Das zweite Leben geht weiter oder Die Melodie der Erinnerung
von Quodlibet
Kapitel 3 - Die Pflicht des Captains
Chief Petty Officer Rai und Crewman Jonas Akari war das Glück der Liebe widerfahren. Die bolianische Flugdeck-Koordinatorin und der Krankenpfleger aus der Rigel-Kolonie waren seit einigen Jahren, als ihr Dienst sie auf der Enterprise zusammengeführt hatte, ein überglückliches Paar. Und ihr Glück wurde vor wenigen Wochen noch größer, als Rai ein bezauberndes, zartblaues Baby mit blonden Haaren und leicht angedeutetem Exoskelett auf der Stirn, Nase und Kinn zur Welt brachte. Selbst Beverly Crusher konnte nicht anders, als herzlich Lachen, als dieses Baby ganz wie seine Mutter nach dem ersten Schrei in ein Lächeln und fröhliches Glucksen überging. Selten hatte die Krankenstation bei einem Neugeborenen so viele Schaulustige und so entstand auch ihre Idee, andere an ihrem Glück teilhaben zu lassen.
„Sie wissen, Counselor“, sagte Akari, als Deanna im Familienquartier einmal nach der jungen Familie sah. „Wie die meisten Paare von verschiedenen Spezies haben wir keine gemeinsame Kultur, Religion oder Tradition. Aber wir möchten gerne mit einem kleinen Fest unsere Tochter als einen Teil der Crew und unter den Freunden willkommen heißen. Sie hatten alle so viel Anteil an diesem Glück."
„Das kann ich gut verstehen“, antwortete Deanna lächelnd. „Was kann ich denn dabei tun?“, fragte sie interessiert.
„Können Sie nicht Captain Picard fragen, ob er eine Feier mit Teilen der Crew erlaubt und selbst eine kleine Rede halten kann? So wie bei der Hochzeit. Meine Schwiegermutter ist noch immer gerührt, wenn sie an den Tag zurückdenkt. Und ich selbst kann den Captain wegen so etwas ja nicht gleich aufsuchen.“ Er hatte zum Schluss etwas verlegen die Stimme gesenkt.
Deanna lachte herzlich. Sie erinnerte sich gut an die Feier, an der die Senioroffiziere natürlich auch eingeladen waren und die Schwiegermutter von Akari, immer wieder laute Schluchzer der Rührung nicht hatte unterdrücken können.
„Ich werde mit dem Captain sprechen“, versprach sie.
***
Der Zeremonienmeister zu sein gehörte zu den schönsten Pflichten eines Captains. Jedenfalls empfand Picard es so. Natürlich gab es auch die besonderen Momente, wenn er ein bewährtes Crewmitglied befördern durfte. Aber letztendlich war dies etwas, das jeder Vorgesetzte durchführen konnte. Eine Beförderung war zwar etwas Besonderes, aber es berief sich nur auf einen Rang. Einen Pin mehr als andere zu haben, reichte im Grunde aus.
Aber dann gab es noch etwas, das mit der Position zu tun hatte. Captain war zwar ein Rang, aber es war vor allem die Position als kommandierender Offizier. Mit allen Privilegien und Pflichten. In der alten Tradition der Seefahrt auf der Erde. Und es war eine Pflicht, die Picard als großes Privileg ansah, Crewmitglieder in den Stand der Ehe erheben zu dürfen. Kein dienstliches Ereignis schien ihm vornehmer und erhabener.
Picard würde seine dienstliche Pflicht als Captain gerne ausführen. Zu Deannas großer Überraschung hatte sich Picard sofort und sehr gerne bereit erklärt, eine kleine Zeremonie in Form einer Namensgebung durchzuführen. Bei Hochzeiten war er immer sehr gerne bereit, als Captain auch die Zeremonie zu leiten. Bei Festen um Kinder hatte er sich meist mit einem Vorwand aus der Affäre gezogen. Aber diesmal hatte er immer wieder betont, wie wichtig eine solche Zeremonie für die Familie und die Bekannten war und wie gerne er dieser Verpflichtung nachkäme.
***
Nach einigen bewegenden Worten durch den Captain und der Möglichkeit für die Eltern, auch etwas den versammelten Gästen zu sagen, erhob Picard erneut die Stimme:
„Ich kenne eine alte, überlieferte Melodie, die schon einmal bei einer Namensgebung verwandt wurde. Ich möchte hiermit an eine seit tausend Jahren verstummte Tradition anschließen.“ Picard sah einen Augenblick in Erinnerungen versunken auf das Baby, ohne etwas zu sehen. Erst als er die erwartungsvollen Blicke aller auf sich spürte, kam er wieder in die Gegenwart zurück. Er holte zur Überraschung aller eine kleine, metallene Flöte hervor und setzte sie an die Lippen. Man hatte den Captain selbst bei den Konzerten unter Datas Federführung nie mit einem eigenen Instrument bzw. als Mitwirkenden gesehen.
Noch einmal hielt er inne: „Diese Melodie ist den Kindern gewidmet. Den Kindern der Vergangenheit und den Kindern, die unsere Zukunft sind.“
Die Verwunderung der anwesenden Gäste stieg noch weiter, war Picard doch bekannt dafür, Kindern gegenüber eher reserviert zu sein. Aber dann holte er Luft und die einfache Melodie begann, den Raum zu füllen. Die Musik sagte alles. Es gab keine Verwunderung mehr. Die Anwesenden träumten gemeinsam den Traum der Zukunft, so wie ihn schon andere tausend Jahre vor ihnen geträumt hatten. Dort auf der untergegangenen Welt.
So wurde es eine Zeremonie, die sich allen unvergessen ins Herz brannte. Und Akaris Schwiegermutter, die der Zeremonie über eine Interkommverbindung folgte, durfte wieder mit ihren lauten Schluchzern der Rührung der Feier einen ganz eigenen musikalischen Impuls geben.
Aber Picard war es, der der Zeremonie einen Rahmen gab. Nicht als Captain, sondern wie ein Verwandter: der Vater der Familie, so wie damals.
Nur diese Familie nannte sich ‘Enterprise’.
„Sie wissen, Counselor“, sagte Akari, als Deanna im Familienquartier einmal nach der jungen Familie sah. „Wie die meisten Paare von verschiedenen Spezies haben wir keine gemeinsame Kultur, Religion oder Tradition. Aber wir möchten gerne mit einem kleinen Fest unsere Tochter als einen Teil der Crew und unter den Freunden willkommen heißen. Sie hatten alle so viel Anteil an diesem Glück."
„Das kann ich gut verstehen“, antwortete Deanna lächelnd. „Was kann ich denn dabei tun?“, fragte sie interessiert.
„Können Sie nicht Captain Picard fragen, ob er eine Feier mit Teilen der Crew erlaubt und selbst eine kleine Rede halten kann? So wie bei der Hochzeit. Meine Schwiegermutter ist noch immer gerührt, wenn sie an den Tag zurückdenkt. Und ich selbst kann den Captain wegen so etwas ja nicht gleich aufsuchen.“ Er hatte zum Schluss etwas verlegen die Stimme gesenkt.
Deanna lachte herzlich. Sie erinnerte sich gut an die Feier, an der die Senioroffiziere natürlich auch eingeladen waren und die Schwiegermutter von Akari, immer wieder laute Schluchzer der Rührung nicht hatte unterdrücken können.
„Ich werde mit dem Captain sprechen“, versprach sie.
***
Der Zeremonienmeister zu sein gehörte zu den schönsten Pflichten eines Captains. Jedenfalls empfand Picard es so. Natürlich gab es auch die besonderen Momente, wenn er ein bewährtes Crewmitglied befördern durfte. Aber letztendlich war dies etwas, das jeder Vorgesetzte durchführen konnte. Eine Beförderung war zwar etwas Besonderes, aber es berief sich nur auf einen Rang. Einen Pin mehr als andere zu haben, reichte im Grunde aus.
Aber dann gab es noch etwas, das mit der Position zu tun hatte. Captain war zwar ein Rang, aber es war vor allem die Position als kommandierender Offizier. Mit allen Privilegien und Pflichten. In der alten Tradition der Seefahrt auf der Erde. Und es war eine Pflicht, die Picard als großes Privileg ansah, Crewmitglieder in den Stand der Ehe erheben zu dürfen. Kein dienstliches Ereignis schien ihm vornehmer und erhabener.
Picard würde seine dienstliche Pflicht als Captain gerne ausführen. Zu Deannas großer Überraschung hatte sich Picard sofort und sehr gerne bereit erklärt, eine kleine Zeremonie in Form einer Namensgebung durchzuführen. Bei Hochzeiten war er immer sehr gerne bereit, als Captain auch die Zeremonie zu leiten. Bei Festen um Kinder hatte er sich meist mit einem Vorwand aus der Affäre gezogen. Aber diesmal hatte er immer wieder betont, wie wichtig eine solche Zeremonie für die Familie und die Bekannten war und wie gerne er dieser Verpflichtung nachkäme.
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Nach einigen bewegenden Worten durch den Captain und der Möglichkeit für die Eltern, auch etwas den versammelten Gästen zu sagen, erhob Picard erneut die Stimme:
„Ich kenne eine alte, überlieferte Melodie, die schon einmal bei einer Namensgebung verwandt wurde. Ich möchte hiermit an eine seit tausend Jahren verstummte Tradition anschließen.“ Picard sah einen Augenblick in Erinnerungen versunken auf das Baby, ohne etwas zu sehen. Erst als er die erwartungsvollen Blicke aller auf sich spürte, kam er wieder in die Gegenwart zurück. Er holte zur Überraschung aller eine kleine, metallene Flöte hervor und setzte sie an die Lippen. Man hatte den Captain selbst bei den Konzerten unter Datas Federführung nie mit einem eigenen Instrument bzw. als Mitwirkenden gesehen.
Noch einmal hielt er inne: „Diese Melodie ist den Kindern gewidmet. Den Kindern der Vergangenheit und den Kindern, die unsere Zukunft sind.“
Die Verwunderung der anwesenden Gäste stieg noch weiter, war Picard doch bekannt dafür, Kindern gegenüber eher reserviert zu sein. Aber dann holte er Luft und die einfache Melodie begann, den Raum zu füllen. Die Musik sagte alles. Es gab keine Verwunderung mehr. Die Anwesenden träumten gemeinsam den Traum der Zukunft, so wie ihn schon andere tausend Jahre vor ihnen geträumt hatten. Dort auf der untergegangenen Welt.
So wurde es eine Zeremonie, die sich allen unvergessen ins Herz brannte. Und Akaris Schwiegermutter, die der Zeremonie über eine Interkommverbindung folgte, durfte wieder mit ihren lauten Schluchzern der Rührung der Feier einen ganz eigenen musikalischen Impuls geben.
Aber Picard war es, der der Zeremonie einen Rahmen gab. Nicht als Captain, sondern wie ein Verwandter: der Vater der Familie, so wie damals.
Nur diese Familie nannte sich ‘Enterprise’.
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