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Ketzer und Heilige

von Thilo

Ein unerwarteter Besuch

Diese Geschichte ist eine direkte Fortsetzung von „10-11 – Das Geheimnis der Drachen“ und „15 – Racheengel“ aus der zuerst genannten Geschichtensammlung. Kenntnisse über diese anderen Erzählungen sind zum Verständnis aber nicht notwendig.


Im Jahr 2312 …

 

Pavel Chekov folgte seinem Freund Hikaru Sulu vom Robottaxi über den mit Natursteinen befestigten Weg zu dem fast völlig von Büschen und Bäumen verborgenen Haus. Sein bisheriger Eindruck von Areka war, dass die vorherrschenden Architekturstile hauptsächlich darauf ausgerichtet waren, eben diese Architektur in einer scheinbar unberührten Wildnis zu verstecken. Selbst die großen Städte erinnerten ihn eher an von Wäldern überwucherte Ruinen, obwohl deren Häuser mit ihren Dachgärten heil, gepflegt und bewohnt waren.

Sie blieben vor der Tür stehen und suchten einen Moment vergebens eine Türklingel oder zumindest einen Klopfer. Als sie nichts Derartiges fanden, klopfte Sulu an den Türrahmen. Sie hörten hinter dem Haus mehrere Stimmen und überlegten noch, ob sie um das Haus, wo auch immer es anfing oder aufhörte, herumgehen sollten, als die Tür geöffnet wurde. Ein alter menschlicher Mann stand im Eingang und erstarrte förmlich bei ihrem Anblick.

„Admiral Cartwright? Was machen Sie hier?“, fragte Sulu und war dabei sichtlich zu überrumpelt, um zornig zu werden.

„Captain …“, Cartwright sah das Abzeichen auf Sulus Schulter an und korrigierte sich. „Admiral Sulu, die Frage könnte ich Ihnen ebenfalls stellen. Ich wohne hier … oder zumindest in der Nachbarschaft“, antwortete er offensichtlich überrascht über die Anwesenheit der beiden Flaggoffiziere.

Chekov erinnerte sich jetzt daran, dass vor einigen Jahren Cartwrights lebenslange Haftstrafe in ein Exil auf Areka umgewandelt worden war. Obwohl in Starfleet auch weiterhin das Gerücht kursierte, dass er im Gefängnis ermordet worden war, was aber eindeutig nicht stimmen konnte, da er direkt vor ihnen stand. Er versuchte vergeblich, die in die Tür geschnitzte, fremdartige Schrift zu entziffern. „Wir wollten eigentlich zu Captain Ineiau Cher-kira-Ke. Dieses ist das falsche Haus?“

„Nein, dies ist das richtige Haus. Ich bin hier nur zusammen mit meiner Frau zu Besuch.“ Trotz der für ihn unangenehmen Situation lächelte Cartwright wohl eher unbewusst. „Ineiau und Hekari sind vor drei Wochen zum zweiten Mal Mütter geworden. Agnes und ich versuchen, sie dabei etwas zu entlasten.“ Der alte Mann zögerte kurz, bevor er ihnen mit einer steifen für ihn offenbar immer noch unvertrauten Geste anbot einzutreten. „Ich bin nicht der Hausherr, aber für Ani ist das Gastrecht heilig.“

Sulu sah misstrauisch Cartwright an. „Nach dem, was Sie getan haben, behaupten Sie, hier zu babysitten?

Cartwright sah verletzt zu Boden, bevor er leise antwortete: „Ich habe bereits vor meinem Exil auf Areka in den zwölf Jahren Haft meine Fehler eingesehen und versuche immer noch, sie wiedergutzumachen, auch wenn das niemals möglich sein wird. Und ich kann verstehen, dass Sie und wahrscheinlich die meisten anderen mir nie vergeben oder je wieder trauen werden.“

Sie wurden von zwei vielleicht zehnjährigen Mädchen unterbrochen, die in den Windfang hinter Cartwright gekommen waren. Sie beobachteten neugierig zusammen mit einem gefiederten dinosaurierartigen Wesen von der Größe einer Katze aus der Deckung seiner Beine die beiden Starfleet-Offiziere.

Chekov erkannte beim genaueren Hinsehen, dass entgegen seinem ersten Eindruck die beiden Mädchen keine Menschen, sondern an Cartwright angepasste junge Ani waren.

Cartwright bemerkte jetzt ebenfalls die beiden Kinder und stellte sie mit zeigenden Gesten vor: „Dieses sind Elsa Cher-kira-Ke und Anna Cher-kira-Ke. Das sind Admiral Hikaru Sulu und Commodore … Pavel Chekov von Starfleet. Sie wollen eure Mütter sprechen.“

Chekov konnte beinahe sehen, wie Sulu im Geiste die normalen Verhaltensregeln unter Ani durchging.

„Freier Himmel Elsa und Anna, wir wollten euch nicht stören.“ Sulu zeigte auf das gefiederte Wesen. „Wie heißt eure kleine Freundin?“

Die beiden Kinder kicherten. „Freier Himmel, Hikaru. Und das ist Kiso“, antworteten sie gemeinsam, dann rannten sie gefolgt von der gackernden Kiso an Cartwright vorbei in den Garten.

Chekov erkannte gleichermaßen irritiert und fasziniert, dass sich Haare und Haut der Kinder ebenso wie die Federn von Kiso farblich an die sie umgebenden Bäume und Büsche anpassten.

„Bleibt nicht zu lange weg! Es gibt in einer Stunde Essen“, rief Cartwright ihnen nach.

„Ja, Tante Lance!“

„Tante?“, fragte Chekov überrascht nach.

Cartwright zuckte hilflos mit den Schultern. „Keine Sprache auf Areka hat unterschiedliche Geschlechtsformen. Und das überträgt sich gerade auf die Kinder, insbesondere wenn sie Englisch sprechen.“ Er forderte die unerwarteten Gäste erneut auf einzutreten.

Sie wurden von dem alten Mann durch den kleinen Flur in ein sonnendurchflutetes Wohnzimmer geführt, welches durch viele große Topfpflanzen fast einem Dschungel glich und dessen Terrassentüren weit offenstanden, um die Wärme des späten Sommertages hereinzulassen.

Nebeneinander auf einem sonderbar geformten, aber gemütlich wirkenden Sofa saßen zwei Ani, die jede ein Baby auf dem Arm hatten. Offensichtlich waren sie gerade mit dem Säugen der Kinder fertig geworden und wiegten diese nun in den Schlaf. Und entweder hielten sie jeweils eine Miniversion von sich selbst in den Armen oder die Babys passten sich an ihre jeweilige Mutter an, dachte Chekov.

Auf einem danebenstehenden Sessel saß eine alte menschliche Frau und las in einem Buch. Chekov ging davon aus, dass sie Cartwrights Ehefrau war.

Alle sahen überrascht auf, als die drei Menschen eintraten.

Sulu deutete eine kurze Verbeugung an und sprach die größere Ani mit den grünschwarzen Haaren an: „Captain Ineiau, ich bin mir nicht sicher, ob Sie sich an mich erinnern. Ich bin Rear Admiral Hikaru Sulu von Starfleet Intelligence. Es tut mir leid, hier so einfach einzudringen und Sie zu stören. Aber wir haben eine Entdeckung gemacht, von der wir hoffen, dass Sie uns dabei helfen können.“

„Freier Himmel Admiral Sulu“, erwiderte Ineiau die Begrüßung. „Ja, ich erinnere mich an unsere bisherigen Begegnungen. Und auch an Sie, Captain … Verzeihung, Commodore Chekov. Das muss ja etwas ganz Besonderes sein, wenn Sie die lange Reise auf sich genommen haben, um mich persönlich zu sprechen, statt ein Ferngespräch zu führen.“ Sie und die zweite kleinere Ani mit violettschwarzem Haar erhoben sich. „Wir sollten aber vorher die Kinder zu Bett bringen.“

Agnes Cartwright erhob sich ebenfalls und nahm Ineiau das Kind ab, welches sich daraufhin selbst im Schlaf an die schwarze Menschenfrau anpasste. „Hekari und ich kümmern uns darum, Ineiau.“ Sie wandte sich an ihren Mann. „Lance, würdest du bitte Kaffee aufsetzen und den Tisch dafür decken?“

Der alte Mann brummte etwas unwillig, begab sich dann aber in die Küche.

Agnes und Hekari verließen sie jetzt ebenfalls mit den schlafenden Kindern, nachdem Hekari noch kurz Ineiau auf die Wange geküsst hatte.

Ineiau wirkte einen Moment lang überrumpelt, dass sie jetzt alleine mit den beiden Starfleet-Offizieren war. Dann forderte sie die beiden Menschen mit einer Geste auf, sich in die beiden Sesseln zu setzen, bevor sie sich selbst wieder auf dem Sofa niederließ.

Nachdem er sich gesetzt hatte, erklärte Sulu als Einleitung: „Die Angelegenheit wird von uns streng vertraulich behandelt.“ Er wartete Ineiaus kurzes bestätigendes Nicken ab, bevor er fortfuhr: „Vor fast genau fünfzig Jahren hatten Sie während Ihrer Expedition nach Gorana Kontakt mit dem sogenannten Kult der Gerechten, der aus dem System Baker 216 stammte. So, wie es jetzt aussieht, gibt es ein zweites Schiff der Gerechten.“

Er zog sein Datenpad hervor, rief eine Datei auf und reichte es Ineiau, die sichtlich erschüttert das Bild des mehr als zwei Kilometer langen, skelettartigen Raumschiffes betrachtete.

„Im Gegensatz zum Ersten sieht es unbeschädigt aus“, stellte die große Ani fest. „Es steht unter Beobachtung?“

„Es hat die Langstreckensonde zerstört, die es bei Prochnow 969 aufgespürt hatte. Inzwischen sind zwei neue Sonden dort zur Beobachtung eingetroffen und halten einen ausreichenden Sicherheitsabstand. Es existiert im Umkreis von vier Parsec keine bekannte Zivilisationen oder Kolonien“, antwortete Sulu

Ineiau sah ihn schockiert an, da sie anscheinend die Zerstörung von benachbarten Zivilisationen befürchtete.

Sulu berichtigte sich: „Und es gibt keine Anzeichen für von ihm zerstörte Zivilisationen. Aber auf dem dritten Planeten existiert eine bisher unbekannte Kolonie oder Zivilisation mit rund einer Viertelmillion Bewohnern. Genaue Daten über die Bevölkerung liegen uns leider nicht vor.“

„Im ersten Schiff der Gerechten befanden sich etwa 90.000 Menschen im Kälteschlaf und trotzdem bei vollem Bewusstsein, die in ihrem Wahn kollektiven Selbstmord begangen hatten, nur um uns zu vernichten. Könnte es sein, dass die Menschen des zweiten Schiffes stattdessen einen Neustart auf dieser Welt gemacht haben?“, überlegte Ineiau, während sie sich auf dem Sofa zurücklehnte.

„Wir halten es für eine Möglichkeit. Immerhin hat das Schiff diese Welt bisher nicht angegriffen.“

„Wie kann ich Ihnen helfen? Offensichtlich haben Sie noch nicht eine Flotte ausgesandt, um dieses zweite Schiff zu vernichten.“

Sulu wollte zu einer Antwort ansetzen, als Cartwright mit einem Tablett beladen wieder ins Wohnzimmer kam. Chekov konnte erkennen, dass Sulu kurz sich rang, bevor er den alten Mann ansprach: „Vielleicht könnte Captain Ineiau Ihren Rat gebrauchen. Immerhin waren Sie damals auf Starbase 26 der Vorgesetzte der anderen Sternenschiffe, welche außer der Shiva beteiligt waren.“

„Woran beteiligt?“, fragte Cartwright sichtlich ratlos, während er das Kaffeegeschirr auf dem Tisch vor ihnen verteilte.

Sulu nahm das Datenpad und reichte es Cartwright.

Der alte Mann betrachtete das Bild, bevor er sich langsam auf das Sofa neben Ineiau sinken ließ. Er sah Sulu bleich vor Schock an. „Ist es das Gleiche? Aber Sie würden doch nicht wegen einer Jahrzehnte zurückliegenden Katastrophe hierher kommen?“

„Nein, es ist ein zweites Schiff, das erst jetzt entdeckt wurde. Und es befindet sich im Orbit um eine bewohnte Welt, die möglicherweise von seiner Besatzung besiedelt wurde. Ich teile deinen Schmerz, Lance“, erwiderte Ineiau in einem für Chekov unerwarteten tröstenden Tonfall.

„Wir wollten Captain Ineiau wegen ihrer bisherigen Erfahrung für eine Kontaktaufnahme ausschicken“, ergänzte Chekov, der sich Cartwrights starke emotionale Reaktion nicht erklären konnte.

Cartwright suchte sichtbar nach Worten, bevor er langsam und leise begann zu sprechen. „Außer guten Freunden wie Commodore Alphonse Henderson war auf der Repulse ein junger Ensign auf seinem ersten Einsatz im Weltall. Sein Name war Kenneth Cartwright.“ Seine Stimme brach, und er benötigte einen Moment, um sich wieder zu sammeln. „Er war mein einziges Kind.“

Sulu sah ihn ehrlich erschüttert an. „Es tut mir leid. Ich wusste zwar, dass Ihr Sohn im Dienst von Starfleet sein Leben verloren hatte, aber ich hatte nicht daran gedacht, dass er auf der Repulse gewesen sein könnte. Ich wollte Sie trotz allem nicht verletzen.“

Ineiau legte einen Arm um Cartwright.

Der alte Mann legte seine eigene Hand auf ihre und hielt sie einfach nur fest. „Ich bin mir dessen bewusst“, erwiderte er leise. Er atmete tief durch. „Wenn Sie mich vor zehn oder zwanzig Jahren gefragt hätten, hätte ich geantwortet, dass Sie sie alle auslöschen sollten. Aber dieses Schiff hat offensichtlich einen anderen Weg als das Erste gewählt, auch wenn die ursprüngliche Besatzung mit großer Wahrscheinlichkeit an dem Genozid an den Bewohnern ihrer eigenen und der benachbarten Welt beteiligt war. Aber wenn sie danach eine neue Welt gegründet haben, leben dort jetzt wahrscheinlich nur noch ihre Nachkommen, die daran unschuldig wären.“

„Trotzdem scheint das Schiff selbst immer noch aktiv zu sein, wenn es eine Langstreckensonde zerstört hat. Die Frage ist, steht es unter Computerkontrolle oder hat es eine lebende Besatzung? Und in letzteren Fall: Wer?“, überlegte Ineiau laut.

„Dazu fehlen uns leider die Informationen. Aber falls es eine Besatzung gibt, sollten es eigentlich Bewohner der umkreisten Welt sein“, antwortete Sulu.

„Oder es sind zur Kontrolle des Schiffes Mitglieder der ursprünglichen Besatzung im Kälteschlaf verblieben. Und die Besatzung des ersten Schiffes litt durch ihre unvollkommene Technik unter starken Hibernationspsychosen“, gab Ineiau zu bedenken.

„Falls das wirklich der Fall sein sollte, stellt dieses Schiff mit einer nicht mehr zurechnungsfähigen Besatzung eine direkte Gefahr für umliegende Zivilisationen dar“, stellte Sulu fest.

Cartwright hatte sich inzwischen wieder halbwegs gefangen und schüttelte den Kopf. „Nicht nur für umliegende Zivilisationen, sondern auch für ihre eigene Kolonie. Immerhin haben sie in ihren Fanatismus bereits ihre ursprüngliche Heimatwelt zerstört. Und zu dem Zeitpunkt hatten sie noch nicht einmal die Entschuldigung einer über Jahrzehnte oder Jahrhunderte entstandenen Hibernationspsychose!“

„Ich hoffe, Sie haben damit nicht recht“, erwiderte Sulu nachdenklich.

Ineiau hatte inzwischen das Geschirr verteilt und füllte die Tassen mit Kaffee. „Um das näher zu untersuchen, müssten wir entweder das Schiff der Gerechten weglocken oder verdeckt das System anlaufen. Mit der entsprechenden Vorsicht sollte ein Stealthschiff dafür ausreichend sein. Wenn Starfleet inzwischen Schiffe mit richtigen Tarnvorrichtungen haben sollte, bin zumindest ich nicht darüber informiert.“

„Wir besitzen keine echten Tarnvorrichtungen. Und wir haben nicht die Absicht, die Romulaner oder Klingonen um ein Schiff mit einer solchen zu bitten. Selbst, falls sie uns eines zur Verfügung stellen würden“, erwiderte Sulu mit einem dünnen Lächeln. „Und das Schiff wegzulocken, halte ich ebenso für keine gute Idee, da es dann möglicherweise auf einen Vernichtungskreuzzug gehen könnte.“ Er gab etwas Milch in seinem Kaffee. „Aber wie Sie schon sagten, sollte ein Stealthschiff mit einem damit erfahrenden Kommandanten in der Lage sein, unentdeckt den Planeten für eine Untersuchung anzufliegen. Und Sie haben diese Erfahrung, Captain Ineiau.“

Ineiau sah ihn für einen kurzen Moment aufgeschreckt an, sowohl es ihr gelang, ihre Mimik wie auch die Pigmentierung ihrer Tribalzeichnungen weitgehend ruhig zu halten. „Ich habe nie das Kommando über ein Stealthschiff von Starfleet gehabt, Admiral Sulu“, antwortete sie wahrheitsgemäß.

Sulu lächelte. „Richtig. Sie haben nie das Kommando über eines von Starfleet gehabt. Und ich bin mir über Ihre Schweigepflicht gegenüber Sektion 31 bewusst.“

„Admiral …“, begann Ineiau.

„Sektion 31?“, brachte Cartwright entgeistert hervor.

Sulu wirkte sichtbar mit sich zufrieden. „Geheimhaltung kann manchmal ein zweischneidiges Schwert sein. Sie haben es beide ganz offensichtlich vor dem jeweils anderen verborgen gehalten, dass Sie Mitglieder von Sektion 31 waren.“ Er nahm ruhig einen Schluck von seinem Kaffee.

Ineiau und Cartwright starrten sich gegenseitig fassungslos an.

„Eine Fraktion von Sektion 31, zu der Admiral Cartwright gehörte, war als treibende Kraft an der Khitomer-Verschwörung beteiligt. Das war zusammen mit Ihrer Freundschaft einer der Gründe, weshalb Sie, Captain Ineiau, damals ebenfalls verdächtigt wurden, zu den Verschwörern zu gehören“, fuhr Sulu ruhig fort.

Ineiau wollte zu einer Antwort ansetzen, um wahrscheinlich ihre Unschuld zu beteuern.

„Ineiau war unbeteiligt und wurde nie von uns eingeweiht. Ich wusste, dass sie wie Captain Kirk niemals mitgemacht und stattdessen versucht hätte, uns aufzuhalten“, kam Cartwright ihr zuvor.

Sulu machte eine beschwichtigende Handbewegung. „Wir wissen, dass Captain Ineiau keine der Verschwörerin war. Ihre Unschuld wurde damals zweifelsfrei während ihres Kriegsgerichtsverfahrens bewiesen. Ansonsten würden wir sie jetzt nicht hier treffen. Trotzdem hätte alleine der Verdacht sie beinahe mit in den Untergang gerissen.“

„Ineiau, es tut mir leid, und ich wünschte, ich könnte es alles ungeschehen machen“, sagte Cartwright leise.

Ineiau sah ihn einen langen Moment an, bevor sie erschreckend kalt erwiderte: „Ich weiß. Und wir wollten nicht mehr darüber sprechen!“ Sie atmete tief durch, bevor sie sich wieder an Sulu wandte. „Also gut, ich bin dem ersten Schiff des Kults der Gerechten begegnet, gleiche als Ani den als Heilige verehrten Drachen, und ich habe auf mehreren Einsätzen ein Stealthschiff von Sektion 31 kommandiert. Ich nehme an, dass ich diese Welt und das zweite Schiff untersuchen soll?“

„Das ist korrekt, Captain Ineiau“, antwortete Sulu.

„Und Sie erhalten ein Ihnen bereits vertrautes Schiff für diese Aufgabe“, ergänzte Chekov.

„Ich hoffe, Sie haben nicht die Absicht, T’Lin die Shokaku wegzunehmen? Abgesehen davon ist sie kein Stealthschiff“, erwiderte Ineiau skeptisch.

Sulu schüttelte den Kopf, bevor er mit seinem feinen Lächeln antwortete: „Nein, Sie erhalten das Kommando über dieses Sternenschiff zurück.“ Er machte eine kurze Eingabe in seinem Datenpad, und auf dessen Bildschirm erschien ein Sternenschiff in seinem Trockendock.

Trotz der neuen Warpgondeln und sonstigen Modernisierungen erkannte Ineiau es sichtbar sofort wieder.

„Große Mutter!“, brachte sie bereits hervor, bevor sie das Datenpad zu sich drehte, um den Namen und die Registernummer auf dem jetzt hellgrau lackierten Diskus mit seinem seltsamen Ausschnitt vor der Brücke lesen zu können.

Cartwright las ebenfalls den Namen auf dem Diskus des großen Schlachtschiffes. „Die Vengeance? Du warst deren Kommandant?“, fragte er ungläubig.

Ineiau nickte nur knapp und wollte zu einer Frage ansetzen, aber Sulu ahnte offenbar, was sie sagen wollte, und schüttelte den Kopf. „Nein, dieses ist kein Auftrag von Sektion 31, sondern von Starfleet Command und Starfleet Intelligence. Aber offiziell existiert die Vengeance weiterhin nicht.“

Ineiau legte das Datenpad vorsichtig wieder auf den Tisch, als würde sie befürchten, dass es sonst explodieren würde, und lehnte sich aufgewühlt im Sofa zurück. „Wie weit ist sie noch das Schiff, welches ich kannte? Wenn die Umbauten ähnlich umfangreich sein sollten wie bei der Constitution-Klasse, könnte es sein, dass Sie mit jemand anderem besser bedient wären.“

„Sie sollten sich auf der Vengeance weiterhin in vertrautem Territorium befinden. Die Hauptänderung ist der Umbau auf einen linearen Warpantrieb. Wobei die neuen Warpgondeln bereits für den Einbau bereitlagen, als die Vengeance nach der vom Föderationsrat angeordneten Auflösung von Sektion 31 an Starfleet Intelligence übergeben wurde. Sie erreicht jetzt eine Spitzengeschwindigkeit von Warp 9,7. Und sie ist damit nicht nur deutlich schneller als selbst die Schiffe der Excelsior-Klasse, sondern sie ist außerdem in der Lage, ihre Höchstgeschwindigkeit rund sechs Mal so lang zu halten wie diese. Ansonsten sind die meisten Änderungen an ihr nur kleinerer oder kosmetischer Natur. Es war zwar vorgesehen, ihre Brücke durch ein neues dem Flottenstandard entsprechendes Modell zu ersetzen, aber das hat sich strukturmäßig als unmöglich erwiesen. Hinzu kommt, dass sowohl die Brücke wie auch die Computer immer noch moderner und leistungsfähiger sind als unsere neuesten Modelle“, erklärte Chekov.

Ineiau gab einen Stoßseufzer von sich, der hörbar von beiden Herzen kam. „Also gut, ich bin dabei. Ich nehme an, dass die Vengeance immer noch in Io Station liegt?“


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