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STD 03 - Hinter des Maske (2)

von Adriana

Kapitel 10 - Befehl ist Befehl

Genau vierundzwanzig Stunden, nachdem der Captain auf die CASABLANCA zurückgekehrt war, materialisierten Prescott und Lairis auf der Brücke der DEFIANT. Prescotts gesamtes Sicherheits-team war auf DEEP SPACE FOUR zurückgeblieben.
„Warum seid ihr nur zu zweit?“ fragte Kira erstaunt.
Lairis zögerte. Sollte sie ihrer Freundin die Wahrheit sagen? Sie entschied sich dagegen. Das Schicksal der Föderation stand auf dem Spiel, wenn diese Informationen in falsche Hände gerie-ten! „Wir haben an der CASABLANCA schwere technische Mängel festgestellt. Trotz Generalüber-holung.“ Da musste Lairis nicht einmal lügen. „Darum hab ich beantragt, sie außer Dienst stellen zu lassen. Was Layton sagt, ist mir egal! Ich muss das Schiff zur nächsten Werft fliegen und aus Sicherheitsgründen hab ich den größten Teil der Crew evakuiert.“
„Sie möchten also unser Blut testen, Captain?“ vergewisserte sich Lieutenant Commander Worf, der auf der DEFIANT das Kommando innehatte. Die Stimme des Klingonen klang wie im-mer tief und grollend.
Lairis nickte und gab Prescott einen stummen Befehl. Doch bevor der Sicherheitschef mit ei-nem Injektor an ihn herantreten konnte, zog Worf einen klingonischen Zeremoniendolch aus sei-nem Waffengürtel und ritzte sich damit langsam – ja fast genüsslich – in die Handfläche. Dunkel-rotes Blut tropfte auf den Fußboden.
Prescott verzog missbilligend das Gesicht. „Vielen Dank, Commander, aber ich hätte eine we-niger archaische Methode vorgezogen.“
Worf knurrte.
Die anderen Besatzungsmitglieder zeigten sich alle sehr kooperativ.
„Major Kira, Sie vermissen nicht zufällig ein Runabout?“ fragte Prescott betont beiläufig.
„Ja, Lieutenant Gray hat es. Er ist damit in den Urlaub geflogen.“
„Das wäre dann wohl unser glorreicher Überlebender“, bemerkte Prescott sarkastisch.
Er und Lairis beamten mit den Blutproben zurück auf die CASABLANCA, wo Lairis befahl, sofort Verbindung mit der LAKOTA aufzunehmen.
„Wollen Sie damit sagen, es befinden sich keine Wechselbälger auf der DEFIANT?“ hakte Ben-teen nach, als Lairis ihren Bericht beendet hatte.
„Ganz recht“, erwiderte sie. „Captain, ich habe alle Blutproben von der Crew – nun ja, bis auf die von Commander Worf, die leider im Teppich versickert ist ...“
„Ihr Befehl lautete, das Schiff abzufangen – nicht, Bluttests bei der Crew durchzuführen!“ kon-terte Benteen scharf. „Und diesen Befehl werden Sie auch durchführen – oder wir übernehmen es und Sie landen in einer Zelle.“
„Wir schießen nicht auf ein Schiff der Sternenflotte!“ entgegnete Lairis und betonte dabei jedes einzelne Wort. „Und das sollten Sie auch nicht tun, Captain. Glauben Sie mir – mit dieser Schuld werden Sie nicht fertig.“
„Sie machen sich Sorgen um mein Gewissen? Wie rührend!“ erwiderte Benteen sarkastisch. „Aber was mich angeht, ist die DEFIANT kein Schiff der Sternenflotte.“
„Das ist sie sehr wohl!“ erwiderte Lairis mir einer Intensität, die fast jeden überzeugt hätte.
Doch Benteen zeigte sich weiterhin unbeeindruckt. „Wieso sollte ich davon ausgehen, dass Sie die Wahrheit sagen? Sie haben sich von Sisko, dem Wechselbalg manipulieren lassen! Ihr Erster Offizier ist ein Fall fürs Kriegsgericht! Das spricht nicht unbedingt für Ihre Glaubwürdigkeit, Cap-tain.“
„Sie wollen mir nicht glauben? Gut, aber dann glauben Sie wenigstens Ihren eigenen Augen!“ entgegnete Lairis und legte ihre gesamte Autorität in diese Worte. „Sobald Ihr Schiff in Trans-porterreichweite ist, beamen wir die Blutproben auf Ihre Brücke.“
„Und wie wollen Sie das bewerkstelligen, wenn unsere Schilde hochgefahren sind?“ spottete Benteen. „Sie glauben doch nicht etwa, wir nähern uns der DEFIANT mit runtergelassenen Schutzschilden! Tut mir Leid, Captain – aber Sie haben nichts gesagt, was mich dazu bringen könnte, eine Befehlsverweigerung zu begehen.“
Dann wurde die Verbindung abgebrochen.
„Verdammter Mist!“ fluchte Lairis inbrünstig. Sie war jetzt nicht nur gezwungen, ihren fragwür-digen Plan auszuführen. Benteen hatte sie auch noch zutiefst gedemütigt.
„Niemand hat erwartet, dass Benteen ihre Meinung ändert“, beruhigte sie Fähnrich Vixpan.
„Ihr Vertrauen in meine diplomatischen Fähigkeiten ehrt mich wirklich“, gab sie ironisch zurück.
Vixpan schüttelte den Kopf. „Wir zweifelten nicht an Ihren Fähigkeiten, Captain, sondern an Benteens Flexibilität.“
„Irgendwie kann ich sie sogar verstehen“, murmelte Lairis.
„Und wenn wir jemanden in einem Shuttle mit den Blutproben zur LAKOTA rüber schicken?“ schlug Vixpan vor.
„Zu spät. Die DEFIANT ist jetzt in Feuerreichweite. Benteen wird ihre Schilde auch nicht senken, um ein Shuttle von uns an Bord lassen.“
„Also Plan B“, schlussfolgerte Prescott mit dumpfer Stimme. Er fühlte sich ausgelaugt, unsicher … aber nicht, weil der Versuch, Benteen zu überzeugen, fehlgeschlagen war. Nein, allmählich dämmerte ihm, dass seine Karriere, auf die er so stolz war, eben ein jähes Ende gefunden hatte. Nun gab es kein Zurück mehr. Die Erkenntnis war erschreckend.
„Sie haben das einzig Richtige getan“, lobte Fähnrich Vixpan, als hätte er Prescotts Gedanken erahnt. Dabei sah er erst ihn und dann Lairis an. „Ich muss Ihnen die Haare ablecken, Captain, Commander.“
Die Kommandantin lächelte. Sie wusste, dass „Haare ablecken“ beim Volk der Axanati als Geste höchsten Respekts galt – dennoch war sie froh, dass es Vixpan bei der verbalen Andro-hung beließ. „Ich kann nur ahnen, wie schwer es Ihnen gefallen ist, sich den Befehlen eines Ad-mirals zu widersetzen, Commander“, sagte sie zu Prescott. „Was Sie für mich riskiert haben, ist eigentlich nicht wieder gut zu machen. Ich kann lediglich die Verantwortung auf mich nehmen … wenn ich diesen Irrsinn überlebe.“
„Das wollen wir doch hoffen!“ Prescott lächelte aufrichtig. „Und ich für meinen Teil gehe lieber in den Knast, als schon wieder für den Tod unschuldiger Menschen verantwortlich zu sein. Ein zweites Mal verkrafte ich das nicht.“

***

Captain Benteen verdrängte ihre Zweifel. Sie schob sie in eine dunkle Ecke ihres Bewusstseins ab – so wie man einen Haufen Dreck sorglos unter ein Möbelstück schob, wenn man keine Lust hatte, ihn aufzukehren. Admiral Layton mochte ein kluger Mann und ein hervorragender Offizier sein, doch möglicherweise schoss er über das Ziel hinaus ... Und Lairis war so überzeugt, im Recht zu sein, dass ihre Anschuldigungen vielleicht doch ein Körnchen Wahrheit enthielten. Ben-teen seufzte. Hätte man sie noch vor einem Jahr gefragt, ob sie sich jemals an einer Verschwö-rung gegen die Regierung der Föderation beteiligen würde, hätte sie dem vorwitzigen Fragesteller wohl ein paar Zähne ausgeschlagen.
Verschwörung ... In den Augen der Verfassung war Layton ein Krimineller – und sie, Captain Erica Benteen, war seine Komplizin.
Es sei denn, der Admiral hatte Recht und die Crew der DEFIANT war tatsächlich durch Form-wandler ausgetauscht worden.
Es sei denn, Benteen verweigerte seinen Befehl und kehrte augenblicklich um.
Sie schüttelte kaum merklich den Kopf. Nein, sie hatte während ihrer gesamten Laufbahn als Sternenflottenoffizier noch nie einen Befehl verweigert – und sie wollte nicht ausgerechnet in diesem Augenblick damit anfangen! Nicht jetzt, wo die Föderation so sehr von Feinden einge-kreist war wie nie zuvor. Das Dominion, die Klingonen … was die Romulaner im Schilde führten, konnte man auch nie wissen ... Alles hing nun von einer starken, funktionsfähigen Sternenflotte ab! Nein ... die Sternenflotte zu schwächen, war das Letzte, was Benteen wollte. Sie war hieß schließlich nicht Lairis oder Odo oder Kilari Kayn – oder wie diese ganzen realitätsfernen Knalltü-ten auch immer heißen mochten.
Benteen richtete ihren Blick auf den Hauptbildschirm der LAKOTA. Ein kleines, flaches Schiff, in der Form ähnlich einer abgebrochenen Speerspitze, war darauf erschienen. Die USS DEFIANT... Benteen atmete tief durch und hoffte, dass sie den Befehl, den sie jetzt geben musste, nicht ei-nes Tages bitter bereuen würde ...
„LAKOTA an DEFIANT – kehren Sie augenblicklich um oder wir eröffnen das Feuer!“

***

Sie waren lediglich durch einen schmalen Gang und Kraftfelder getrennt. Die Wachen hatten T’Liza zu Kilari Kayn gesperrt und Jerad in die Zelle gegenüber gesteckt. Nach einem langen, erschöpfenden Verhör war er in einen unruhigen Schlaf gefallen.
Kilari verstand beim besten Willen nicht, wie man in dieser Situation schlafen konnte. Ihr Sym-biont trug die Erinnerungen an fünf Leben in sich, sie hätte abgeklärt sein müssen … doch sie verwandelte sich in ein nervliches Wrack. Das Kriegsgericht war noch nicht zusammengetreten – aber wie seine Entscheidung ausfallen würde, stand außer Frage. Das Urteil „Befehlsverweige-rung“ war auf Kilari niedergestürzt wie ein schwerer Stein … und da lag der Stein, unbeweglich, und hatte ihr Schicksal festgeklopft. Sie saß in einer Arrestzelle der USS LAKOTA, Abschaum für die Sternenflotte und die Symbiosekommission der Trill. Vielleicht sogar für ihre Eltern. Obwohl sie fest davon überzeugt war, das Richtige getan zu haben.
Sie würde ein Leben lang dafür büßen müssen. Zumindest dieses Leben.
Würde es überhaupt ein weiteres geben?
Gedanken wie diese ließen Kilari ruhelos in der Zelle auf und ab marschieren, nervös auf ihrer Bank herum rutschen, mit ihren langen blonden Haaren spielen … In diesem Augenblick wickelte sie eine Strähne um ihren Zeigefinger und beobachtete T’Liza, die in Meditationshaltung auf ihrer Pritsche saß, die Augen geschlossen. Es war die vulkanische Art, mit der Belastung umzugehen. Meditieren … das konnte Kilari durchaus verstehen … aber schlafen?
„Kennen Sie Shakespeare, Lieutenant Commander?“ platzte sie unvermittelt heraus.
T’Liza öffnete die Augen und warf der jungen Trill einen leicht ironischen Blick zu. „Ich habe menschliche Literatur an der Uni von Barcelona studiert“, erwiderte die Vulkanierin – womit sie die Frage erschöpfend beantwortet hatte.
„Oh“, staunte Kilari. Sie hatte im Laufe ihrer fünf Leben schon etliche interessante Bekannt-schaften gemacht, aber T’Liza gehörte zweifellos zu den interessantesten.
„Ich ahne, worauf Sie hinaus wollen“, begann die Vulkanierin. „Das, was wir persönlich unter Gerechtigkeit verstehen und was vom Prinzip der Ethik her richtig ist, kollidiert manchmal mit Gesetzen und Vorschriften. Bei Shakespeare kommt es oft vor, dass die Helden ein tragisches Schicksal erleiden müssen, weil sie moralisch richtig handeln. Sie gehen sozusagen an den Fol-gen ihrer guten Taten zugrunde.“
„Shakespeare war ein ziemlicher Pessimist. Meinen Sie nicht auch?“
„Das bin ich auf meine Weise ebenfalls.“
Kilari hob die Augenbrauen. „Tatsächlich?“
„Tatsächlich. Wenn ich in Schwierigkeiten stecke, versuche ich mir immer auch das schlimms-te aller möglichen Szenarien vorzustellen, um mich mental darauf vorzubereiten und eventuell Auswege zu finden, bevor das Unheil wie eine Tsunami über mich weg rollt.“
Kilari lächelte. „Wahrscheinlich muss man Vulkanier sein, um bei dieser Einstellung nicht ver-rückt zu werden.“
„Zumindest führe ich ein Leben voller positiver Überraschungen.“
„Das ist wenigstens etwas … wenn man schon das gute Gefühl vermisst, das sich eigentlich einstellen sollte, wenn man das Richtige getan hat.“
„Sie sollten ihn bedauern und nicht sich selbst.“ T’Liza zeigte auf den schlafenden Jerad. „Sie haben im nächsten Leben sicher Gelegenheit, Ihre verlorene Karriere wieder aufzunehmen, und ich hab noch mehr als hundert Jahre Zeit, um neu anzufangen, falls man mich aus der Sternen-flotte wirft. Jerad ist der Einzige von uns, der wirklich etwas zu verlieren hat.“
„Ich weiß“, erwiderte Kilari ruhig. „Aber wenn die Sternenflotte mich rausschmeißt, muss ich zu-rück nach Trill, um mich vor der Symbiosekommission zu rechtfertigen. Davor hab ich Angst.“
„Wieso?“ T’Liza hob eine Augenbraue. „Trill ist Ihre Heimat – und soviel ich weiß, herrscht dort weder ein totalitäres Regime noch eine Naturkatastrophe.“
Kilari musste wider Willen lachen.
„Ist es die Erniedrigung vor der Symbiosekommission, die Sie fürchten?“ T’Liza schlüpfte au-tomatisch in die Rolle der Counselor.
Die junge Trill zögerte lange mit ihrer Antwort. „Es sind weniger meine Gefühle, sondern Kayns. Mein Symbiont …“ Sie kam nicht dazu, den Satz zu vollenden.
Plötzlich wurde das Schiff von einem Ruck erschüttert, der so heftig war, dass Kilari beinahe von der Bank fiel. T’Liza hielt sie rechtzeitig fest.
„Ich schätze, das war keine positive Überraschung, Lieutenant Commander“, lautete der zyni-sche Kommentar der Trill.
„Der schlimmste Fall muss aber nicht zwangsläufig eintreten“, meinte T’Liza. „In diesem Au-genblick ist Captain Sisko vielleicht beim Präsidenten und überzeugt ihn davon, diesem Layton endlich die Grenzen zu zeigen.“
Kilari schüttelte langsam und traurig den Kopf. Sie hatte eine Unterhaltung zweier vorüber ge-hender Offiziere aufgeschnappt, doch die Vulkanierin war offenbar in tiefste Meditation versun-ken gewesen und hatte nichts davon mitbekommen. „Sisko war zwar beim Präsidenten, aber er ... er wurde als Wechselbalg entlarvt und eingesperrt.“
„Verdammt!“ entfuhr es T’Liza und Kilari hörte zum ersten Mal eine Vulkanierin fluchen.
Sie zuckte die Schultern. „Es kann durchaus sein, dass sie den Bluttest gefälscht haben.“
„Wissen Sie zufällig, wer diesen Bluttest durchgeführt hat?“
„Captain Benteen.“
„Benteen!“ T’Liza sprach diesen Namen aus, als wäre es ein Fluch, der Pest und Cholera brachte, und die Trill wunderte sich erneut über ihre Emotionalität.
Ein weiterer heftiger Stoß erschütterte die LAKOTA … dann ein dritter. T’Lizas Miene war wie versteinert, Kilaris Blick ängstlich. Jerad wurde im wahrsten Sinne des Wortes wach gerüttelt und brummte unwillig.
Ein Knall ertönte. Kein lauter Knall, sondern vielmehr ein Puffen. Jerad hörte es nicht, die Wa-che nahm es nicht wahr, Kilari ignorierte es … nur T’Liza mit ihrem empfindlichen Gehör zuckte zusammen. Das Geräusch kam eindeutig aus ihrer Zelle!
„Ich sehe mal nach, was hier passiert ist“, sagte sie entschlossen.
„Was?“ fragte Kilari.
Wie zur Antwort strömte grünlicher Dampf aus der Wand. Eine der Gasleitungen war geplatzt.
„Es sieht aus wie Tachonin“, bemerkte T’Liza. Die Wache – ein junger, menschlicher Fähnrich – warf einen kurzen, gelangweilten Blick in die Zelle. Tachonin war für die meisten Spezies unge-fährlich. Es stank nur furchtbar.
Wäre sie nicht so sehr mit der kaputten Leitung beschäftigt gewesen, hätte die Vulkanierin das Entsetzen in den Augen der Trill bemerkt. „Tachonin?“ rief Kilari entgeistert. „Sind Sie sicher?“
„Ohne Tricorder? Natürlich nicht!“ T’Liza wandte sich abrupt zu ihrer Zellengenossin um. „Alles in Ordnung, Kilari?“
Die Trill schüttelte kaum merklich den Kopf. In ihrem Gesicht zeigte sich die blanke Panik. „Ta-chonin ist ein tödliches Gift!“ erwiderte sie tonlos. „Zumindest für Trill...“
T’Liza reagierte sofort: „Wache!“
Der Posten bewegte träge seinen Kopf. „Ja, Lieutenant Commander?“ fragte er, sichtlich desin-teressiert.
„Sie müssen sofort das Kraftfeld ausschalten!“
„Ach, und wieso? Damit Sie einen Spaziergang durch ‘s Schiff machen können?“
„Verdammt, das ist nicht witzig!“ fuhr Jerad den jungen Sicherheitsoffizier an. Plötzlich war er hellwach. „Hier ist eine Tachonin-Leitung geborsten – und Tachonin ist lebensgefährlich für Trill! Kilari stirbt, wenn Sie sie nicht sofort rauslassen!“
Das blonde Mädchen würgte und hustete, dass ihr die Tränen in die Augen traten. „Verdammt, sehen Sie nicht, was mit ihr passiert!“ schrie der Trill den Fähnrich an.
Der Wachposten warf kurz einen Blick in die Zelle. Für einen Moment wirkte er bestürzt, doch dann nahm sein Gesicht wieder einen ruhigen, distanzierten Ausdruck an. „Wie kann ich sicher sein, Sie nicht irgendeine Show abziehen, um hier raus zu kommen?“
„Hören Sie zu, wir sind Sternenflottenoffiziere und keine Schmierenkomödianten, Sie...“ Jerad schluckte alle Schimpfwörter, die ihr auf der Zunge lagen, herunter.
Kilari gab ein qualvolles Röcheln von sich. Ihre Beine knickten ein und sie ging in die Knie. Da-bei griff sie sich an die Kehle, als wollte sie das tödliche Gas mit Gewalt aus ihrer Luftröhre quet-schen. T’Liza stürzte zu ihr. „Halten Sie durch, Kilari! Wir werden Sie hier raus holen … irgendwie … Halten Sie einfach nur durch!“
Ihr Kohlinar brach zusammen, Emotionen überwältigten sie. Sie hätte beinahe vor Frust ge-schrieen, als ihr klar wurde, wie hohl und abgedroschen ihre Worte klangen. Kilari wand sich in Krämpfen. Sie war kaum noch ansprechbar.
Jerad musste zusehen, wie die junge Frau mit dem Tod rang und kämpfte gegen die Tränen der Machtlosigkeit.
Ein harter Knoten bildete sich in T’Lizas Kehle. „Bitte, Fähnrich...“ Ihre Stimme klang mit einem Mal gar nicht mehr hart und autoritär, sondern geradezu flehend.
„Tut mir leid, Ma’am, aber Captain Benteens Befehl lautete, Sie auf keinen Fall aus dieser Zelle rauszulassen.“
„Zur Hölle mit Captain Benteen und ihren idiotischen Befehlen!“ brüllte Jerad. „Oder wollen Sie schuld am Tod dieses Mädchens sein?“
„Commander, ich muss leider annehmen, dass Sie eine Gelegenheit zur Flucht …“
„Quatschen Sie nicht – lassen Sie endlich dieses scheiß Kraftfeld runter! Oder ich werde Sie eines Tages mit Ihren eigenen Eingeweiden erwürgen!“ brüllte Jerad.
T’Liza beugte sich über Kilari und strich ihr eine feuchte, blonde Haarsträhne aus dem verzerr-ten, bläulich verfärbten Gesicht. Eine sinnlose, sentimentale Geste, die dem Mädchen vermutlich nicht einmal mehr Trost spendete. „Starren Sie nicht Commander Silgon an wie ein einfältiger Selath“, herrschte sie den Wachposten an. „Helfen Sie uns endlich!“
Der Wachmann riskierte einen weiteren Blick. „Oh mein Gott!“ rief er entsetzt, als er sah, wie Kilari sich am Boden wand und verzweifelt nach Luft schnappte, das Gesicht bereits blauviolett angelaufen. Da vergaß er seine Befehle, stürzte zur nächsten Konsole und betätigte den Schalter für das Kraftfeld.
Im nächsten Moment hörte Jerad einen erstickten Schrei, aber er kam nicht von Kilari. Es war die Stimme eines Mannes … sie gehörte dem Wachposten, der mit einem schmerzerfüllten Wimmern in die Knie ging, beide Arme gegen den Unterleib gepresst.
Doch das war nicht halb so erschreckend wie der Anblick von T’Liza. Sie trug die sterbende Kilari auf den Armen, der Fähnrich wand sich zu ihren Füßen am Boden. Er krümmte sich vor Schmerzen, japste nach Luft, wie Kilari zuvor … und Jerad wurde das Gefühl nicht los, dass die Vulkanierin dafür verantwortlich war.
„Beten Sie zu der Macht, an die Sie glauben, dass dieses Mädchen überlebt!“ rief sie mit schneidender Stimme. „Anderenfalls werden Sie erfahren, wie es sich anfühlt, wenn ein Rudel von Bikaratten Ihre Gedärme frisst!“
Inzwischen waren zwei weitere Sicherheitsleute herbeigeeilt.
„Was war denn das für einen Geschrei?“ fragte einer.
„Hier gibt es einen medizinischen Notfall!“ rief Jerad. „Also, bewegen Sie Ihre Hintern her!“
Die beiden Männer gehorchten und Kilari wurde auf die Krankenstation gebeamt.
Einer der Sicherheitsoffiziere half dem jungen Wachmann auf, der andere trat unsicher an T’Liza heran. „Es gibt nur zwei Zellen auf diesem Schiff. Wir werden Sie jetzt in einem der Gäs-tequartiere unter Arrest stellen, Ma’am.“
„Wo Sie mich einsperren, ist irrelevant“, erwiderte die Vulkanierin kühl.
Jerad sah ihr nach und ein Schauer lief über seinen Rücken.