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Das Reich des Vergessen

von Iriana Nor

Kapitel 1

Prolog

‚Cardassia ist verloren…‘
dachte der hagere Cardassianer grimmig während er ein taktisches Display visierte. Seit 2 Jahren trug er wieder die militärische Uniform und man hatte ihm seinen Legate Titel wieder zuerkannt.
Notgedrungen, wie er immer wieder verlauten ließ, wenn das Gespräch darauf kam. Denn seit Kriegsbeginn brauchte man wieder Männer wie ihn und sein kleines Piratenheer, dass er über die Jahre um sich geschart hatte.

Zu Anfang hatte Cardassia noch offiziell jegliche Verbindung zu den Renegaten abgestritten, aber seid sich das Blatt gewendet hatte und die Klingonen nicht mehr durch diplomatische Verhandlungen von ihrem Ziel Cardassia zu übernehmen abzuhalten waren, gab auch die Regierung zu, dass Dukats Weg zurückzuschlagen der einzig richtige Weg war.
Und er und seine Männer waren auch genau die richtigen um ein ängstliches, passiv gewordenes Volk wieder zu dem zu machen, was es einmal gewesen war.

Trotzdem war es eigentlich schon fast zu spät. Die Verluste an Soldaten und Material wuchsen ins gigantische. Die klingonische Armee war schon tief ins Reich vorgedrungen und bald würden sie vor den Toren Cardassia Primes stehen…  
Zynisch hatte es sich der Cardassianer bei der letzten offiziellen Ratssitzung nicht nehmen lassen zu bemerken, dass er vor 10 Jahren die Möglichkeit gehabt hätte, mit geringen Mitteln sämtliche 
Klingonen für immer aus cardassianischen Grenzgebiet zu vertreiben.
Betretenes Schweigen hatte darauf im Rat geherrscht. Niemand hatte  widersprochen.

Mit jenen Informationen, welche Kira im Computer des Bird of Prey gefunden hatte, wäre es ein Leichtes gewesen. Kira…
Er hatte schon lange nicht mehr an sie gedacht. Seit 2 Jahren war auch kaum eine Gelegenheit gewesen, mit Ziyal oder Kira in Kontakt zu treten.
Während er noch Renegat gewesen war, hatte er mehrmals über Subraum-Kanäle mit Ziyal und Kira kommuniziert und zwei Mal konnte er DS9 einen Besuch abstatten.
Und irgendwie war dabei ein fast freundschaftliches Verhältnis zwischen ihm und Kira entstanden, solange er die Grenze welche Kira gezogen hatte, nicht übertreten hatte.
Einmal hatte er versucht, sich ihr physisch zu nähern…die ziemlich schmerzhafte Abfuhr würde er sein Leben lang wohl nicht vergessen und wäre Ziyal nicht in die Bresche gesprungen, wäre aus der aufkommenden Freundschaft wohl erneute Feindschaft geworden, jedenfalls von Kiras Seite aus.

Ihm kam eine Idee, als seine Gedanken bei Kira weilten, zugegeben eine etwas verwegene, fast unmöglich zu realisierende Idee, wenn man die geschichtlichen Umstände betrachtete.
Aber einen Versuch war es auf alle Fälle wert…
Er beschloss sich sofort mit der Regierung in Verbindung zu setzten. Vielleicht ist doch noch nicht alles verloren, dachte er sich lächelnd.
                    ***
1.
Commander Kira Nerys schaltete lächelnd ihr Terminal aus. Gerade hatte sie die beiden Nachrichten von Sisko und Dax gelesen, welche über Subraum 2 Wochen gebraucht hatten, sie zu erreichen.
Die beiden waren auf Siskos Forschungsschiff "Excalibur" unterwegs. Vor über 2 Jahren, als Sisko das Kommando an sie übergeben hatte, sahen sie sich das letzte Mal.
Dax war zu Siskos 1. Offizier befördert worden und Worf war als Sicherheitschef mitgegangen. Er war nun wieder in seinem Element und Odo hatte seine Erleichterung über Worfs Versetzung kaum verhehlen können.

Obwohl Kira natürlich stolz auf ihre Beförderung war, blieb doch ein trauriges Gefühl, wenn sie an frühere Zeiten dachte. Captain Sisko hatte sie, trotz anfänglicher Querelen doch zu ihren Freunden gezählt und sie hatte nicht so viele. Und Dax war ihr mit der Zeit ihre liebste Freundin geworden. Sie zu verlieren war hart gewesen und sie hatte gefühlt, dass es Jadzia ebenso gegangen war.

O‘ Brien hatte einen Ingenieursposten auf Bajors Werften angenommen, was Keiko glücklich gemacht hatte. Sie hatte die Station nie leiden können.
Auch Bashir hatte DS9 verlassen und war nun Chefarzt auf einem kleinen, medizinischen Forschungsschiff. Die medizinische Abteilung auf DS9 wurde nun von einer bajoranischen Ärztin geleitet.

Quark war nach dem Tod seiner Mutter nach Ferengenar übergewechselt und verwaltete dort deren Hinterlassenschaft, welche nach Roms Aussagen beachtlich sein sollt. Dieser führte jetzt die Bar.
Kira war froh, dass wenigstens Odo geblieben war, denn für ihn bestand kein Grund zu gehen. Er hatte sich mehrmals gegen Wesen seines Volkes gewendet und war dort nicht mehr willkommen.

Garak war auch immer noch hier und da Ziyal ihn schätzte, begann sich auch das Verhältnis zu Kira zu bessern, sie tolerierte ihn, manchmal trafen sich sogar alle drei zum Essen in einem der Restaurants.
Und natürlich war da Ziyal, ohne die sich Kira wohl etwas einsam vorgekommen wäre. Zurzeit weilte sie allerdings auf Bajor, mit viel Mühe hatten sie Verwandte Naprems ausfindig gemacht.

In zwei Tagen erwartete Kira sie zurück und war sehr gespannt auf ihre Erlebnisse.

Kira reckte die steifen Glieder, es war ein langer Tag gewesen. Sie beschloss sich umzuziehen und ein wenig in die Bar zu gehen. Sie setzte sich in die Galerie und betrachtete das Treiben um sie herum.
Ab und zu redete sie ein paar Worte mit Bekannten, aber sie hielt niemand an, sich zu ihr zu gesellen.

Plötzlich wusste sie, noch bevor er sprach, dass jemand hinter ihr stand.
"Pavsgen Nerys." Sie drehte sich um.
Er hatte sich kaum verändert in den zwei Jahren, seit sie ihn zum letzten Mal über Interkom gesehen hatte. Er sah höchstens etwas müder aus. Sie starrte ihn überrascht an.
 
" Pavsgen. Dukat, " raunte sie.
Er hatte sie bei ihrem Geburtsnamen genannt und Ihr viel auf, dass sie nicht einmal seinen Vornamen kannte, sie musste Ziyal danach fragen…
Er setzte sich an ihren Tisch.
Dukat war überrascht, dass sie ebenfalls die cardassianische Anrede benutzt hatte. Vielleicht ein gutes Zeichen…
"Entschuldigen Sie Commander, dass ich Sie beim Vornamen genannt habe, aber Ziyal spricht immer so von Ihnen, es ist mir so herausgerutscht.“
"Wo kommen Sie so plötzlich her? Wie sind Sie durch die feindlichen Linien gekommen? Warum haben Sie so lange nichts von sich hören lassen? Wie steht es auf Cardassia?"
Er unterbrach lächelnd mit einer Geste ihren Redefluss. Dann wurde er wieder ernst.

"Um Cardassia steht es schlecht, deshalb bin ich auch hierhergekommen, die Linien mit einem kleinen Schiff zu durchbrechen war leicht, die Tarnvorrichtung ist Gold wert. Wir haben in der Nähe patrouilliert und ich entschuldige mich auch, dass ich mich über Kom so rar gemacht habe, aber es waren turbulente Zeiten - Doch zuerst wie geht es Ziyal  und wo ist sie?"
"Verdammt Duka t, sie hat sich große Sorgen gemacht, seit 2 Jahren hören wir nur über offizielle Kanäle von Ihnen! Keine persönliche Nachricht über Interkom! Was denken Sie sich eigentlich?" meinte sie hitzig.
Er beugte sich etwas vor und betrachtete sie versonnen.

"Es scheint mir fast, sie hätten sich auch ein wenig Sorgen um mich gemacht?"
 Sie lehnte sich demonstrativ zurück und meinte mit betont kühlem Gesichtsausdruck: "Von mir aus könnten Sie die Klingonen erwischen und als Bettvorleger ausstopfen, aber um Ihrer Tochter Willen hoffe ich, dass es nicht so weit kommt! "

Er warf den Kopf zurück und lachte schallend. Kira konnte sich ein Lächeln ebenfalls nicht verwehren. Dieser Mann war irgendwie recht entwaffnend, wenn er lachte…

"Ziyal geht es gut, sie kommt bald zurück. Wir haben Verwandte von Naprem auf Bajor ausgemacht. " "Interessant, das ist nicht einmal mir damals gelungen, die Verwandten Naprems zu finden… -
Ich muss mit Ihnen reden, Commander. Es geht um die Zukunft Cardassias, das nicht mehr lange eine haben wird, wenn mein Plan nicht gelingt.
Aber nicht hier, ich würde ein etwas privateres Ambiente vorziehen. "

Sie stand auf. "Gehen wir in mein Büro. "
Er schien enttäuscht. "Commander, ich sagte: Privat. Damit hatte ich eigentlich gehofft, Sie würden mich vielleicht zu einem späten Dinner in ihrem Quartier einladen?"

Er war ebenfalls aufgestanden. Seine eisblauen Augen funkelten und ein leichtes Lächeln lag auf seinen grauen Lippen.
Sie kniff die Augen etwas zusammen. "In der Beziehung werden Sie sich wohl nie ändern, wie?"
Er schüttelte leicht den Kopf. "Warum sollte ich?" Sie lächelte, denn so viel Ehrlichkeit nötigte ihr doch Respekt ab.
"In einer viertel Stunde in meinem Büro. Ein Trost für Sie: Ich werde Ihnen etwas zu essen kommen lassen.“ "Das soll ein Trost für mich sein?"
Sie warf ihm einen gekonnt vernichtenden Blick zu und verließ die Bar.
‚Komisch, früher haben mich seine Spielchen immer auf die Palme gebracht. Heute genieße ich geradezu den Schlagabtausch…‘ 

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