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5x13 - Apotheosis #3

von Julian Wangler

Prolog

11. Oktober 2161

Während er den Korridor hinunterging, hielt Jonathan Archer ein PADD, um die gefühlt tausendste Revision seiner Rede vorzunehmen. Kurz darauf betrat er den Vorraum, von dem aus eine Treppe hinauf zu dem erhöhten Podest führte, das im Zentrum der großen Bühne der neuen Ratskammer im Palais de la Concorde stand. Bevor Politiker mit oder ohne spitze Ohren, versehen mit Antennen oder Rüsseln dort gegenseitig das politische Ringen um den besten Weg antraten, durfte er heute den Startschuss dazu erteilen – in der Rolle des letzten Redners der Gründungsfeierlichkeiten.

Als er von seinem Handcomputer aufblickte, bemerkte er T’Pol und Phlox, die ihn bereits erwarteten. Letzterer schenkte ihm ein breites Lächeln, während Erstere ein missbilligendes Stirnrunzeln zur Schau stellte. Eine seltsame Kombination, aber zugleich vertraut wie kaum etwas anderes in seinem Leben. Das hier waren seine Freunde, mit denen er die Zukunft erkämpft hatte.

Erneut kam T’Pol auf ihn zu und begann mit vulkanischer Präzision seinen Kragen zu richten. Ganz konnte Archer sich nicht helfen, kam sich vor wie ein kleines Kind, das dabei erwischt worden war, sich zum Spielplatz wegschleichen zu wollen, während es immer noch seine Sonntagskleider trug.

„Bitte, stehen Sie still.“, sagte T‘Pol im ausladenden, traditionellen Ministergewand. Archer wusste, dass sie die Kutte bereits etliche Jahre trug, und doch würde er sie wohl immer in einer ihrer eng anliegenden Uniformen, die sie in ihrer Zeit auf der Enterprise getragen hatte, in Erinnerung behalten.

Auch, wenn sie ihren letzten Flug hinter sich hat… Wir alle sind dort geblieben.

Mit einem unwillkürlichen Augenrollen kam Archer der Aufforderung nach, wenn er auch gleichzeitig versuchte, nach dem Text auf seinem PADD zu schielen. Doch T’Pol war offensichtlich noch nicht fertig mit ihm. „Hätten Sie nicht bis zur letzten Minute gewartet, wäre Ihnen genügend Zeit geblieben, die Rede auswendig zu lernen.“

„Sie hören sich wie ein Oberlehrer an.“, murmelte er, den Blick unverwandt auf den vorbeirollenden Text gerichtet.

Archer schaute auf und bemerkte, dass Phlox ebenfalls einen Handcomputer studierte. Sein einstiger Schiffsarzt schien von dem, was er las, sehr beeindruckt zu sein.

Obwohl er wusste, dass Phlox‘ Pflichten andernorts ihn eigentlich banden, freute es Archer, dass der Denobulaner sich ein wenig Zeit genommen hatte, um die Erde zu besuchen. Es war für ihn stets etwas Besonderes gewesen, im Vorfeld großer Herausforderungen den Segen des weisen Mediziners zu erhalten, und das galt erst recht am heutigen Tag.

„Es sind Würdenträger aus achtzehn verschiedenen Welten hier.“, sagte Phlox in seinem wie immer fröhlich, aber auch euphorisch klingenden Tonfall. „Ein gutes Zeichen. Ich wäre nicht überrascht, wenn sich diese Allianz erweitern würde, bevor wir uns versehen.“ Er hielt inne, und seine azurblauen Augen richteten sich auf Archer. „Sie sollten stolz auf sich sein, Jonathan.“

Archer wedelte mit dem PADD in der Luft herum, bevor er wieder dazu überging, die Zeilen darauf zu studieren. „Das werde ich sein, wenn ich diese Rede ohne Versprecher hinkriege.“

Phlox schüttelte in gutmütigem Tadel den Kopf. „Das habe ich aber nicht gemeint.“

Archer ließ die Hand, die das PADD hielt, für einen Augenblick sinken und begegnete Phlox‘ mildem Blick. „Ich weiß, was Sie meinten, Phlox. Und dafür bin ich Ihnen dankbar. Aber es geht hier nicht um mich.“

„Warum weigern sich so viele Menschen, sich etwas als Verdienst anzurechnen, wenn Sie es verdienen?“ T’Pol wirkte leicht verärgert, zumindest für einen Vulkanier. „Es gibt Zeiten, in denen Bescheidenheit und Demut vollkommen unlogisch sind.“

Aus dem Augenwinkel bemerkte Archer eine Bewegung. Er wandte sich zu den Stufen um, die zum Podest führten, und sah einen jungen, glatzköpfigen Fähnrich, der entschlossenen Schritts die Treppe herunterkam. „Wir wären jetzt soweit, Sir.“, sagte er, nachdem er Haltung angenommen hatte.

Archer nickte dem Mann zu und entließ ihn damit. Sofort verschwand der junge Mann wieder. Zweifellos würde er sich der Abteilung anschließen, die damit beauftragt worden war, die verschiedenen Banner- und Würdenträger zu schützen, die hier den ganzen Tag über durchkommen würden, während die formelle Zeremonie zur Unterzeichnung der Föderationscharta nahte. Archer hörte, wie jenseits des Vorraums das Murmeln der Massen leiser wurde. Sie erwarteten ihn.

Ich schätze, ich habe eine Verabredung mit dem Schicksal. Zumindest ist das Schicksal heute ziemlich selbstbewusst dabei, dass ich die Verabredung einhalte.

„Nun… Auf mich warten drei Ehefrauen.“, gab Phlox von sich. „Ich werde mich zu Ihnen gesellen.“ Er trat auf Archer zu und legte ihm väterlich die Hand auf die Schulter. „Ich wünsche Ihnen viel Glück, Jonathan. Aber davon hatten Sie immer einen enormen Vorrat.“ Phlox‘ warmherzliches Lächeln verzog sich zu unmöglicher Breite.

„Danke, Phlox.“, erwiderte Archer, dann sah er zu, wie sich der Denobulaner aus dem Vorraum zurückzog. Er wandte sich T’Pol zu und bedachte die schöne Außerirdische mit einem schiefen Grinsen. „Sie sollten jetzt besser auch gehen. Immerhin wollen Sie doch nicht versäumen, wie ich das vermassele.“

T’Pol wirkte – trotz der massiven politischen Erfahrung, die sie in den vergangenen Jahren hatte sammeln können – ungewöhnlich unbehaglich. Etwas hielt sie zurück. Ja, beinahe schien sie sich zu fürchten. „Ich werde besser hier unten bleiben, wenn es Ihnen nichts ausmacht.“

„Sie mochten solche Massenaufläufe noch nie, hab‘ ich Recht?“, sagte Archer lächelnd. Er nickte verständnisvoll.

Zeit für den Aufstieg. Mit dem PADD in der Hand wandte er sich den Stufen zu und begann sie eine nach der anderen zu nehmen, während er gleichzeitig versuchte, einen emotionalen Wall in sich zu errichten, um die immer größer werdende Nervosität einzudämmen. Was würdest Du jetzt machen, Dad?, sandte er eine stumme Frage aus.

Auf einmal vernahm er T’Pols Stimme hinter sich. „Sie sehen…“ Sie stockte, als er mitten im Tritt innehielt und sich fragend zu ihr umdrehte. „…sehr heroisch aus.“, brachte sie schließlich hervor.

Archer gestattete sich, das seltene Kompliment der für gewöhnlich stoischen Vulkanierin einen Moment lang zu genießen. Er warf einen kurzen Blick die Treppe hinauf. Ein wenig können sie sich noch gedulden. Dann kehrte er zurück zu ihr in den Vorraum.

Von Angesicht zu Angesicht stand er T’Pol gegenüber. Er lächelte nicht und machte auch keinen Scherz, denn er wollte diesen Moment nicht ruinieren. Wortlos zog er sie in eine enge, dankbare Umarmung, obwohl ihm klar war, dass er damit gegen alles verstieß, was er über vulkanischen Anstand wusste.

Er war sich nicht ganz sicher, aber es schien ihm, als versuche sie die freundschaftliche Geste zu erwidern, zumindest soweit es einem Vulkanier eben möglich war, eine solch offensichtlich Demonstration von Gefühlen zu teilen. Nun, T’Pol war keine gewöhnliche Vulkanierin, darüber war er sich im Klaren.

Die Umarmung währte eine kleine Ewigkeit lang, bis Archer das wie Ozeanwellen ansteigende Rauschen der Menge wieder anschwellen hörte. Sie fragten sich, wo der letzte Sprecher des Tages blieb. Womöglich blickten sie bereits auf ihre Chronometer und wunderten sich, was aus ihm geworden war.

Als er sich sanft von ihr löste, fragte er: „Und Sie sind ganz sicher, dass Sie nicht hinaufkommen wollen?“

Ihre Augen von unendlicher Tiefe signalisierten Zustimmung, aber noch war sie zu unsicher, um sich zu einer Entscheidung durchzuringen.

„Ehrlich gesagt, würde ich Sie gerne bei mir haben. Das hier ist keine One-Man-Show, sondern wir sind ein Team. Das war schon immer so.“ Sachte nahm er sie bei der Hand – der Beweis dafür, dass er sie bei sich haben wollte. „Es gibt Zeiten, in denen Bescheidenheit und Demut vollkommen unlogisch sind.“, wiederholte er und strahlte sie an. „Na kommen Sie schon. Gemeinsam schaffen wir das.“

Ihre Züge schienen sich aufzuhellen. „So, wie in früheren Zeiten?“, fragte sie hoffnungsvoll.

„Oh ja. So wie früher, T‘Pol.“

Die Vorstellung beginnt., dachte er. Zusammen mit T’Pol trat er hinaus in die Ratshalle, einem neuen Tag entgegen, während ihn tosender Applaus umfing.

Der Weg hierher, erinnerte er sich, war lang und schmerzhaft gewesen, und er begann mit dem sicheren Untergang der Welt, wie Jonathan Archer, wie die gesamte Menschheit sie gekannt hatte.