Kapitel 1: Ein streng geheimer Auftrag
Jor Thokrem
Dies war mein erster Einsatz an Bord eines cardassianischen Raumschiffs kurz nachdem ich die Ausbildung an der Militär-Akademie erfolgreich mit 20 Jahren abgeschlossen hatte. Es gehörte nicht unbedingt zu meinem „Wunschberuf”, doch in meiner Familie war es Tradition, dass die Männer zum Militär gingen und dort Karriere machten. Damit folgte ich gleichzeitig dem Wunsch meines Vaters Deram Thokrem, der einen hohen Rang im Militär vorweisen konnte. Aufgrund seines Alters sowie einigen Kriegsverletzungen, die er sich während seiner Einsätze zuzog, musste er aus dem Beruf ausscheiden. Als einziger Junge mit sechs Schwestern lag es nun an mir, dem Staat in dem Grenzkrieg zwischen der Föderation und Cardassia zu dienen.
Nach dem Kriegsausbruch 2347 bedingt durch die Angriffe bei einem Außenposten der Föderation auf dem Planet Setlik III, bekämpften die meisten Schiffe des cardassianischen Militärs die Raumschiffe der Föderation an den Grenzen. Es ging um gegenseitige Ansprüche, soweit ich das auf dem Schirm hatte. Durch die Beziehungen meines Vaters kam ich auf ein Schiff mit einer Crew aus Soldaten, die eine hohe Erfahrung in Schlachten gesammelt hatten und zu den begabtesten Abschlussjahrgängen der Militär-Akademie zählten.
Auf dem Schiff hatte ich noch einen der niedrigsten Ränge als „Gil” Thokrem. Gul Lofok kommandierte das Schiff namens „Jomesh”. Ich rechnete damit, dass wir wie viele andere ebenfalls in den Kampf ins Grenzgebiet eingezogen würden. Doch nachdem ich meine Schicht angetreten hatte, sprach mich ein ranghöherer Kollege an, ich solle ins Büro des Guls kommen. „Gul Lofok will dich sofort sprechen, also geh jetzt!”, wies der Glinn mich an.
Was könnte er von mir wollen? Da kein Grund genannt wurde, begab ich mich unverzüglich zum Büro. „Natürlich Glinn Nejek.”
Vor der Tür des Guls standen links und rechts zwei Wachen, die mir einen strengen Blick zuwarfen.
„Was willst du hier?”, fragte einer.
„Nejek hat mich zum Gul geschickt, auf dessen Anweisung hin. Ihr könnt es überprüfen.”
„Nicht nötig, Thokrem. Du bekommst Einlass, aber vorher...”, sagte derselbe Cardassianer und trat vor mich. „Du weißt schon. Es sind die Vorschriften. Ich muss dich durchsuchen.”
„Klar. Ich füge mich.” Er kontrollierte mich kurz oberflächlich, ob ich irgendwelche Waffen oder gefährlichen Gegenstände bei mir trug, was natürlich nicht der Fall war, aber es soll schon zu Angriffen auf Vorgesetzte gekommen sein an Bord von Schiffen, daher gab es recht strenge Vorschriften zur Vermeidung solcher Vorfälle.
„Gut. Du darfst eintreten”, entließ er mich.
Irgendwie war ich schon ein wenig nervös und hoffte, dass der Gul nichts an mir auszusetzen hatte.
„Herein.” Ich betrat den Raum und ging langsam auf den Schreibtisch meines Vorgesetzten zu.
„Gul Lofok, guten Tag.” Innerlich empfand ich eine Mischung aus Hochachtung, Respekt und etwas Angst. Vor dem freien Platz am anderen Ende des Tisches blieb ich stehen und wartete darauf, mich hinsetzen zu dürfen.
„Gil Jor Thokrem, der Sohn des Legaten Deram Thokrem, nicht wahr? Ich kenne deinen Vater recht gut. Er hat mir einiges über dich erzählt.”
„Ja, richtig, der Name ist korrekt”, hörte ich die Worte wie automatisch aus meinem Mund kommen.
„Sie wollten mich sprechen?”
Lofok stand auf, umrundete blitzschnell den Tisch, ehe er hinter mir stand. „Richtig. Es ist wirklich sehr wichtig. Es geht um einen Auftrag der Regierung”, flüsterte er mir sehr leise zu. Mich überkam ein seltsamer Schauer, weil er so dicht bei mir stand. Ich war diese Nähe nicht gewohnt, wollte aber auch nicht von der Stelle weichen. „Wir sollten das in einem anderen Raum besprechen...”
Bevor ich mich versah, nahm Lofok mich bei der Hand wie ein Kind und führte mich in einen Nebenraum, der daran angrenzte. Ich sagte keinen Ton, weil ich keine Ahnung hatte, was er vorhatte. Er setzte mich auf einen Stuhl und nahm mir gegenüber Platz, den Blick auf mich gerichtet.
„Wenn ich etwas falsch gemacht habe, tut es mir leid. Bitte, wenn Sie mich dafür bestrafen müssen, tun Sie es, aber sagen Sie es meinem Vater nicht. Das will ich ihm nicht antun.”
Seine Augen veränderten sich und er sah aus, als müsse er etwas unterdrücken. „Wie? Ich glaube, da liegt ein Missverständnis vor. Du hast keinen Fehler gemacht. Offenbar hat mein Verhalten dich erschreckt.” Er hielt inne. „Nein, ich will, dass du mir zuhörst. Dein Vater meinte, dass du sehr aufmerksam seist und verschwiegen. Ich brauche jemanden mit solchen Eigenschaften. Es hat mit einem Geheimauftrag der Regierung zu tun, der uns aufgetragen wurde. Also, wirst du darüber Stillschweigen bewahren?”
„Das werde ich.”
„Gut. Es wäre äußerst unklug, diesem Befehl nicht Folge zu leisten, verstanden?”
„Verstanden, Gul.”
Er rückte etwas näher und erzählte mir von diesem Auftrag, während ich zuhörte und zu verstehen begann, warum er als geheim eingestuft wurde. Cardassia wollte, dass unser Schiff sich abseits des Quadranten auf die Suche nach neuen Planeten machte, neues Territorium erschloss und so vielleicht sogar Verbündete für den Grenzkrieg gegen die Föderation gewann, um diesen gewinnen zu können. Es ging also nicht um die Erkämpfung bzw. das Festhalten an den Grenzgebieten im cardassianischen Raum, sondern um eine Erweiterung der Macht der cardassianischen Union.
Damit würden vielleicht nicht alle auf dem Schiff einverstanden sein, den bekannten Raum zu verlassen. Ich wusste selbst nicht einmal, wie ich darüber dachte.
Als der Gul schließlich zum Ende kam, fragte er mich direkt: „Nun, wo du Bescheid weißt, wirst du jeden Befehl befolgen, den ich dir gebe ohne ihn in Frage zu stellen?”
„Ich vertraue Ihnen und werde alles tun, was Sie von mir verlangen, Gul Lofok.”
„Auf deinen Vater ist genauso Verlass wie auf dich. Das erfreut mich außerordentlich. Ich entlasse dich. Du darfst wieder auf deine Station gehen und deinen Dienst fortsetzen. Zu gegebener Zeit werde ich Anweisungen an die Crew geben, sobald wir die Reise antreten”, informierte er mich.
„Danke, Gul. Ich begebe mich zurück auf meine Station.”