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Asche 06 - Unter Erde und Sand

von Gabi

Kapitel 1

Die Klimakontrollen mussten ausgefallen sein. Die Raumtemperatur lag unterhalb dessen, was Vedek Gawen als zumutbar empfand. Leicht verärgert warf er die Reisetasche auf sein Bett. Die wenigen Dinge, mit denen ein Geistlicher reiste, hatten bequem in einer kleinen Umhängetasche Platz. Er würde sich heute zusammen mit Kai Sarius zur Raumstation aufmachen. Er hatte ihn davon überzeugen können, dass ihre Anwesenheit bei der schwangeren Kasidy Yates notwendig war. Mit der Frau oder ihrem Kind war etwas, das die bajoranische Geistlichkeit einfach nicht ignorieren konnte. Es hatte sich daher angeboten, den Premierminister und dessen Frau zu begleiten, welche zu diplomatischen und koordinatorischen Zwecken heute nach DS9 flogen.

Nahrungsmittel und Material fanden nun regelmäßig den Weg ins einstige cardassianische Reich, in die Hände und Mägen von Individuen, von denen Gawen bezweifelte, dass sie jemals fähig sein würden zu lernen. Was Bajor hier tat, war einem potentiellen Feind wieder soweit auf die Beine zu helfen, bis dieser sich an seine alte Eroberungspolitik erinnern würde. Und nur aufgrund der vagen Hoffnung eines Mannes, der noch vor vier Jahren das Wort Politik nur vom Hörensagen her gekannt hatte, und einer Cardassianerin, die genauso gut Teil einer cardassianischen Unter-wanderungsstrategie sein konnte, nach allem, was sie von ihr wussten.

Eine Ersatzrobe fand ihren Weg in die Tasche. Shakaar sollte lieber dafür sorgen, dass die Energieversorgung auf seinem eigenen Planeten besser funktionierte, damit mitten im Winter nicht die Temperaturregelung ausfiel ...

„Es ist schon ironisch, dass die Unvorbereiteten unsere Gegenwart als Kälte empfinden, wenn wir in Feuer kommen.“

Der Bajoraner wirbelte erschrocken herum. Er hatte nicht gehört, dass jemand sein Quartier betreten hatte. Wo zuvor noch recht klar umrissen und dreidimensional eine Wand mit Tür gestanden hatte, verschwamm nun alles in Nebel. Die Schwaden leuchteten wie von einer unsichtbaren Lichtquelle gespeist. Gawen fühlte sich umhüllt von Glanz und einer gewissen Ruhe, welche die Kälte auszuschließen schien. Eine Gestalt näherte sich ihm durch die dimensionslos gewordene Umgebung. Lediglich stärker verdichtete Bereiche in den lockeren Schwaden deuteten eine andere Präsenz an. Diese Bereiche schienen alles Licht zu schlucken. Es war dem Vedek nicht möglich, Konturen auszumachen. Nur schwach leuchtende rote Funken deuteten auf Augen hin.

„Wer bist du?“ Keine Furcht lag in seiner Stimme. Er spürte auf einer unbewussten Ebene, dass keine Gefahr für ihn von der Erscheinung ausging. Es war beinahe wie eine Drehkörper-Erfahrung ... beinahe ...

„Dein Meister.“

„Ich diene niemandem außer ...“

Nun hatten sich die Schwaden zu Konturen verdichtet. Graue Schuppenplatten umrahmten Hals und Kiefer. Das rötliche Glühen der Augen hatte die gesamte Gestalt erfasst. Das wissende Lächeln war mehr als der Vedek ertragen konnte.

„Niemals bist du mein Meister. Du bist eine Versuchung, der ich ...“

Die Gestalt winkte ungeduldig ab. „Das ist nichts, was du selbst entscheiden kannst. Deine Vorgängerin war zu schwach. Sie hat die Abrechnung verhindert und sie hat sich als ungenügend im letzten Kampf erwiesen. Du hast ihre Aufzeichnungen gelesen – ich weiß, dass du es getan hast“, setzte er hinzu, als Gawen dies leugnen wollte. „Du spürst es, du spürst die Faszination, du spürst, dass es so viel mehr gibt als nur Weiß. Eure Propheten haben es geschafft, alle Facetten dieser Welt auf eine einzige zu reduzieren. Es wird Zeit, dass der Endkampf ausgetragen wird, um das Gleichgewicht wieder herzustellen. Und es wird Zeit, dass einer unter euch aufsteht, der nicht strauchelt.“

Gawen wollte widersprechen, doch die Worte fanden nicht ihren Weg über seine Lippen hinaus. Ein Teil von ihm erkannte, dass sein Widerspruch hauptsächlich daraus resultierte, was er gelernt hatte, was andere ihm beigebracht hatten zu glauben. Ein anderer Teil wollte zuhören, ahnte, dass es noch so viel mehr gab als die Priester wussten, wollte wissen, wollte die Erfahrung – und dieser Teil wuchs.

„Euer neuer Kai ist nicht geeignet, er ist nicht zugänglich für die Vielschichtigkeit der Seele. Doch du scheinst es zu sein. Dir ist mehr bestimmt als nur in seinem Schatten zu stehen. Eine neue Weltordnung wartet ...“

Die Nebelschwaden lichteten sich, der Besucher begann wieder mit ihnen zu verschmelzen. Das rötliche Leuchten, das ihn ausgemacht hatte, ergoss sich langsam über den nichtdimensionalen Raum und egalisierte alles.

Sobald Gawen wieder das Bett hinter sich ausmachen konnte, setzte er sich und wagte es auszuatmen. In seinem Inneren tobte ein Kampf gegen sich selbst. Eine Schlacht, die er nur verlieren konnte, auf jede Weise.

Und schließlich, als die festen Konturen seines Zimmers beinahe wieder in den Vordergrund getreten waren, öffnete er den Mund: „Was ... was soll ich tun?“

Er glaubte, ein leises Lachen zu hören, doch es breitete sich ebenso in die Unendlichkeit aus wie die Schwaden.

„Geh zu Quark und frag nach dem Buch“, hallte es wie ein leises Echo in seinem Kopf wider, dann waren die Reste der Erscheinung verschwunden wie die Ausläufer eines Traums, nachdem man sich im Bett aufgesetzt und das Licht angeschaltet hatte.

Quark? Er erinnerte sich vage daran, dass es auf der Raumstation einen Ferengi dieses Namens gab. Verwirrt griff er nach der Umhängetasche.

Nur am Rande seines Bewusstseins nahm er wahr, dass die Temperaturkontrollen ihren Dienst taten, wie sie es sollten.

* * *


Gedankenverloren kämmte sie ihr langes Haar aus. Ihre Reflexion im Außenfenster gegen die Schwärze des Alls genügte ihr als Spiegel für dieses Vorhaben. Wann immer sie nachdenken wollte, begann sie sich mit ihrem Haar zu beschäftigen. Sito Jaxa besaß eine Menge davon, was ihr ausreichend Zeit für Selbstdiagnosen gab.

„Alles in Ordnung mit dir?“ Im Türrahmen erschien der Kopf ihrer Partnerin. Seit sie aus dem cardassianischen Inhaftierungslager Razakan geflohen war, hatte sie sich der Abenteurerin und Archäologin Vash angeschlossen. Sito hatte nicht wirklich gewusst, was sie sonst hätte tun sollen. Für alle ihre früheren Bekannten galt die bajoranische Sternenflotten-Angehörige seit ihrer Selbstmordmission unter Captain Picard als tot. Die junge Frau wusste nicht genau warum, doch sie hatte es bisher nicht über sich bringen können, in Föderationsgebiet zurückzukehren. Nur zu gerne hatte sie das Angebot der Terranerin Vash angenommen, mit ihr zusammen auf interstellare Schatzsuche zu gehen. Es war eine angenehme Einladung zur Flucht gewesen und da die Gesellschaft der quirligen Archäologin wenige Ruhephasen kannte, hatte Sito es bisher auch verhindern können, allzu sehr über sich und ihren weiteren Weg nachzudenken.

Doch nun näherten sie sich zum ersten Mal seit zwei Jahren wieder Föderationsgebiet – schlimmer, der kleine Zwei-Personen-Fighter, den sie auf Llandasu in einem mehr oder weniger ehrlichen Spiel gewonnen hatten, befand sich im Anflug auf bajoranisches Hoheitsgebiet.

„Ja, natürlich.“ Sito wandte ihren Blick nicht von der Reflexion im Fenster ab.

„Wenn du so weiter machst, wirst du bald nichts mehr zum kämmen haben.“

Unwillig sah die Bajoranerin nun doch Vash an. „Was meinst du damit?“

„Für mich sieht es so aus, als würdest du dir die Haare eher ausreißen als kämmen.“

„Oh.“ Sito senkte die Hand, welche die Bürste hielt, und betrachtete das Instrument. Etliche ihrer langen blonden Strähnen hatten darauf einen dichten Pelz gebildet.

„Also, was ist los?“ Vash betrat nun den Raum, welcher den beiden Frauen während des Flugs als Quartier diente, und ging neben ihrer Partnerin in die Hocke. Sie hatte die Bajoranerin schon des Öfteren beobachtet, wie deren Gedanken in unbetretbare Räume schweiften. Doch heute war es besonders schlimm. Sito wirkte beinahe verloren, wie sie mit überkreuzten Beinen, eingehüllt in ihren schützenden Mantel aus langem Haar, vor dem bodentiefen Aussichtsfenster saß.

„Nichts Wichtiges“, versuchte sie abzulenken. „Die ganz normale Nervosität. Ich habe Bajor nicht gesehen, seit es frei ist.“ Mit einer entschlossenen Bewegung erhob sie sich vom Boden. Die Jahre im Inhaftierungslager hatten sie gelehrt, ihre Gefühle unter einer Maske der Unberührbarkeit zu verbergen. Von einer Sekunde auf die nächste war das junge Mädchen verschwunden und hatte der Frau Platz gemacht, die schon alles gesehen hatte.

Vash hob lediglich die Augenbrauen.

Ein sich wiederholender Signalton forderte die Aufmerksamkeit der beiden Frauen.

Sito atmete innerlich auf, als Vash sich umwandte, um zum Cockpit zurückzugehen. Sie war froh, der Inquisition der Archäologin entgangen zu sein. Vash war nicht unbedingt die mitfühlendste aller Personen, sie tendierte dazu, nirgendwo Probleme zu sehen. Ein Luxus, den man sich leisten konnte, wenn man zu niemandem gehörte – weder beruflich noch von Geburt. Sie hätte niemals verstanden, was in der Bajoranerin vor sich ging.

Die Bürste landete auf einer der Kojen, als Sito Vash zum Cockpit folgte.

Die Terranerin hatte den Annäherungsalarm inaktiviert und von Autopilot auf manuelle Steuerung umgeschaltet.

„Hier wären wir.“ Auf dem Monitor zeigte sich gegen die Strahlen B’havaels nun die eigenwillige Schönheit der ehemaligen cardassianischen Erzaufbereitungsstation. „Lange nicht mehr gesehen.“

Sito setzte sich in den Co-Piloten-Sessel. Sie versuchte, das ungute Gefühl zu unterdrücken, das sie bei diesem Anblick beschlich. Sie hatte in ihrer Gefangenschaft zur Genüge cardassianische Architektur kennen und hassen gelernt. Es fiel ihr schwer, diese Station unvoreingenommen zu betreten, obwohl sie wusste, dass sie nun unter der gemeinsamen Verwaltung von Bajor und der Föderation stand – oder gerade deswegen.

Sie schob diese Überlegungen beiseite und öffnete einen Kommunikationskanal. „Dorado an Deep Space Nine. Wir erbitten Landeerlaubnis.“

Nach dem Transfer einiger Identifikationsdaten ihres Raumers wurde ihnen eine Andockschleuse zugewiesen, die Leitstrahlen der Raumstation übernahmen den letzten Teil des Weges.

Vash lehnte sich im Sessel zurück. „Scheint ziemlich viel los zu sein hier.“ Sie deutete mit dem Finger auf den Monitor. Die Pylonen waren beinahe vollständig besetzt. Im Orbit um die Station konnten einige Schiffe ausgemacht werden, welche wahrscheinlich dort warteten, während ein Teil der Mannschaft auf der Station weilte.

„Man merkt, dass der Krieg vorbei ist. Hier geht es wieder zu wie im Bienenstock.“

Ein leichtes Zittern lief durch das kleine Schiff und die mechanische Computerstimme informierte die Neuankömmlinge, dass sie sich nun zu den Schleusen begeben konnten.

Vash erhob sich aus ihrem Sessel und winkte Sito aufmunternd zu. „Na komm, lass uns in Erfahrung bringen, was dieser Ferengi von uns möchte.“

* * *


Aus Richtung des Planeten näherte sich ein weiteres Schiff der Station. Der bajoranische Regierungstransporter pflügte seinen Weg gemächlich durch das Nichts, welches die beiden Stätten bajoranischer Administration verband. Es war eines der größten Schiffe, welche in der langsam wieder anlaufenden Produktion der Schiffswerften auf Penraddo gebaut worden waren, jedoch beinahe vollständig waffenlos.

Ein klassisches Symbol für den Planeten selbst: Groß, von künstlerischer Schönheit und ohne Verteidigung. Premierminister Shakaar Edon schüttelte den Kopf über sich selbst. „Ob ich das jemals werde ablegen können?“

„Was ablegen?“ Seine junge cardassianische Frau schritt neben ihm den Korridor zu einem der Konferenzräume entlang.

Shakaar wandte den Kopf. Er hatte nicht bemerkt, dass er laut sprach. „Mehreres“, bemerkte er mit einem beinahe entschuldigenden Lächeln. „Erstens fühle ich mich unwohl auf Schiffen. Ich brauche festen Boden unter den Füßen. Irgendwie ... traue ich diesen Dingern nicht.“ Er umfasste das Material, welches ihn vom Tod im All trennte, mit einer ausladenden Armbewegung. „Und dann ertappe ich mich immer wieder bei der Überlegung, dass es nahezu ideal wäre, dieses Schiff hier anzugreifen. Bajor hätte mit einem Schlag die geistliche und politische Führung verloren. Früher hätten wir niemals so viele Führungspersonen an einem so unsicheren Ort zusammen gebracht.“

Serina berührte seinen Arm. „Im Augenblick gibt es niemanden mehr, der sich in Zielübungen auf die bajoranische Regierung versucht, und dieses Schiff ist eine solide Konstruktion.“

Er lachte auf. „Ich weiß das – oder zumindest ein Großteil von mir weiß es eigentlich ...“

„Für den Rest bin ich da, um dich zu beschützen.“

Er hielt im Schritt inne und betrachtete ihr lächelndes Gesicht. „Danke, jetzt fühle ich mich schon sehr viel sicherer. Wenn ich weiß, dass du mit brennendem Schwert über mir wachst, kann mir natürlich nichts passieren.“

Sie hatten die Tür des Konferenzraums erreicht.

Die Priester hatten schon Platz genommen. Shakaar verneigte sich beim Eintreten vor dem geistlichen Oberhaupt Bajors, seine Frau tat es ihm gleich.

An Kai Sarius‘ Seite saß Vedek Gawen. Der neue Kai hatte seinen ehemaligen Konkurrenten um das oberste geistliche Amt zu seinem Berater gemacht, dem Grundsatz folgend, dass ein potentieller Gegner leichter zu überwachen war, wenn er sich stets in der Nähe aufhielt.

Beide Männer hielten ihren Blick erst auf die Cardassianerin gerichtet, bevor sie sich dem Premierminister zuwandten. Die Gegenwart Serinas war nach wie vor ein Thema, welches die Gemüter auf Bajor bewegte. Das Prophetenurteil während der Hochzeit hatte die Wogen ein wenig geglättet, aber nicht das Misstrauen beseitigt. Acht Jahre nach Ende der Besatzungszeit war der Anblick eines cardassianischen Gesichts in ihrer Mitte immer noch etwas, das nicht jeder Bajoraner ohne weiteres ertragen konnte.

Shakaar reagierte automatisch, indem er die Hand ausstreckte und seine Frau zärtlich am Oberarm fasste. Diese unbewusst trotzige Demonstration veranlasste den Kai zu einem Lächeln. Tatsache war, dass Shakaar seine Frau zu vielen Treffen nicht deshalb mitbrachte, um seine Gesprächspartner zu schockieren, sondern weil es ihm sicherer erschien, sie in seiner Nähe zu wissen. Er kannte die Gemüter seiner Landsleute und fürchtete stets auf die eine oder andere Weise um die Gesundheit der Cardassianerin.

Sie setzten sich nun ebenfalls. Der Tradition folgend ergriff Shakaar die Kanne, welche in der Mitte des runden Tischs über einem Meer kleiner Kerzen stand. Indem er den Dienst eines Prylaren ausführte, ehrte er den Rang der Geistlichen. Er schenkte Tee in die bereitstehenden Becher ein und reichte sie der Reihe nach den am Tisch Anwesenden.

„Ihr seid Euch sicher, dass Siskos Kind kein gewöhnlicher Terraner sein wird?“ eröffnete Shakaar das Gespräch, nachdem er sich mit der letzten Tasse Tee in seinem Sessel zurückgelehnt hatte.

„Ja.“ Vedek Gawen wirkte vollkommen überzeugt, während Kai Sarius sich der Vermutungen nicht völlig sicher zu sein schien. „Schon in der Gegenwart der Mutter ist eine starke Aura zu spüren, wie ich sie noch bei niemandem erlebt habe.“

Sarius nickte nachdenklich. Anders als Gawen hatte er noch nie mit Kasidy Yates gesprochen, doch er kannte den orthodoxen Geistlichen als einen ausgesprochen rationalen Mann, der nicht zu Fantastereien neigte. „Es mehren sich die Zeichen, dass etwas geschehen wird. Es ist kein Zufall, dass zu diesem Zeitpunkt der Bareil Antos des anderen Universums zu uns gekommen ist ...“

Gawens Blick bei der Erwähnung des Namens zeigte deutlich, was er vom Auftauchen des Lebenskünstlers hielt, der die Meinung der Vedek-Versammlung zu Gunsten Sarius‘ beeinflusst hatte. Für ihn war zumindest die Gegenwart dieses Diebes lediglich ein unglückliches Missgeschick.

„... ebenfalls haben sich die Visionen von B’hala gemehrt.“

Shakaar nickte. Die Ausgrabungsstätte der mystischen Stadt unter der Ir‘Abehr Verwerfung war zum Teil wieder eingebrochen. Während der Bedrohung durch den Krieg zwischen dem Dominion und der Föderation hatte eine erneute Ausgrabung nicht auf der Prioritätenliste gestanden, doch nun hatte der Kai die Wiederaufnahme der archäologischen Arbeiten angeordnet. Er war sich nicht sicher, um was genau es sich handelte, jedoch glaubte er, dass sich eine Antwort auf die Visionen dort unter Erde und Sand befand.

„Und selbst, wenn die Zeichen nichts mit der bevorstehenden Geburt des Kindes des Abgesandten zu tun haben, empfinde ich es als angebracht, Mutter und Kind zu segnen. Benjamin Sisko hat uns und seiner Föderation gezeigt, wozu ein Terraner fähig ist, wenn er von den Propheten berührt wird. Er hat die Meinung vieler geändert, die uns als abergläubisch und rückständig angesehen haben. Wenn man es genau nimmt, dann hat er die Existenz unserer Götter bewiesen. Wir schulden seinem Kind den nötigen Respekt.“

Shakaar lächelte ein wenig in seinen Tee hinein. Er selbst hatte Sisko in erster Linie immer als Sternenflotten-Offizier empfunden, es war ihm schwer gefallen, mehr in dem Terraner zu sehen. Doch für die Geistlichkeit Bajors war der Mann nach wie vor der Abgesandte der Propheten. „Ich habe allerdings gehört, dass die Mutter überhaupt nichts mit unserer Religion zu tun haben möchte.“

„Ich denke, auch sie wird sich nicht ewig den Propheten verschließen können.“ Diese pragmatische Ansicht stammte von Vedek Gawen. „Wenn ihr ein Weg vorgegeben ist, wird sie ihn gehen müssen – ob sie das nun möchte oder nicht.“

* * *


Mittlerweile hatte sie sich daran gewöhnt, dass sie die Blicke der Besucher auf sich zogen. Das Handtuch über der Schulter, die schulterlangen Haare in einem Zopf zurück gebunden und in einen hautengen Trainingsanzug gekleidet kam Colonel Kira die Treppe von den Holosuiten ins Quark’s hinunter. Hinter ihr ging – nicht weniger verschwitzt – Commander Benteen. Die sonst streng zurückgesteckten Haare hingen lose aus ihrem geflochtenen Zopf und schenkten ihren Zügen eine angenehme Weichheit. Beide Frauen hielten Spring-Ball Schläger in den Händen.

Kira hatte die gemeinsamen Gefechte lieben gelernt. Nicht nur dass Benteen dank ihrer Kompromisslosigkeit die ideale Trainingspartnerin darstellte. Während und nach dem Spiels verschwand auch regelmäßig die Reserviertheit, welche die Terranerin im Dienst ihrer Vorgesetzten gegenüber zeigte. Kira hatte sich bisher nicht wirklich über Benteens Verhalten beschweren können, jedoch bekam sie es unterschwellig zu spüren, dass die Frau immer noch andere Vorstellungen von ihrer Karriere hatte. Doch wann immer sie ihre Uniformen und Rangabzeichen gegen die Trainingseinteiler tauschten, kam eine andere Benteen zum Vorschein – eine Frau, die Kira weit mehr zusagte.

„Wir sollten uns beeilen“, bemerkte sie über ihre Schulter zurück. „Der Transporter ist für 0900 angekündigt, und ich möchte nicht zu spät kommen, um unserem neuen Kai die Ehre zu erweisen.“

„Kein Problem“, bemerkte Benteen. Kira registrierte mit Genugtuung, dass auch die Terranerin beim Sprechen leicht keuchte. „Wir haben noch eine halbe Stunde, mehr als genug Zeit.“

Sie hatten das Ende der Wendeltreppe erreicht und gingen nun nebeneinander auf den Ausgang zu. „Wenn es nicht zu viel von Ihnen verlangt ist“, bemerkte Kira leichthin, „wäre es mir lieb, wenn Sie für einen Moment Ihre Vorbehalte gegen unsere Religion vergessen könnten und den Kopf bei Kai Sarius‘ Ankunft ein wenig neigten.“ Sie erwartete eine spöttische Bemerkung auf ihren Vorschlag hin. Die Kommandantin hätte ihrem Ersten Offizier einen Befehl erteilen können, doch nichts lag der Bajoranerin ferner als anderen eine bestimmte Einstellung zu Religion vorzuschreiben.

Benteen legte den Kopf schief. „In Anbetracht der Tatsache, dass Sie heute nicht ein einziges Spiel gewonnen haben, werde ich Ihnen diesen Gefallen tatsächlich machen.“

Kira hob die Augenbrauen. „Danke“, bemerkte sie ehrlich erfreut. „Ich hatte nicht mit Ihrer Kooperation gerechnet.“

„Muss heute mein sozialer Tag sein ... was schaut die so?“

Kira folgte Benteens Blick. Als die beiden Offizierinnen die Bar verließen, betraten zwei Frauen das Etablissement, es handelte sich bei ihnen ebenfalls um eine Bajoranerin und eine Terranerin.

Die Bajoranerin, eine zierliche Frau mit langem, blondem Haar war der Grund für Benteens Irritation. Sie starrte Benteen an, bis diese ihr den Blick zuwandte. Es fiel auf, dass die Frau nicht den typischen zeremoniellen Ohrschmuck trug, den sonst jeder Bajoraner zur Schau stellte. Ihre Kleidung, hohe Lederstiefel, Hemd und Hose, darüber eine beschlagene Lederjacke, entsprach ebenfalls nicht dem Bild, welches Benteen bisher von Angehörigen dieses Volkes gewohnt war.

„Kennen Sie die Frau?“ fragte sie ihre Vorgesetzte, als sie auf die Promenade hinaustraten.

Kira schüttelte den Kopf. „Nein, ich habe sie noch nie hier gesehen. Ihre Begleiterin jedoch kommt mir irgendwie bekannt vor.“ Sie hob die Schultern um anzudeuten, dass diese Überlegungen jetzt keine Rolle spielten, da hoher Besuch bevorstand.

Benteen nahm den Korridor zu ihrem Quartier, doch das Gesicht der Bajoranerin ging ihr nicht aus dem Kopf. Irgendetwas an ihr kam ihr bekannt vor. Sie konnte es nur nicht einordnen – noch nicht.



„Erde an Jaxa!“ Vash versetzte ihrer Partnerin einen leichten Stoß gegen die Schulter.

Sito fuhr herum. Unbewusst war sie im Eingang zu Quark’s stehen geblieben und hatte den beiden Frauen in Trainingsanzügen hinterher gestarrt – genau genommen, einer von ihnen. Das enge Teil betonte die weiblichen Rundungen der dunkelhaarigen Terranerin äußerst vorteilhaft.

„Wow“, sie pfiff leise durch die Zähne. „Die hat eine tolle Figur.“

Seufzend wandte Vash sich ebenfalls um. „Welche von beiden?“

„Die Rechte.“

„Die Linke hat aber einen aufreizenderen Hüftschwung ...“, Vash hakte die Bajoranerin gutmütig unter. „Können wir jetzt weiter machen?“

„Aber immer. Man wird ja mal schauen dürfen ...“

Kurz darauf fanden sich die beiden Frauen vor der Theke wieder, hinter welcher ein Ferengi lehnte. Das Kinn auf die Hand aufgestützt, blickte er verträumt in Richtung des Eingangs.

Vash verdrehte die Augen. „Der nächste.“ Sie wedelte mit der Hand vor dem Gesicht des Barkeepers. „Hallo! Stören wir bei etwas Wichtigem? Wir können gerne ein anderes Mal wiederkommen.“

Der Ferengi zeigte keinerlei Erstaunen, als er beinahe gelangweilt seine Augen von den beiden entschwindenden Offizierinnen nahm und sie den Neuankömmlingen zuwandte. Er war es gewohnt, dass seine Betrachtungen diverser Holosuiten-Benutzerinnen von Unverständigen unterbrochen wurden. Noch bevor er sah, mit wem er es zu tun hatte, bemerkte er gönnerhaft: „Mit was kann ich Ihnen dienen?“ Dann trafen seine Augen auf den spöttischen Blick der Archäologin und augenblicklich zeigte seine Miene wesentlich mehr Interesse.

„Wenn ich nicht etwas falsch verstanden habe, wollten Sie etwas von mir.“

„Vash! Meine Lieblingsgeschäftspartnerin! Ich bin hoch erfreut, Sie zu sehen. Sie haben also meine Nachricht erhalten.“ Er rief einem seiner Angestellten zu, dass dieser ihn vertreten solle, dann griff er eine Flasche aus dem Regal hinter sich und winkte der Archäologin, ihm zu folgen.

Vashs Blick fiel auf das Flaschenetikett. „Sie wollen wirklich etwas von mir.“

Erst als Quark im Eingang zum Hinterzimmer stehen blieb, um Vash den Vortritt zu lassen, bemerkte er, dass die Archäologin nicht alleine war.

„Wer ist das?“ fragte er misstrauisch.

„Meine Partnerin“, bemerkte Vash. „Sie ist vertrauenswürdig.“

Der Ferengi zischte leise. „Ich bin nicht sicher, dass ich mit vertrauenswürdigen Personen zu tun haben möchte.“

„Sie ist in Ordnung. Wir arbeiten seit zwei Jahren zusammen.“

Quark blickte zwischen den beiden Frauen hin und her. Vashs Haltung machte deutlich, dass sie erwartete, dass er Sito an der Besprechung teilnehmen ließ.

„Sie ist Bajoranerin!“

„Was soll das heißen?“ fuhr die Blonde nun auf. „Haben Sie etwas gegen Bajoraner? Dann ist das hier ein denkbar dämlicher Platz, um Ihre Bar aufzumachen.“

Der Ferengi überging ihre Bemerkung. „Es wäre mir lieber, sie würde nicht an der Besprechung teilnehmen.“

„Ich kann mir auch einige angenehmere Typen vorstellen, mit denen ich meine Zeit verschwenden möchte ...“, konterte Sito verärgert. Vash hob die Hand.

„Wenn sie draußen bleibt, dann werde ich das auch tun.“

Er hatte fast mit dieser Reaktion von Vashs Seite gerechnet.

„Meinetwegen“ , gab er schließlich nach. „Aber machen Sie mir hinterher keine Vorwürfe, wenn der Handel platzt ...“

* * *


Pünktlich als sich die inneren Schleusen öffneten, standen die Kommandantin der Raumstation und ihr erster Offizier in Galauniform zur Begrüßung bereit. Kiras Haare waren noch ein wenig feucht vom Duschen und die Uniformjacke hatte sie auf dem Weg zum Andockring angezogen. Sie fragte sich, wie Benteen es in der kurzen Zeit geschafft hatte, sich so zurecht zu machen. Die langen Haare der Terranerin waren wieder einwandfrei zurückgesteckt und geflochten. Keine Strähne saß am falschen Platz, die Uniform war tadellos. Sternenflotten-Offiziere mussten wohl in jeder Situation ihre Überlegenheit demonstrieren.

Kira hatte darauf bestanden, dass alle Senior-Offiziere anwesend waren. Außerdem hatten sich alle auf der Station diensthabenden bajoranischen Geistlichen eingefunden, um dem neuen Kai ihre Achtung zu erweisen.

Als sich die Schleusen öffneten, traten zuerst Prylaren in den Korridor hinaus, um den ohnehin schon angefüllten Gang noch ein wenig ungemütlicher zu gestalten. Erst dann erschien der Kai in der Öffnung, begleitet von Vedek Gawen.

Kira bemerkte mit Zufriedenheit, dass die Sternenflotten-Offiziere ebenso wie die Bajoraner ihre Köpfe zur Begrüßung neigten. Natürlich war es so, dass Bajor für den Eintritt in die Föderation vorbereitet werden sollte, doch in ihren Augen schadete es überhaupt nichts, wenn die Föderation ebenfalls auf Bajor vorbereitet wurde.

„Eure Eminenz, ich bin geehrt, dass Ihr diese Station besucht.“ Sie trat vor und verneigte sich noch ein wenig tiefer. „Vedek Gawen, seid auch Ihr gegrüßt.“

Kai Sarius berührte Kira an der Schulter. In der Tradition von Bareils Lehren verzichtete auch er auf die überbrachte Erfühlung des pagh über das linke Ohrläppchen. „Ich wollte schon immer einmal sehen, wie sich die Station nun unter Ihrem Kommando macht, Colonel Kira.“

Mit einem Lächeln hob sie ihren Kopf wieder. „Ich hoffe, was Ihr seht, wird Eure Zustimmung erhalten.“ Sie wandte sich zu den wartenden Offizieren um. „Darf ich meinen Offiziersstab vorstellen ...“

Sarius nickte bei jeder Nennung von Namen und Rang dem entsprechenden Offizier zu. Als Dr. Bashir an der Reihe war, lächelte der Kai. „Julian, wir haben uns lange nicht mehr gesehen.“

„Sie sind seit dem ein ganzes Stück vorwärts gekommen, Sarius, wenn ich das so sagen darf.“ Bashir reichte ihm die Hand. Er spürte Dax‘ verwunderten Blick an seiner Seite und erklärte daher: „Vor Jahren haben wir uns auf Bajor kennengelernt, da war er noch ein ganz gewöhnlicher Sterblicher.“

„Was ich jetzt immer noch bin“, konterte der Kai auf Bashirs Necken. Er bemerkte die Blicke, die zwischen dem Arzt und der Trill ausgetauscht wurden, und verstand deren Verhältnis. „Sie haben sich hier einen ganz besonderen jungen Mann geangelt, Lieutenant Dax“, erklärte er. „Halten Sie ihn gut fest.“

Ein offenes Lachen zeigte sich auf dem Gesicht der Trill. „Das werde ich, Eure Eminenz. Ich werde nicht so rasch loslassen.“

„Gut.“ Sarius wandte sich ab, um von der bajoranischen Geistlichkeit in Empfang genommen zu werden.

Es gelang Kira noch, ihm ein „wenn Ihr die Andacht im Tempel vollzogen habt, wird Commander Benteen Euch Eure Quartiere zeigen“ hinterherzurufen, dann befanden sich der Kai und sein Gefolge auch schon auf dem unvermeidbaren Prozessionszug in Richtung Promenade.

Als der Korridor wieder wesentlich begehbarer war, wandte sich Kira erneut der Schleuse zu. Dort standen nun der Premierminister und seine kleine Familie.

Mit einem spitzbübischen Grinsen blickte er den davoneilenden Priestern nach. „Ich hatte verdammtes Glück, dass du mich nur zu einer politischen Laufbahn überredet hast und nicht zu einer geistlichen.“ Mit einem Satz war er aus dem Verbindungsgang und hatte Kira zur Begrüßung umarmt, wobei er sie beinahe von den Füßen hob.

„Hör auf!“ Lachend macht sie sich von ihrem einstigen Anführer los. Sie versuchte, den missbilligenden Blick auf Benteens Gesicht und die belustigten auf den Gesichtern der anderen zu ignorieren. Stattdessen wandte sie sich an Shakaars Begleitung. Serina hielt ihre Tochter auf dem Arm und stand ein paar Schritte hinter Shakaar. Sie wirkte, als ob sie jederzeit wieder durch die Schleuse entfliehen wollte. Kira schüttelte innerlich den Kopf. Sie vermutete nach wie vor, dass die Cardassianerin bei Shakaar vor allen Dingen einen tief verwurzelten Beschützerinstinkt ausgelöst hatte. Wann immer sie die Frau gesehen hatte, hatte sie unsicher und verletzlich gewirkt.

An ihrer Seite stand eine Bajoranerin, vermutlich diejenige Frau, die sich um das Kind kümmerte, wenn die Mutter arbeitete.

„Willkommen auf Deep Space Nine.“

Shakaar nahm das Stichwort auf und winkte die Frauen aufmunternd zu sich. Er nahm die Cardassianerin in den Arm und erklärte zu den Sternenflotten-Offizieren gewandt: „Darf ich vorstellen: Meine Frau Serina und unsere Tochter Katalya. Und dies hier ist Valsera, unser guter Geist.“

Als sie schließlich den Korridor zu den Gastquartieren entlang liefen, nahm Kira Benteen zur Seite. „Tun Sie mir einen Gefallen, und sorgen Sie dafür, dass es zwischen der Familie des Premierministers und der cardassianischen Delegation zu keinen Zwischenfällen kommt. Das Beste wäre, wenn sie sich überhaupt nicht über den Weg laufen.“

Benteen zog die Augenbrauen zweifelnd zusammen, während sie leise konterte: „Und wie sollte ich das anstellen?“

Kira hob ihre Schultern, und war einmal mehr froh, dass sie nicht mehr den Posten des Ersten Offiziers innehatte. „Lassen Sie sich etwas einfallen.“

* * *


„Aber das ist blasphemisch!“

Quark rollte die Augen zur Decke, in seinem Blick variierten unzählige Versionen von‚ habe ich es nicht gleich gesagt? Er hatte die beiden Frauen ausführlich über sein Vorhaben informiert, hatte Lagepläne vorgelegt, in deren Besitz er gelangt war, hatte falsche Identifikationschips besorgt, hatte Gläser seines besten Weins geopfert – und nun das.

Vashs Blick löste sich von der Landkarte der bajoranischen Nord-West Halbinsel. Etwas verwirrt sah sie zu ihrer Partnerin hinüber.

„Was ist denn mit dir los? Ich dachte, du hast nichts mit der Religion der Bajoraner am Hut?“

Sito schien überrascht über ihren eigenen Ausbruch. „Das habe ich eigentlich auch nicht ... ich weiß nicht, warum ... das scheint mir einfach nicht richtig zu sein. B’hala ist eine heilige Stätte meines Volks, ich meine, wir können doch nicht ...“

Vash seufzte. „Ich möchte nicht grob sein, aber was glaubst du eigentlich, was wir bisher getan haben? Oft genug waren die Ausgrabungsorte heilige Stätten.“

„Aber das hier ist Bajor ...“, warf Sito lahm ein.

„Ich habe es Ihnen gleich gesagt“, konnte Quark sich nun nicht mehr zurückhalten. „Es gibt nur Ärger, wenn man Bajoraner einweiht.“ Verärgert stand er auf und begann, die Karten zusammen zu räumen. „Vergessen Sie es. Ich werde jemanden anderes finden ...“

„Halt!“ Vash beugte sich über den Tisch und hinderte Quarks Finger mit ihrer Faust am Weiterarbeiten. Mit einem erschrockenen Zischen zog der Ferengi die Hand zurück und rieb sich demonstrativ die Stelle, an welcher Vashs Faust ihn getroffen hatte. „Nicht so voreilig. Geben Sie mir ein paar Minuten mit meiner Partnerin.“

Als Quark keine Anstalten machte, sich zu bewegen, deutete die Archäologin mit dem Kinn zur Tür. „Alleine, wenn es geht.“

Der Ferengi murmelte etwas Missbilligendes vor sich hin. „Wenn Sie glauben, dass es etwas bringt.“ Er wandte sich zur Tür. In einem Nachgedanken drehte er sich noch einmal um und ergriff die halbvolle Wein-Flasche, bevor er den Raum verließ. Von außen aktivierte er ein elektronisches Störfeld, mit welchem jedes seiner Hinterzimmer ausgestattet war. Er wollte sichergehen, dass keine der beiden Frauen auf die Idee kam, den bajoranischen Sicherheitsdienst zu informieren.



„Okay, raus damit.“ Vash setzte sich vor Sito auf die Tischkante. „Was ist los?“

Die Bajoranerin öffnete ihre Hände in einer etwas unentschlossenen Geste. „Es stört mich einfach, dass der Ferengi von uns verlangt, in B’hala zu plündern, damit er bajoranisches Kunsthandwerk sonst wohin verkaufen kann.“

„Wo liegt das Problem? Du hast mir selbst gesagt, dass dich nichts nach Bajor zurückzieht, dass du deine Verbindungen hierher abgerissen hast – und vor allem, dass du nicht der bajoranischen Religion angehörst. Er hat uns gutes Geld angeboten, ich habe keine Lust, das wegen irgendwelcher vagen Gefühle in den Wind zu schießen.“

Sito lehnte sich auf dem Stuhl zurück und verschränkte die Arme vor dem Körper. „Es wäre nett, wenn du meine Gefühle respektieren würdest.“

Nun seufzte die Archäologin noch lauter als zuvor. „Ich respektiere deine Gefühle, ich würde sie nur gerne verstehen.“

„Ich weiß doch selbst nicht!“ Sito hatte Mühe, die Frustration aus ihrer Stimme zu halten. Sie fühlte sich nicht wohl in dieser Situation. Sie hatte keine Lust, Vash von den Schuldgefühlen zu erzählen, die sie stets begleiteten, weil sie nicht für die Befreiung ihres Planeten gekämpft, sondern ihm in jungen Jahren den Rücken gekehrt hatte. Das Mindeste, was sie tun konnte, war ihn von Plünderungen zu verschonen.

Doch Vash würde kein Verständnis für solcherlei Sentimentalitäten haben. Während sie dem Blick der anderen standhielt, überlegte sie fieberhaft, wie sie reagieren sollte.

„Können wir einen Deal machen?“

„Und der wäre?“

„Wenn wir etwas finden, was ganz offensichtlich großen kulturellen Wert hat, übergeben wir es der Ausgrabungsleitung und nicht dem Ferengi. Dafür schlucke ich den Rest.“

Vash betrachtete Sito nachdenklich. Die Bajoranerin hatte keinerlei archäologische Ausbildung und vermutlich wenig Wissen von ihrer eigenen Kultur. Ob ein Fund von Wert war oder nicht, würde davon abhängen, was Vash dazu sagte. Mit dieser Abmachung würde sie sich arrangieren können.

Sie streckte die Hand aus. „Abgemacht.“

Sito schlug ein, doch das ungute Gefühl im Magen blieb bestehen.