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Dein Raumdock für deutsche Star Trek Fanfiction

Drei Männer sind keiner zu viel oder Wie ein alternatives Beziehungsmodel uns neuen Mut gegeben hat

von Lenar Fabien

Drei Männer sind keiner zu viel oder Wie ein alternatives Beziehungsmodel uns neuen Mut gegeben hat (Oneshot)

Die geplante Fünf-Jahres-Mission mit dem Raumschiff der Enterprise NCC-1701 war dem Ende entgegen gesteuert − im wahrsten Sinne des Wortes − die Crew erlebte zahlreiche Abenteuer während ihrer langen Entdeckungsreisen durch bekannte wie unbekannte Gebiete des Weltraums, stellte Kontakte und Beziehungen zu neuen Welten und Völkern her, kartographierte Routen und musste zwischenzeitlich ebenso Konflikte ausfechten. Nebenbei ergaben sich Fluktuationen innerhalb der Mannschaft.

Aber das „goldene Trio” aus Captain James T. Kirk, dem ersten Offizier Spock und dem Schiffsarzt Doktor Leonard McCoy blieb über all die Zeit hinweg bestehen, genau wie deren Freundschaft. Man konnte darüber streiten, wen jeder Einzelne von ihnen jeweils als seinen „besten Freund” betrachtete. Sie ergänzten bzw. vervollständigten sich gegenseitig so gut miteinander, dass sie sich um solche Kleinigkeiten keine großartigen Gedanken zu machen brauchten. 

Natürlich gab es zwischen ihnen (oder jeweils zwei von ihnen) gelegentlich schon mal Streit, am häufigsten die kleinen Reibereien zwischen Spock und McCoy, die Kirk sich mitunter aus sicherer Distanz nicht ohne leichtes Amüsement seinerseits anschaute, um beide dann wieder zu einer Einigung zu bewegen.

Nun kam das Raumschiff wieder sicher im Hafen der Weltraumstation der Erde an, wo die letzten Aufzeichnungen der Reisen, Einträge und sonstige Erkenntnisse ausgewertet werden sollten. Das Schiff hatte sich gut gehalten, würde aber Wartungsarbeiten und Inspektionen über sich ergehen lassen müssen, wie das für jedes andere Schiff der Sternenflotte vorgeschrieben wurde. 

Der Schiffsarzt McCoy musste derweil noch seine Abschlussuntersuchungen des Gesundheitszustands der Crewmitglieder durchführen. Hierfür hatte er anhand der Schichtpläne individuelle Termine für die gesamte Besatzung der Enterprise vergeben. Schwester Chapel unterstützte ihn dabei.

Es ergab sich, dass er Spock und Kirk ziemlich gegen Ende ihrer Reise als letzte zu untersuchende Personen hatte, was ihm sogar ganz recht war. Bei den Vorbereitungen zum Abschluss ihrer jahrelangen Mission sammelte sich noch einiges an Arbeit für sie alle an, sodass sie sich in der vergangenen Woche außerhalb des Dienstes kaum mehr gesehen hatten. McCoy fing langsam an, jetzt schon Entzugserscheinungen zu bekommen aufgrund der fehlenden Gespräche mit Kirk und Spock. 

Wie sollte er es erst nach ihrer Ankunft auf der Erde und dem damit verbundenen Urlaubsantritt schaffen, sie nicht auf lange Sicht zu vermissen? Er hatte sich so an sie gewöhnt...

In den Zeiten, als seine Ehe gescheitert war, sah er den Dienst auf der Enterprise als einen Lichtblick an, dass es sehr wohl noch Leute gab, die ihn brauchten und schätzten. Seine Tochter war davon selbstverständlich ausgenommen. Dann lernte er die Crew kennen und freundete sich mit einigen an.

Seine Freundschaft mit Kirk und Spock war jedoch die stärkste und intensivste Verbindung ihrer Männerfreundschaft, die er jemals im Leben geführt hatte. Er wollte sie um nichts im Leben missen. Das Leben an Bord eines Raumschiffes schweißte doch ganz schön zusammen. So erwartete er zunächst Kirk auf der Krankenstation, im Anschluss dann Spock. Alles war soweit vorbereitet.

*

Der Captain gehörte nicht unbedingt zu denjenigen, die gerne zum Arzt gingen, allerdings machte er bei seinem Schiffsarzt und Freund „Pille” inzwischen eine Ausnahme, da er ihn schätzte und er sich meistens auf eine gute neue Geschichte, einen freundschaftlichen Rat oder Ähnliches freuen konnte.

In Ausnahmefällen war sogar ein Schluck Brandy drin. Wie er es fand, dass ihre Reise nun vorerst zu Ende ging? Kirk empfand diesbezüglich gemischte Gefühle, die eine gewisse Unsicherheit zurückließen bei ihm. Bei ihren Missionen gab es immer einen bestimmten Kurs oder einen Auftrag, den sie ausführten. 

Nun fragte er sich, was ihn als Nächstes auf der Karriereleiter erwarten würde. Beförderung zum Admiral? Neue Weltraummissionen? Mit seiner vertrauten Crew, dann aber bitte keinesfalls ohne seinen ersten Offizier Spock oder seinen Schiffsarzt. Doch vorher hatte er noch verbleibenden Urlaub, den er nehmen wollte und die Erde bot sich dafür geradezu an. Trotzdem würde es ohne die Crew und seine Freunde nicht dasselbe sein, das wusste er.

Auf dem Gang kam ihm keiner entgegen. Kirk betrat die Krankenstation. Als erstes sah er McCoys Gesicht, auf dem sich ein Lächeln formte, als hätten sie sich nach langer Zeit wieder getroffen, was natürlich nicht der Wahrheit entsprach. Vielleicht dachte er auch einfach dasselbe, nämlich, dass sie einen ihrer vielleicht letzten Augenblicke als Freunde auf dem Schiff verbrachten, obwohl es in dem Fall bedingt durch die ärztliche Professionalität die Situation erforderte, vor allem die Privatsphäre seines Patienten zu wahren. 

Dies konnte der Doktor in einem separatem Untersuchungszimmer einhalten. Allgemein gesehen befand Kirk sich in einem guten Gesundheitszustand, freute sich aber gleichzeitig auf den wohlverdienten Urlaub. Seine Reflexe und sonstigen Körperfunktionen funktionierten zufriedenstellend, wie McCoy feststellte. Er verabreichte ihm noch die Standard-Auffrischungsimpfung gegen die gängigen Erreger, wie er dies bei jedem Patienten tat, bei dem diese fällig wurde.

Der Captain wollte sich wieder anziehen, da hielt McCoy ihn zurück. „Warte, Jim. Ich muss eine komplette Untersuchung vornehmen. So lauten die Vorschriften. Tut mir leid, aber da muss jeder durch, Spock ebenfalls. Ich habe mich bereits von Doktor M’Benga vollständig durchchecken lassen. Gerade für uns Männer ist das enorm wichtig. Mach dich bitte untenrum frei, ja? Es dauert nicht ewig.”

Kirk zog sich seine Unterhose aus, damit McCoy ihn dort untersuchen konnte. Er versuchte sich nach Möglichkeit zu entspannen. Eigentlich keine große Sache. Der Arzt hatte ihn bereits mehrere Male ganzheitlich gesehen und Routineuntersuchungen durchgeführt. 

Im Grunde lief es stets gleich ab, so auch an dem Tag − trotzdem war irgendetwas anders als sonst. Nur was? Er selbst sah aus wie immer, es fühlte sich nichts komisch an; er hatte keine Probleme oder Schmerzen. Der Arzt ging vor, wie er es immer getan hatte: professionell und routiniert.

Doch aus einem unerfindlichen Grund spürte Kirk eine starke Hitze in sich aufsteigen, während McCoy ihn nun abtastete gefolgt von − oh, nein! Das geht doch nicht... der Captain konnte es nicht unterdrücken. Dass so etwas geschah, wollte er nicht. Noch nie hatte er bei einer körperlichen Abtastung durch einen Mann jemals eine Erektion bekommen. 

Er hatte sich eigentlich nie Gedanken über seine sexuelle Orientierung gemacht. In der Föderation existierte keine Diskriminierung aufgrund bestimmter Gruppenzugehörigkeiten. Die Gesellschaften waren soweit ziemlich aufgeklärt und fortgeschritten. Es herrschte Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern und es gab vielfältige Lebensweisen.

Zwar war Kirk bekannt dafür, ein Frauenheld zu sein, doch seine Beziehungen beschränkten sich oft auf kurze Romanzen und Affären. Für langfristige Partnerschaften reichte es in der Regel bei ihm nicht aus. Er verbrachte mehr Zeit auf Raumschiffen und im Dienst der Sternenflotte als Zuhause auf der Erde in Iowa, wo er ursprünglich herkam. Als kommandierender Captain der Enterprise, dem die anderen Crewmitglieder unterstellt waren, musste er sich an gewisse Regeln halten, was romantische und sexuelle Beziehungen in seiner Funktion anging.

„Jim, stimmt etwas nicht?”, fragte McCoy ihn. „Du hast mir eben nicht geantwortet.”

„Pille ich..., bitte entschuldige, aber könnten wir die Untersuchung beenden? Es ist mir unangenehm, ich brauche ein paar Minuten...” Kirk fühlte sich beschämt, obwohl McCoy bloß seinen Job gemacht hatte und er wusste, dass es nichts mit ihm zu tun hatte. Der Doktor schloss die Untersuchung ab.

„Mir ist nicht klar gewesen, dass die Berührung dich derart beeinflussen würde. Ich wollte dich nicht in Verlegenheit bringen, Jim.” Er reichte ihm Tücher, um sich zu säubern und wartete diskret, bis sein Freund sich wieder angezogen hatte.

Die Gesichtsröte und dessen Erektion klangen ab. Kirk drehte sich zu ihm um und sah ihn an. „Du hast nichts getan. Mein Körper hat einfach auf einen Reiz reagiert, das ist alles und bedeutet gar nichts. Ich bin doch gesund, richtig?”

„Bestimmt hast du damit recht. Und ja, gratuliere, dir fehlt nichts. Ich kann dir gute Gesundheit bescheinigen. ...Spock hat bei mir noch den Termin. Falls er draußen wartet, soll er mir noch fünf Minuten geben. Richte ihm das doch bitte aus.”

„Mache ich. Also bis morgen früh dann”, verabschiedete Kirk sich.

„Bis morgen.”

*

Aus dem Raum des Doktors kam Kirk und wäre fast mit dem Vulkanier Spock zusammengestoßen, wenn der ihn nicht sanft zurückgehalten hätte. 

„Captain? Alles in Ordnung mit Ihnen?”

Kirk lächelte leicht verlegen. „Oh, mir geht es gut. Ich bin in Gedanken gewesen. Doktor McCoy kann Sie in fünf Minuten empfangen. Ich sollte Ihnen Bescheid sagen.”

„Dann warte ich solange hier vor der Tür.” Spock achtete nun auf den Eingang vor ihm. Der Captain zog sich eilig in seine Kabine zurück.

Nach Ablauf der Zeit nahm Spock seinen Untersuchungstermin beim Arzt wahr. Drinnen empfing dieser ihn. Im Untersuchungsraum führte McCoy wie bei den anderen die abschließende Gesundheitskontrolle durch. Dem Vulkanier ging es gut. Der Doktor untersuchte ihn gleichermaßen zum Abschluss in den selben Bereichen. Bei ihm gab es genauso wenig irgendetwas zu beanstanden. 

Im Gegenteil − McCoy musste zugeben, dass der Halbvulkanier perfekt in Form war und wirklich gut aussah... Natürlich verbot ihm seine berufliche Kompetenz, seine Gedanken in eine solche Richtung gleiten zu lassen. Es ging hier schließlich um die Gesundheit des Patienten und nicht um ihn. Er leistete seinen Beitrag, andere intakt und am Leben zu halten, sofern dies nicht ihren Wünschen widersprach. 

Doch er würde lügen, wenn es niemals irgendwelche Patientinnen gegeben hätte, von denen er die ein oder andere nicht attraktiv gefunden hätte. Die hatte es gegeben. McCoy behielt seine berufliche Distanz bei.

Trotzdem wunderte er sich über sich selbst, warum er bei dieser Routineuntersuchung begann, sich nähere Gedanken über Spock zu machen jenseits dem, was mit seinem Beruf zu tun hatte. Das konnte er nicht tun. Sie waren Freunde. 

McCoy bestätigte ihm einwandfreie Gesundheit und entließ ihn danach. Beinahe erleichtert, dass Spock nun den Raum verlassen hatte, musste McCoy sich setzen. 

Dabei fiel ihm erst jetzt auf, dass er eine verdächtige Beule in seiner Hose hatte. „Oh je! Hoffentlich hat Spock das nicht mitbekommen...”, flüsterte der Doktor verschreckt und verdeckte peinlich berührt mit den Händen die Stelle. Etwas derart Peinliches und Unprofessionelles war ihm in seiner Tätigkeit als Arzt niemals zuvor passiert.

*

Normalerweise verließ Spock sich auf die Zuverlässigkeit seiner vulkanischen Logik. In zwischenmenschlichen Angelegenheiten half ihm dies allerdings oft nur wenig weiter, da sich insbesondere die Menschen in der Hinsicht viel zu oft recht „unlogisch” verhielten. Einer der emotionalsten war der Schiffsarzt McCoy, mit dem er sich in den Jahren so einige Diskussionen geliefert hatte. 

Dabei gewann Spock in der Regel. An einem ihrer letzten gemeinsamen Tage an Bord der Enterprise bekam er den Eindruck, dass seine zwei Freunde Kirk und McCoy ziemlich mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt zu sein schienen. Zuerst stieß der Captain um ein Haar mit ihm zusammen. Im Untersuchungsraum mit McCoy zog er ihn nicht wie gewöhnlich mit seiner vulkanischen Physiologie auf, sodass Spock ihm widersprechen konnte, keine menschlichen Maßstäbe bei ihm als Vulkanier anzusetzen.

Überhaupt war der Doktor heute ziemlich ruhig und sprach kaum. Er bemerkte wohl, dass etwas anders zu sein schien mit dem Schiffsarzt, wenngleich Spock nicht wirklich sagen konnte, was das war. Dafür hätte er eine Gedankenverschmelzung durchführen müssen. Jedoch spürte er dessen Berührung, als dieser ihn abtastete. 

Vulkanier vermieden Berührungen durch andere Personen normalerweise weitestgehend, sofern es sich dabei nicht um ihnen Nahstehende wie etwa Bindungspartner handelte, zu denen sie eine intime Beziehung unterhielten, da der Tastkontakt sich für sie meist eher unangenehm anfühlte. Aufgrund ihrer telepathischen Fähigkeiten konnten sie sich gegen die Empfindungen von anderen dann kaum abschirmen. Menschen sendeten unbewusst oft starke Gefühle aus.

Spock konnte damit leben, ab und zu untersucht zu werden. Das diente schließlich dem Zweck zu prüfen, ob alles in Ordnung bei ihm war. So abgehärtet Vulkanier auch waren, musste er seine menschliche Hälfte mitberücksichtigen, die trotz der starken, vulkanischen Physis, eine geringere Widerstandsfähigkeit auswies. So wusste er zum Beispiel, dass seine durchschnittliche Lebenserwartung ungefähr in der Mitte zwischen der von Menschen und Vulkaniern lag. 

Jedenfalls spürte Spock, wie etwas mit McCoy vorging, bloß hatte er ihn nicht danach gefragt. Am Ende hörte er nur, dass er gesund und die Untersuchung vorüber war. 

Nachdem er die Krankenstation verlassen hatte, hielt er noch einen Moment inne und überlegte, umzukehren, ehe er die Idee verwarf. McCoy hatte sicherlich noch genug zu tun mit seiner Arbeit.

*

Am Tag der Ankunft der Enterprise im Weltraumhafen der Wartungsstation im Orbit der Erde wurden alle Besatzungsmitglieder zum Planeten transportiert sowie deren Gepäck. Die Brückencrew ging als Letztes von Bord. Man umarmte sich zum Abschied nochmal, wobei die Herren es untereinander kurz und eher förmlich hielten. 

Schwester Christine Chapel wünschte ihrem Kollegen McCoy und den anderen einen schönen Urlaub. Bei der Gelegenheit warf sie Spock einen etwas längeren Blick zu, ehe sie zur Erde gebeamt wurde.

Kirk und McCoy sahen Spock an, der eine Augenbraue nach oben zog. „Sparen Sie sich bitte Ihre Kommentare, meine Herren. Zwischen Schwester Chapel und mir ist nichts Großartiges gelaufen.”

Der Captain und der Schiffsarzt kauften ihm das nicht so ganz ab, da besonders McCoy durchaus merkte, dass die Krankenschwester etwas für den Vulkanier übrig hatte. Gleichwohl nahm Spock seine beruflichen Pflichten als Erster Offizier viel zu ernst, um nebenher mit Frauen auszugehen. 

Er hatte einst seine Verlobte T’Pring auch nicht geheiratet, als er wegen seines Pon Farrs nach Vulkan reiste. McCoy hatte Spock diese Frage nie gestellt, ob er überhaupt schon mal im Leben sexuell aktiv gewesen war. Er schätzte, dass er enthaltsam lebte anders als ihr werter Captain.

„Wir könnten vielleicht einen kleinen Abschlussimbiss zu uns nehmen, bevor jeder von uns seiner Wege geht, was meint ihr dazu?”, wollte Kirk von ihnen wissen.

„Ja, ich habe tatsächlich Hunger”, stimmte Spock zu.

„Gute Idee. Wohin sollen wir etwas essen gehen?”, fragte der Arzt.

Sie suchten ein Lokal in San Francisco bei der Sternenflottenakademie auf und genehmigten sich dort ein Mahl neben ein paar Getränken. Spock als der Vernünftige von den dreien trank selbstverständlich keinen Alkohol, während Kirk und McCoy sich etwas Mut anzutrinken schienen. 

Als der Doktor zur Toilette ging und die anderen beiden alleine waren, warf Kirk dem Vulkanier einen langen Blick zu.

„Sagen Sie mal Spock..., werde ich Ihnen eigentlich fehlen?”

„Wie meinen Sie das genau? Weil wir alle unseren Urlaub separat nehmen und unsere Fünf-Jahres-Mission beendet haben und ich zunächst nach Vulkan fliege?”, fragte Spock nach. Er wollte sicher gehen, bevor er darauf antwortete. 

Kirk rutschte näher heran. Unwillkürlich streifte dessen Arm den seinen. „Damit will ich sagen, werden Sie mich als Freund vermissen, wenn wir uns erstmal eine Weile nicht sehen, weil wir immerhin fünf Jahre zusammen auf dem Raumschiff gedient und uns fast täglich gesehen haben. Werden Sie unsere Gespräche vermissen, die Abenteuer, die wir erlebt haben und all das? Und was ist mit McCoy? Die Diskussionen mit ihm haben Sie immer so leidenschaftlich geführt, hatte ich den Eindruck, oder nicht?”

So langsam verstand er, worum es Kirk ging. Er würde seine Freunde vermissen. Das auf jeden Fall. Eingestehen wollte er es sich jedoch nicht so gern. Zudem schlich sich etwas Neues ein, das er im Laufe der Zeit manchmal bei Frauen, aber später auch bei seltenen Gelegenheiten im direkten Kontakt mit dem Captain fühlen konnte, wenn er ihn berührte oder ihre Gedanken verschmolzen... Eine Schönheit.

So richtig erfasste er es selbst nicht. Seltsamerweise musste er nun intensiv an McCoy denken, der noch nicht wiedergekommen war. Warum dachte er an ihn?

„Sollten wir nicht nach McCoy schauen? Er ist so lange weg.”

„Er wird schon zurecht kommen. Wo wir gerade unter uns sind, wüsste ich gerne, ob Sie mich eigentlich nur als Freund betrachten oder vielleicht als − naja...”, geriet Kirk ins Stocken. Fragend fixierte er das Gesicht des Vulkaniers. Die Wangen des Menschen waren gerötet, was untypisch für ihn war.

Kirk flirtete mit Frauen, wie Spock wusste und es auch oft genug gesehen hatte, aber mit Männern tat er so etwas eigentlich nicht. Lag es am Alkohol oder hatte es tatsächlich mit seiner Person zu tun?

Der Vulkanier beugte sich näher zu ihm hin und nahm dessen Atem wahr. Nicht allzu unangenehm wie er befürchtete. Kirk nannte seinen Namen; ihre Gesichter berührten sich fast. Streng genommen befanden sie sich jetzt nicht länger im Dienst und hatten frei. 

Zwischen ihnen standen keine Ränge im Weg solange sie nicht wieder zusammen auf einem Sternenflottenschiff dienten. Aber er sah ihn immer noch als seinen Captain an und als guten Freund...

Dann gab es da diese Neugier, die stärker wurde. Kirk wollte ihn wohl küssen, wie Spock bewusst wurde. Da der Arzt auch weiterhin mit Abwesenheit glänzte, wagte er es, der Neugier nachzugeben und küsste Kirk. Pure Freude, Zufriedenheit und Wärme breiteten sich in ihm aus. Er öffnete die Augen. Kirk wirkte selbst ziemlich zufrieden und entspannt. 

„Sie mögen mich also wirklich mehr als einen Freund. Wieso hat das so lange gedauert?”, wollte Kirk wissen.

Spock schüttelte leicht den Kopf. „Jim, wie Sie wissen, habe ich mir derartige Beziehungen in der Form nie gestattet. Für mich als Vulkanier ist das schwer genug gewesen, bis ich mich an das Leben auf dem Schiff unter einem neuen Captain gewöhnt hatte. Sie und McCoy sind zu meinen engsten Freunden geworden. Das hat mir immer gereicht. Jetzt, wo wir uns erstmal nicht sehen werden, will ich mich der merkwürdigen Anziehung nicht hingeben. Ich muss nach Vulkan gehen. Meine Eltern sind dort und ich will meine Erkenntnisse mitteilen, die ich auf dieser Mission sammeln konnte. Außerdem kann ich für meinen Planeten viel tun. Als es mit T’Pring nicht klappte, bin ich nicht mehr gebunden gewesen und ehrlich gesagt, ist so eine Bindung eine immense Verpflichtung gegenüber dem anderen Partner. Zudem kann ich mich nur mit einer Person binden. Ihr Menschen habt es da wesentlich leichter...”

Verblüfft starrte Kirk ihn an. „Spock, soll das etwa heißen, Sie hätten grundsätzlich nichts gegen eine Beziehung zu einem anderen Mann?”

„Nein, wieso? Bloß, weil ich Vulkanier bin? Zur Hälfte bin ich immerhin ein Mensch... Darum geht es auch gar nicht. Ich rede von Ihnen und vom Doktor. Gestern während der Untersuchung, als er mich abtastete, ist irgendetwas geschehen mit ihm. Ich habe ihn nicht danach gefragt. Er wirkte so weit weg für einen Moment.”

Bevor Kirk ihm antworten konnte, tauchte McCoy schweißgebadet auf. „Ihr habt über mich gesprochen, oder? Was hat Spock dir gesagt? Hast du ihm auch von dem erzählt, was mit dir bei der Untersuchung passiert ist?”

„Pille! Was ist mit dir? Wo warst du denn solange?”

„Vor der Toilette gab es eine Schlange. Ich musste warten und hätte es fast nicht mehr rechtzeitig geschafft. Anschließend bin ich schnell zurückgekommen. Habe ich richtig gesehen, dass ihr euch geküsst habt?”

Spock setzte ihn neben sich auf die freie Seite. „Deine Augen trügen dich nicht, Pille. Es gab einen Kuss zwischen uns, aber−”

„Bedeute ich euch denn weniger als ihr euch gegenseitig? Ich will es wissen...”, verlangte McCoy aufgebracht. Er hatte glänzende Augen. 

„Doktor, beruhigen Sie sich! Sie bedeuten mir sehr viel. Ich könnte mich überhaupt nicht zwischen Ihnen beiden entscheiden. Wenn Sie einen Beweis wollen, bitte...”

Dann küsste Spock den Arzt, wie er zuvor Kirk geküsst hatte. Ein angenehmes Kribbeln erfasste McCoy. Sie lösten sich voneinander. „Das war atemberaubend.”

„Danke.”

Kirk lächelte McCoy zu und äußerte sich nun selbst. „Das gilt ebenfalls für mich. Meine Gefühle für dich sind sehr tief, wie ich gemerkt habe und auch für Spock. Mir liegt unsere Freundschaft trotzdem sehr am Herzen. Ich möchte sie auf keinen aufs Spiel setzen. Dazu seid ihr mir viel zu wichtig. Es ist unbestreitbar, dass sich unsere Gefühle füreinander vertieft haben und sie über Freundschaft hinausgehen. Aber jeder von uns hat neben dem Dienst in der Sternenflotte ein Leben abseits davon: Spock auf Vulkan, du und ich auf der Erde. Du hast eine inzwischen erwachsene Tochter und bist von deiner Frau geschieden, während ich nach Iowa zurückkehre, wo niemand auf mich wartet. Keiner von uns hat sein Glück in der Liebe gefunden. Vielleicht soll es einfach nicht sein...”

Spock hob eine Hand. „Die vulkanische Gesellschaft praktiziert Monogamie, aber möglicherweise liegt die Lösung für uns nicht in einer dauerhaften, festen Partnerschaft. Ich will mich nicht an einen von Ihnen lebenslang binden, weil ich Sie beide liebe und ich denke, Ihnen geht es ähnlich wie mir. Vielleicht findet einer von uns oder sogar wir alle eines Tages einen festen Partner außerhalb dieses Kreises. Wir werden immer Freunde bleiben. Es ist nicht nötig, uns in dem Sinne festzulegen. Bis es soweit ist, könnten wir für uns gegenseitig herausfinden, wie weit unsere Anziehung füreinander geht. Wir haben uns geküsst − Jim und McCoy noch nicht, aber das könnt ihr ja machen. Weiter ist noch keiner von uns gegangen. Ich spreche eher ungern über meine privaten Angelegenheiten. Es ist so, dass ich noch keinen Sex hatte. Ich weiß nicht, wie sich das anfühlt und bis zum nächsten Pon Farr dauert es ein paar Jahre−”

Ausgerechnet der Schiffsarzt fand die Worte, um ihre Beziehung zu definieren.

„Spock, Sie haben mehr über uns Menschen, Liebe und Anziehung gelernt, als ich dachte. Ich bin wirklich beeindruckt. Es gibt einen älteren Begriff für eine andere Art der Beziehung, die über Freundschaft hinaus geht, aber auch nicht völlig auf eine romantische oder sexuelle Anziehung festgelegt werden kann. Man bindet sich dabei auch nicht an einen Partner. Es ist ein bisschen schwierig, das eindeutig zu beschreiben. Im Prinzip können mehrere Personen unabhängig ihrer Vorlieben diese Beziehung miteinander eingehen. Man nennt das ‚queerplatonische Beziehung’. Diejenigen legen selbst gegenseitig fest, was sie mit dem- oder denjenigen machen möchten und was nicht wie zum Beispiel in einem Bett nebeneinander schlafen, Händchen halten, zusammen wohnen, ein Kind aufziehen... Manche haben Sex, andere nicht. Die Erwartungen in einer Ehe oder herkömmlichen Partnerschaft etwa gibt es dabei nicht. Nicht jeder fühlt sich sexuell oder romantisch zur anderen Person hingezogen, doch sich trotzdem eng mit ihr verbunden über eine Freundschaft hinaus. Es gibt Personen, die Kinder bekommen wollen, ohne eine sexuelle Beziehung führen zu wollen. Alleinerziehend möchten sie auch nicht sein. Daher entscheiden sich manche dafür, mit einem engen Freund, der dasselbe möchte, eine queerplatonische Beziehung einzugehen und gemeinsam Kinder aufzuziehen. Ich hoffe, Sie können mit dem Begriff nun etwas anfangen.”

„Ja, Doktor. Das hilft mir wirklich weiter. Eine solche Form unserer Beziehung könnte ich mir gut für uns drei vorstellen. Was sagen Sie dazu, Jim?”

Der andere nickte. „Ich bin eurer Meinung und würde jetzt gerne Pille küssen.”

„Nur zu, komm her.” Beide versanken in einem intimen Kuss miteinander. 

Später verließen sie das Lokal und verabschiedeten sich voneinander. Inzwischen wusste Spock, was mit Kirk passiert war und sie erfuhren von McCoy, das er bei Spock dasselbe erlebt hatte, was ihm im Nachhinein unangenehm war. Sie schworen sich, es für sich zu behalten und würden sich bald wieder zusammen treffen und sehen, wohin sie ihre Beziehung führte.

***

Epilog:

Die queerplatonische Beziehung des Trios aus Kirk, Spock und McCoy bestand weiterhin und vertiefte sich dahingehend, als dass sie sich zwischendurch Zeit für sich nahmen, andere Aspekte ihrer Anziehung füreinander zu erforschen wie die sinnliche Berührung, zu kuscheln oder ihre Sexualität mit dem gleichen Geschlecht auszuprobieren. Sie fühlten sich wohl damit. Ihre Freundschaft hielt ein Leben lang.

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