Die Sonne stand hoch über dem einsamen Palmenstrand, der an einer kleinen Lagune lag, deren Wasser durchsichtig zu sein schien. Einige Vögel zwitscherten in diesem Szenario, das friedlicher nicht sein konnte.
Branford sah auf die Wasseroberfläche, die fast ruhig war. Er war hier auf dem Holodeck, das wusste er, aber das Schiff schien ihm Lichtjahre entfernt. Hier war er kein Kommandant, sondern einfach nur er selbst. Seine Gedanken schweiften zurück. An seinen großen Erfolg während der Krise an der cardassianischen Grenze, an seine Beförderung und das Angebot, ein eigenes Schiff zu übernehmen. Nun stand er unmittelbar davor. Die U.S.S. Defiance war auf dem Weg zur Erde und das Treffen mit seinem neuen Schiff, der U.S.S. Exeter, rückte in greifbare Nähe.
Das Geräusch einer sich öffnenden Türe holte ihn aus seinen Gedanken. Er wendete sich um und sah Nella. Sie ging auf ihn zu und kniete sich neben ihn.
"Hallo Chris. Ich hoffe, ich störe Dich nicht?"
Branford blickte sie einen Moment wortlos an und schüttelte dann den Kopf: "Du störst mich niemals, Nella." Er nahm ihre Hand und küsste sie.
Nella kannte Branford viel zu gut, als dass sie seinen Zustand als normal empfand.
"Was ist mit Dir? Du wirkst abwesend," stellte sie analytisch fest.
Branford stand auf und ging hinunter zum Wasser. Er sah hinaus auf den fiktiven Ozean, der ihm so ungeheuer real vorkam.
Nella war irritiert. So kannte sie ihren Freund nicht. Er war nie um ein Wort verlegen, aber nun kam er ihr abweisend vor. Ob es an ihr lag? Branford drehte sich herum und sah Nella direkt in die Augen. Wie auf Kommando kam sie zu ihm und er nahm sie in die Arme: "Ja, Du magst mit deiner Analyse recht haben. Ich denke über das nach, was ich dir schon einmal gesagt habe."
Sie sah ihn ernst an: "Chris, meinst Du deine Bedenken wegen unserer Beziehung, wenn du dein Schiff übernimmst?"
Branford nickte stumm.
"Mach Dir keine Gedanken, Chris. Ich werde Dir treu bleiben. Vertraust Du mir denn nicht?"
Er schüttelte den Kopf und erwiderte: "Nein, das ist es nicht. Aber wir werden uns sehr wenig sehen, Nella."
Nella strich sich die Haare aus dem Gesicht: "Das wird unsere Liebe nur stärker machen, glaub mir."
Die beiden wurden durch das Piepsen des Kommunikators unterbrochen.
"Haley an Branford, wir nähern uns der Erde, Sir."
Branford erkannte Lieutenant Bill Haley, den ersten Einsatzleiter der Defiance.
Er tippte seinen Insignienkommunikator an: "Hier Branford. Ich komme sofort, Lieutenant."
Nella schmunzelte: "Die Brücke braucht Sie, Captain."
Er küsste sie zum Abschied und verließ den Raum.
Unterdessen trat die Defiance in das Sonnensystem der Erde ein. Lieutenant Haley saß im Kommandosessel, als Steuermann war Fähnrich Holden und als Einsatzleiter Lieutenant LaSalle im Dienst.
"Auf Impulskraft gehen, Mister Holden. Legen Sie Kurs an auf die Erde, halber Impuls." befahl Haley.
LaSalle meldete: "Sir, wir empfangen eine Mitteilung von der Erdverteidigung. Sie fordern unsere Identifizierung an."
Haley nickte: "In Ordnung, Mister LaSalle. Aktivieren Sie die Frequenz zur Erdverteidigung." Ein Signal zeigte an, dass ein Kontakt aufgebaut wurde: "Hier ist die U.S.S. Defiance, NCC-2463-A. Wir erbitten Anfluggenehmigung zur Erde. Ich bin Lieutenant Bill Haley, der erste Einsatzoffizier."
Über Audio-Kanäle kam die Antwort: "Defiance, Anfluggenehmigung erteilt. Willkommen zu Hause."
"Sir, die Anflugleitung hat uns die Anweisung gegeben, zum Orbitalstützpunkt 1 zu fliegen." meldete LaSalle.
Branford betrat im selben Moment die Brücke und hörte diese Meldung.
"Sehr gut, Mister LaSalle. Lieutenant Haley, Sie werden die Defiance in den Orbitalstützpunkt steuern."
Haley nickte unsicher. Der Orbitalstützpunkt war eine Art Bunker für Großraumschiffe und bot acht Anlegeplätze. Der Anflug und das Andocken innerhalb des Stützpunktes war nicht einfach.
Branford setzte sich auf den Platz des ersten Offiziers, während Haley stehen blieb.
Auf dem Bildschirm erschien der Stützpunkt.
"Mister LaSalle, bitten Sie darum, dass die Raumschotten geöffnet werden." befahl Haley.
LaSalle nickte und sendete eine Mitteilung. Die Mitteilung wurde bestätigt und die großen Schotten wurden geöffnet. Die Defiance war etwa 1000 Meter entfernt.
"Impulsantrieb aus, Mister Holden. Manövriertriebwerke auf halben Vorwärtsschub. Kurs korrigieren, drei Grad nach Backbord."
Das Raumschiff glitt durch die Öffnung in den Stützpunkt hinein.
"Mister LaSalle, welche Anlegestelle wurde uns zugewiesen?" fragte Haley.
Der Einsatzleiter antwortete: "Dockstelle 3, genau Steuerbord voraus, Sir."
Haley nickte: "Danke. Kurs korrigieren auf 290, 000. Triebwerke aus."
Die Defiance steuerte genau in Reichweite der Verankerungen.
Haley befahl Schubumkehr und die Defiance stoppte. Die Verankerung rastete an dem Festverbindungspunkt am Rumpfrücken der Kampfsektion ein.
"Systeme auf äußeren Versorgungsmodus umstellen, Schwerkrafterzeugung und Integritätsfeld auf Minimum reduzieren. Vorbereitungen für Deuterium-Übernahme treffen," befahl Haley.
Branford nickte zufrieden: "Gute Arbeit, Mister Haley. Sie können nun einen Plan für den Landurlaub ausarbeiten. Wir benötigen nur eine Notbesatzung."
Der Einsatzleiter nickte und verließ die Brücke.
Als er den Turbolift betrat, kam ihm Coburn entgegen. Sie begrüßten sich kurz, dann näherte sich Coburn Branford.
"Guten Morgen, Captain. Gibt es irgendwelche Berichte, wann die Exeter eintrifft?" fragte der erste Offizier.
Branford schüttelte den Kopf: "Nein, Commander. Ich werde in zwei Stunden das Kommando an Sie abtreten und die Defiance verlassen. Ich habe noch zwei Tage Urlaub. Wie man mich informierte wird Captain Waringthon in etwa 20 Stunden eintreffen. Er befindet sich bereits auf dem Weg zur Erde."
Commander James Coburn nickte. Er hatte sich in den zwei Monaten, in denen Branford an Bord war, von seinem schärfsten Gegner zu einem seiner besten Offiziere entwickelt. Er nahm im Kommandosessel Platz, während Branford die Brücke verließ.
Die folgende Stunde ging Branford mehr oder minder ziellos durch das Schiff. Anschließend packte er seine Sachen und ließ sie in den Transporterraum bringen.
Branford suchte anschließend die Brücke auf um sich von seinen Offizieren zu verabschieden. Haley führte das Kommando, ansonsten war nur eine Notbesetzung mit Fähnrich Holden und einem weiteren Junior-Offizier im Dienst.
"Mister Haley, wo sind denn die anderen Stabsoffiziere? Ich wollte mich verabschieden," fragte Branford leicht irritiert.
Der Lieutenant erhob sich: "Ich weiss es nicht, Sir. Ich habe Mister Coburn vor einer halben Stunde abgelöst."
Branford hob die Augenbrauen: "Ah ja. Nun gut, Lieutenant. Ich verabschiede mich. Viel Glück weiterhin, Mister Haley. Sie werden schon ihren Weg machen."
Haley lächelte: "Danke, Sir. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg auf ihrem Schiff. Auf Wiedersehen."
Branford und Haley schüttelten sich die Hand, dann verließ er endgültig die Brücke der Defiance. Er betrat den Turbolift und nannte Deck 9 als Ziel. Dort war der Transporterraum 2.
Als sich die Lifftür öffnete, blieb ihm fast die Luft weg. Den ganzen Weg bis zur Tür des Transporterraums standen Crewmitglieder Spalier. Als Branford aus dem Lift stieg, standen sie still. Er ging gemessenen Schrittes in den Transporterraum. Dort warteten seine Stabsoffiziere. Sandra Galen und Wesley Crusher würden ihn begleiten, sie hatten sich ebenfalls bereits eingefunden.
Coburn trat etwas vor und überreichte Branford ein Modell der Defiance.
"Bitte, Sir. Dies hier soll Sie immer an dieses Schiff erinnern. Sie werden uns sehr fehlen. Auch wenn wir uns am Anfang nicht ganz grün waren."
Branford lachte: "Da haben Sie recht, Commander. Aber das ist alles vergessen. Sie sind nun der zweite kommandierende Offizier dieses Schiffes. Machen Sie das Beste daraus."
Tarall trat etwas an Branford heran: "Captain, ich wünsche Ihnen alles Gute. Sie werden sicherlich ein guter Captain werden. Nein, Sie sind ja schon einer."
Branford war etwas verwundert: "Ist das eine logische Schlussfolgerung, Mister Tarall?"
Der Vulkanier verzog keine Miene: "Selbstverständlich, Captain. Nach Analyse aller zur Verfügung stehenden Fakten ist dies der einzig logische Schluss."
"Auf jeden Fall bedanke ich mich, Lieutenant. Ihre Fähigkeiten haben mich sehr beeindruckt. Alles Gute," erwiderte Branford.
LaSalle, Pizoll und Tanner verabschiedeten sich ebenfalls noch von Branford. Dann betrat er mit Galen und Crusher die Transporterplattform.
"Sie übernehmen das Kommando, Nummer 1. Energie."
Der Transportertechniker betätigte die Kontrollen und die Drei entmaterialisierten.
Branford und die zwei anderen materialisierten in der Transfersektion des Orbitalstützpunktes. Ihr Gepäck wurde verstaut.
Crusher verabschiedete sich: "Sir, ich trete jetzt meinen Urlaub an. Wir sehen uns in drei Tagen auf der Exeter. Auf Wiedersehen. Bis dann, Counselor."
Der junge Mann verschwand durch die Tür in das Innere des Stützpunktes.
Sandra schaute Branford an: "Nun,Chris? Was wirst Du tun?"
Er erwiderte: "Ich treffe mich mit Nella in etwa zehn Minuten. Wir werden auf die Erde runterbeamen. Was machst Du?"
"Nun, ich treffe einige Bekannte in Paris. Wir sehen uns dann," schloss Sandra das Gespräch. Sie drehte sich herum und ging wieder in die Transfersektion.
Branford nahm seine Tasche und suchte sein Quartier auf. Die Personalsektion hatte ihm einen relativ kleinen Raum zugewiesen, da er bald wieder abreisen würde. Branford war das egal. Er würde so oder so keine Nacht hier verbringen.
Er tauschte seine Uniform gegen eine blaue Hose und ein weißes Hemd. Auf der Erde wollte er als Zivilist unbehelligt bleiben.
Ein Signal zeigte an, dass jemand an der Tür war. Branford öffnete die Tür.
Es war Nella. Sie trug keine Uniform, sondern hatte einen Rock und einen schwarzen Body an. Sie sah atemberaubend aus. Nella betrat das Quartier und gab Branford zur Begrüßung einen Kuss.
"Nella, Du siehst umwerfend aus. Bist Du bereit runterzubeamen?"
Sie nickte: "Ja. Chris, wen willst Du besuchen? Lass mich doch nicht so im Ungewissen!"
Branford zeigte einen unschuldigen Gesichtsausdruck: "Komm, lass Dich überraschen. Auf, wir müssen gehen."
Er führte sie in die Transfersektion und gab dem Techniker die Koordinaten. Nella versuchte zu lauschen, konnte aber nichts verstehen.
Branford betrat mit ihr die Plattform. Er gab die Anweisung und sie wurden auf die Erde gebeamt.
Sie befanden sich inmitten eines riesigen Waldgebietes, das sie auf den ersten Blick als einen Nationalpark im Norden des amerkianischen Kontinents identifizierte.
"Willkommen in meiner Heimat, Nella."
Sie war beeindruckt. Die Umgebung war einfach bezaubernd schön. Keinerlei Fahrzeuge oder ausgebaute Straßen waren zu erkennen, nur ein Pfad führte durch den Wald.
"Chris, wo genau sind wir?" fragte Nella.
Branford schmunzelte: "Das hier, meine Liebe, ist der Eaglerock Canyon. Ein weites Tal, dicht bewaldet. Hier lebt mein Vater. Wir müssen nur etwa fünfzehn Minuten in diese Richtung laufen."
Er deutete in Richtung eines Sees, der von einem Berg zum anderen reichte. Nella erkannte am Ufer eine Blockhütte und einen Bootssteg.
Sie folgte Branford den Pfad hinunter zu der Hütte. Als sie dem Gebäude näher kamen, erkannte sie einen grauhaarigen Mann, der am Bootssteg saß und eine Angel in der Hand hielt. Er hatte sie anscheinend noch nicht bemerkt.
Branford näherte sich ihm und sprach ihn an: "Viel gefangen?"
Nella war von dieser Begrüßung überrascht. Branford sprach normalerweise recht viel.
Der Mann hob seinen Blick nicht von der Wasseroberfläche. Er murmelte: "Nein, nicht sonderlich viel. Sie beißen nicht mehr so wie früher."
Er stand auf und sah Branford an: "Schön, dass Du da bist, mein Sohn."
Branford umarmte ihn. Dann stellte er ihm Nella vor: "Dad, das hier ist Nella Darin. Nella, das ist Joseph Branford, mein Vater."
Nella sah ihn an. Joseph Branford hatte ein sehr kantiges, altes Gesicht, dass aber um so liebenswerter schien.
"Ich freue mich, Sie kennenzulernen, Mister Branford." begrüßte Nella ihn freundlich.
Der alte Mann deutete auf die Hütte: "Lasst uns reingehen, Kinder. Ich habe schon etwas zu essen gemacht. Deine Lieblingsspeise, Christopher. Barsch."
Branford konnte seine Freude nicht verbergen: "Barsch! Das habe ich schon sehr lange nicht mehr gegessen."
Sein Vater nickte: "Ja. Dieses Replikatorzeug kann einen echten Fisch nicht ersetzen, mein Sohn. Kommt, das Essen wird kalt."
Im Haus war schon der Tisch gedeckt. Nella und Branford setzten sich, während sein Vater das Essen holte. Dieses Mahl hatte Branford gefehlt.
Während des Essens wurde nicht viel gesprochen. Als sie fertig waren, schenkte der alte Mann jedem noch eine Bourbon ein.
"Wie geht es Dir, mein Sohn? Bist Du zufrieden mit deinem Job?"
Branford erwiderte knapp: "Ja. Ich habe sehr große Freude daran."
Der Rest des Abend verlief ruhig. Branfords Vater fragte Nella noch etwas aus, dann ging er schlafen. Branford führte Nella raus auf den Bootsteg. Sie beobachteten den Sonnenuntergang. Nella war schon immer ein romantischer Charakter gewesen. Sie brannte darauf, ihm eine ganz bestimmte Frage zu stellen: "Chris, ich möchte Dich etwas Persönliches fragen."
Branford sah sie an: "Welche Frage?"
Sie schaute ihn an: "Was ist mit deiner Mutter, Chris?"
Branford schwieg einen Moment, dann erwiderte er: "Meine Mutter war Captain der U.S.S. Armaro. Dieses Schiff wurde vor fünfundzwanzig Jahren durch einen cardassianischen Kreuzer vernichtet, als sie zu diplomatischen Verhandlungen an der Grenze war. Sie hatten keine Chance, da sie völlig unvorbereitet waren. Es gab keine Überlebenden."
Nella war unfähig, etwas zu bemerken. Dann fasste sie sich ein Herz: "Ist das der Grund, weshalb dein Vater Dir nicht zu deiner Beförderung gratuliert hat?"
Branford nickte stumm: "Ja, so ist es. Er war damals dagegen, dass ich zur Sternenflotte ging. Wir haben beinahe zwei Jahre nicht miteinander gesprochen. Dann trafen wir uns und sprachen uns aus. Wir haben einen Kompromiss geschlossen: Wir klammern das Thema Sternenflotte aus. Er ist seit der Zeit verbittert."
Nella nickte: "Ja, das verstehe ich. Wie alt ist dein Vater?"
Er erwiderte: "Er ist 72 Jahre. Ich bin sein jüngster Sohn."
"Hast Du Geschwister?" fragte Nella.
Branford nickte: "Ich habe eine Schwester, Claudia. Sie ist mit einem Sternenflottenoffizier verheiratet, der auf der U.S.S. Sutherland dient. Ich hatte einen Bruder. Sein Name war Harrold, er starb während eines Außenteam-Einsatzes seines Schiffes, der U.S.S. Jersey. Er war noch keine 23 Jahre alt. Das hat meinen Vater noch verbitterter gemacht."
Seine Freundin nickte verständnisvoll und kuschelte sich an ihn.
Am nächsten Morgen wurden sie von Branfords Vater geweckt. Er hatte für sie Frühstück gemacht. Danach wollte Branford aufbrechen.
Dann war es soweit. Branford verabschiedete sich: "Auf Wiedersehen, Dad. Hat mich gefreut, Dich zu sehen. Auf bald."
Der alte Mann nickte: "Ja, Christopher. Pass auf Dich auf." Dann wandte er sich Nella zu: "Es hat mich gefreut, Sie kennezulernen, Nella. Besuchen Sie mich wieder. Auf Wiedersehen."
Branford und Nella gingen den Pfad wieder hinauf. Außer Sichweite des Hauses kontaktierte Branford den Transporterraum des Orbitalstützpunktes. Innerhalb weniger Sekunden wurden sie auf den Stützpunkt transferiert.
Nella sah Branford an: "Chris, ich muss auf die Defiance zurück. Ich werde Dich vermissen."
Branford nahm sie in den Arm und küsste sie: "Ich ebenfalls. Nun geh, Nella. Commander Coburn hat es nicht gern, wenn man ihn warten läßt."
Sie lächelte: "Pass auf Dich auf, Chris. Wir sehen uns."
Nella drehte sich herum und suchte wieder die Transfersektion auf, von der aus sie sich auf die Defiance beamen ließ.
Branford stand etwas ratlos herum. Die Exeter war noch nicht eingetroffen und sonst war nichts zu tun. Er hatte eine Idee. Die Einsatzplanung hatte bestimmt Informationen, wann das Schiff zurückkehrte.
Er durchquerte einige Korridore und betrat das Kommandozentrum. Ein junger Lieutenant sprach ihn an: "Verzeihen Sie, aber hier ist für Unbefugte der Zutritt verboten."
Branford zog seinen Ausweis aus der Tasche und zeigte ihn dem Lieutenant:
"Ich bin Captain Christopher Branford. Ich brauche Informationen, wann die U.S.S. Exeter eintrifft."
Dem jungen Mann war es sehr peinlich: "Tut mir leid, Sir. Ich werde nachsehen, wo sich das Schiff befindet."
Er rief über einen Monitor die Berichte der einzelnen Schiffe ab.
"Die U.S.S. Exeter befindet sich derzeit im Orbit des Mars. Lieutenant.Commander Cassels führt einige Test mit dem Impulsantrieb durch."
Branford nickte: "Danke, Lieutenant. Sagen Sie, besteht die Möglichkeit, ein Shuttle zu bekommen?"
Er war sich unschlüssig: "Einen Moment, Captain." Nach wenigen Augenblicken hatte er Klarheit: "Ja, hier hätten wir ein geeignetes Schiff. Ein Shuttle des Typs 6 wäre frei. Wenn Sie wollen, können Sie es haben."
Branford brauchte nicht lange zu überlegen. Er nahm das Angebot an.
Binnen zehn Minuten hatte er seine Uniform angezogen und seine Sachen gepackt. Dann ging er zur Shuttlerampe, wo ihn ein Techniker erwartete.
"Guten Tag, Sir. Das Shuttle steht bereit. Es ist aufgetankt und starbereit. Sie werden ohne Probleme den Mars erreichen."
Branford dankte ihm und bestieg das Shuttle. Er schloss die Einstiegstür und checkte die Systeme. Als er fertig war, startete er die Triebwerke und bat um Starterlaubnis. Diese wurde ihm umgehend gewährt und er startete. Nach dem Verlassen des Orbitalstützpunktes nahm er Kurs auf Mars.
Der Flug erschien Branford unendlich lang. Er fragte die voraussichtliche Flugzeit beim Computer an und bekam 1,2 Stunden als Antwort. Er lehnte sich zurück und schaltete den Autopilot ein.
Beinahe wäre er eingeschlafen, aber er riss sich zusammen.
Nach einer Stunde kam der Planet Mars in Sicht. Der "Rote Planet" zeichnete sich deutlich am Horizont ab. Branford schüttelte die Müdigkeit ab und scannte, ob sich Schiffe im Orbit des Planeten befanden.
Der Computer zeigte ein etwas kleineres Schiff an, das in einem höheren Orbit den Planeten umkreiste. Auf seine Bitte um Identifikation kam die Antwort "Intrepid-Klasse". Es war die Exeter.
Branford rief das Schiff: "U.S.S. Exeter, hier ist Captain Christopher Branford an Bord von Shuttleschiff 2. Ich bitte um Landeerlaubnis."
Eine weibliche Stimme erwiderte: "Hier ist die Exeter. Sie haben Landeerlaubnis, Captain."
Branford sah sich sein Schiff während des Anfluges an. Es war sehr schlank, mit einem eliptischen Vorderrumpf und einer kleineren Maschinensektion. Seine Schönheit übertraf alle Schiffe, die Branford zuvor gesehen hatte. Er überflog den Vorderrumpf und las die Markierungen: "NCC-2893-A, U.S.S. Exeter."
Er steuerte das Shuttle zu der achtern gelegenen Shuttlerampe. Sie öffnete sich und das Shuttle landete mit Hilfe des Leitstrahles automatisch.
Als er das Shuttle verließ, erblickte er einen Mann in einer gelben Sternenflottenuniform, laut den Rangabzeichen ein Lieutenant Commander. Dieser trat vor und lächelte Branford freundlich an: "Captain Branford, ich bin Lieutenant Commander Jake Cassels, ihr Chefingenieur. Herzlich willkommen auf der Exeter."
Branford reichte ihm die Hand. Er bemerkte den kräftigen Händedruck von Cassels.
"Ich danke Ihnen, Mister Cassels. Ich freue mich darauf, mit Ihnen zusammenzuarbeiten."
Cassels wehrte ab: "Warten Sie ab, wie wir uns zusammenraufen. Aber bitte, nennen Sie mich Jake. Der Rang ist nebensächlich."
Branford nickte: "In Ordnung, Jake. Wie ist der Zustand des Schiffes?"
"Ah, Sie wollen gleich anfangen. Nun gut, mir ist es recht. Wir haben noch ein paar Probleme mit dem Impulsantrieb, die wir aber bis zur Indienststellung in den Griff kriegen. Unsere Testreihe ist abgeschlossen, wir kehren innerhalb der nächsten Stunde zur Erde zurück. Übermorgen ist die Indienststellungsfeier." erwiderte der Chefingenieur.
Branford fragte nach: "Sind schon irgendwelche Stabsoffiziere an Bord? Ich meine ausser Ihnen."
Cassels musste verneinen: "Ich bin der Einzige. Die meisten anderen werden erst nach der Indienststellung an Bord kommen. Wollen Sie gleich das Kommando übernehmen?"
Branford schüttelte den Kopf: "Aber nein. Mein Dienst beginnt erst nach der Indienststellung. Sie fliegen das Schiff zur Erde zurück. Ich bin nur Gast."
Cassels grinste: "Wie Sie wünschen. Sie dürfen mich trotzdem zur Brücke begleiten."
Der Captain schmunzelte innerlich. Cassels war ein witziger Typ. Es würde interessant werden mit ihm.
Cassels führte Branford durch einige Korridore zu einem Turbolift, der sie auf die Brücke brachte.
Die Brücke der Exeter war eine Weiterentwicklung der früheren Raumschiffklassen Galaxy und Nebula. In der Mitte befanden sich drei Sitzplätze für den Captain, den ersten Offizier und den Counselor. Davor befanden sich die Kontrollpulte für den Steuermann und den Einsatzleiter. Hinter der Sitzreihe des Captains befanden sich die Stationen für Sicherheit und Taktik, Wissenschaft, Technik und spezielle Operationen.
Auf der Brücke war nur eine Notcrew im Dienst. Die Plätze für Steuerung, Einsätze und der Platz des Captains waren von Offizieren besetzt, die gelbe Sternenflottenuniformen trugen. Sie gehörten zur Entwicklungs- und Baugruppe des Schiffes.
Cassels stellte Branford die drei Offiziere vor: "Leute, das hier ist der Captain, Christopher Branford." Er deutete auf den im Kommandosessel sitzenden Mann: "Das hier ist Lieutenant Marcus Navaro. Er ist der verantwortliche Ingenieur für die Steuersysteme des Schiffes." Navara stand auf und reichte Branford die Hand: "Willkommen an Bord, Captain. Wir werden alles zu ihrer Zufriedenheit regeln."
Branford nickte: "Vielen Dank, Lieutenant. Dessen bin ich mir sicher."
Cassels stellte die anderen Zwei vor: "Das sind Lieutenant Oliver Hammer, der für die Sensorenausrüstung zuständig ist." Branford nickte dem Lieutenant freundlich zu: "Und hier haben wir Fähnrich Andrew Savage, verantwortlich für die spezielle Missionsausrüstung."
Branford schaute sich etwas um.
"Wieviele Crewmitglieder sind zur Zeit an Bord, Jake?" fragte er.
Der Chefingenieur erwiderte: "Wir haben insgesamt eine Notbesatzung von 18 Mann. Das genügt, um die Exeter sicher zurück zur Erde zu bringen."
Der Captain nickte: "Na denn, lassen Sie uns zurück fliegen."
Cassels schmunzelte: "Wie Sie wünschen, Captain. Andrew, legen Sie Kurs an auf 121,72. Volle Impulskraft."
Der Fähnrich bestätigte den Befehl und manövrierte die Exeter aus dem Orbit. Das Schiff nahm Kurs zur Erde auf.
"Flugzeit, Marucs?" fragte Cassels nach.
Navaro antwortete ohne Umschweife: "38 Minuten, Sir. Alle Systeme arbeiten normal."
Der Chefingenieur war zufrieden. Sein langjähriges Projekt war beendet, die Exeter war bereit für den Einsatz. Das erfüllte ihn mit Stolz.
"Ausgezeichnet, Marcus. Das haben wir doch gut hingekriegt, oder?" bemerkte er.
Navaro stimmte ihm zu: "In der Tat. Eine sehr schwierige Aufgabe neigt sich dem Ende zu."
Branford sah sich etwas um. Das Brückendesign war eine Weiterentwicklung der Brücke der Galaxy-Klasse.
"Nun, Captain? Wie gefällt Ihnen die Exeter?" fragte Cassels.
Branford hob anerkennnend die Augenbrauen: "Beeindruckend. Wirklich beeindruckend. Sie haben das Schiff gut hingekriegt, Jake. Ich freue mich auf unsere erste Mission."
Cassels lachte: "Ich ebenfalls, Captain."
Der Flug verlief reibungslos, genau nach der errechneten Zeit erreichte die Exeter die Erde.
"Commander, wir erreichen die Erde. Anflugbefehl zum Orbitalstützpunkt wurde erteilt." meldete Andrew Savage.
Cassels nickte: "Danke. Legen Sie Kurs auf den Orbitalstützpunkt an."
Die Exeter dockte wie geplant im Stützpunkt an. Ihr gegenüber lag die Defiance.
Der Chefingenieur sah Branford an: "Wir können, Captain. Die Indienstellungsfeier findet in zwei Stunden statt. Bis dahin haben wir den Gemeinschaftsraum hergerichtet."
Branford fragte nach: "Welche Mitglieder des Sternenflottenkommandos haben sich angekündigt, Jake?"
"Soweit ich weiss, kommen Admiral Nogura und Admiral Shanti vom Sternenflottenkommandostab, Sir. Ansonsten wird es eine vergleichsweise kleine Feier." erwiderte Cassels.
Navaro bemerkte: "Captain, die Crew wird bereits in einer Stunde eintreffen. Die Quartiere wurden vorbereitet."
Der Captain dankte Navaro: "In Ordnung, Mister Navaro. Gehen Sie von Bord?"
Navaro nickte: "Ja, Sir. Lieutenant Hammer, Fähnrich Savage und ich werden die Exeter nun verlassen. Wir werden aber der Indienstellungsfeier auf jeden Fall beiwohnen."
Die Drei verließen die Brücke. Nun war Branford allein mit Cassels.
"Ich werde mein Gepäck holen, Jake. Wir sehen uns."
Cassels nickte: "Sicher, Captain. Ich werde nochmal die Systeme überprüfen, damit alles klar geht."
Branford ging zum Turbolift und verließ die Brücke Richtung Ausstiegsschott. Dort war bereits seine Habe hingestellt worden. Er nahm sie und suchte sein Quartier auf, welches direkt unter der Brücke lag. Es war besser ausgestattet als sein ehemaliges Quartier auf der Defiance. Er stellte das Gepäck hin und ließ sich in einen Sessel gleiten. Nun war er an Bord des Schiffes, dessen Captain er war.