Der Hauptbildschirm der U.S.S. Enterprise zeigte ein Panorama, das selbst die weitgereiste Brückenbesatzung für einen kurzen Moment verstummen ließ. Vor ihnen schwebte Ankhar IV im endlosen Schwarz des Weltalls – eine Welt, die von glühenden Gold-, Ocker- und Rosatönen dominiert wurde. Riesige, schier endlose Wüstengürtel und von Mineralien verfärbte Riffmeere überzogen den Klasse-M-Planeten, beleuchtet von einer grellen, leicht gelblichen Sonne.
Lieutenant Erica Ortegas lehnte sich in ihrem Pilotensessel leicht nach vorne, legte die Hände locker auf die Kontrollen und piff leise durch die Zähne. Sie drehte ihren Kopf leicht nach hinten. „Auffällige Wetterlandschaft. Aber wenn Sie mich fragen, Captain: Das sieht aus wie Gizeh auf Steroiden.“
Captain Christopher Pike trat einen Schritt näher an das Messinggeländer der Brücke und blickte nachdenklich auf den Schirm. Er verschränkte die Arme hinter dem Rücken, während der warme Glanz des Hauptbildschirms sein Gesicht erhellte. Ein kleines Schmunzeln spielte um seine Mundwinkel.
„Spock, Berichterstattung“, bat Pike, ohne den Blick vom Bildschirmsignal zu wenden. „Haben die Sensoren etwas Relevantes erfasst?“
Am Wissenschaftsstandort senkte Spock den Kopf über seinen bläulich leuchtenden Viewer. Das rhythmische Summen der Sensoren begleite seine Analyse, ehe er den Kopf hob. „Die Atmosphäre ist absolut atembar, Captain. Sehr geringe Luftfeuchtigkeit, allerdings eine vergleichsweise hohe UV-Strahlung, die auf ein leicht geschwächtes Magnetfeld hinweist. Was jedoch bemerkenswert ist: Die Langstreckensensoren registrieren gigantische, geometrisch vollkommene Strukturen auf der Oberfläche des nördlichen Kontinents.“
„Natürlichen Ursprungs? Kristallformationen oder Basaltsäulen vielleicht?“, fragte Commander Una Chin-Riley, die neben Pikes Stuhl stand und ein PADD mit den einlaufenden Primärdaten überprüfte.
„Möglich, aber statistisch äußerst unwahrscheinlich, Commander“, antwortete Spock präzise. Er ließ die Finger über die Schnittstelle gleiten und schaltete die Daten auf eine Nebenkonsole. „Die Ausrichtung der drei größten Formationen entspricht auf die Bogensekunde genau der Gürtellinie eines lokalen Sternbildes. Darüber hinaus bestehen die Bauwerke aus extrem hochdichten Granit- und Quarzverbindungen, die mit einer molekularen Präzision bearbeitet wurden, die natürliche Erosion über Jahrtausende hinweg nahezu ausschließt.“
Uhura drehte sich von ihrer Kommunikationskonsole um, passte ihr Ohrmodul an und schüttelte leicht den Kopf. „Captain, ich empfange keinerlei Kommunikationssignale. Keine Subraum-Emissionen, keine Radiofrequenzen, nicht einmal das thermische Rauschen einer aktiven Maschinerie. Wenn dort unten jemand lebt, verhält er sich vollkommen ruhig. Es ist absolut still.“
Pike nickte langsam. Ein leises Lächeln stahl sich auf seine Lippen – das Lächeln eines Entdeckers, der spürte, dass ihn etwas Unerwartetes erwartete.
„Ein unbewohnter Klasse-M-Planet mit pyramidenförmigen Megastrukturen in einem unkartierten Sektor“, resümierte Pike. „Es wäre fast grob fahrlässig, sich das nicht aus der Nähe anzusehen. Nummer Eins, stellen Sie ein Außenteam zusammen. Spock, Uhura, Sie kommen mit mir. M’Benga soll ebenfalls mitkommen – nur für den Fall, dass die Umweltbedingungen oder die historische Umgebung biologische Überraschungen bereithalten.“
„Verstanden, Sir“, antwortete Nummer Eins. „Ich werde die Hangardeck-Crew anweisen, ein Shuttle vorzubereiten und die Transporterräume auf Standby zu halten, falls die Mineralien in den Bauten die Signale stören.“
Pike wandte sich zum Steuerpult herum. „Erica, fliegen Sie uns nah ran. Mal sehen, ob die Pyramiden aus der Nähe genauso beeindruckend sind wie aus der Umlaufbahn.“
„Mit Vergnügen, Captain. Shuttle Stoner steht startbereit“, erwiderte Ortegas grinsend und tippte bereits die Vorbereitungssequenz in ihre Konsole. „Ich gebe dem Hangardeck Bescheid, dass wir gleich unten sind.“
~
Wenig später durchbrach die Stoner die glühende Thermosphäre von Ankhar IV. Das Shuttle vibrierte leicht, als es durch die trockenen, dichten Windschichten der oberen Atmosphäre glitt. Reibungshitze flammte kurz an den Außenflächen auf, ehe das Raumschiff stabil in den tiefblauen, leicht ins Violette spielenden Himmel eintauchte.
Durch das breite Frontfenster bot sich dem Außenteam ein überwältigender, fast ehrfurchtgebietender Anblick. Mitten in einer schier endlosen Düne aus rotem und goldenem Sand erhoben sich drei gigantische Pyramiden. Sie waren um ein Vielfaches größer als jedes Bauwerk dieser Art auf der Erde. Ihre Oberflächen waren so nahtlos und spiegelglatt poliert, dass sie das helle Sonnenlicht wie gigantische Prismen reflektierten. Die Spitzen der Bauwerke bestanden aus einem tiefdunklen, fast schwarzen Material, das das Licht nicht spiegelte, sondern gänzlich zu schlucken schien.
„Sensoren messen eine extrem hohe Dichte im Baumaterial“, stellte Spock fest, während er die Sensoren des Shuttles auf die Spitze der Hauptpyramide richtete. „Es handelt sich um ein hochentwickeltes Verbundmaterial aus lokalem Gestein und einer unlösbaren Obsidian-Kristall-Legierung. Es weist keinerlei Anzeichen von Verfall oder Witterungsschäden auf. Meinem Scan zufolge sind diese Gebäude mindestens zehn- bis zwölftausend Jahre alt.“
„Zehntausend Jahre?“, wiederholte Dr. M’Benga, der hinter Spock saß und fasziniert aus dem Fenster blickte. Er strich sich nachdenklich über das Kinn. „Auf der Erde haben wir zu dieser Zeit gerade erst gelernt, überhaupt Sesshaftigkeit zu entwickeln und simple Tongefäße zu brennen. Wer auch immer das hier gebaut hat, war unserer Spezies damals um Welten voraus.“
„Und sie hatten definitiv einen Sinn für Dramatik“, ergänzte Ortegas, während sie die Steuerkontrollen sanft nach hinten zog. „Keine Wüstendünen-Kaskaden wie auf Rigel IV, Leute. Ich setze uns sanft wie eine Feder ab – selbst wenn der Sand hier aussieht, als könnte er ein Shuttle zum Frühstück verschlingen.“
Sie setzte die Stoner mit geübter Hand auf einem stabilen Felsplateau auf, das sich einige hundert Meter von der Basis der größten Pyramide erhob. Der aufgewirbelte Staub legte sich nur langsam in der dünnen, heißen Luft.
„Gut“, sagte Pike und schnallte sich von seinem Sitz los. „Trikorder auf kontinuierliche Aufzeichnung, Phaser auf Betäubung. Lassen Sie uns nachsehen, wer hier seine Visitenkarte hinterlassen hat.“
Als die Heckklappe der Stoner sich mit einem Zischen öffnete, schlug dem Team eine Welle trockener, glühend heißer Luft entgegen. Der Wind trug den feinen Geruch von Ozon und mineralischem Staub mit sich. Sie traten auf den heißen Untergrund und näherten sich der schattigen Basis des gigantischen Eingangsportals.
Uhura trat als Erste nah an die gewaltigen Steinquader heran, die den Eingang flankierten. Sie zog hörbar den Atem ein und blieb wie angewurzelt stehen.
„Captain...“, flüsterte sie und fuhr vorsichtig mit den Fingerspitzen über die tief eingemeißelten Symbole im Stein, ohne die Oberfläche direkt zu berühren. „Sehen Sie sich das an. Das... das kann doch nicht sein.“
Pike trat an ihre Seite, während Spock den Trikorder dicht an die Gravuren hielt.
Die Inschriften zeigten geflügelte Gestalten, Wellenlinien, stilisierte Augen-Symbole und Sternenbilder. Es waren keine bloßen stilistischen Ähnlichkeiten – die Struktur der Zeichen, die Anordnung der Phrasen und die zugrunde liegende Syntax entsprachen exakt den altägyptischen Hieroglyphen der Erde.
„Das ist unmöglich“, sagte Uhura leise, ihre Stimme schwankte zwischen wissenschaftlicher Faszination und reinem Unglauben. „Das ist nicht nur eine ähnliche Symbolik. Das ist Mittelägyptisch... oder vielmehr eine Ur-Form davon. Hier steht eine mathematische und linguistische Stammform, aus der sich die Schriften unserer Antike entwickelt haben müssen.“
„Das ist …“, unterbrach sich Pike und sah Spock an, der konzentriert die Daten auf seinem Trikorder auswertete, „absolut faszinierend.“
Spock blickte von den Werten seines Trikorders auf. Seine linke Augenbraue wanderte ein beträchtliches Stück nach oben – das absolute Höchstmaß vulkanischen Erstaunens.
„Faszinierend ist ein denkbar unzulängliches Wort, Captain“, stellte Spock mit gewohnter Präzision fest. „Die Wahrscheinlichkeit einer parallelen, vollkommen identischen Evolution zweier Schriftsprachen über eine Distanz von mehreren tausend Lichtjahren ohne direkten physischen oder kulturellen Kontakt liegt statistisch gesehen bei nahezu Null.“
Dr. M’Benga trat neben Pike und sah an den gigantischen, makellosen Steinquadern empor. „Wenn das hier kein Zufall ist, Spock... was bedeutet das für die Menschheit?“
Pike sah von den Hieroglyphen auf zur gewaltigen, schwarzen Spitze der Pyramide, die sich steil gegen den violetten Himmel abhob. Er spürte das Gewicht dieser Entdeckung wie einen physikalischen Druck.
„Sie sagen also, Spock“, sprach Pike das aus, was allen im Außenteam in diesem Moment durch den Kopf ging, „dass die Geschichte der Menschheit und unsere gesamten kulturellen Wurzeln nicht ganz so verlaufen sind, wie wir es seit Jahrhunderten in den Schulbüchern stehen haben?“
„Es scheint ganz so, Captain“, antwortete Spock ruhig, während das grüne Licht seines Trikorders die alten Zeichen erhellte. „Die Frage ist nicht mehr, ob diese Spezies die Erde einst besucht hat – sondern was genau sie dort getan hat und warum sie wieder verschwunden ist.“