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Das Protokoll

von Anna K

Kapitel #1

Der Türmelder zu Chakotays Quartier summte. "Herein!" Er blickte von einem Padd, das Tuvoks Bericht über das Verhalten der Sicherheitsteams beinhaltete, auf. Trocken. Ja, trocken war der einzige Ausdruck für diese Art von Bericht. B’Elanna hätte den Ungeflogenheiten der Crewmen, die Tuvoks Anweisungen nicht genau folgten, solch eine Dramatik geben können, dass sie wie ein Krimi zu diesem Bericht wären.

"Commander, Sie wollten mich sprechen?" Seven of Nine betrat den Raum und trat vor den Schreibtisch des Ersten Offiziers.

"Das ist richtig. Nehmen Sie doch Platz!", sagte er etwas verwirrt und zeigte auf den Stuhl zu ihrer linken. Und obwohl Seven lieber etwas entgegnet hätte, da sie mit dem Umstand zu sitzen oder gar zu liegen nur schlecht zurechtkam, setzte sie sich mit etwas Skepsis.

Chakotay legte Tuvoks Bericht zur Seite und aktivierte das Computerterminal, dann wandte er es Seven zu.

"Das Sternenflottenprotokoll", las sie vor und hob eine Braue.

"Ja, das Protokoll. Ich wollte Sie um einen Gefallen bitten, da Sie die einzige Person an Bord sind, der ich vertraue, und die über die nötigen Fähigkeiten verfügt."

Sevens Augenbraue erklomm weitere Höhen und sie holte tief Luft.

"Ich möchte diesen Absatz aus der Kategorie der Bestimmungen für Captains aus den schiffsweiten Systemen eliminieren", sagte Chakotay und zeigte auf den betreffenden Absatz, der Captains eine Beziehung, die das freundschaftliche überschreitet, mit Mitgliedern der Crew untersagte.

"Ich denke, ich kann mit ein paar Borgalgorithmen in die betreffenden Dateien eindringen, die sie mit Ihren Sicherheitscodes nicht erreichen. Aber darf ich fragen wofür?" Nun hob Seven beide Brauen.

Chakotay hatte nicht damit gerechnet, dass sie eine solche Frage stellen würde, aber sie hatte eine solche naive Einstellung, dass sie nicht wusste, was zu indiskret war, um darüber zu reden. Außerdem fehlte es ihr an Fantasie und hintergründigen Gedanken, wie Tom sie hatte, um sich diese Frage selbst beantworten zu können. Ein Grund weshalb sich Chakotay glücklich geschätzt hatte, Seven für eine solche Aufgabe gewinnen zu können.

"Aus persönlichen Gründen", antwortete er und bemühte sich möglichst objektiv zu bleiben.

"Ist Ihnen bewusst, dass Sie uns beide hiermit strafbar machen?", fragte sie.

"Ich weiß, wir könnten sogar vor das Kriegsgericht kommen, aber lassen Sie das meine Sorge sein, denn ich trage als der ranghöhere Offizier die Verantwortung." Chakotay war froh, dass Seven nicht zu weiterer Neugier neigte und nicht weiter nachhakte.

"Ich bin verpflichtet, dies dem Captain zu melden."

"Das werde ich höchstpersönlich tun, sobald Sie Ihre Arbeit vollendet haben, und ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie vermeiden, würden einen Sicherheitsalarm auszulösen", bemerkte er.

"Aye, Commander." Seven schien sichtlich unbeeindruckt und wartete nun auf ihre letzte Instruktion.

"Danke, Seven. Wegtreten", bestätigte er.

 

***

Chakotay saß nun schon seit Beginn seiner Schicht untätig auf dem Kommandosessel und erwartete Sevens Bericht. Janeway schien es nicht bemerkt zu haben und hatte sich in einem Haufen Padds vergraben, ein Umstand, der zwar zu ihren Pflichten gehörte, den er aber nicht sehr begrüßte, weil er dann nicht mit ihr flirten konnte. Schließlich erhob sie sich und überließ ihm das Kommando damit er allein die Sterne verfolgen konnte, an denen sie mit Warpgeschwindigkeit vorbeiflogen. Aber vielleicht erwartete sie ja auch, dass er ihr nach einigen Minuten in ihren Bereitschaftsraum folgen würde, wie er hoffte. Also musste er nur noch die nötige Anstandszeit abwarten, um Tuvok das Brückenkommando übergeben zu können.

Sie saß auf ihrem Sofa und ließ ihren Blick durch den Raum schweifen. Sie fühlte, dass ihr Erster Offizier sich schon einige Zeit verhielt, als säße er auf Kohlen und erwarte etwas, obwohl er sich bemühte eine ruhige Atmosphäre auf sie auszustrahlen, vielleicht hatte ihn ihre Gegenwart auch einfach nur nervös gemacht. Deshalb war sie in den Bereitschaftsraum gegangen, damit er kommen konnte, falls ihn etwas beunruhigte. Getrost genehmigte sie sich eine heiß ersehnte Tasse Kaffee und nahm einen kräftigen Schluck von der dampfenden dunkelbraunen Flüssigkeit, bevor sie sich in ihren Schreibtischsessel fallen ließ, um weitere Stapel von Padds durchzuarbeiten. So hatte sie sich nun wirklich nicht ihren Alltag als Captain vorgestellt, als sie die Kommandolaufbahn eingeschlagen hatte.

"Seven of Nine an Commander Chakotay", ertönte es aus seinem Kommunikator und die Brückenoffiziere horchten spürbar auf. Auch er war auf einmal hellwach.

"Hier Chakotay", antwortete er und versuchte die Aufregung zu unterdrücken, ruhig zu klingen.

"Ich habe die Modifikationen ausgeführt und konnte Ihren Auftrag erfolgreich erfüllen. Ich schlage vor, dass Sie es jetzt dem Captain melden", sagte sie.

"Danke, Seven. Gute Arbeit. Chakotay Ende", sprach er erleichtert, denn er war froh, dass sie nicht laut erwähnt hatte, worum es ging.

 

Doch Tuvok riss den Commander aus seinen Gedanken: "Commander, falls es sich um einen Auftrag höchster Geheimhaltung handelt, sollten Sie stets den Sicherheitschef einweihen." 

Aber Chakotay lächelte nur und erhob sich aus seinem Sitz: "Seien Sie unbesorgt, Mr. Tuvok, der Captain ist über alles informiert." ‚Oder zumindest wird sie gleich darüber informiert werden‘, fügte er in Gedanken hinzu.

Mit großen Schritten und kräftigen Herzschlägen, trat er auf den Bereitschaftsraum zu. Er bedachte die Brückencrew mit einem letzten forschenden Blick und fragte sich, ob jemand sein Herz schlagen hörte, dann glitten die Türen beiseite.

"Oh, Chakotay", sagte sie und blickte von dem monatlichen Bericht des astrometrischen Labors auf und stützte sich auf die Schreibtischplatte.

 

Chakotay fing ihren verträumten Blick auf, als er vor ihr stehen blieb und danach trachtete, sich niederzulassen, was sie ihm sofort mit einem Nicken bestätigte. Sie sah so wunderschön aus.

 

Stille.  

"Commander, warum sind Sie gekommen?", fragte Janeway und lächelte. Er merkte, dass es ihr schwer fiel in seiner Gegenwart die Maske des Captains zu wahren und sprach ihn distanziert mit seinem Rang an.

"Kathryn, ich möchte dir etwas zeigen", sagte er ungezwungen, obwohl er innerlich unruhiger war, denn je. Er hatte sich das Du vorgenommen, als er zu ihr gekommen war und sie begriff, dass es nicht dienstlich war, weshalb er sie aufsuchte.

"Gerne, Commander", sagte sie unsicher.

"Darf ich?", fragte er und griff nach ihrem Computer, was sie nickend bestätigte. Er aktivierte die Übersicht zum Sternenflottenprotokoll, danach drehte er ihr den Bildschirm zu und ging auf ihre Seite des Tisches, womit er noch tiefer in ihre Privatsphäre eindrang. Soweit hatte er sich noch nie gewagt. Sie sah ihn unschuldig fragend an, dazu lächelte sie. Er liebte dieses Lächeln, so frei von der Pflicht.

"Scroll runter zu den Bestimmungen für Captains", wies er sie an und sie folgte seinen Anweisungen, doch dann stockte sie.

 

Ihr Absatz fehlte. Der Absatz, der ihre Absicherung darstellte und sie davor bewahrte ihren Wünschen nachzugeben, der Absatz, den sie erst geheiligt und dann verflucht hatte. Es war der Absatz, der sie immer daran gehindert hatte, ihn zu lieben. Erst kräuselte sich ihre Stirn, dann lächelte sie als ihr bewusst wurde, was dies bedeutete. Sie schaute zu ihm auf, als ihr eine Träne die Wange hinablief.

"Chakotay..." Sie war förmlich gerührt und erlöst durch diese Liebeserklärung.

"Ja, nur für dich. Schiffsweit", antwortete er ihre ungestellte Frage.

Langsam erhob sie sich und legte ihre Hand auf seine Brust - der Captains-Touch, eine kleine Berührung, die für sie beide aber all die Jahre ihre intimste war. Er umfasste ihre Hüften und sah ihr tief in die Augen, betrachtete ihre Lippen und näherte sich ihnen langsam, ganz langsam. "Nein, Chakotay, erst dies...", flüsterte sie und hob die Hand. 

 

Vorsichtig entfernte Janeway ihre beiden Kommunikatoren und begann dann seine und ihre Rangabzeichen vom Uniformshirt zu lösen, Stück für Stück. Chakotay konnte nicht mehr lange warten, denn er wusste, dass sobald ihre Lippen aufeinandertreffen würden, dass es nicht dabeibleiben und sich alles ändern würde. Endlich legte sie den letzten Knopf auf ihren Schreibtisch und schaute ihn erwartungsvoll an, die stumme Erlaubnis für die lang ersehnte Wendung in ihrer beider Leben.

Dann versanken sie in einen innigen, langen Kuss und er öffnete vorsichtig ihre Lippen mit seiner Zunge und erforschte die ihre. Sie tat es ihm gleich. Nach einer Ewigkeit trennten sich ihre Münder.

Er flüsterte: "Kathryn, ich liebe dich."  

"Ich liebe dich auch", hauchte sie.

 

 

-Ende-