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Zoom!

von Lady Q

Kapitel 1

Ihr Lachen ging ihm durch Mark und Bein. Sie sah so wunderschön aus, wenn sie lachte. Nicht elfengleich, aber so stark und selbstbewusst, in sich ruhend. Und sie lachte in dieser Intensität selten genug. Viel öfter bekam die Crew ein halbes Lächeln geschenkt, noch viel häufiger ein sanftes Schmunzeln.

Sehr selten eine sanfte Berührung. Zumindest er bekam manchmal eine sanfte Berührung. Ihre Hand auf seiner Brust, wie zufällig lag sie manchmal dort, und dann strahlte ihre Wärme durch den Uniformstoff und brachte sein Herz zum Rasen. Er hoffte immer, sie würde das nicht merken. Dass die drei Lagen Stoff zwischen ihrer Hand und seiner Haut ausreichten, um sein verräterisches Herz zu schützen. Denn er konnte sie schlicht nicht bitten, ihre Hand dort nicht mehr abzulegen. Erstens wäre das die Offenbarung, dass diese zufälligen Berührungen so zufällig nicht ankamen. Zweitens wollte er nicht, dass sie damit aufhörte. Er war süchtig nach diesen Berührungen. Drittens konnte er nicht zugeben, dass es in dieser Berührung einen Aspekt gab, der nicht nur freundschaftliche Nähe, sondern Zärtlichkeit und Wonne bedeutete. Sie war der Captain und er nur der Commander und nicht mehr, das hatte sie in vergangenen Gesprächen mehr als deutlich klargestellt. Und daher mussten Dinge wie Erregung und Wonne außen vor bleiben, und die rein freundschaftlich gemeinten Berührungen auch ebenso aufgenommen werden.

Als sie damals freiwillig auf diesen Borgkubus gegangen war, freiwillig in die Hölle mit sämtlichen Risiken und Folgen, wäre er vor Angst fast gestorben. Er hatte die Angst leidlich gut überspielt, hatte etwas von Teppichreinigung gefaselt, während sie ihm die Hand gereicht und er versucht hatte, die Wärme zu speichern, sich selbst zu beruhigen, ihren Fähigkeiten zu vertrauen.

Es war keine zufällige Berührung gewesen, diese Hand. Eine der wenigen, nicht zufälligen Berührungen. Er zehrte von diesen nicht zufälligen Berührungen, konnte jede einzelne davon wie einen Schatz aus seinem Herzen holen, ihn sich ansehen, drehen, und wenden. Konnte jede Erinnerung daran wertschätzen und dann wieder sorgsam verschließen, tief in sich, wo niemand suchen würde.

Heute morgen hatte es schon wieder eine zufällige Berührung gegeben. Er hatte einen Scherz gemacht im Bereitschaftsraum, und sie hatte mit ihrer Tasse Kaffee in der Hand vor ihm gestanden, hatte dann kurz und herzlich aufgelacht, ihm ihre Hand auf die Brust gelegt – oooooh, diese Hand! Auf seiner Brust! Sein Herz hatte einen Sprung gemacht! - und dann nicht ganz so lustig gekontert. Er hatte schon wieder vergessen, was sie gesagt hatte. Seine Gedanken waren bei den Fingern ihrer Hand gewesen, dass er ihren kleinen Finger weniger intensiv spürte als den Mittelfinger, dass der leichte Hohlraum ihres Handballens seine Brustmuskulatur abdeckte, und dass er ganz zart an ihrem Handgelenk ihren Puls wahrnahm. Vielleicht hatte er sich letzteres allerdings auch nur eingebildet.

Wenn sie wüsste, wie anders er hier war, auf diesem Raumschiff, in diesem Quadranten, unter ihr, im Gegensatz zu früher. Wenn sie ihn gekannt hätte, bevor er sie das erste Mal sah. Manchmal beobachtete er sich verwundert selbst, wie seine Welt aus den Angeln gehoben wurde, wegen kleinen, feinen Berührungen. So war es früher nicht gewesen, mit keiner Frau, auch nicht mit denen, die er dachte zu lieben.

Wenn sie eine leise Ahnung davon hätte, dass sie sein Herz in der Hand hatte, und es mit einem Fingerschnippen zerbrechen könnte. Wenn sie sich ihrer mächtigen Fähigkeiten sein Herz betreffend bewusst wäre, hätte sie ein Druckmittel und könnte alles, wirklich ALLES von ihm verlangen.

Aber sie wusste es nicht. Oder tat so, es nicht zu wissen.

„Janeway an Chakotay.“
Er tippte auf den Kommunikator und hörte sich an wie immer: „Chakotay hier.“
„Bitte kommen Sie in meinen Bereitschaftsraum. Janeway Ende.“

Er wandte den Kopf in Richtung des Bereitschaftsraumes, stand in einer fließenden Bewegung auf und ließ die noch zu bearbeitenden PADDs auf seinem Sessel liegen. Die Schotts glitten auf sein Signal hin fast sofort auf, und sie blickte ihm mit ihrer obligatorischen Tasse Kaffee in der Hand von der oberen Ebene aus entgegen.
„Commander! Sehen Sie sich das an!“

Was er sah, waren dilettantisch gemalte Blumen in Acryl auf Leinwand. Das Original waren Lilien, die in einer Vase schräg dahinter standen und in ihrer Pracht und Schönheit wohl inspirierend gewesen waren.
„Sie haben Talent, Captain.“
Sie sah ihn zweifelnd an, und blickte auf ihr Kunstwerk. „Meine Schwester hat das zum Beruf gemacht. Ich dachte, dass das ja irgendwo in meinen Genen schlummern muss.“
„Zweifellos, Captain.“ Die Linienführung sah aus, als hätte die Künstlerin Parkinson, und die Farbschattierungen zeugten vom Mut eines Teenagers. Deren sich noch entwickelnder Geschmack war und blieb wohl seit Jahrhunderten und in jeder Kultur zweifelhaft. Aber es war ein Bild, gemalt von Captain Kathryn Janeway, und allein damit bereits einzigartig und unbezahlbar.
„Sie Charmeur!“
„Wie bitte?“ Er war doch kein Charmeur.
„Das Bild ist grässlich! Ich wollte doch nicht, dass Sie dieses Ding hier bewundern!“ Und einmal mehr lag ihre Hand auf seiner Brust, während sie ihn anlachte.

zooooooooooom pfiff es flüsterleise durch den Raum.

„Was?“ drehte er sich um und suchte nach der Ursache für dieses seltsame Geräusch.
„Was ‚was‘?“ Der Captain sah erst ihn an und dann seinen Augen hinterher. „Suchen Sie etwas, Commander?“
„Haben Sie das Geräusch nicht gehört?“
„Welches Geräusch?“
„Dieses Pfeifen. Oder Zischen?“
Aufmerksam sah sie ihn an, und nahm ihre Hand weg. „Nein, ich höre nichts.“
„Jetzt ist es auch weg.“
„Vielleicht sollten Sie Ihre Ohren untersuchen lassen?“
„Mit meinen Ohren ist alles in Ordnung, danke Captain. Also, was wollten Sie mir zeigen?“
„Na, das!“ Ihr Zeigefinger zeigte auf die Lilien, und sein Blick folgte dem Finger. Auf einer rosa Lilienblüte mit tiefpinken Sprenkeln saß, um die Farbkombination möglichst bissig zu machen, ein klassischer Siebenpunkt. Ein Marienkäfer.

Chakotay näherte sich ehrfürchtig. Ein Marienkäfer! Auf einem Raumschiff, Lichtjahrtausende entfernt von der Erde. „Wie kommt der denn hierher?“
„Ich weiß es nicht! Die Blumen sind repliziert, und ich habe überhaupt keine Idee, woher der Käfer kommt!“ Sie flüsterte direkt in sein Ohr, während sie schräg hinter ihm stand und sich wie er in Richtung des Käfers beugte. Und jetzt legte sie ihre Hand auf seinen Rücken.

zooooooooooom pfiff es wieder leise durch den Raum. Er hatte den Eindruck, dass ein sanfter Windhauch durch seine Haare glitt. Schnell drehte er sich um. „Da! Da war es wieder!“

Verwirrt sah sie ihn an. „Was denn?“
„Na, wieder dieses Geräusch. Dieses Pfeifen.“
Kopfschüttelnd runzelte sie die Stirn. „Commander, bitte gehen Sie zur Krankenstation und lassen sich durchchecken.“
„Mir fehlt nichts.“
„Sie hören Geräusche, die nicht da sind.“
„Sie haben einen Marienkäfer in Ihrem Bereitschaftsraum. Der sollte definitiv auch nicht da sein.“
Sie warf einen nervösen Blick in Richtung des Käfers. „Gut. Ich fange den Käfer und gehe mit ihm ebenfalls zur Krankenstation. Aber nur, wenn Sie sich durchchecken lassen.“
Ergeben nickte er, und sie tätschelte seinen Arm. „Danke.“

zooooooooooooooooooooooooooooooom

Er ruckte mit dem Kopf, sah sich suchend um, aber sagte nichts mehr. Dieses seltsame Geräusch musste eine andere Ursache haben.

~~~

„Ich muss Sie enttäuschen, Commander“, sagte der Doktor und sah dabei fasziniert auf den kleinen rot-schwarzen Käfer in einem durchsichtigen Zylinder.
Chakotay schwang seine Beine vom Biobett und sagte: „Ich bin nicht enttäuscht.“
„Es gibt keinerlei Anzeichen für eine Hörstörung“, fuhr das MHN fort, und klopfte an den Zylinder. Der kleine Käfer krabbelte aufgeregt im Kreis.
„Das war mir klar, dass ich keine Hörstörung habe“, antwortete Chakotay, wurde aber vom Doktor nicht beachtet. Der führte seinen Scanner gerade den Zylinder hoch und runter, und rieb sich anschließend das Kinn. „Faszinierend, finden Sie nicht auch?“, fragte er ohne hoch zu sehen.
„Zweifellos. Darf ich dann gehen?“
Das Hologramm wedelte mit seiner Hand, als ob er eine lästige Fliege verscheuchen würde, und widmete sich wieder dem anderen Insekt. „Ja ja. Gehen Sie.“

~~~

„Der gemeine Siebenpunkt, auch Coccinella septumpunctata, ist die wohl bekannteste Art aus der Familie der Marienkäfer. Wie Sie hier sehen“, der Doktor zeigte das nächste Holobild, und Chakotay versuchte nicht einzuschlafen, „sind die Käfer etwa 5-8 mm lang, und haben einen leicht gestreckten, stark gewölbten und runden Körper.“
Das nächste Holobild zeigte den Käfer von schräg vorne, das übernächste im Profil, und der heutige Referent, neu ernannter Insektologe, fuhr fort: „Die Deckflügel sind rot gefärbt und haben jeweils drei schwarze Punkte. Ein siebter schwarzer Punkt, nach vorne von zwei weißen, dreieckigen Flecken flankiert, findet sich auf dem Schildchen, auch Scutellum genannt. Der Halsschild ist bis auf die weißen vorderen Ecken schwarz gefärbt. Diese erstrecken sich als schmaler Saum auch auf die Unterseite des Halsschildes. Auf dem schwarzen Kopf befinden sich...-“
„Danke Doktor. Könnten Sie diesen Teil vielleicht überspringen und direkt zu der Frage kommen, wie das Tierchen hierher kommt?“ Captain Janeway war die Liebenswürdigkeit in Person, als sie diese Aufforderung traf, aber hinter ihren Worten steckte ein Befehl. Den jeder wahrnahm, nur der Doktor nicht.
„Aber ich habe doch soeben erst begonnen. Die Frage der Herkunft erscheint doch wirklich zweitrangig, solange die Crew die einzigartige Möglichkeit erhält, ihren Horizont zu erweitern und...-“
Nun wurde er von blitzenden blauen Augen und den Worten unterbrochen: „Mir ist es reichlich egal, wo das Tier Säume und Schilder hat. Ich will wissen woher es kam.“
„Aber es fehlt doch noch…-“
„JETZT!“
Das Hologramm zuckte sichtlich zusammen und scrollte auf seinem PADD nervös abwärts. „Ja, Sekunde, einen Moment.“ Er fand die betreffende Stelle, sammelte sich, sah wieder in die Gesichter der Anwesenden, und fuhr fort: „Ich komme nun zum Anfang des Endes meines Vortrages: Der Frage, wie ein siebenpunktiger Marienkäfer, der die Invasion des Harmonia axyridis und der damit verbundenen Infektion durch Mikrosporidien offenbar nicht nur überlebt, sondern sich auch noch fortgesetzt hat, in das 24. Jahrhundert und auf ein Raumschiff kommt, das im Delta-Quadranten gestrandet ist.“
„Doktor.“ Die warnende Stimme des Captains ließ den Doktor unglücklich noch weiter scrollen, und er antwortete sich selbst: „Nun, die Antwort auf diese Frage ist: Ich weiß es auch nicht. Danke für Ihre Aufmerksamkeit.“
„DAS MEINEN SIE NICHT ERNST!“ Captain Janeway sprang auf und blitzte ihn an. Der Doktor zog seine Schultern hoch und wünschte sich wohl die Fehlfunktion zurück, die ihn fingerklein mit Hut machen würde. Er stapelte nervös seine drei Informations-PADDs, spielte an dem Holoprojektor herum, und antwortete schließlich aufgebracht: „Was erwarten Sie denn? Ich hatte nur 48 Stunden Zeit, um dieser Frage nachzugehen!“

Der Captain kochte, und Chakotay sah dass sie kochte. Beruhigend legte er seine Hand auf ihre und sprach versöhnliche Worte: „Haben Sie denn bereits einen Anhaltspunkt gewonnen, einen Hinweis, dem Sie weiter nachgehen können?“

Dankbar sah der Doktor zu ihm und zu dem Captain, die sich gerade unruhig im Raum umsah und mit ihren Augen etwas suchte. Sie wirkte nervös. Chakotay beugte sich zu ihr und flüsterte leise, um sie nicht bloßzustellen: „Alles in Ordnung, Captain?“
Ihr Kopf ruckte zu ihm und sie fragte: „Haben Sie das gehört?“
„Was?“
„Dieses Zischen.“
Chakotay horchte, konnte aber nur das Stimmengemurmel der anwesenden Crewmitglieder hören. „Nein, ich höre kein Zischen.“
„Es war auf einmal da. Ein Zischen, oder ein Pfeifen.“
Lächelnd sagte er: „Vielleicht sollten Sie sich mal durchchecken lassen.“

~~~

Einige Tage lang sah er sie nur bei den Übergaben, weil er wegen einiger Krankheitsvertretungen die Betaschichten machte, und sie weiter die Alphaschicht besetzte. Doch irgendwann war Fähnrich Dwayne wieder fit, und das Personalbesetzungskarussell drehte sich wieder so rund, dass er morgens seinen Platz neben ihr einnehmen konnte. Er war einige Minuten zu früh dran, und hatte die Mittelkonsole bereits ausgefahren, als sie zusammen mit dem aufgeregten Doktor die Brücke betrat, der seinen neuen, gepunkteten besten Freund bei sich hatte.

„Genug! Ich will Antworten, und keine Ausreden. Falls Sie nicht fähig sind, diese Frage zu beantworten, setze ich Tuvok darauf an!“, blaffte sie den Doktor an, und ließ sich dann neben ihren Stellvertreter sinken. Chakotay warf einen Blick nach hinten zu Tuvok, der seine Augenbraue stumm gen Haaransatz befördert hatte, und stoisch den Käfer in dem Laborgefäß fixierte. Der Doktor grummelte vor sich hin, und klopfte mit dem Fingerknöchel gegen das Glas, während die Augen des Captains sich bereits auf die Anzeigen der Mittelkonsole konzentrierte. Irgendwann stieß sie aufgeregt mit dem Finger auf den Statusbericht der Holodecks. Dummerweise im gleichen Moment, als er mit seiner Hand auf ebendiesen Bericht aufmerksam machen wollte. Schmerzhaft stießen Finger und Hand zusammen.

Zooooooooooooooooooooooooooooooooooooooom

Diesem Mal hörten sie es beide. Und starrten sich erschrocken an.
„Was war das?“ fragte er, und „Haben Sie das gehört?“ fragte sie.
„Keine Ahnung!“ antwortete sie, und „Oh ja!“ antwortete er.

Tuvok hob nun auch die andere Augenbraue und fragte: „Captain?“

Und der Doktor sah konsterniert auf sein Kommandoduo, das ihn augenscheinlich bereits vergessen hatte. Denn momentan lagen ihre Augen auf seiner Hand und seine auf ihrem Finger.
Zögerlich begann er, seine Hand zu heben, und tippte mit seinem Zeigefinger einmal auf ihren Handrücken.

Sie sah ihn erschrocken an. „Da. Da war es wieder.“
Er hatte nichts gehört.

Tuvok griff nach seinem Phaser.

Jetzt hob sie ihre Hand, und legte sie auf seinen Arm.

ZOOOOOOOOOOOOOOOOOOM

Laut und deutlich, viel lauter und deutlicher als bisher, während sie ihn aufmerksam beobachtete. Offenbar wartete sie auf seine Reaktion. Verwirrt von diesem Sachverhalt nickte er nur.
Grübelnd zog sie ihre Hand zurück und kratzte sich am Kopf. Beobachtete seine Hände und versuchte sich einen Reim darauf zu machen.

Während er zumindest bereits so viel verstand, dass die letzte Verifizierung wohl noch einen Schritt mehr bedeutete. Er hob seine Hand, sie kannte die Geste, und fragte: „Kathryn?“
Überrascht über diese Anrede blickte sie auf, in seine Augen und dann auf die Hand. Mit einer kurzen Kopfdrehung vergewisserte sie sich, dass sie niemand dabei beobachtete, und warf sowohl dem Doktor als auch Tuvok einen vernichtenden Blick zu. Beide senkten nun die Köpfe, der Phaser wurde wieder verstaut, und der Doktor machte sich auf den Weg in Richtung Turbolift.
Sie hob nun auch ihre Hand, und ihrer beider Hände bewegten sich aufeinander zu. Und wie schon einmal verschränkten sie langsam und vorsichtig ihre Hände ineinander.

ZOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOM

Ihre Hände fuhren auseinander, als hätten sie sich verbrannt. Das Geräusch, anfangs eindeutig nur ein leises Zischen, wuchs sich jetzt aus zu einer Art Stimme, die ihnen in die Ohren blies.
„Was ist das?“ Sie sah ihn starr vor Schreck an.
„Woher soll ich das wissen?
„Das war lauter als vorhin.“
„Ja. Und windiger.“

Sie sahen sich in die Augen, sie runzelte die Stirn, und er zupfte am Ohrläppchen.

Da hörten sie ein räusperndes „ähem“ vom Pilotensitz, und zuckten gleichzeitig mit dem Kopf nach vorne. Tom Paris hatte sich umgedreht und sah sie breit grinsend an.

Sie fing sich sehr schnell, und sagte freundlich: „Setzen Sie einen Kurs nach Hause, Lieutenant. Warp 6.“

~~~

Mittags im Bereitschaftsraum, unter Vermeidung sämtlicher Berührungen und Berührungsgelegenheiten, die er schmerzlich vermisste, und die ihr wohl gerade erst aufgingen, erkundigte sie sich auf einmal: „Haben Sie eine Idee bezüglich unserer Hörstörung?“
Er neigte den Kopf. „Nein, Captain. Sie?“
„Nein. Aber ich finde, wir sollten ihr auf den Grund gehen.“
„Sehr gerne, Captain.“
„Nun denn, dann… ähem. Wir sollten verifizieren, ob unsere Erfahrung reproduzierbar ist, nicht wahr?“
Dagegen hatte er definitiv nichts. „Dann… darf ich?“ Er hob seine Hand.
Sie nickte und streckte ihm ihren Arm entgegen. Er tippte den Arm an.

Es geschah...nichts. Gar nichts.

Er sah erwartungsvoll in ihr Gesicht und fragte: „Und?“
„Nichts. Hm. Darf ich?“
Statt ihr zu antworten streckte er seine Hand aus und wartete, bis sie ihn angetippt hatte.

Wieder geschah nichts.

Enttäuschung flog über ihr Gesicht, als er den Kopf schüttelte. „Nun. Das war… anders als erwartet.“
Er war nicht enttäuscht. Wenn er jedes Mal, wenn sie ihn berührte, ein Pfeifen im Ohr hätte, hätte ihn das auf Dauer doch sehr gestört.

In diesem Moment meldete sich der Doktor über die Com. Der Captain tippte sich auf ihrem Kommunikator, und fragte: „Doktor, was kann ich für Sie tun?“
„ER IST WEG!“
„Wer ist weg?“
„Coccinellum septumpunctata. Er ist WEG!“
Sie wechselte einen kurzen Blick mit ihm, und hakte nach: „Wie kann der Käfer weg sein? Er lebte in einem Glaszylinder!“
„Richtig! Richtig. Aber er ist weg!“
„Dann suchen Sie ihn.“
„Bitte? Ich soll einen Marienkäfer suchen?“
„Nun ja, er wird ja nicht aus der Luftschleuse geflattert sein. Also muss er irgendwo im Schiff sein. Melden Sie sich, wenn Sie ihn haben.“
„Captain?!“
„Ja?“
„Ich… einen Marienkäfer suchen? Auf dem ganzen Schiff?“
„Richtig. Janeway Ende.“

Lächelnd wandte sie sich wieder an ihrem Stellvertreter und legte ihm eine Hand auf den Arm: „Wenn wir jetzt kein Problem mehr mit Zischen und Wind haben, darf ich Sie dann zu einem Abendessen einladen?“

Erleichtert schmunzelte er erst die Hand und dann ihr Gesicht an und antwortete: „Ich koche.“

~~~

Am frühen Nachmittag räusperte sich Tom Paris ein weiteres Mal. Als niemand reagierte, noch einmal. Chakotay überzeugte sich mit einem kurzen Seitenblick, dass sich der Captain gerade ein Lachen verkniff und offenbar darauf wartete, wann sich ihr Pilot endlich äußern würde. Er tat daher ebenfalls, als hätte er nichts gehört, und als sich Tom Paris ein drittes Mal räusperte und endlich umdrehte, sah er ihn ebenso wie der Captain augenscheinlich überrascht an.

Neckend, aber wohlwollend fragte sie: „Mr. Paris?“

„Captain, ich wollte nur fragen, ob der Doktor schon weiß, woher unser neuestes Crewmitglied kam?“

Soweit war sie mit den Berichten noch nicht gekommen, und sie hob fragend die Brauen und wandte sich an Chakotay. „Commander? Gibt es etwas Neues?“

„Soweit ich weiß nicht, Captain. Vielleicht sollte Mr. Paris hier dem MHN seine Unterstützung als Assistent anbieten, damit er schneller zu einem Ergebnis kommt?“
Tom Paris‘ Augen wurden groß: „Oh, so hab ich das nicht...-“
„Was für eine ausgezeichnete Idee, Commander!“ Der Captain strahlte ihn an, und hob dann die Augen gen Decke: „Brücke an Krankenstation.“
„Bitte nennen Sie die Art des medizinischen Notfalls.“
„Kein Notfall, Doktor. Ich schicke Ihnen Mr. Paris hinunter, damit Sie schneller hinter das Geheimnis des Coccinellum Septumpunctata kommen.“
„Mr. Paris? Ah. Na, ähm. Das ist sehr freundlich, aber...-“
„Keine Ursache, Doktor. Viel Erfolg. Janeway Ende!“

Von dieser plötzlichen Wendung doch ein wenig überrascht stolperte Tom Paris über die Brücke in den Turbolift, während Janeway ihm hinter vorgehaltener Hand leise kichernd hinterher sah. Chakotay sah nicht Tom hinterher, sondern auf das Kichern. Verflucht, selbst wenn sie herumalberte war wie eine 15jährige, war das… schön.

Kaum hatten sich die Turbolifttüren hinter ihm geschlossen, wandte sie sich wieder an ihn, und er zwickte sich kurz und unauffällig ein wenig stärker ins Ohrläppchen, um seine reisenden Gedanken wieder nach Hause zu holen.

„Wir sollten heute Abend dieser Pfeif-Sache auf den Grund gehen.“
Er sah intensiv auf ihre Hände und antwortete: „Ja, das sollten wir wohl.“

~~~

Einige Stunden später meldete ein verschwitzter und zerknitterter Tom Paris an der Tür zum Quartier des Captains, dass der Marienkäfer trotz aller Bemühungen weiter spurlos verschwunden blieb. Die internen Sensoren der Voyager, die sie mit entsprechenden Suchparametern gefüttert hatten, hatten zwar immer wieder entsprechende Hinweise gegeben. Allerdings waren diese kaum, dass sie sich auf den Weg gemacht hatten, immer wieder verschwunden, nur um dann am anderen Ende des Schiffes wieder aufzutauchen. Deshalb von einer Störung ausgehend, hatten sie erst mal die internen Sensoren geprüft, doch keine Unregelmäßigkeit festgestellt. Der Marienkäfer blieb ein Phantom.

Chakotay, der mit seinem Glas Apfelwein in der Hand hinter den Captain getreten war, hörte sich den Bericht seelenruhig an, nur um ihr dann zuvor zu kommen: „Das ist nicht weiter schlimm, Lieutenant. Morgen ist ja auch noch ein Tag, da können Sie weitersuchen.“

„Aber… aber...“, stammelte Tom Paris und trat von einem Fuß auf den anderen.

Der Captain lächelte ihn freundlich an, und legte auch ihm ihre Hand auf den Arm, was Chakotay mit einem unangenehmen Stich im Herzen betrachtete. „Ich wünsche Ihnen eine erholsame Nacht, Mr. Paris.“

Die Schotts glitten hinter ihr zu, als sie sich wieder dem Tisch zuwandte, und lächelnd fragte: „Und? Haben sie eine Theorie für mich, Commander?“
Vorsichtig rückte er ihr den Stuhl zurecht, „Bezüglich des Marienkäfers oder der Hörstörung?“
„Oh, wenn Sie so fragen? Beides natürlich.“

Er überlegte, nahm währenddessen ihr gegenüber Platz, und sah belustigt zu, wie sie ihr Kinn auf ihren gefalteten Händen ablegte, um ihn anzusehen. Um ihre Mundwinkel zuckte ein Lächeln, und die Augen hatten gerade feinste Fältchen. Sie nahm die Frage offenbar genauso ernst wie er selbst.

Also sagte er: „Hm. Der Marienkäfer tauchte zuerst in Ihren Lilien auf, die Sie wiederum aus dem Replikator hatten. Möglicherweise wollte Ihnen jemand Glück wünschen, und hat den Replikator mit den Spezifikationen für ein Flugobjekt programmiert, das einen Marienkäfer simuliert.“
„Wer sollte das gewesen sein? Sie?“
„Ich? Wie kommen Sie denn darauf?“
„Nun ja...“ Sie brach ab, senkte ihren Kopf und beschäftigte sich eingehend mit ihren Fingernägeln. „Nun ja, wer sollte denn sonst...“
„...Ihnen Glück wünschen?“, ergänzte er ihren Satz.
Sie räusperte sich.
„Jedes Mitglied dieser Crew wünscht Ihnen Glück, Ma‘am.“ formulierte er diplomatisch, seine eigenen Gefühle geübt hinter der Maske des loyalen Commanders versteckend.
Unwillig schüttelte sie den Kopf. „Ach Chakotay… nicht Ma‘am.“
Er grinste und fühlte sich hinter seiner Maske einigermaßen sicher. „Aye, Captain.“
Sie blieb still und sah auf ihre Finger herab. Kurz kaute sie auf ihrer Wange, dann gab sie sich einen deutlichen Ruck , hob den Kopf und strahlte ihn an. „Gut, also. Dann haben wir das Rätsel um den Marienkäfer ja gelöst, und können uns unserer Hörstörung zuwenden.“

Er war kein Idiot. Dass das nicht die von ihr gewünschte Antwort gewesen war, konnte auch er ablesen. Nur verstand er nicht ganz warum, schließlich war sie es doch gewesen, die immer und immer wieder darauf bestanden hatte, eine professionelle Ebene beizubehalten. Kurz dachte er darüber nach, ob er das Thema nun fallen lassen sollte oder nicht, nur um sich dann ebenfalls einen Ruck zu geben, und zu fragen: „Verifizieren?“
„Ein Versuch ist es wert.“ Sie hob ihre Hand und näherte sich seinem Arm.
Er erwartete nichts. Was auch immer das Pfeifen gewesen war, irgendeine Fehlfunktion in einer der Versorgungsleitungen oder ähnliches, es war reiner Zufall gewesen, ansonsten hätte es im Casino ja auch funktioniert.

Das bei ihrer Berührung laut in sein Ohr zischende ZOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOM riss ihn daher fast um und er fiel ungraziös vom Stuhl.

Captain Janeway beugte sich unter den Tisch und fragte: „Chakotay? Alles in Ordnung?“
Er rappelte sich auf, und setzte sich wieder hin. „Ja, alles gut.“
„Ich gehe davon aus, dass Ihre Hörstörung wieder…?“
Knapp antwortete er: „Ja.“
„Dann müssten Sie noch…?“
Er seufzte innerlich. Was für ein Unterschied zu der Zärtlichkeit der unabsichtlichen Berührungen vergangener Tage. Aber es half ja nichts. Das Phänomen war zweifellos faszinierend – bei allen Geistern, jetzt dachte er schon wie ein Vulkanier! - und verdiente ebenso zweifellos eine Aufklärung. Also ließ er vorsichtig seine Hand auf ihre sinken, allerdings nur für Millisekunden, denn kaum hatte seine Haut die feinen Härchen ihres Handrückens auch nur sachte berührt, riss sie beide Hände hoch, stieß damit seine Hand zur Seite und presste sie sich links und rechts auf ihre Ohren. Verängstigt sah sie ihn an.

Dieser Blick gab ihm den Rest. Ihm reichte es. Es reichte einfach. Wenn ihm durch dieses verdammte Gezische auch noch das letzte Quentchen Glück genommen würde, die letzten menschlich-zärtlichen Berührungen, das letzte Herzklopfen und Rasen… er würde es nicht hinnehmen. Es reichte an seltsamen Phänomenen, verschwundenen Marienkäfern, seltsame Hörstörungen, MHNs mit insektologischen Ambitionen und einem neugierigen Pilot, der offenbar keinen Lokalorkan fürchten musste, wenn sein Captain ihn berührte.

Abrupt stand er auf, dass sein Stuhl fast umfiel, trank seinen antarianischen Apfelwein – diese Plörre ohne Wirkung – in einem Zug aus, nahm Haltung an presste heraus: „Ich halte es unter diesen Umständen für besser, wenn wir unseren Kontakt auf ein Minimum beschränken.“

Dann drehte er sich zackig um – die Plörre hatte doch ein wenig Wirkung, und er spürte noch im umdrehen, dass die Bewegung doch ein wenig zu zackig war – und wollte zur Tür eilen. Aber genauso schnell wie er aufgesprungen war, war sie aufgesprungen und trat ihm nun in den Weg. Unter Vermeidung einer Berührung hatten die nun folgenden Versuche, aneinander vorbei zu kommen, etwas vom ständigen Antäuschen während eines Boxkampfes. Aber er gab nicht auf, hatte schließlich mit ebendiesem Antäuschen mehr Erfahrung als sie, und nutzte eine Finte, um schließlich doch zur Tür zu gelangen.

Die Schotts glitten schon auf, da hörte er: „Chakotay!“
Er drehte sich kurz vor der Tür noch einmal um. „Ja?“
„Bleib. Bitte.“
„Nein.“
„Das ist doch Unsinn. Wir lassen uns davon doch keine Angst machen! Das ändert doch nichts.“

Stumm musterte er ihr Gesicht und fragte sich, ob sie meinte, was sie sagte. Machte ihr das wirklich keine Angst? War er tatsächlich der einzige, der diese Berührungen wahrgenommen und genossen hatte? War die Aussicht, jede seiner Berührungen mit Ohrenschmerzen zu bezahlen, wirklich so wenig schmerzhaft für sie? Schweren Herzens, und bewusst einen Teil seiner Seele offen legend antwortete er ihr: „Ihnen macht das keine Angst, und für Sie ändert sich offensichtlich nichts, Captain.“ Und er konnte nicht verhindern, dass seine Stimme dabei dunkel vor Trauer war.

Damit hatte er ihr die Sprache verschlagen. Nur Sekunden schaute er sich an, wie erst hilfloses und dann liebevolles Verstehen über ihr Gesicht glitt, dann nahm er einen tiefen Atemzug und wandte sich wieder zum gehen.

ZOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOM brüllte es in sein Ohr, als sie seinen Arm von hinten ergriff und ihn festhielt.

ZOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOM brüllte es weiter, als sie ihn nicht mehr losließ.

ZOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOM zischte und pfiff es, als er versuchte, seinen Arm aus ihrer Umklammerung zu entwenden.

ZOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOM, während seine Knie weich wurden. Nicht wegen des Zischens, sondern weil ihr Griff so fest und absichtlich war.

ZOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOM, während der Wind seine sorgfältig jugendlich gegelte Frisur zerstörte.

ZOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOM, als sie ihn zu sich zog.

ZOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOM, als er mit seinem freien Arm versuchte, seinen Kopf vor dem Orkan zu schützen.

ZOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOM, als er schrie: „LASSEN SIE LOS!“

ZOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOM, als sie wortlos den Kopf schüttelte, und noch näher kam.

ZOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOM, als sie seinen Kopf packte.

Und eine himmlische Stille, wie ein Auge in der Mitte eines Sturms, als ihre Lippen auf seine trafen. Er riss die Augen auf, sah direkt hinein in mutiges, verständnisvolles und wissendes Funkeln. Ein wenig Schalk fand er darin, und dann, zunehmend… leider waren seine Augen bereits aufgerissen. Und konnte das sein? Konnte es sein, dass er in den Augen seines Captains so etwas wie… Verlangen sah?

Captain Kathryn Janeway küsste ihn. Bewusst, mit Absicht, und ganz offenbar nicht zufällig.

Und er küsste zurück, schon eine ganze Weile.

Wie lange schon? Wie lange standen sie schon da, in der offenen Quartierstür, und küssten sich? Und wo war das Zischen? Wie lange würden sie sich weiter küssen, und würde das Zischen bleiben, wo es war, wo auch immer es jetzt war? War das Zischen vielleicht nur weg, während sie sich küssten? Wäre das gut oder schlecht? Das wäre… eine gewisse Einschränkung für ein Kommandoduo, aber nicht die schlechteste Einschränkung. Würde er probieren wollen, was passieren würde, wenn sie aufhören würden, sich zu küssen? Ja, sicher, irgendwann, aber nicht jetzt. Jetzt… war da nur Kathryn Janeway in seinen Armen, die ihn zuerst geküsst hatte, aber sich nun deutlich in diesen Kuss hinein fallen ließ. Und seit wann sah er das blaue Funkeln nicht mehr, weil ihre Augen nun geschlossen waren, und ihre Hände nicht mehr seinen Kopf hielten, sondern auf Wanderschaft gegangen waren? Und seit wann stand sie auf ihren Zehenspitzen, und wie war seine Hand unter ihre Uniformjacke gekommen? Nicht nur unter die Jacke, denn er spürte Haut, zarte, flaumige Rückenhaut unter seiner schwieligen Boxerhand.

Er hatte Kathryn im Arm und küsste sie, weil Kathryn ihn geküsst hatte. Warum nochmal? Wie waren sie an diesen wundervollen Punkt gekommen? Weil…

… atemlos hielt sie inne, öffnete ihre Augen, die nun nicht mehr hell wie der Himmel waren, sondern auf einmal dunkel und rauchig aussahen. Sie zog ihn zwei Schritte in ihr Quartier hinein, und die Türen schlossen sich mit einem Zischen. Sie suchte seinen Blickkontakt, und was sie dort sah, ließ sie lächeln.

„Woher wusstest du…?“, begann er.
„Ich wusste es nicht“, gab sie zurück.
„Aber warum hast du dann…?“
„Ich konnte dich doch nicht einfach gehen lassen.“
„Aber warum… der Kuss?“
„Ich dachte, wenn es schon weh tut, laut ist, und dir fast den Kopf abreißt, dann… dann zumindest… nun ja. Du weißt schon.“
Er schmunzelte. Beugte sich vor, und küsste sie sanft und kurz auf ihre Lippen. „Ja, ich weiß schon.“

Ihre Augen trafen sich wieder, strahlten sich an, versanken ineinander. Er fand das Leben auf einmal wunderbar!

Bis sie ihre Augen aufriss und rief: „Sieh doch! Da!“ Ihre in Windeseile ausgestreckte Hand zeigte auf das Bild einer Blume an der gegenüberliegenden Quartierswand, über das sich ein kleiner Punkt bewegte.
Chakotay kniff die Augen zusammen. „Der Marienkäfer!“
„Ja! Halt du ihn im Auge, ich informiere den Doktor!“
„Aye Captain!“, antwortete er im vollen Ernst und starrte den Marienkäfer an. Während er im Hintergrund Kathryn reden hörte, kam er langsam und vorsichtig näher. Leise flüsterte er: „Was bist du für ein wundersames Ding?“
Ganz leise zischte ein zooom an sein Ohr. Dann war der Marienkäfer verschwunden.

~~~

„Nochmal von vorne. Sie sahen zu dem Marienkäfer und sagten etwas, und dann….drehten Sie sich weg, und der Marienkäfer flog davon?“
„Nein. Ich habe es Ihnen doch schon erklärt. Ich sah ihn an, und dann war er auf einmal weg.“
„Und wo flog er hin?“
„Er flog nicht fort. Er krabbelte auf der Blume entlang, und dann war er weg.“
„Ich dachte, auf dem Bild?“
„Nein, auf der Blume auf dem Bild.“
„Und dann wurde er… weggebeamt?“
„Nein, er war einfach weg. Einfach...weg.“

Der Doktor raufte sich die Glatze. Kathryn stand hinter ihm, mit einem leicht enttäuschten Gesichtsausdruck. „Ich hatte dir doch gesagt, behalte ihn im Auge.“
„Ich HABE ihn im Auge behalten. Aber dann war er eben auf einmal weg.“
„Wie kann ein Marienkäfer auf einmal weg sein?“ Zugegeben, ihre Logik war stichhaltig.
„Wie kann er auf einmal auf einem Raumschiff auftauchen?“ SEINE Logik war auch stichhaltig.
„Du meinst, wir haben ihn uns eingebildet?“ Perplex starrte sie ihn an. „Aber… andere haben ihn auch gesehen.“
„Nein, wir haben ihn uns nicht eingebildet. Trotzdem… war er einfach weg.“
Stumm starrte sie ihn an. Minuten, gefühlte Stunden.

Dann nickte sie ergeben und wandte sich an den Doktor: „Sie wissen, was Sie zu tun haben?“
Der war von dieser Aussage wenig begeistert. „Aber… aber… ich habe Patienten!“
„Der Käfer geht vor. Finden Sie ihn!“ Ihr Gesicht verriet Entschlossenheit, und das entging auch dem MHN nicht.
Er nickte verzweifelt. „Jaja… ich finde ihn.“
„Sie dürfen wegtreten, Doktor.“
Das MHN nickte und verließ das Quartier.

Zwar unbefriedigt vom Ausgang dieser Mission, aber durchaus erfreut, dass noch nicht alle Hoffnung begraben war, wandte sich sein Captain – nein, Kathryn - nun an ihn, streckte die Hand nach ihm aus, und fragte: „Chakotay? Kommst du? Wir könnten… überprüfen, ob das Zischen wiederkommt.“

Und er ergriff ihre Hand, hörte kein Zischen, kein Pfeifen, keinen Wind, und antwortete ihr: „Wir sollten das in Zukunft regelmäßig überprüfen.“

Und mit großem Herzklopfen folgte er ihr in Richtung ihres Schlafbereichs.

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Einige Wochen später bekam Harry Kim den Auftrag, zusammen mit Seven of Nine den gescheiterten Versuch des Slipstreamantriebes und dessen Phasenvarianzen nochmals zu überprüfen. Mit großer Freude an akribischer Analyse machten sich die beiden jungen Leute an die Arbeit….bis ihre Hände aneinanderstießen, und beide auf einmal ein merkwürdiges Zischen im Ohr hatten.

Ein kleiner Marienkäfer krabbelte unterdessen auf dem Boden der Astrometrie entlang.

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„WO IST ER?“ donnerte es zur selben Zeit im Kontinuum, und schlug Wellen in den Raum.
„Er probiert sich aus!“, beruhigte eine zeit- und körperlose Lady Q ihren ihr Angetrauten.
„ER IST EIN Q! ER MUSS SICH NICHT AUSPROBIEREN!“, donnerte es weiter.
„Du selbst hast ihm angedroht, ein solches Leben zu führen!“, argumentierte sie.
„EBEN! EINE DROHUNG!“ Qs Nerven lagen angesichts seines missratenen Sohnes und dessen überaus terranischen Vorlieben seiner äußeren Gestalt blank.
„Es gefällt ihm. Lass ihn noch ein wenig spielen.“
„ER IST EIN Q!“
„Ja! Und er mischt sich ein! Wie ein echter Q es tut!“ Der Ton der Lady wurde schärfer, und ihr vorwitziger Gatte schlug nun keine Wellen mehr, sondern blubberte Blasen.
„Was hat er getan?“, fragte er müde seine Frau.
„Er hat Tante Kathy verkuppelt. Mit Chuckles.“ Das Grinsen in der Stimme war nicht zu überhören.
„NEIN! Wie ist ihm das gelungen? Das versuche ich seit Äonen!“
„Er hat da wohl ein Lied gehört, das ihn auf eine Idee gebracht hat. Von der Erde, du weißt doch, er ist Fan.“
„Die ERDE? Schon wieder dieses Staubkorn im Universum?“
„Lass ihn doch. Viele Jugendliche sind Fans von Subkulturen.“
Q grummelte noch ein Weilchen vor sich hin. Dann hörte sie ihn leise fragen: „Welches Lied?“
Ebenso leise antwortete sie ihm: „Es heißt ‚Zoom!‘“

Ja, rosa Fluff! Kann ich auch!
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