TrekNation

Das ultimative Archiv deutscher Star Trek Fanfiction!

Eine übersinnliche Erfahrung (1.5)

von Lenar Fabien

Erster Akt

Julian

Bei der Feier letzte Nacht ging es hoch her. Der Anlass war nicht wirklich fröhlich gewesen, da der verstorbenen Kriegsopfer gedacht wurde, jedoch auch den Überlebenden. Quark veranstaltete für den guten Zweck sogar eine Spendengala, natürlich nicht, ohne dafür seinen Anteil zu kassieren − wie sollte es auch sonst sein?

So langsam erwachte ich und versuchte hartnäckig die Reste eines Traums abzuschütteln, indem ich mir die Augenlieder rieb. Im Halbdunkeln suchte ich die Uhrzeitanzeige des Weckers. Komischerweise kam es mir so vor, als gehörte ich hier nicht hin. In dieses Bett, meine ich. Rechts neben mir atmete jemand.

Wie konnte das sein? Derzeit war ich alleinstehend und hatte gestern niemanden mit in mein Quartier genommen, mit dem ich die Nacht verbringen wollte...

Eine Kopfdrehung nach rechts jagte mir den Schreck in die Glieder. Ich musste mir auf die Lippen beißen, um nicht loszubrüllen vor Entsetzen, als ich den Klingonen Worf neben mir liegen sah.

*

Miles

Wir konnten nicht lange auf der Gedenkfeier bleiben, Keiko und ich, denn wir mussten unsere Kinder abholen und ins Bett bringen. Worf hatte auf Molly und Kirayoshi aufgepasst; zuerst tat er sich ein wenig schwer damit und hatte Bedenken, allein auf unseren kleinen Sohn Acht zu geben. 

Doch seine Frau Jadzia Dax ermutigte ihn dazu, dass er es hinkriegen würde. Er hatte mir erzählt, dass Dax sich ein Kind mit ihm wünschte. Worf wollte es dieses Mal besser machen als bei seinem Sohn Alexander damals. Ich hatte keine Bedenken, ihm unsere Kinder für eine kurze Zeit anzuvertrauen.

Am nächsten Morgen freute ich mich wie immer, neben meiner Frau aufzuwachen. Egal, was ich in meinem Leben schon durchgemacht hatte, meine Familie war der feste Hafen- und Ankerpunkt. 

Im Raum war es weitaus dunkler als gewohnt, stellte ich fest. Die vertraute Wärme des Körpers, der neben mir lag, konnte ich seltsamerweise nicht spüren. Ob Keiko bereits aufgestanden ist?

Ich hatte einen leichten Schlaf und wachte normalerweise öfters nachts auf, wie das mit einem Baby halt so war. Hatte ich verschlafen? Aber dann hätte Keiko mich sicher geweckt... Ich wurde unruhig und gab dem Computer den Befehl das Licht einzuschalten. Oh! Zu grell!

"Dimmen um 20 Prozent!" Meine Augen gewöhnten sich daran. Als ich mich umsah, merkte ich, dass das nicht mein Quartier war!

*

Kira

Es tat gut nach den Strapazen der letzten Zeit, sich hinterher von meinem geliebten Odo massieren zu lassen. Hätte mir vor ein paar Jahren irgendwer gesagt, dass ich mit einem Formwandler zusammen käme, mit dem ich zudem noch befreundet war, hätte ich es nicht geglaubt. 

Es gab viele Männer, die in mir hauptsächlich eine schöne Frau sahen, aber den Leuten wurde schnell klar, dass ich mir von niemandem etwas sagen lasse und schon gar nicht von einem Mann.

Als Benjamin Sisko damals nach Deep Space Nine kam, fühlte ich mich zunächst übergangen von meiner und der Regierung der Föderation, doch zu meiner Erleichterung wurde Sisko schnell zu einem Freund und er spielte auch bei meinem Volk als der Abgesandte eine unerwartete Rolle, die ihm zunächst fremd erschien. 

Mit der Zeit identifizierte er sich immer mehr damit, während er als Sternenflottenoffizier die Verantwortung für die Raumstation trug. Dahingehend musste die Crew ihn unterstützen, was wir taten. Müde schlief ich spätnachts ein...

Odo verwöhnte mich wirklich, wenn er mich selbst am Morgen massierte. Oh...

"Bin ich gut oder was?", drang eine Stimme zu mir durch, die sich überhaupt nicht nach ihm anhörte. Was zum Teufel?! Mir kam die Stimme vage bekannt vor − während ich noch überlegte, küsste mich jemand. Ich starrte mit weit geöffneten Augen eine andere Frau an − Kasidy Yates!

*

Garak

Julian hatte mich dazu überredet, ebenfalls an der Feier teilzunehmen, obwohl ich lieber in Ruhe mit ihm irgendwo anders den Abend verbracht hätte, wenn er schon das Mittagessen hatte ausfallen lassen.

Was sprach schon gegen ein unverbindliches Abendessen als Freunde? Es gab eine Zeit, in der wir uns ziemlich nah standen, mehr als nur Freunde gewesen sind. Wir sprachen es nicht aus, aber die Anziehung zwischen uns existierte nach wie vor.

An diesem Abend spürte ich ein starkes Verlangen nach ihm, dass ich so schon ewig nicht mehr gekannt hatte. Wären wir alleine gewesen, schwöre ich, dann hätte ich Julian einfach gesagt, dass ich mit ihm schlafen wollte. Ich bereute es fast, es ihm nicht einfach sofort vor die Füße geworfen zu haben. Schlaf mit mir! Ich will dich! Nur dich!

Das meiste an ihm liebte ich. Besonders seine zu Anfangszeiten schreckliche soziale Unbeholfenheit, die Naivität eines jungen Mannes. Die Jahre hatten sie letztendlich doch größtenteils weggewischt. Ich hatte wohl nachgeholfen. Es muss für ihn aufregend gewesen sein, als er zum ersten Mal mit einem Mann schlief; ein älterer Mann, aber immerhin. Für mich war es nicht das erste Mal gewesen, aber aufregend fand ich es schon mit einem Menschen und schön...

Im Traum tat ich es wieder. Dort konnte ich das tun. Vielleicht sollte ich nicht so an ihn denken. Überraschend realistisch spürte ich die Berührung einer Hand auf meinem Körper. Ich stöhnte und erwiderte das Streicheln. Meine Lippen wanderten über den Körper, gingen tiefer. 

Was ich dann hörte, würde ich nicht so schnell vergessen: "Miles, es tut mir leid. Wir müssen aufhören. Das Baby ist wach..."

Miles? Baby? Moment mal − unsere Körper lösten sich voneinander. Ich hatte geträumt. 

Als ich jetzt die Augen aufschlug, erkannte ich gerade noch so den nackten Rücken einer menschlichen Frau, die sich einen Morgenmantel überwarf und in Pantoffeln schlüpfte. Sie ging in einen anderen Raum, während ich verwundert im Bett liegen blieb, mir unwillkürlich vorsichtig in den Schritt fasste und erstarrte.

*

Jadzia

Zunächst dachte ich mir nichts Böses. Abends amüsierte ich mich auf dem Fest. Quark nutzte die Chance, Tongo mit mir zu spielen und hatte mindestens genauso viel Spaß wie ich. Worf sittete die Kinder der O'Briens, was ich nebenbei gesagt sehr süß fand. 

Mit meinen Kollegen und Freunden tranken wir nachher reihum Blutwein. Für die Spendengala wettete ich mit Quark beim Tongo um eine Flasche Blutwein und brachte sie alle dazu mit mir davon zu trinken, da sie gegen mich verloren hatten. Worf lachte später, als ich ihm davon erzählte.

Wir legten uns schlafen. Dass etwas nicht stimmte, wusste ich, nachdem die Stimmen des Symbionten verstummten und der Wurm in mir verschwunden war. Ich fühlte mich plötzlich so unendlich einsam und ängstlich. Meine Erinnerungen an die vorigen Leben hatte ich verloren...

*

Benjamin

Als Captain sollte ich mit gutem Beispiel vorangehen und ließ mich daher nicht zu sehr gehen. Das tat schon Jadzia mit ihrem Wettspiel. Es steckte so viel von Curzon Dax in ihr, meinem früheren, alten Mentor und Freund. Jake und Nog seilten sich schnell ab, sodass ich von den beiden für den Rest des Abends nichts mehr sah. Inzwischen waren sie zu zwei jungen, erwachsenen Männern herangewachsen, auf die ich stolz sein konnte. Jake als mein Sohn, Nog als Roms Sohn, ein Ferengi in der Sternenflotte.

Ich streckte mich aus. Aus Gewohnheit wollte ich mich an Kasidy kuscheln, griff jedoch ins Leere. Ich setzte mich auf und wunderte mich über einige der Gegenstände im Raum. Einen Gegenstand erkannte ich als Odos Eimer, den er für seine Regeneration benutzte. Was machte der hier?

Das Licht schaltete sich ein; ich stellte mich auf den Boden und blickte an teilweise nackten, hellhäutigen Beinen herunter: Frauenbeine. Meine Fußnägel wiesen roten Nagellack auf. Vorsichtig schlich ich ins Bad und riskierte einen Blick in den Spiegel.

Rezensionen