind sie noch entfernt?“

„Angeblich sind sie vor zwei Tagen von Lazon II gestartet. Der Konvoi sollte also in den nächsten zwölf Stunden auf Penrath III eintreffen.“ Erklärte er.

Miranda klopfte ihm auf seine breiten Schultern: „Hervorragend, der Plan steht?“

„Ja, er ist unverändert.“ Bestätigte der Captain.

„Gut, nimm Tom mit. Laren erzählte mir, dass er ein ganz passabler Pilot sei. Wir können bei dieser Mission jeden Mann gebrauchen.“ Sie sah ihn skeptisch an, aber bei Weitem nicht mit dem Misstrauen, das ihm von Chakotay entgegengebracht wurde.

Er sah zu seiner Anführerin: „Ist er denn schon so weit?“

„Natürlich, wenn Ro ihm vertraut, vertraue ich ihm auch.“

 

Chakotays Mannschaft versammelte sich auf der Brücke, der Plan für den Überfall des cardassianischen Konvois wurde noch einmal besprochen und anschließend begab sich jeder auf seinen Posten. Es waren an die fünfzehn kleine Schiffe, die der Marquis entlang der Grenze zum cardassianischen Raum zusammengezogen hatte. Sie hielten sich mit deaktiviertem Antrieb in einem Asteroidengürtel versteckt und warteten auf das Zeichen für den Überfall.

Nach dem Bericht ihres Aufklärers bestand der cardassianische Konvoi aus vier Transportschiffen, begleitet von zwei Schiffen der Galor-Klasse und fünf Jägern vom Typ Hideki. 

Nachdem sich der Marquis abgesprochen hatte, wie die Angriffsformation zu fliegen war, starteten die Widerstandskämpfer aus ihrem Hinterhalt und brachen über die Grenze in den cardassianischen Raum. Es reichte aus, dass nur wenige Schiffe die schwerfälligen Schlachtkreuzer angriffen, hingegen es doch einiges an Geschick abverlangte, die wendigen Hideki-Jäger anzugreifen und ihnen auszuweichen. Tom flog den Angriff auf den Galor-Kreuzer der Steuerbordseite des Konvois, sah aber, wie ein Marquis-Schiff nach dem anderen von den kleineren cardassianischen Schiffen abgeschossen wurde. Da drehte er sich zu seinem Captain um: „Chakotay, wir müssen ihnen helfen. Die Hidekis reiben uns auf!“

„Nein“, brüllte er, „wir haben unsere Befehle und wir halten uns an den Plan. Jetzt fliegen sie weiter das Angriffsmanöver!“

„Aber ich bin hier der beste Pilot, ich kann es alleine mit drei Jägern aufnehmen. Glauben Sie mir!“ Widersprach er energisch.

Chakotay stand auf und zeigte drohend mit seinem Finger in Richtung des Neulings: „Zurück auf ihren Posten, Paris. Oder Ro übernimmt das Steuer!“

Tom sah zu der Bajoranerin, sie schüttelte nur enttäuscht den Kopf. Man widersprach dem Captain nicht, nicht in der Raumflotte und auch nicht beim Marquis. Also flog er weiter seine Angriffe auf das schwerfällige Ziel. Doch dann hielt er es nicht mehr aus und jagte mit einem waghalsigen Manöver direkt auf die cardassianischen Jäger zu. Seine Finger fest um die Steuerung gekrallt, während er die Formation hinter sich ließ und sich ganz dem Chaos des Gefechts hingab. Er wollte wenigstens eines der verbliebenen Schiffe retten.

„Tom!“ Brüllte Chakotay. „Zurück in die Formation!“

Doch Tom ignorierte ihn und nahm ein Hideki-Schiff ins Visier und betätigte den Phaser, den eigentlich Laren abfeuern sollte.

Sie boxte ihn in die Schulter: „Tom, was machst du da? Los, zurück zu dem Kreuzer. Wir müssen unsere Mission erfüllen. Du gefährdest doch alles!“

Aber wieder steuerte er, ohne auf die Crew zu hören, den nächsten Jäger an. Plötzlich tauchten drei Schiffe der Föderation auf. Die Cardassianer hatten einen Notruf abgesetzt und um Hilfe im Kampf gegen die Renegaten gebeten. Dann hagelte es einen Funkspruch nach dem nächsten, sie sollen sich ergeben. Aber keines der Marquis-Schiffe reagierte darauf. Das Feuergefecht teilte sich nun auf die drei Parteien auf. 

Chakotay sprang von seinem Captains-Stuhl auf und schlug Tom nieder. Dann räumte er den Bewusstlosen beiseite und setzte sich selbst ans Steuer. 

Aus dem Lautsprecher ertönte eine sehr aufgeregte Stimme, es war B’lana Torres aus dem Maschinenraum: „Chakotay, durch die ständigen Ausweichmanöver und Richtungswechsel bei maximaler Impulsleistung laufen unsere Reaktoren auf 120 %. Die EPS-Leitungen halten dem Druck nicht mehr lange stand. Wir müssen das Schiff verlassen, durch den Rückstau im Plasmafluss beginnen die Injektoren zu fluktuieren, was zu einem unkontrollierten Energieanstieg im Reaktionskern führt.“

„Der Warp-Kern bricht?“ Fragte der Captain kurz.

„Ja“, bestätigte sie, „wir haben maximal zwei Minuten!“

Daraufhin programmierte Chakotay einen Kollisionskurs auf den hintersten cardassianischen Frachter und rief ein anderes Schiff: „Chakotay an Miranda. Wir müssen das Schiff verlassen. Vier zum Beamen bereit!“

„Vier?“ fragte die Anführerin.

Abfällig sah der Captain auf den noch bewusstlosen Steuermann: „Ja, Mr. Paris hat es nicht geschafft.“

Es war ein Schiff der Föderation, das den Warpkernbruch des Marquis-Schiffs registrierte und auch, dass es sich auf Kollisionskurs befand. 

Der taktische Offizier meldete: „Captain, ich registriere an Bord des Marquis-Schiffs noch ein Lebenszeichen.“

Mit einer Handbewegung befahl er: „Beamen Sie ihn an Bord.“

Auf der Krankenstation behandelte man Toms gebrochenes Jochbein und die leichte Gehirnerschütterung, die er vom Aufprall erlitten hatte. Anschließend brachte man ihn in eine Arrestzelle. Man erlaubte ihm, mit seinem Vater Kontakt aufzunehmen, aber der Admiral verweigerte jedes Gespräch mit seinem Sohn. Ebenfalls erschien der Vater auch nicht zur Verhandlung, bei der Tom zu einer Freiheitsstrafe in der Strafkolonie auf Neuseeland verurteilt wurde. Er sollte sich dort in eine Rehabilitation begeben, da er mit seinem Beitritt zum Marquis Verrat an der Föderation begangen hatte.



Eines Tages trat ein Captain der Sternenflotte an ihn heran und bat ihn um Hilfe beim Aufspüren eines Marquis-Schiffs, das sich in den Badlands versteckt hielt. Würde er den Weg der Pflicht erneut beschreiten oder in der Dunkelheit seiner Fehler verweilen?

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